Es bleibt dabei: Die Jugendlichen haben eine große und breite Auswahl an Ausbildungsstellen

02.11.2023 | Presseinfo Nr. 50

Corona war in diesem Ausbildungsjahr kein Thema mehr. Ausbildungsmessen, Berufsorientierungstage, Praktika: alles konnte wie gewohnt wieder stattfinden. Zum Stichtag 30. September 2023 haben daher fast alle Jugendlichen eine Ausbildungsstelle gefunden. 48 von ihnen suchten noch und 668 Ausbildungsstellen waren unbesetzt. Die Bilanz der Agentur für Arbeit Augsburg sieht insgesamt folgendermaßen aus: eine fast gleich gebliebene Bewerberzahlen und eine Abnahme der Ausbildungsstellen, ein Rückgang der Altbewerber (Jugendliche, die länger als ein Jahr auf Ausbildungsstellensuche sind) und eine leicht gestiegene Einmündungsquote.

„Wir haben weiterhin einen Bewerbermarkt, obwohl die Zahl der angebotenen Ausbildungsstellen weiter abgenommen hat und die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber nahezu gleich geblieben ist. Seit etlichen Jahren schon finden die jungen Menschen eine große Auswahl bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz vor. Auf 100 Jugendliche kommen rein rechnerisch in diesem Jahr 134 Ausbildungsstellen nach 140 im Vorjahr. Weiterhin werden Fachkräfte in vielen Bereichen des Wirtschaftslebens händeringend gesucht, die Verdienstmöglichkeiten sind meist gut, werden besser und eine abgeschlossene Berufsausbildung ist weiterhin die beste Eintrittskarte in eine erfolgreiche Erwerbsbiographie. Unternehmen wird stärker als zuvor geraten, sich frühzeitig die dringend benötigten Fachkräfte selbst auszubilden, um auf längere Sicht gesehen wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Dies ist gerade jetzt, da in den kommenden Jahren die sog. Baby-Boomer-Jahrgänge aus dem Berufsleben ausscheiden, noch wichtiger. Auch wenn es viele jungen Menschen oder Ältere gibt, die nach Deutschland zuwandern und für eine Ausbildung in Frage kommen, sollten die Firmen nicht nachlassen in ihren Bemühungen, genügend Ausbildungswillige einzustellen. Die jungen Menschen sollten sich frühzeitig überlegen, was am besten zu ihnen passt. Wer z. B. gerne praktisch arbeitet, für den könnte eine Ausbildung die bessere Wahl sein. Nach einer abgeschlossenen Ausbildung stehen den jungen Menschen alle Möglichkeiten offen: Weiterqualifizierung zum Techniker, Meister, diverse Fortbildungen, ein auf die Ausbildung aufbauendes Studium und sogar der Schritt in die Selbstständigkeit.
Das Messeleben konnte in diesem Jahr wieder im gewohnten Umfang wie vor Corona stattfinden. Die Jugendlichen haben diese Angebote reichlich wahrgenommen. Die Arbeitsagentur war auf vielen Jobmessen, Orientierungstagen und Berufsinfoveranstaltungen. Dazu gab es zusammen mit den Kammern eine Nachvermittlungsaktion. Außerdem finden in unserem Berufsinformationszentrum BiZ monatlich kostenfreie Info- und Orientierungsveranstaltungen ohne Anmeldung statt. Wir haben uns des Weiteren nun auch VR-Brillen gekauft, mit deren Hilfe sich die Jugendlichen ein realistisches Bild in 3 D vom künftigen Beruf machen können.
Gerade dadurch, dass der Markt der Möglichkeiten an Ausbildungsstellen sehr breit gefächert ist, sind die Kontakte zwischen der Berufsberatung, den Kammern und den Jugendlichen noch wichtiger und wir intensivieren diese deshalb. Wer jetzt noch keinen Ausbildungsplatz hat, der kann immer noch einsteigen, denn wir haben nach wie vor unbesetzte Ausbildungsstellen“, berichtet Elsa Koller-Knedlik, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Augsburg.
„Wer von den Jugendlichen sich gerne online informieren und orientieren möchte, der findet inzwischen auf unserer Internetseite und auf Youtube ein breit gefächertes Angebot: das Erkundungstool CHECK-U, BERUFE.TV und die Seite #Ausbildungklarmachen“, erzählt Elsa Koller-Knedlik. Sie appelliert gleichzeitig an die Arbeitgeber, auch schwächeren Jugendlichen eine Chance zu geben: „Nicht jeder ist eine Einser-Schülerin, manchmal braucht es etwas länger, bis der Knoten platzt und der Jugendliche durchstartet. Wir können mit unseren Instrumenten, wie der Assistierten Ausbildung, dazu beitragen, dass die Ausbildungszeit zu einer Erfolgsgeschichte mit Happy End wird.“

Ausbildungsstellenmarkt im Überblick

Von Oktober 2022 bis September 2023 meldeten die Firmen 4.216 Ausbildungsstellen, 181 oder 4,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der gemeldeten Ausbildungsbewerber um 10 oder 0,3 Prozent auf insgesamt 3.151. Statistisch gesehen stehen 100 Ausbildungsplatzbewerbern 134 Ausbildungsplätze gegenüber. Im Vorjahr standen 100 Ausbildungsplatzbewerbern 140 Ausbildungsplätze zur Verfügung.

