11.05.2022 | Presseinfo Nr. 31

Ausbildung von Fachkräften wichtiger denn je – auch noch Jahre nach dem Schulabschluss

Arbeitsagentur unterstützt jungen Mann bei seinem Berufsabschluss zum Elektroniker

Die Möglichkeit einen Berufsabschluss nachzuholen und das obwohl der letzte Schulbesuch schon einige Zeit zurückliegt, bietet für viele Menschen eine gute Perspektive. Insbesondere, wenn man sich nach den ersten Jahren im erlernten Beruf doch nochmal umorientieren möchte. Ein gutes Beispiel dafür, dass nicht nur Umschüler, sondern auch Arbeitgeber von der Weiterbildung zu Fachkräften profitieren, sind Sergej Schweigert, ein junger Mann aus Rednitzhembach, und sein Umschulungsbetrieb die Elektro Heisler GmbH in Kammerstein.

Nachdem Sergej Schweigert seine erste Berufsausbildung zum Maurer erfolgreich abgeschlossen und einige Jahre als solcher gearbeitet hatte, wollte er sich beruflich umorientieren. Es folgten Anstellungen in diversen technischen Tätigkeitsbereichen. Durch einen Bekannten erfuhr er, dass es Qualifizierungsprojekte der Agentur für Arbeit Nürnberg in Zusammenarbeit mit der Elektroinnung sowie der Handwerkskammer gibt, die ihm eine Umschulung zum Elektroniker Energie- und Gebäudetechnik ermöglichen. Speziell eine schulische Teilqualifizierung, die vor der eigentlichen betrieblichen Einzelumschulung abgeschlossen wird, eignete sich für Schweigert, um ihm den Start in die Umschulung zu erleichtern.

Um weitere Umschüler*innen wie Schweigert fördern zu können, gibt es die Initiative „Zukunftsstarter“ der Agentur für Arbeit. Diese wurde nun bis Ende 2025 verlängert und hat zum Ziel, dass junge Erwachsene im Alter zwischen 25 und unter 35 Jahren ihren Berufsabschluss nachholen können. Während der bisherigen Laufzeit der Initiative wurden von August 2016 bis Ende Dezember 2020 135.000 junge Erwachsene bei einer abschlussorientierten Weiterbildung gefördert.

Lebenslanges Lernen und berufliche Weiterbildung werden durch den umfassenden Strukturwandel und die demografische Entwicklung immer wichtiger. Zudem werden immer häufiger Fachkräfte gesucht, während die Nachfrage in Helferberufen sinkt. Die Nachqualifizierung junger Erwachsener auch ohne Berufsabschluss ist eine wichtige Stellschraube, um den Bedarf an Fachkräften zu sichern. Derzeit werden in der Region Ansbach-Weißenburg 290 Menschen bei einer abschlussorientierten Weiterbildung gefördert.

Im September 2020 begann Schweigert die schulische Teilqualifizierung in Nürnberg und ging nach erfolgreichem Abschluss im März 2021 in die betriebliche Einzelumschulung bei der Elektro-Heisler GmbH über. Rudolf Heisler, Geschäftsführer der Elektro-Heisler GmbH, freut sich über die Bereitschaft seines 33-jährigen Umschülers. Er betreibt sein Geschäft bereits seit über 32 Jahren und auch an ihm geht der akute Fachkräftemangel nicht spurlos vorbei: „Wir haben immer eine oder einen Auszubildenden bei uns und manche bleiben auch danach noch im Betrieb. Allerdings gibt es auch einige, die dem Elektro-Handwerk ganz den Rücken kehren. Wir suchen immer wieder nach passenden Mitarbeitern, aber es gibt einfach zu wenige Fachkräfte in der Region.“ Aufträge wären mehr als genug vorhanden, manche seiner Kollegen würden sogar keine Neukunden mehr annehmen, da sie die Arbeit gar nicht mehr bewältigen könnten, so Heisler. Vor allem seine Tochter Nicole Heisler, selbst gelernte Elektrotechnikerin, die den Betrieb mit 14 Mitarbeitern in den nächsten Jahren übernehmen wird, kann den Wunsch nach einer beruflichen Veränderung von Schweigert nachempfinden. Denn sie selbst hat ebenfalls nach ihrer ersten Ausbildung im Medizinbereich noch eine weitere als Elektronikerin absolviert.

Begleitet wurde der gesamte Prozess der Qualifizierung von Anfang an durch Michael Scheuerlein, Arbeitsvermittler im Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit in Roth. Die Agentur für Arbeit unterstützt durch die sogenannte Förderung der Weiterbildung für Beschäftigte. In diesem Rahmen erhalten die Umschüler*innen durch ihren Arbeitgeber eine reguläre Vergütung in Höhe des Gehalts eines ungelernten Mitarbeiters, um finanzielle Einbußen möglichst gering zu halten. Die Agentur für Arbeit beteiligt sich an dieser Vergütung in Form eines Arbeitsentgeltzuschusses an denArbeitgeber. Allerdings ist gesetzlich geregelt, dass die Umschulung um ein Drittelder regulären Ausbildungszeit verkürzt werden muss. Wichtig ist deshalb, dass die genauen Zugangsvoraussetzungen und die Eignung der potenziellen Umschüler*innen in Beratungsgesprächen vorab geklärt werden.

Sergej Schweigert fühlt sich in seinem Umschulungs-Betrieb sehr wohl. Über mündliche Empfehlungen ist er auf die Elektro-Heisler GmbH gestoßen und schon das Bewerbungsverfahren war recht unkompliziert: „Ich bin einfach vorbeigefahren, habe mich mit dem Chef unterhalten und dann war schnell klar, das passt!“. Bis heute sind sich die beiden einig, dass die Zusammenarbeit gut gelingt. Nur die Berufsschule fällt Schweigert manchmal etwas schwer, denn die schon länger zurückliegende Schulzeit und die zwei kleinen Kinder zu Hause erleichtern das Lernen nicht unbedingt. Aber auch dafür gibt es eine Lösung: Über die Agentur für Arbeit können Nachhilfe- Stunden bei einem Träger angeboten und finanziert werden. So können Umschülerinnen und Umschüler die Unterstützung erhalten, die benötigt wird, um ihren Berufsabschluss zu erlangen.

Arbeitgeber, die an einer Beratung rund um das Thema Förderung der beruflichen Weiterbildung von Beschäftigten interessiert sind, können sich jederzeit an die Agentur für Arbeit unter Telefon 0800 4 55 55 20 wenden. Der Arbeitgeber- Service, in enger Zusammenarbeit mit der arbeitnehmerorientierten Arbeitsvermittlung, steht für alle Fragen zum Thema als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung.

von links nach rechts: Geschäftsführer Rudolf Heisler mit Sergej Schweigert (Umschüler), Nicole Heisler (zukünftige Geschäftsführerin) und Michael Scheuerlein (Arbeitsvermittler Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit)
von links nach rechts: Geschäftsführer Rudolf Heisler mit Sergej Schweigert (Umschüler), Nicole Heisler (zukünftige Geschäftsführerin) und Michael Scheuerlein (Arbeitsvermittler Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit)