23.11.2022 | Presseinfo Nr. 81

Mit assistierter Ausbildung zur Fachkraft

Passende Auszubildende zu finden, ist für Unternehmen zunehmend schwierig. Die demografische Entwicklung bringt immer weniger Schülerinnen und Schüler auf den Ausbildungsmarkt. Um ihre Ausbildungsstellen dennoch besetzen zu können, setzen einige Unternehmen, wie das Mövenpick Hotel in Münster, auf die "Assistierte Ausbildung", ein Programm der Bundesagentur für Arbeit.
 

Seit vier Jahrzehnten kümmert sich Angelina Wendt als Personalleiterin im Mövenpick Hotel in Münster darum, passendes Personal zu gewinnen, zu halten und zu fördern. Vor einigen Jahren und insbesondere vor der Corona-Pandemie sei das deutlich einfacher gewesen. "Doch der Fachkräftemangel ist inzwischen überall", so ihre Feststellung. So interessierten sich im aktuellen Ausbildungsjahr ganze 27 Jugendliche im Bezirk der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster für eine Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe. Sie konnten unter 93 Ausbildungsangeboten wählen. Dass es Angelina Wendt dennoch gelingt, junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen, ist auf viel Kreativität, großes Engagement und die Offenheit, auch jungen Menschen mit Unterstützungsbedarf eine Chance zu geben, zurückzuführen. Regelmäßig greift die Personalleiterin dabei auf die Begleitung und Förderung durch die Agentur für Arbeit Ahlen-Münster zurück. So auch im Fall von Jacqueline Ochoa Tovar. Die junge Frau aus Mexiko hat jetzt mit Unterstützung durch die assistierte Ausbildung ihren Abschluss als Hotelfachfrau geschafft. Die Mexikanerin war nach Deutschland gekommen, um hier die deutsche Sprache zu lernen und danach eine Ausbildung zu absolvieren. Einige Tage Probearbeiten haben Angelina Wendt davon überzeugt, Jacqueline Ochoa Tovar einen Ausbildungsplatz anzubieten.

"Wir legen bei unseren Auszubildenden großen Wert auf sogenannte weiche Faktoren. Höflichkeit, Pünktlichkeit, Einsatzfreude und Lernbereitschaft sind uns sehr wichtig", erklärt Wendt. Da könnten Schulnoten oder sprachliche Defizite auch ein wenig in den Hintergrund treten. "Bei all diesen Punkten können wir mit der Assistierten Ausbildung unterstützen", betont Robert Spilker, Bereichsleiter in der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster. Das Programm, das für Auszubildende und Betriebe kostenfrei ist und von der Arbeitsagentur bezahlt wird, werde ganz individuell auf die Bedürfnisse der jungen Menschen und ihres Ausbildungsbetriebs angepasst, führt er aus. So erhielt Jacqueline Ochoa Tovar gezielte Hilfe, um die Sprachprobleme in der Berufsschule zu bewältigen und ihre Prüfungsangst zu überwinden. "In der Regel findet diese Unterstützung in der Freizeit der Auszubildenden statt", erläutert Katja Auf der Landwehr, stellvertretende Standortleiterin der Akademie Überlingen N. Glasmeyer GmbH, dem Bildungsträger der gemeinsam mit dem Jugendausbildungszentrum Münster die Assistierte Ausbildung im Auftrag der Arbeitsagentur durchführt. "In der Phase vor der Abschlussprüfung konnten wir den Stützunterricht für Jacqueline sogar anders als üblich während der Arbeitszeit und in den Räumen des Mövenpick Hotels durchführen", lobt Auf der Landwehr den besonderen Einsatz des Unternehmens.

Genau solch ein Engagement sei es aber, das die Unternehmen brauchen, um beruflichen Nachwuchs zu gewinnen und auszubilden, unterstreicht Robert Spilker: "Wer auch Bewerberinnen und Bewerbern eine Chance gibt, die auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt die Wunschkandidaten sind, weil sie Unterstützung benötigen, kann mit der assistierten Ausbildung dennoch erfolgreich ausbilden. Diese Betriebe haben im Wettbewerb um die Fachkräfte von morgen die Nase vorn", so der Ausbildungsmarktexperte. Für Angelina Wendt gehört die Assistierte Ausbildung zur strategischen Personalplanung. "Wir sehen es in unserem Unternehmen als unsere Aufgabe, junge Menschen zu fördern", sagt sie. Der Erfolg gibt Angelina Wendt und Jacqueline Ochoa Tovar recht: Die junge Mexikanerin hat ihre Ausbildung mit einer super Note bestanden und verstärkt jetzt als Hotelfachfrau das Team.