30.11.2021 | Presseinfo Nr. 73

Der Arbeitsmarkt im November

Trotz der anhaltenden Corona-Krise verzeichnet die Agentur für Arbeit Ahlen-Münster weiterhin eine außergewöhnlich hohe Arbeitskräftenachfrage der Unternehmen und Verwaltungen in Münster und im Kreis Warendorf. Im November waren insgesamt 7.543 offene Arbeitsstellen in der Jobbörse der Arbeitsagentur gemeldet, und damit 1.644 mehr als im November 2019, vor der Corona-Pandemie.
 

Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen wirkte sich positiv auf die Arbeitslosigkeit aus. So waren im Bezirk der Arbeitsagentur Ahlen-Münster im November insgesamt 14.347 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, 475 weniger als im Oktober. Damit lag die Arbeitslosigkeit erstmals seit Pandemiebeginn wieder unter dem Vorkrisenniveau. Im November 2019 lag die Zahl der Arbeitslosen noch bei 14.748 Personen, 401 mehr als im aktuellen Monat. Die Arbeitslosenquote betrug zuletzt 4,3 Prozent und lag damit um 0,1 Prozentpunkte unter dem Vormonatswert und um 0,2 Prozentpunkte niedriger als im November 2019.

Der Arbeitsmarkt in Münster

Arbeitskräftenachfrage auf Höchststand

„Selbst vor Beginn der Corona-Pandemie gab es in Münster in den vergangenen zehn Jahren keinen November mit einer nur annähernd so hohen Arbeitskräftenachfrage“, berichtet Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster. Derzeit verzeichnet die Arbeitsagentur insgesamt 3.424 gemeldete Stellenangebote, 689 mehr als im November 2019, vor der Corona-Krise. Allein im zurückliegenden Monat meldeten die Unternehmen 685 neue Stellenmeldungen und damit noch einmal 25 mehr als im Vormonat. Saisontypisch gab es einen erhöhten Personalbedarf im Handel und in der Gastronomie. „Die hohe Arbeitskräftenachfrage ist aber nicht allein auf saisonale Effekte zurückzuführen. Viele Unternehmen haben einen längerfristig hohen Bedarf“, sagt Fahnemann. So wird auch im Baugewerbe, in Steuerbüros und Rechtsanwaltskanzleien, Arztpraxen und Pflegeheimen vermehrt nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gesucht. Insgesamt 90 Prozent der Jobangebote sind unbefristet ausgeschrieben. Vor einem Jahr war das Pandemie-bedingt noch anders. Damals waren 86 Prozent der Stellenausschreibungen unbefristet. Nicht immer sei das erforderliche Personal aber leicht zu finden, führt Fahnemann aus: „In einigen Branchen und Berufen dauert es zunehmend länger, bis geeignete Kandidaten gefunden und offene Stellen besetzt werden können“.

Während Unternehmen immer kreativer werden müssten, um passendes Personal zu gewinnen, sind die Perspektiven für Arbeitsuchende positiv, insbesondere, wenn sie eine abgeschlossene Ausbildung mitbringen. Die Arbeitslosigkeit konnte dementsprechend im November erneut sinken. Zuletzt waren in Münster insgesamt 7.650 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, 223 weniger als im Oktober und 1.192 weniger als im November 2020. Die Arbeitslosenquote verringerte sich gegenüber Oktober um 0,1 Prozentpunkte und lag zuletzt bei 4,4 Prozent. Im Vorjahresvergleich verbesserte sie sich um 0,7 Prozentpunkte.

Spürbar rückläufig war die Jugendarbeitslosigkeit. Sie sank gegenüber dem Vorjahr um 20,9 Prozent auf zuletzt 595 arbeitslose unter 25-Jährige. „Jeder junge Mensch, der eine berufliche Perspektive in unserer Region erhält, ist wichtig“, betont Fahnemann. Denn, so sein Hinweis: „In den kommenden zehn Jahren wird rund ein Fünftel der Beschäftigten in den Ruhestand wechseln. Die entstehende Lücke kann nur verringert werden, wenn junge Kräfte nachrücken“. Ein weiterer Ansatz, um den bereits bestehenden Fachkräftebedarf zu sichern, sei es, schwerbehinderten Menschen eine Beschäftigung anzubieten. „Hier bedarf es weiterer Anstrengungen aller Partner am Arbeitsmarkt“, sagt Fahnemann mit Blick auf die Zahl der arbeitslosen Schwerbehinderten. Im November waren 587 Menschen mit einer Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet. „Wenn man bedenkt, dass die meisten Personen erst im Laufe ihres Erwerbslebens schwerbehindert werden, ist gleichzeitig klar, dass es sich häufig um Menschen mit einer längeren Berufserfahrung handelt. Diese Erfahrung nicht zu nutzen, können wir uns angesichts der angespannten Fachkräftesituation eigentlich nicht leisten“, so sein Appell. Er weist darauf hin, dass es ein umfangreiches Unterstützungsangebot der Arbeitsagentur gibt, wenn sich Arbeitgeber für die Einstellung von Schwerbehinderten entscheiden. „Unternehmen erhalten also möglicherweise nicht nur die lang gesuchte Fachkraft, sondern auch praktische Hilfen für die Arbeitsplatzausgestaltung und finanzielle Unterstützung“.

