25.08.2021 | Presseinfo Nr. 49

Fachkräftebedarf bleibt das größte Problem

Die Corona-Pandemie hatte einschneidende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in Münster. Zunehmend stehen die Zeichen inzwischen aber auf Erholung. Die Arbeitslosigkeit nähert sich dem Vorkrisen-Niveau und die Arbeitskräftenachfrage steigt. Grund zum Aufatmen sei dies nur teilweise, erläuterte Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster, im Austausch mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Stefan Nacke. Denn die Suche nach Fachkräften entwickelt sich für viele Betriebe mehr und mehr zum Problem, und die Corona-Krise hat diese Entwicklung in einigen Branchen sogar verstärkt.
 

„Die Pandemie hat einige Wirtschaftszweige und Betriebe hart getroffen. Insgesamt gesehen sind wir bislang jedoch relativ gut durch die Krise gekommen“, beurteilt Joachim Fahnemann die Situation am Arbeitsmarkt. Viele Unternehmen konnten ihre Beschäftigten mit der Unterstützung durch Kurzarbeitergeld halten und Entlassungen vermeiden. So lag die Arbeitslosigkeit zuletzt zwar noch höher als in 2019, vor dem Ausbruch der Pandemie. „Ein Arbeitslosenniveau wie beispielsweise während der Finanzkrise ist aber nicht eingetreten“, sagt Fahnemann und beschreibt die aktuelle Lage: „Inzwischen zieht die Exportnachfrage wieder an und die Auftragsbücher vieler Unternehmen sind voll“. Das führt zu einer stark gestiegenen Nachfrage nach neuem Personal. Seit Beginn des Jahres meldeten die Unternehmen in Münster mehr als 5.100 neue offene Stellen bei der Agentur für Arbeit, 31 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

Nicht immer gibt es aber passende Bewerber für die ausgeschriebenen Stellen. „In pflegerischen Berufen oder Arztpraxen sowie in handwerklichen Berufen ist bereits seit längerem ein Fachkräfteengpass spürbar“, berichtet Fahnemann. Das gilt für das gesamte Münsterland. So sind ausgebildete Elektrotechniker, Garten- und Landschaftsbauer, Sanitär- Heizungs- und Klimatechniker, Metallbauer oder Maler am Arbeitsmarkt nur schwer zu finden. Aber auch im Handel und in der Gastronomie fehlen inzwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Kräfte, die während der Lock-Down-Phasen nicht weiter beschäftigt werden konnten, haben sich häufig in neue Tätigkeiten umorientieren müssen. Nun schnell neues Personal zu finden, gelingt aber nicht in jedem Fall“, erklärt Fahnemann.

Um in Zukunft Fachkräfte zu gewinnen und zu halten, wird es aus Sicht von Stefan Nacke für Betriebe immer wichtiger, sich intensiv um die Bewerber und Beschäftigte zu kümmern: „Der Verdienst ist für viele Menschen nicht mehr das allein entscheidende Kriterium bei der Wahl von Beruf und Arbeitgeber. Andere Faktoren, wie die Balance von Beruf und Privatleben, die Möglichkeit von Homeoffice sowie die Vereinbarkeit der Arbeit mit der Familie spielen eine wesentliche Rolle“. In diesem Zusammenhang habe die Corona-Pandemie manche Entwicklungen noch einmal verstärkt, ergänzt Fahnemann.

„Diese Aspekte machen sich auch am Ausbildungsmarkt bemerkbar“, führt der Agenturleiter aus. Denn die Zahl der Bewerber sinkt seit Jahren, so dass immer mehr junge Menschen in die Lage kommen, unter mehreren Angeboten wählen zu können. Betriebe müssten sich deshalb mit den Wünschen der jungen Menschen nach einer Work-Life-Balance oder beruflichen Entwicklungsperspektiven auseinandersetzen, wenn sie im Wettbewerb um passende Nachwuchskräfte bestehen möchten. Gleichzeitig gelte es, der betrieblichen Ausbildung mehr gesellschaftliche Anerkennung zukommen zu lassen, meint Stefan Nacke: „Eine Ausbildung in einem Unternehmen sollte ebenso viel Wertschätzung erhalten wie ein Studium, denn beide Wege ermöglichen Selbstverwirklichung und wirtschaftlichen Erfolg“. Joachim Fahnemann stimmt dem zu und betont: „Daher geht es für uns in der Berufsberatung immer darum, für jeden Jugendlichen den individuell passenden Weg zu finden“.