31.03.2020 | Presseinfo Nr. 25

Arbeitsmarkt in Zeiten der Pandemie

Arbeitsmarktzahlen zum Stichtag 12. März 2020

Die Betrachtung der Arbeitsmarktzahlen erfolgt in jedem Monat immer ex ante, d.h. rückwirkend. Zu diesem Zweck werden die statistischen Werte stets zu einem festgelegten Zeitraum, der Monatsmitte gezogen und aufbereitet. Dem Arbeitsmarktbericht liegen daher alle Zahlen bis zu diesem Zeitpunkt zugrunde. Dies bedeutet allerdings auch, dass die jüngsten Entwicklungen sich noch nicht in den Zahlen niedergeschlagen. Hier werden erst die Zahlen der Monate April und Mai Aufschluss über die tatsächliche Situation am regionalen Arbeitsmarkt geben. Im Folgenden werden nun die Daten veröffentlicht, wie sie sich zum Stichtag darstellten:

Vorab ein paar persönliche Worte des Vorsitzenden der Geschäftsführung Bad Homburg, Matthias Oppel:

„An dieser Stelle möchte ich nur kurz auf die Märzzahlen eingehen. Sie sind durch die jüngsten Ereignisse sowie deren Auswirkungen auf unsere Wirtschaft – sowie in letzter Konsequenz auf den Arbeitsmarkt – von geringer Aussagekraft. Die Corona-Krise hat bereits heute unser Leben in beruflicher und privater Hinsicht sowie unsere Wirtschaft in einem Umfang beeinflusst, den wir uns vor kurzem noch nicht vorstellen konnten. Auch wir können das endgültige Ausmaß der Veränderungen derzeit nicht vollumfänglich abschätzen. Dies gilt auch für den Arbeitsmarkt.

Die vorgestellten Zahlen basieren alle auf dem 12. März 2020, das ist der Stichtag, der für die Arbeitsmarktstatistik relevant ist. Wir haben hier Daten vor uns, die auf eine einsetzende Frühjahrsbelebung hinwiesen. Diese Belebung ist mit den eingeführten Schutzmaßnahmen beendet worden.

Welche Auswirkungen diese Maßnahmen tatsächlich auf die Arbeitsplätze und das Bestehen unserer Betriebe im Agenturbezirk haben werden, können wir frühestens im April, eher im Mai beurteilen. Wir stehen vor einer gesamtgesellschaftlichen Herausforderung, die es so seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht gegeben hat.

Die aktuelle Entwicklung wird auch an dem Agenturbezirk Bad Homburg nicht vorbeigehen. Lediglich die schwere der Auswirkungen und die Zeit nach der Pandemie werden die regionalen Unterschiede zeigen. Im Moment hoffe ich darauf, dass unsere strukturell wirtschaftlich sehr starke Region sich schneller erholen wird, als es vielleicht andernorts der Fall ist,“ meint Matthias Oppel, Vorsitzender der Geschäftsführung Bad Homburg.

„Auch wir als Agentur für Arbeit Bad Homburg haben in den letzten beiden Wochen die Veränderung hautnah gespürt. Ich habe unsere sämtlichen Teams so umstrukturiert, damit wir alles dafür tun können, die Anzeigen - zum Kurzarbeitergeld – so schnell und so gut wie irgend möglich zu bearbeiten und die Existenzen unserer Kundinnen und Kunden zu sichern. Dies gilt auch für die telefonische Arbeitslosmeldung, die zuvor in der Weise noch nie möglich war. Mit großem Engagement arbeiten die Kolleginnen und Kollegen aus nahezu allen Abteilungen für die Beschäftigten und Menschen in unserem Agenturbezirk. Es gilt zu beraten, aber auch schnell und unkompliziert zu bewilligen. Wir können auf große Rücklagen – nämlich auf insgesamt 26 Milliarden Euro aus dem Arbeitslosenversicherungsbeitrag zurückgreifen, den wir in den vergangenen, wirtschaftlich starken Jahren angespart haben. Der Sparkurs der zurückliegenden Jahre kommt uns jetzt – wie schon in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 -  zu Gute, und wird uns maßgeblich helfen, Arbeitsplätze zu sichern,“ erklärt Oppel.

„Die finanziellen Mittel sind dabei nicht alles, doch werden die finanziellen Rücklagen, die wir durch Ihre Sozialversicherungsbeiträge erwirtschaften konnten, uns nun helfen, sicherer durch die Krise zu kommen. Der Arbeitslosenversicherungsbeitrag ist eine wichtige Säule der Finanzausstattung des Sozialstaats. Es ist mehr als eine bloße Ergänzung der Hilfsgelder der Landes- und Bundesregierung. Auch hier sind wir dank der guten wirtschaftlichen Situation und der vergleichsweise geringen effektiven Verschuldung im Bund, gut aufgestellt.