Der Arbeitsmarkt im Kreis Warendorf

Arbeitskräftenachfrage auf Rekordniveau

Insgesamt 4.119 offene Stellen sind im Kreisgebiet aktuell bei der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster gemeldet. Das sind 1.294 mehr als vor einem Jahr und 955 mehr als im November 2019, vor Beginn der Corona-Pandemie. Damit liegt die Arbeitskräftenachfrage der Unternehmen und Verwaltungen im Kreis Warendorf weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. „Volle Auftragsbücher und positive Konjunkturerwartungen sorgen dafür, dass in vielen Betrieben Personal gesucht wird“, erklärt Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster. Gleichzeitig weise der anhaltend hohe Bestand an gemeldeten Stellen darauf hin, dass Fachkräfte am Arbeitsmarkt zunehmend Mangelware sind, so Fahnemann. „In vielen Branchen und Berufen wird es immer schwieriger, qualifiziertes Personal zu gewinnen. Dann bleiben offene Stellen länger unbesetzt“, führt er aus. Was aus der Sicht der Unternehmen problematisch ist, öffnet zugleich für viele, die derzeit nach einer neuen Beschäftigung suchen, neue Chancen.

Bei den Stellenzugängen machte sich zuletzt eine leichte Zurückhaltung der Unternehmen bemerkbar. Im November meldeten die Unternehmen insgesamt 533 neue offene Stellen, 167 weniger als im Oktober. Dies sei angesichts der hohen Zahl der Jobangebote, die bereits in den vergangenen Monaten gemeldeten wurden, nicht verwunderlich, so Fahnemann. Zugleich führe das aktuelle Pandemie-Geschehen bei Betrieben teilweise zu einer vorsichtigeren Personalplanung.

Für viele Arbeitslose und Arbeitsuchende bot die Entwicklung am Arbeitsmarkt im vergangenen Monat eine neue Perspektive. Die Zahl der Arbeitslosen im Kreisgebiet sank seit Oktober um 252 Personen auf zuletzt 6.697. Die Arbeitslosigkeit lag sogar um 458 Personen niedriger als im November 2019, vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie und um 899 Betroffene unter dem Vorjahreswert. Die Arbeitslosenquote lag im November bei 4,2 Prozent und verringerte sich gegenüber Oktober um 0,2 Prozentpunkte. Im Vergleich zu November 2020 konnte sie sogar um 0,6 Prozentpunkte sinken.

Erneut konnten junge Menschen besonders von der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt profitieren. Im November waren 600 unter 25-Jährige arbeitslos gemeldet, 26 weniger als im Oktober und 97 weniger als im Vorjahresvergleich. Damit sank die Jugendarbeitslosigkeit um 13,9 Prozent. „Die jungen Menschen sind unsere Zukunft, daher ist es sehr positiv, dass viele junge Erwachsene eine berufliche Perspektive in unserer Region finden“, unterstreicht Fahnemann. Deutlich schwerer haben es am Arbeitsmarkt aber schwerbehinderte Menschen. Insgesamt 612 Frauen und Männer mit einer Schwerbehinderung waren im November kreisweit arbeitslos gemeldet. Das waren 12 mehr als vor einem Jahr. „Zieht man in Betracht, dass die meisten Menschen nicht mit einer Schwerbehinderung geboren werden, sondern diese im Laufe ihres Lebens erwerben, ist klar, dass viele scherbehinderte Arbeitslose längere Jahre Berufserfahrung mitbringen. Diese nicht zu nutzen, können wir uns angesichts der angespannten Fachkräftesituation eigentlich nicht erlauben“, appelliert Fahnemann und ergänzt: „Zumal es zahlreiche Unterstützungsangebote für Arbeitgeber gibt, die sich für schwerbehinderte Kandidaten entscheiden. Hier ist definitiv noch Luft nach oben“.

Der Arbeitsmarkt im Münsterland

Im Münsterland ist die Arbeitslosigkeit im November gegenüber dem Vormonat um 1.173 Personen zurückgegangen. Damit waren im nun abgelaufenen Monat 33.941 Menschen bei den Arbeitsagenturen oder den kommunalen Jobcentern arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote ist von 3,8 Prozent im Oktober auf nun 3,6 Prozent gesunken.

Mit Blick auf die Bezirke der drei Agenturen für Arbeit im Münsterland zeigt sich, dass die Arbeitslosigkeit münsterlandweit leicht gesunken ist. So liegt die Arbeitslosenquote im Bezirk der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster mit 4,3 Prozent um 0,1 Prozentpunkte niedriger als im Oktober. In der Agentur für Arbeit Rheine verringerte sich die Quote gegenüber dem Vormonat ebenfalls um 0,1 Prozentpunkte auf zuletzt 3,7 Prozent. Auch die Agentur für Arbeit Coesfeld verzeichnete gegenüber dem Vormonat einen Rückgang der Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte. Hier lag sie im November bei 2,9 Prozent.

Im November meldeten die Unternehmen im Münsterland 2.949 freie Stellen bei den Agenturen für Arbeit. Insgesamt wurden seit Jahresbeginn damit 37.814 Jobangebote gemeldet und damit 8.057 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das entspricht einem Anstieg um mehr als 27 Prozent.