01.04.2021 | Presseinfo Nr. 10

 Auf 100 Bewerber kommen 190 Lehrstellen!

Die Corona-Pandemie schlägt sich auf den regionalen Ausbildungsmarkt in Hersfeld-Rotenburg nieder. Nachdem die Berufsorientierung für die jungen Menschen seit einem Jahr für alle Beteiligten mit erheblichen Hindernissen verbunden ist, trafen die Netzwerkpartner auf dem Ausbildungsmarkt bei einer digitalen Konferenz eine eindeutige Aussage: „Uns fehlen Bewerberinnen und Bewerber!“

Während die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen mit 839 auf dem Niveau des Vorjahres liegt, sind mit 442 gut 14 Prozent weniger Jugendliche an einer Ausbildung interessiert als vor einem Jahr. Somit kommen rechnerisch 190 Lehrstellen auf 100 Bewerber. In Hessen liegt ist diese Relation etwa 1:1.

„Der deutliche Bewerberrückgang ist zwar zum Teil dem Rückgang bei den Schulentlassenen geschuldet, doch auch fehlende Berufsorientierungsveranstaltungen in den Schulen sowie ausgefallene Ausbildungsmessen und -börsen spielen hier eine große Rolle. Hinzu kommen nicht realisierte Betriebspraktika, die normalerweise einen wichtigen Baustein im Berufswahlprozess der Jugendlichen darstellen“, erklärte Waldemar Dombrowski, Leiter der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda, im Rahmen einer Videokonferenz, bei der sich die Arbeitsagentur mit Vertretern der Netzwerkpartner zur Halbzeitbilanz auf dem Ausbildungsmarkt austauschte. Teilnehmer waren die Industrie- und Handelskammer, die Kreishandwerkerschaft, das Staatliche Schulamt sowie des Kreisjobcenters.

Die Akteure gehen davon aus, dass es aufgrund der vorliegenden Unsicherheiten und Reibungsverluste vermutlich mehr Übergänge in weiterführende Schulen geben wird, obwohl ein erheblicher Teil der Schulabgängerinnen und -abgänger an sich eher eine berufliche Ausbildung anstrebt.  

Die Wirkung der Coronakrise auf den Ausbildungsmarkt wird auch durch den spürbaren Rückgang bei den neu abgeschlossen Ausbildungsverträgen 2019/2020 (-270 oder -9,6%) im Agenturbezirk deutlich.

In nahezu jedem Bereich übersteigt die Anzahl der Ausbildungsstellen die der Bewerberinnen und Bewerber – teilweise um ein Vielfaches. Gesucht werden unter anderem Auszubildende in unterschiedlichen kaufmännischen Berufen, Augenoptiker/innen, Einzelhandelskaufleute sowie Pflegefachleute. Daneben auch Mechatroniker und junge Menschen, die sich für eine Ausbildung im Hoch- oder Tiefbau interessieren. Auch seltenere Berufe wie Straßenwärter/in oder Tiermedizinische Fachangestellte finden sich in der Liste der offenen Lehrstellen wieder, ferner zahlreiche Duale Studiengänge.

„Wir hoffen, dass sich noch mehr junge Menschen für eine Ausbildung in unserer Region begeistern lassen. Die Situation ist deutlich günstiger als in vielen anderen Regionen in Hessen. Die Aussichten, eine Lehrstelle im Wunschberuf zu finden, sind vielversprechend“, erklärte Teamleiterin Maren Neigert. „Ein weiterführender Schulbesuch scheint zwar vielen vermutlich momentan einfacher, ist aber nicht für jeden die beste Lösung.“

Wer sich für eine Ausbildungsstelle im Sommer interessiert, der sollte sich schnell mit der Berufsberatung in Verbindung setzen. Eine Kontaktaufnahme zur Terminvereinbarung ist möglich unter der Service-Rufnummer 0661 17 111 oder per E-Mail an BadHersfeld.berufsberatung@arbeitsagentur.de.