Wege zum Zweiten Bildungsweg
In ganz Deutschland lassen sich alle fünf Schulabschlüsse nachholen. Wie dies in den einzelnen Bundesländern möglich ist, was dort gefordert wird und wo Sie mehr Informationen erhalten, lesen Sie hier.
In jedem deutschen Bundesland gibt es eine Vielzahl von Einrichtungen und Bildungsinstitutionen, an denen Sie auf dem Zweiten Bildungsweg Ihren Wunsch-Schulabschluss nachholen können. Achtung: Nicht alle Einrichtungen bieten alle Abschlüsse an! Hier ein Überblick zur Orientierung:
Die Vorbereitung auf den (qualifizierenden) Hauptschulabschluss wird an Abendhauptschulen und Volkshochschulen oder per Fernkurs angeboten. Um ihn nachzuholen, sollten Sie ein bis zwei Jahre einplanen. Abendschulen bieten den Erwerb aller Bildungsabschlüsse an. Sie bilden berufstätige Erwachsene aus und weiter. Der Unterricht findet mit Rücksicht auf die Berufstätigkeit der Schülerinnen und Schüler überwiegend in den Abendstunden statt, also zwischen 18 und 22 Uhr.
Neben Abendhauptschulen gibt es Abendrealschulen und Abendgymnasien. Den Besuch eines Fernkurses bzw. einer Fernschule (E-Learning, Fernstudium) müssten Sie sich allerdings selbst finanzieren, ebenso die Lernphasen, in denen Sie unter Umständen nicht berufstätig sein können.
Als Volkshochschulen (VHS) gelten in Deutschland gemeinnützige Einrichtungen zur Erwachsenen- und Weiterbildung. Sie werden hauptsächlich von Gemeinden, Ländern sowie aus Mitteln des Bundes und der Europäischen Union getragen und müssen nur einen Teil ihrer Kosten durch Teilnehmerentgelte decken. Der Besuch von Kursen an VHS gilt daher als sehr kostengünstig.
Den Mittleren Bildungsabschluss (Realschulabschluss) bzw. die Fach(ober)schulreife bieten in Deutschland Abendrealschulen, Berufsaufbauschulen, Fachschulen und Volkshochschulen an, ebenso Fernkurse.
Die Ausbildungsgänge und Abschlüsse, die Fachschulen anbieten, sind ganz auf den beruflichen Aufstieg ausgerichtet. Diese Schulform setzt eine Berufsausbildung und in der Regel eine entsprechende praktische Berufserfahrung voraus. Vermittelt werden vertiefte berufliche und allgemeine Bildung. Ziel ist ein weiterer berufsqualifizierender Abschluss. Dabei sind die Abschlüsse mit Einrichtungen aus dem Wirtschafts- und Dienstleistungsbereich, die die Weiterqualifikationen nachfragen, abgestimmt. In Bayern nennt man Fachschulen übrigens auch Fachakademien.
Die Fachhochschulreife, die Fachgebundene und die Allgemeine Hochschulreife können an einer Vielzahl von Institutionen erworben werden: an Berufskollegs (Baden-Württemberg), Berufsoberschulen, Fachakademien (Bayern), Abendschulen, Volkshochschulen, Fernschulen, Fachoberschulen, Fachgymnasien/Beruflichen Gymnasien, Kollegs und Fachschulen.
Berufskollegs sind berufliche Bildungseinrichtungen in Baden-Württemberg, die – mit der Voraussetzung Mittlerer Bildungsabschluss - in ein bis drei Jahren zur beruflichen Erstqualifikation führen und bei einem Besuch von mindestens zwei Jahren den Erwerb der Fachhochschulreife ermöglichen. Man besucht sie in Vollzeit, in Ausnahmefällen in Teilzeit.
So genannte Kollegs, wie es sie etwa in Thüringen gibt, führen als Institute der Erwachsenenbildung binnen drei Jahren über Tagesunterricht zur Allgemeinen Hochschulreife. Voraussetzung: ein Mittlerer Bildungsabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine mehrjährige Berufstätigkeit. In Berlin etwa muss für die Aufnahme zusätzlich ein mindestens halbjähriger Vorkurs erfolgreich besucht, alternativ eine Eignungsprüfung bestanden werden.
Berufsoberschulen ermöglichen neben dem Abitur auch den Mittleren Bildungsabschluss und sind u.a. auf die Fachrichtungen Wirtschaft (Wirtschaftsoberschule), Technik (Technische Oberschule) und Soziales (Berufsoberschule der sozialen Richtung) spezialisiert.
Die bayerischen Fachakademien bereiten innerhalb von zwei bis drei Schuljahren auf eine höhere Berufslaufbahn vor. Aufgenommen wird, wer einen mittleren Schulabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung und/oder Berufstätigkeit vorweisen kann. Abgelegt wird eine staatliche Abschlussprüfung. Haben Sie die Ergänzungsprüfung bestanden, erhalten Sie von der Fachakademie die Fachhochschulreife. Bei sehr guter Gesamtnote in beiden Zeugnissen die fachgebundene Hochschulreife. Wichtig zu wissen: Die Fachakademien unterscheiden sich hinsichtlich Aufnahmebedingungen, Ausbildungsdauer und Abschlüssen. Am besten, Sie fragen bei Ihrer Wunsch-Fachakademie nach.
Auch Fachoberschulen führen zur Fachhochschulreife, bauen auf einem Mittleren Bildungsabschluss auf und umfassen in der Regel eine Unterrichtsdauer von zwei Jahren.
Ferner ermöglichen Telekollegs das Nachholen von Schulabschlüssen. Telekollegs führen berufsbegleitend binnen 16 bis 20 Monaten zur Mittleren Reife oder zur Fachhochschulreife (Bayern, Rheinland-Pfalz, Brandenburg), es gibt berufsabhängig die Schwerpunkte Technik, Wirtschaft oder Sozialwesen. Lehrbücher, Kollegtage und vor allem Fernsehsendungen vermitteln die Fachinhalte. Teilnehmer sind multimedial vernetzt.



Bundesagentur für Arbeit