Zum Stichtag waren noch 668 Stellen unbesetzt. Insgesamt steht noch eine breite Palette an freien Ausbildungsstellen zur Verfügung: vom Verkäufer, über Kauffrau Büromanagement, die Berufskraftfahrerin bis hin Fachwirt Vertrieb Einzelhandel. Schwerpunktmäßig viele freie Stellen gibt es erneut im Verkauf, als Arzt- und Praxishilfe sowie im Büro.

Die Zahl der Bewerber ist gesunken, die Zahl der Neubewerber (Jugendliche, die in diesem Jahr die Schule abgeschlossen haben) hingegen ist weiter gestiegen und beträgt in diesem Jahr 67,5 Prozent (2022: 64,2 Prozent, 2021: 57,0 Prozent, 2020: 60,0 Prozent, 2019: 61,9 Prozent, 2018: 63,7 Prozent, 2017: 62,2 Prozent, 2016: 61,1 Prozent, 2011: 57,6 Prozent, 2007: 41,5 Prozent).

Ausbildungsstellen und Bewerber

Im gesamten Agenturbezirk ist die Zahl der Ausbildungsstellen gesunken. Hier der Blick in die einzelnen Gebietskörperschaften:

  • Stadt Augsburg: 2.216, plus 28 oder plus 1,3 Prozent
  • Landkreis Augsburg: 1.416, minus 108 oder minus 7,1 Prozent
  • Landkreis Aichach-Friedberg: 584, minus 101 oder minus 14,7 Prozent

Bei der Zahl der Ausbildungsbewerber ist im gesamten Agenturbezirk ein leichtes Plus zu verbuchen. Hier der Blick in die einzelnen Gebietskörperschaften:

  • Stadt Augsburg: 1.682, plus 12 oder plus 0,7 Prozent
  • Landkreis Augsburg: 1.127, plus 50 oder plus 4,6 Prozent
  • Landkreis Aichach-Friedberg: 342, minus 52 oder minus 13,2 Prozent

Schauen wir uns das Verhältnis zwischen Bewerber und Berufsausbildungsstellen, an ergibt sich folgendes Bild:

  • Stadt Augsburg: Verhältnis 100:132
  • Landkreis Augsburg: Verhältnis 100:126
  • Landkreis Aichach-Friedberg: Verhältnis 100:171

Bei den meisten jungen Menschen stehen Handelsberufe sowie medizinische und nicht-medizinische Gesundheitsberufe hoch im Kurs. Die Zahlen im Einzelnen:

  • Fertigungstechnische Berufe:
    • 602 oder 19,1 Prozent Jugendliche wollten einen Beruf in diesem Bereich lernen (plus 10 oder plus 1,7 Prozent).
    • Das Stellenangebot belief sich auf 631 Stellen (minus 66 oder minus 9,5 Prozent).
    • Relation: Auf 100 Bewerber kommen 105 Ausbildungsstellen.
  • Handelsberufe:
    • 503 oder 16,0 Prozent Jugendliche wollten einen Beruf in diesem Bereich lernen (minus 73 oder minus 12,7 Prozent).
    • Das Stellenangebot belief sich auf 1.041 Stellen (minus 102 oder minus 8,9 Prozent).
    • Relation: Auf 100 Bewerber kommen 207 Ausbildungsstellen.
  • Medizinische und nicht-medizinische Gesundheitsberufe (u.a. Arzt- und Praxishilfe, Körperpflege, keine schulischen Ausbildungsberufe):
    • 462 oder 14,7 Prozent Jugendliche wollten einen Beruf in diesem Bereich lernen (plus 40 oder plus 9,5 Prozent).
    • Das Stellenangebot belief sich auf 306 Stellen (minus 13 oder minus 4,1 Prozent).
    • Relation: Auf 100 Bewerber kommen 66 Ausbildungsstellen.