Ich möchte deswegen allen Bürgerinnen und Bürgern in meinem Agenturbezirk für das Vertrauen in die Arbeit der Agentur für Arbeit Bad Homburg, das Sie uns in den letzten Jahren, aber gerade in den letzten Tagen entgegengebracht haben, danken.  Mir ist bewusst, dass insbesondere die Wartezeit der Servicerufnummern zu Beginn eine Geduldsprobe darstellte und auch nicht alle Anzeigen auf Kurzarbeitergeld auf einmal bearbeitet werden können, auch wenn wir dies gerne tun würden. Seien Sie versichert, alle Kolleginnen und Kollegen sind unermüdlich im Einsatz.

Deswegen auch meine unbedingte Bitte: Bleiben Sie Zuhause! Nicht nur, um Großeltern, Eltern und Risikogruppen zu schützen und unser Gesundheitssystem zu entlasten, sondern vielmehr auch um den Schaden für die Wirtschaft und den Verlust von Arbeitsplätzen so gut es geht zu minimieren. Sie leisten einen wichtigen Beitrag, die Zahlen der Infektionen zu verringern und damit auch Arbeitsplätze zu sichern. Wir hoffen, dass so die Maßnahmen der Bundesregierung zum Wohle aller früher gelockert werden können. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien alles Gute und bleiben Sie gesund,“ so Matthias Oppel.  

Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk bezogen auf alle Rechtskreise

Insgesamt waren 15.921 Menschen in den Landkreisen Hochtaunus, Groß-Gerau und Main-Taunus bis zum Stichtag arbeitslos gemeldet. Das waren im Vergleich zum Vormonat Februar 397 Menschen (-2,4 Prozent) weniger. Gegenüber dem Vorjahr waren es 832 Personen mehr von Arbeitslosigkeit betroffen (+5,5 Prozent). Die Arbeitslosenquote (bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen) sank um 0,1 Prozent auf 4,0 Prozent. Im Vorjahr lag die Quote bei 3,8 Prozent.

Stellenmarkt

Der Stellenmarkt im März sah wie folgt aus: Im Vergleich zum Vormonat belief sich der Bestand auf insgesamt 3.200 Stellen. Das ist ein Minus von 424 Stellen (-11,7 Prozent) gegenüber Februar. Im Vergleich zum März 2019 sind es 110 Stellen weniger gemeldet worden (-3,3 Prozent).

Der Zugang offener Stellen lag ebenfalls unter dem Vormonatswert.  Insgesamt meldeten die Unternehmen im März 844 Stellen, 21 Stellen weniger (-2,4 Prozent) als im Februar und 36 Stellen weniger als im Vorjahr (-4,1 Prozent).   

Der Gesamtzugang seit Jahresbeginn beläuft sich im März 2.466 Stellen. Das entspricht einem Minus von 87 Stellen oder 3,4 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019.  

Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

Auch der März beginnt mit einer einheitlichen Entwicklung in beiden Rechtskreisen.   

Im Bereich des Arbeitslosengeldes I (SGB III), für den die Arbeitsagentur Bad Homburg in den drei zugehörigen Kreisen ausschließlich zuständig ist, nahm die Zahl der Erwerbslosen um 141 Menschen (-2,0 Prozent) auf 6.908 ab. Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurden im März 877 Menschen mehr (+14,5 Prozent) gezählt.  

Im Bereich des Arbeitslosengeldes II (SGB II), welches im Agenturbezirk Bad Homburg ausschließlich in kommunaler Hand liegt, sank die Zahl der Arbeitslosen auf 9.013 Menschen (-256 Personen oder -2,8 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr waren allerdings 45 Personen weniger (-0,5 Prozent) arbeitslos gemeldet.

Die prozentuale Verteilung sieht wie folgt aus: 43,4 Prozent (SGB III) zu 56,6 Prozent (SGB II). 

Ausbildungsmarkt

Im März wird grundsätzlich die erste Zwischenbilanz zum Ausbildungsmarkt gezogen. Von einer Veröffentlichung nimmt die Agentur für Arbeit Bad Homburg aufgrund der aktuellen Situation Abstand.

Entwicklung im Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis und Kreis Groß-Gerau

Im März sank die Arbeitslosenzahl im Hochtaunuskreis und im Landkreis Groß-Gerau.

Hochtaunuskreis

Im März waren im Hochtaunuskreis insgesamt 4.301 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 224 Personen (-5,0 Prozent) weniger als im Februar und 275 Menschen (+6,8 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Davon waren 2.004 Menschen dem Rechtskreis SGB III und 2.297 dem Rechtskreis SGB II zugeordnet. Im SGB III Bereich waren 83 Personen oder 4,0 Prozent weniger arbeitslos. Im Bereich des SGB II waren es 141 Arbeitslose oder 5,8 Prozent weniger als im Vormonat. (Relation: 46,6 Prozent zu 53,4 Prozent).  

