05.11.2020 | Presseinfo Nr. 51

Von der Elfenbeinküste nach Altmühlfranken

Personalmangel in der Pflege erfordert auch die Rekrutierung von Personal aus dem Ausland.

Zwei junge Afrikaner als Azubis bei „Pflege daheim“ in Meinheim

Pflegeberufe gehören zu den Mangelberufen und es gibt viele Anstrengungen, mehr Menschen dafür zu begeistern. Auch die Rekrutierung aus dem Ausland ist ein solcher Weg. In Meinheim haben jetzt mit Inaah Aballo und Roland Assebian zwei junge Afrikaner die Ausbildung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann begonnen. Bernhard Fürst, der Inhaber des ambulanten Pflegedienstes „Pflege daheim“, kam dabei eher zufällig zu seinen neuen Mitarbeitenden und hat die Gelegenheit beim Schopf ergriffen.

Inaah Aballo lernte Bernhard Fürst über ein Praktikum kennen, das die 21-Jährige im Rahmen ihrer Ausbildung an der Berufsfachschule für Sozialpflege Ansbach bei ihm absolvierte. „Ich war begeistert von ihrem Engagement und habe ihr sofort einen Ausbildungsplatz angeboten“, sagt er. Die junge Frau aus dem Benin kam nach verschiedenen Stationen innerhalb Deutschlands in den Landkreis.

Roland Assebian, der Zweite im Bunde, stammt von der Elfenbeinküste. Er hat dort einen Bachelor in Germanistik erworben und wollte dann „etwas Sinnvolles“ machen. Über den Bundesfreiwilligendienst kam er als „BUFDI“ in eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung nach Bairisch Gmain. Hier beschloss der 23-Jährige, die Pflege zu seinem Beruf zu machen und bewarb sich um einen Schulplatz an der Pflegefachschule der Rummelsberger Anstalten auf der Wülzburg. Schulleiterin Dorothea Eidam war es dann, die den Kontakt zu „Pflege daheim“ herstellte.

Alle Hürden im Vorfeld gemeistert

Nach einem Kennenlern-Gespräch war klar: In Meinheim würden am 1. September 2020 zwei junge Afrikaner „Farbe ins Team bringen“, wie es Bernhard Fürst schmunzelnd beschreibt. Er freut sich über seine „sehr motivierten“ Auszubildenden und hat dafür im Vorfeld einige Hürden bewältigt. So mussten aufenthaltsrechtliche Bestimmungen beachtet, der Realschulabschluss von Inaah anerkannt und eine Wohnung gefunden werden. Jetzt leben beide in einer Ferienwohnung in Meinheim. Die „Azubi-WG“ klappt ganz gut, wie sie versichern, obwohl sie sich erst seit Ende August kennen. Privat unterhalten sie sich französisch. Im Alltag sprechen sie deutsch, und das ziemlich gut.

Förderung durch die Agentur für Arbeit

Auch die finanzielle Absicherung war ein Thema, denn die Ausbildungsvergütung alleine hätte für den Lebensunterhalt nicht gereicht. Hier konnte Sonja Luber vom Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit helfen, denn für die berufliche Weiterbildung von Beschäftigten stehen interessante Fördermöglichkeiten zur Verfügung. Wenn am Ende ein Berufsabschluss – noch dazu in einem Mangelberuf – steht, übernimmt die Agentur für Arbeit nicht nur sämtliche Weiterbildungskosten, sondern zahlt auch einen Teil des Lohns während der Ausbildung.

Das heißt konkret, dass die beiden Pflegeschüler von ihrem Arbeitgeber den Lohn eines Pflegehelfers erhalten und die Agentur für Arbeit erstattet in etwa das, was über die Ausbildungsvergütung hinausgeht.

Führerschein ist dringend erforderlich

Damit können Inaah und Roland jetzt auch den Führerschein finanzieren -  im ambulanten Pflegedienst ein Muss. Und für ein Auto wird es hoffentlich auch bald reichen, denn jetzt machen sie scheinbar Unmögliches möglich: Sie fahren mit Bus und Bahn von Meinheim in die Schule auf der Wülzburg und zurück. Mit Zwischenstopps in Weißenburg und Treuchtlingen sind sie den ganzen Tag unterwegs. „Auch das zeigt ihr großes Interesse und dass sie sich nicht entmutigen lassen.“

Bernhard Fürst hat aber nicht nur lobende Worte für seine Auszubildenden, sondern auch für seine Patientinnen und Patienten, die die neuen Azubis uneingeschränkt akzeptieren.  Inaah und Roland erleben täglich, dass sich die Patienten auf ihren Besuch freuen. „Das ist das größte Geschenk“, sagen sie, und ein wesentlicher Grund, warum sie sich für diesen Beruf entschieden haben.