Ein Blick auf besonders nachgefragte Berufe zeigt Folgendes: Bei den Verkaufsberufen gibt es eine weitere Abnahme der Bewerber (minus 15,2 Prozent) jedoch ein gleichbleibendes Angebot (plus 0,2 Prozent). Auf 100 Bewerber kommen 205 betriebliche Ausbildungsstellen. Im Büro- und Sekretariatsbereich herrscht dieses Mal nur ein leichter Bewerberüberhang. Hier beträgt das Verhältnis 100 zu 94. Auch bei den Arzt- und Praxishilfen gibt es wie in den Vorjahren einen großen Nachfrageüberhang von 100 zu 59, wobei die Zahl der Stellen leicht gesunken und die Nachfrage gestiegen ist. Besonders groß ist der Angebotsüberhang in der Gastronomie: auf 17 Bewerberinnen und Bewerber treffen 123 betriebliche Ausbildungsstellen.

Von den 3.151 Bewerbern mündeten 1.633 in eine betriebliche Ausbildung ein, das entspricht einer Quote von 51,8 Prozent (2022: 51,2 Prozent, 2021: 49,4 Prozent, 2020: 49,3 Prozent, 2019: 55,7 Prozent, 2018: 55,5 Prozent, 2017: 55,1 Prozent, 2016: 53,7 Prozent, 2015: 54,4 Prozent, 2014: 52,4 Prozent, 2013: 56,7 Prozent, 2012: 57,1 Prozent, 2011: 55,4 Prozent, 2010: 50,1 Prozent, 2009: 46,5 Prozent).

Bei der Betrachtung der „TOP 10 Wunschberufe“ fällt wie üblich auf, dass sich die Frauen weiterhin weniger flexibel zeigen als die Männer. 58,8 Prozent der gemeldeten Bewerberinnen fixieren sich auf die unten aufgeführten zehn Berufe. Während es bei den Männern deutlich weniger als die Hälfte ist (43,8 Prozent der gemeldeten Bewerber):

Frauen:

  1. Medizinische Fachangestellte
  2. Kauffrau – Büromanagement
  3. Zahnmedizinische Fachangestellte
  4. Verkäuferin
  5. Kauffrau im Einzelhandel
  6. Industriekauffrau
  7. Friseurin
  8. Tiermedizinische Fachangestellte
  9. Med. gest. Digital und Print
  10. Automobilkauffrau

Männer:

  1. Kfz-Mechatroniker – PKW-Technik
  2. Fachinformatiker-Anwendungsentwicklung
  3. Verkäufer
  4. Kaufmann - Büromanagement
  5. Kaufmann im Einzelhandel
  6. Fachlagerist
  7. Fachinformatiker - Systemintegration
  8. Elektroniker - Energie-/Gebäudetechnik
  9. Industriemechaniker
  10. Industriekaufmann

Details zu den Bewerbern

Fast die Hälfte der Bewerber (45,5 Prozent oder 1.434) haben einen Hauptschulabschluss, 38,9 Prozent oder 1.227 der Bewerber haben einen mittleren Schulabschluss; die Fachhochschulreife oder das Abitur haben 14,4 Prozent oder 453 und keinen Schulabschluss haben 23 oder 0,7 Prozent.

Arbeitsagentur fördert Jugendliche im Jahr 2023 mit 5,776 Mio. Euro

  • Berufliche Orientierungsmaßnahmen: flächendeckend an allen staatlichen Mittelschulen in der Stadt und den beiden Landkreisen an fast allen Mittelschulen: 545.919 Euro
  • Berufseinstiegsbegleiter: 239 Teilnehmer: 1,422 Mio. Euro
  • Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB) 144 Teilnehmer: 1,594 Mio. Euro
  • Einstiegs-Qualifizierungen (EQ) 52 Teilnehmer: 142.757 Euro
  • Überbetriebliche Ausbildung für benachteiligte Jugendliche (lernbeeinträchtigt, sozial benachteiligt): insgesamt 16 junge Menschen: 1,096 Mio. Euro
  • Assistierte Ausbildung (AsA) flex: 388 Jugendliche: 975.188 Euro

Darüber hinaus engagieren sich auch die Berufsschulen mit ihren Berufsvorbereitungsjahren in schulischer und kooperativer Form für Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz erhalten haben oder noch nicht die nötige Ausbildungsreife besitzen.

Ausbildungsstellen nach ihrer Kammerzugehörigkeit

Von den 4.216 gemeldeten Ausbildungsstellen sind 2.927 (69,4 Prozent) der Industrie- und Handelskammer zuzurechnen und 672 (15,9 Prozent) sind der Handwerkskammer zuzurechnen.

 

Zahlen finden Sie in unserem Statistik-Angebot im Internet unter:

www.arbeitsagentur.de/vor-ort/augsburg/statistik oder http://statistik.arbeitsagentur.de

 

 

 

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