Gegenüber dem Vorjahresmonat waren im Rechtskreis SGB III 248 Menschen mehr arbeitslos gemeldet (+14,1 Prozent). Im Rechtskreis SGB II waren es 27 Personen mehr (+1,2 Prozent). 

Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Prozent auf 3,6 Prozent. Im März 2019 lag die Quote bei 3,4.

Der Zugang offener Stellen belief sich auf insgesamt 301 Stellenmeldungen im März (+51 Stellen oder 20,4 Prozent). Der Stellenbestand lag bei 1.010 offenen Stellen. Das waren 47 Stellen oder 4,4 Prozent weniger gegenüber dem Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr lag der Bestand bei 90 Stellen oder 8,2 Prozent weniger. Der Zugang seit Jahresbeginn belief sich auf insgesamt 793 Stellen und somit auf 168 Stellen weniger (-17,5 Prozent) als im Vorjahreszeitraum.   

Main-Taunus-Kreis

Im Main-Taunus-Kreis nahm die Arbeitslosenzahl im März um 52 Menschen (+1,5 Prozent) auf 4.368 zu. Im Vergleich zum Vorjahr waren 244 Menschen mehr (+5,9 Prozent) gemeldet.

Davon waren 1.826 Personen dem Rechtskreis SGB III und 2.542 dem Rechtskreis SGB II zugeordnet. Dies ergibt eine Relation von 41,8 Prozent (SGB III) zu 58,2 Prozent (SGB II). Im Bereich des SGB III gab es einen Rückgang von 30 Erwerbslosen (-1,6 Prozent) gegenüber dem Vormonat. Mit Blick auf den SGB II Bereich gab es einen Zuwachs von 82 Personen 3,2 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr gab es einen Anstieg von 167 Personen im Bereich des SGBIII oder 10,1 Prozent und einen Zuwachs von 77 Erwerbslosen oder 3,2 Prozent im Bereich der Grundsicherung.

Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 3,4 Prozent und liegt damit noch 0,1 Prozent über dem Vorjahreswert.          

Der Bestand offener Stellen lag bei 852 Stellen und damit 107 Personen oder11,2 Prozent unter dem Wert vom Februar. Im Vergleich zum Vorjahr lag der Bestand 32 Stellen bzw. 3,9 Prozent über dem Vorjahr. Der Zugang offener Stellen lag mit 199 Stellen und 17 Stellen bzw. 9,3 Prozent über dem Vormonatswert. Im Vergleich zum Vorjahr waren 44 Stellen weniger gemeldet worden, was einem Minus von 18,1 Prozent entspricht.

Seit Jahresbeginn meldeten die Unternehmen im Main-Taunus-Kreis insgesamt 575 Stellen, 56 Stellen weniger (-8,9 Prozent) als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.    

Kreis Groß-Gerau

Im Kreis Groß-Gerau belief sich die Zahl, der von Arbeitslosigkeit betroffenen Personen auf 7.252. Das waren 225 Personen weniger als im Februar (-3,0 Prozent) und 313 mehr (+4,5 Prozent) als vor einem Jahr.   

Darunter waren 3.078 Menschen dem Rechtskreis SGB III und 4.174 dem Rechtskreis SGB II zugeordnet. Gemessen an der Gesamtzahl entfielen somit 42,4 Prozent der Gemeldeten auf den Bereich der Arbeitslosenversicherung und 58,6 Prozent auf den Bereich der Grundsicherung.

Die Arbeitslosigkeit sank seit Februar in beiden Rechtskreisen. (SGB III: - 28 Personen oder 0,9 Prozent; SGB II: - 197 Personen oder - 4,5 Prozent). So waren 462 Menschen im Rechtskreis SGB III mehr arbeitslos als vor einem Jahr (+17,7 Prozent). Im Rechtskreis SGB II waren es 149 Menschen weniger (-3,4 Prozent).  

Die Arbeitslosenquote sank im März auf 4,8 Prozent. Im Vorjahr lag die Quote noch bei 4,6 Prozent.     

Der Stellenzugang im Landkreis Groß-Gerau belief sich auf 344 Stellen. Dies entspricht einem Minus von 89 Stellen bzw. -20,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Im Vorjahresvergleich waren 26 Stellen oder 8,2 Prozent mehr gemeldet.  Seit Jahresbeginn meldeten die Unternehmen insgesamt 1.098 offene Stellen. Das waren deutlich mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (+137 Stellen oder +14,3 Prozent). Der Stellenbestand war mit 1.338 gemeldeten Stellen unter den Vorjahreswerten. (-270 oder -16,8 Prozent) und 52 Stellen weniger als im Vorjahr (-3,7 Prozent).