20.07.2021 | Presseinfo Nr. 44

Arbeitsmarkt erholt sich, aber nicht alle profitieren

„Es hätte noch deutlich schlimmer kommen können. Das Kurzarbeitergeld hat als Schutzschirm für die Wirtschaft viele Arbeitsplätze gerettet“, beschrieb Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster, im Gespräch mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Daniel Hagemeier den Einfluss der Corona-Pandemie. Der Arbeitsmarkt im Kreis Warendorf erhole sich derzeit zunehmend, sagte Fahnemann, wies aber zugleich darauf hin, dass nicht alle gleichermaßen von der Entwicklung profitierten.
 

Dazu, dass die Pandemie nicht stärkere Einbrüche verursachte, habe besonders das Instrument der Kurzarbeit beigetragen, unterstrich Fahnemann. So waren im Januar, während des zweiten Lock-Downs mehr als 10.000 Beschäftige im Kreisgebiet in Kurzarbeit. „Das sind 10.000 Arbeitsverhältnisse, die so gesichert werden konnten“, so der Agenturchef.

Aktuell stehen die Zeichen auf Entspannung: Im Juni waren im Kreisgebiet 7.415 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, 1.203 weniger als im Juni vor einem Jahr. Das entspricht einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um 14 Prozent. „Die Arbeitskräftenachfrage ist mit den weiteren Lockerungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie kräftig angesprungen. Das hat für eine spürbare Erholung am Arbeitsmarkt gesorgt“, erklärte Fahnemann. Zwar liegt die Arbeitslosigkeit nach wie vor über dem Niveau vor der Corona-Krise, aber nach und nach kehre eine normale saisonale Entwicklung zurück, führte er aus.

Daniel Hagemeier zeigte sich erleichtert, dass viele Menschen eine neue Beschäftigung gefunden haben. Besonders positiv sei der Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit. Im Juni waren 658 junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet, 185 oder 22 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. „Die jungen Leute werden gebraucht, denn der demografische Wandel hat bereits eingesetzt“, sagte Hagemeier. Der Agenturleiter stimmte zu: „Die Fachkräftesicherung ist nach wie vor eine Herausforderung, auch wenn die Pandemie das Thema zuletzt etwas in den Hintergrund gerückt hat“. Daniel Hagemeier betonte in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit von Qualifizierungen und verwies auf Unterstützungsmöglichkeiten: „Mit Blick auf den Demografischen Wandel und den Fachkräftebedarf unterstützt die Landesregierung Anstrengungen zur beruflichen Weiterbildung. Der Bildungsscheck, gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, richtet sich gleichermaßen an Beschäftigte und Unternehmen.“

Mit dem Anspringen der Konjunktur suchten die Arbeitgeber in der Region wieder neue Mitarbeiter, vor allem aber ausgebildete Fachkräfte. Insgesamt 3.702 offene Stellenangebote waren im Juni bei der Arbeitsagentur für den Kreis Warendorf gemeldet, 979 mehr als im Vorjahresvergleich. Zwei Drittel der Stellenangebote richten sich an Kandidaten mit einer Berufs- oder Hochschulausbildung.

„Das zeigt zugleich, wo es problematisch wird“, erläuterte Fahnemann: „Menschen, die geringe Qualifikationen mitbringen und vielleicht sogar bereits vor der Pandemie arbeitslos waren, haben es am Arbeitsmarkt schwer“. Das spiegele sich auch in der gestiegenen Langzeitarbeitslosigkeit. Zuletzt waren 3.314 Langzeitarbeitslose gemeldet. Inzwischen beträgt der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen arbeitslos gemeldeten Personen 45 Prozent, eine Tatsache, die beide Gesprächspartner mit Sorge betrachten. „Hier bedarf es besonderer Anstrengungen aller Partner am Arbeitsmarkt, um von längerer Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen wieder eine neue Perspektive zu geben“, sagte Fahnemann. Auch Daniel Hagemeier sieht hierin eine wichtige Aufgabe: „Ich werde dieses Thema weiterhin mit Nachdruck im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landtags verfolgen“.