Ausbildungsmarktbilanz 2015/2016: Günstige Entwicklung, aber weiterhin deutliche Ungleichgewichte

„Die Entwicklung am Ausbildungsmarkt war 2015/16 für Bewerber erneut etwas günstiger als im letzten Jahr. Gleichzeitig zeigten sich auch in diesem Jahr wieder deutliche Ungleichgewichte am Ausbildungsmarkt.“ fasste Raimund Becker, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (BA), bei der Vorstellung der Bilanz des Berufsberatungsjahres 2015/2016 zusammen.

02.11.2016 | Presseinfo Nr. 46

Von Oktober 2015 bis September 2016 wurden den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern in gemeinsamen Einrichtungen insgesamt 546.900 Berufsausbildungsstellen gemeldet, 15.900 mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Anstieg geht ausschließlich auf betriebliche Ausbildungsstellen zurück. Sie nahmen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 18.400 auf 517.800 zu. Wesentliche Gründe für diesen Anstieg dürften die stabile wirtschaftliche Situation sowie die intensivierte Zusammenarbeit der BA mit den Betrieben sein.

Die von Seiten der Kammern bislang vorliegenden Daten zu den 2016 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen sprechen für eine stabile Entwicklung. Nach den Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, des Handwerkskammertages sowie der Kammern der Freien Berufe wurden bis zum 30. September 2016 insgesamt 474.700 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen. Das waren rund 200 mehr als vor einem Jahr.

Die Zahl der gemeldeten Bewerber fiel trotz deutlich rückläufiger Schulabgängerzahlen ähnlich hoch aus wie im Vorjahr. Seit Beginn des Beratungsjahres am 1. Oktober 2015 haben insgesamt 547.700 Bewerber die Ausbildungsvermittlung der Agenturen und der Jobcenter bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle in Anspruch genommen. Das waren 3.200 weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Entwicklung bei den gemeldeten Bewerbern wird vor allem durch die rückläufige Zahl der Schulabgänger mit Haupt- und Realschulabschluss beeinflusst. Dieser Effekt wird aber durch eine zunehmende Zahl von Bewerbern mit Fachhochschul- oder Hochschulreife gedämpft. Auch die Zuwanderung geflüchteter junger Menschen wirkt sich stabilisierend auf die Bewerberzahl aus. Von Oktober 2015 bis September 2016 waren 10.300 Bewerber gemeldet, die nach Deutschland geflüchtet waren und nun mit Unterstützung einer Arbeitsagentur oder eines Jobcenters eine Berufsausbildung suchten.

Rein rechnerisch zeigten sich Angebot und Nachfrage am Ausbildungsmarkt ausgeglichen. So kamen bundesweit auf 100 gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen 106 gemeldete Bewerber. Gegenüber dem Vorjahr hat sich auch diese Relation leicht verbessert (damals 110).

Es bestehen aber weiterhin erhebliche regionale, berufsfachliche und qualifikatorische Ungleichgewichte, die zu ganz unterschiedlichen Chancen beitragen. Regional betrachtet gab es in Bayern, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Baden-Württemberg und im Saarland deutlich mehr Ausbildungsstellen, als Bewerber gemeldet waren. Im Gegensatz dazu fehlten betriebliche Ausbildungsstellen vor allem in Berlin, Nordrhein-Westfalen, Hessen und in Niedersachsen.

Bis zum Bilanzzeitpunkt des Beratungsjahres am 30. September 2016 gelang es auch aufgrund dieser Disparitäten nicht allen Bewerbern, einen Ausbildungsplatz zu finden. Gleichzeitig blieben auch zahlreiche Ausbildungsstellen unbesetzt.

So waren am Ende des Berufsberatungsjahres 20.600 Bewerber noch unversorgt, etwa so viele wie vor einem Jahr (-200). Damit blieben 4 Prozent der gemeldeten Bewerber ohne Ausbildungsstelle oder alternatives Angebot.

Wie im Vorjahr befand sich am 30. September rund jeder zweite gemeldete Bewerber in einer Berufsausbildung (51 Prozent). 17 Prozent der Bewerber haben sich für einen weiteren (Berufs-)Schulbesuch, ein Praktikum oder ein Studium entschieden und 3 Prozent für eine geförderte Qualifizierung wie eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme oder eine Einstiegsqualifizierung. Weitere 6 Prozent haben eine Arbeit aufgenommen. Der Verbleib ist damit ähnlich wie im Vorjahr.

Insgesamt 43.500 Ausbildungsstellen waren am 30. September 2016 noch unbesetzt. Gegenüber dem Vorjahr waren das 1.900 mehr. Besonders schwer zu besetzen waren zum Beispiel Ausbildungsstellen im Lebensmittelverkauf, in der Gastronomie und Hotellerie, in Reinigungsberufen, im Bäcker- und Fleischerhandwerk, im Frisörhandwerk sowie in Bau- und Ausbauberufen. Die Zahl der noch unbesetzten Ausbildungsstellen übersteigt die Zahl der noch unversorgten Bewerber um 22.900 (Vorjahr 20.800).

Neben den unversorgten Bewerbern gibt es 60.100 Bewerber, die zum 30. September zwar in eine Alternative eingemündet sind, ihren Vermittlungswunsch in
eine duale Ausbildung jedoch aufrechterhalten. Das waren ähnlich viele wie im Vorjahr (-200).

Für diese sowie die noch unversorgten Bewerber werden die Vermittlungsaktivitäten fortgesetzt. Außerdem melden sich auch jetzt noch junge Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen (wieder) auf der Suche nach einer Ausbildung sind. Auch Betriebe melden Ausbildungsstellen, die (wieder) frei geworden sind.

Weitergehende statistische Informationen finden Sie im Internet unter statistik.arbeitsagentur.de > Ausbildungsstellenmarkt.

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