03.12.2021 | Presseinfo Nr. 77

Es gibt noch viel zu tun

Mehr als 66.000 Frauen und Männer im Münsterland im erwerbsfähigen Alter haben ein Handicap. Und obwohl bereits in vielen Branchen und Berufen Fachkräfteengpässe herrschen, haben es Betroffene am Arbeitsmarkt weiterhin besonders schwer. Dabei sind sie häufig gut qualifiziert.
 

Es kann jede und jeden treffen: Rund jeder Zehnte ist im Münsterland von einer Schwerbehinderung betroffen. Viele bringen eine abgeschlossene Ausbildung oder sogar ein Studium und häufig auch lange Jahre Berufserfahrung mit. Denn der Großteil, nämlich 94 Prozent der Betroffenen, ist erst im Laufe des Lebens schwerbehindert geworden. Dennoch ist die Erwerbsbeteiligung schwerbehinderter Menschen deutlich niedriger als bei der nicht-schwerbehinderten Bevölkerung.

Daran haben auch gesetzliche Regelungen in den vergangenen Jahren wenig verändert. Diese besagen, dass Arbeitgeber mit durchschnittlich mindestens 20 Arbeitsplätzen gesetzlich verpflichtet sind, auf mindestens fünf Prozent der Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen. Kommen Arbeitgeber der Beschäftigungspflicht nicht nach, ist eine sogenannte Ausgleichsabgabe zu zahlen. 5.659 solcher Pflicht-Arbeitsplätze für Schwerbehinderte sind 2019 im Münsterland unbesetzt geblieben. Angesichts der Fachkräfteengpässe, mit denen Arbeitgeber in vielen Branchen konfrontiert sind, verschenke man hier zahlreiche Potenziale, sagt Christian König, stellvertretender Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster. „Menschen mit Behinderung müssen bei der Jobsuche nach wie vor häufig mit Vorurteilen und Berührungsängsten kämpfen“, führt er aus. Dabei gebe es häufig viel geringere Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit, als viele denken.

Das erlebe man im eigenen Haus immer wieder. Insgesamt 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer Schwerbehinderung beschäftigen die Arbeitsagenturen im Münsterland derzeit. Das sind rund 13 Prozent aller Beschäftigten. Manche schwerbehinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigen spezielle Hilfsmittel oder eine besondere Ausstattung am Arbeitsplatz. Die individuell passenden Rahmenbedingungen umzusetzen sei zwar mit einem höheren Aufwand verbunden als bei Arbeitsplätzen für die nicht-schwerbehinderte Belegschaft. Der Aufwand lohne sich aber. „Wer integriert, der profitiert: von guten, motivierten und loyalen Mitarbeitern“, so König. Er wirbt dafür, dass Arbeitgeber Bewerbungen von schwerbehinderten Menschen offener begegneten. „Oft bestehen die Barrieren eher im Kopf und Kandidatinnen und Kandidaten mit einem Handicap fügen sich schneller in den Job und ins Team ein, als man vorher glaubt“, so seine Erfahrung. „Zudem gibt es für Arbeitgeber bei der Beschäftigung von Schwerbehinderten eine Vielzahl von Beratungs- und Unterstützungsleistungen durch die Arbeitsagenturen.“ Dennoch lautet sein Fazit zum Thema: „Es gibt noch viel zu tun“.