30.04.2020 | Presseinfo Nr. 30

Pandemie beeinflusst Arbeitsmarkt

Arbeitslosenquote stieg auf 4,6 Prozent.

Anstieg in allen Personen- und Altersgruppen.

Anstieg überwiegend im SGB III Bereich.

Stelleneinbrüche bei Zugang und Bestand.

Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt deutlich zu spüren.

Anzeigen auf Kurzarbeit deutlich gestiegen.

Voraussichtlich jeder vierte Beschäftigte in Kurzarbeit.
 

Die Betrachtung der Arbeitsmarktzahlen in diesem Monat gibt nun erstmals einen Eindruck über die Auswirkungen des „Lockdowns“ und die Situation Agenturbezirk Bad Homburg wieder. Im Folgenden wird zunächst die Entwicklung des Arbeitsmarktes dargestellt sowie dann im Anschluss ein Überblick über die arbeitsmarktpolitischen Entwicklungen der Krise, das Kurzarbeitergeld.

Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk bezogen auf alle Rechtskreise

Insgesamt waren 18.310 Menschen in den Landkreisen Hochtaunus, Groß-Gerau und Main-Taunus arbeitslos gemeldet. Das waren im Vergleich zum Vorkrisenmonat März 2.389 Menschen (+15,0 Prozent) mehr. Gegenüber dem Vorjahr waren 3.329 Personen mehr von Arbeitslosigkeit betroffen (+22,2 Prozent). Die Arbeitslosenquote (bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen) stieg um 0,6 Prozent auf 4,6 Prozent. Im Vorjahr lag die Quote bei 3,8 Prozent.

 „In diesem Monat sehen wir erstmals die Auswirkungen der vergangenen sechs Wochen. Sie haben nicht nur unser berufliches und privates Umfeld sowie das öffentliche Leben beeinflusst, sondern auch unmittelbare Wirkung auf dem Arbeitsmarkt entfaltet. Wir mussten im letzten Monat einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf 4,6 Prozent verzeichnen. Betroffen sind auch Branchen, die in den früheren Jahren weniger von wirtschaftlichen Schwankungen betroffen waren, wie z.B. das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie die Tourismusbranche. Zudem haben wir viele Zugänge aus Selbständigkeit. Wir sehen, dass die Corona-Krise tatsächlich alle Bereiche erfasst. Mit Blick auf die Arbeitslosigkeit lesen sich die Zahlen im Vergleich zum Vormonat März und vor dem Hintergrund der zurückliegenden konjunkturellen starken Jahre besorgniserregend. Doch ist es wichtig zu wissen, dass eine Zahl von über 18.000 Arbeitslosen und eine Quote von 4,6 Prozent kein Novum im Agenturbezirk darstellt. So hatten wir noch bis in das Jahr 2014, 18.292 und eine Quote von 4,9 Prozent. Erst im Jahresdurchschnitt 2018 sank die Arbeitslosenquote auf unter 4 Prozent (3,9 Prozent) und auf knapp über 15.000 Arbeitslose. Der stetige Zuwachs des wirtschaftlichen Wachstums und die Steigerung der Beschäftigtenzahlen führten zu einer positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt. Insofern nehmen wir den Anstieg der Arbeitslosigkeit nunmehr besonders intensiv wahr, kommt er doch geballt.

Der jetzige Zuwachs an Arbeitslosen von fast 15 Prozent hat bisher noch kein Ausmaß erreicht, das der Agenturbezirk nicht verkraften könnte. Deswegen ist es mir so wichtig, den Blick auf die Zahlen zu schärfen, auch um die Krise besser einordnen zu können und verständlicher zu machen. Ich habe Vertrauen in die Wirtschaftsstärke unserer Region, die helfen wird, diese Krise mittelfristig zu überwinden“, erklärt Matthias Oppel, Vorsitzender der Geschäftsführung Bad Homburg.

„Die aktuelle Situation stellt sicherlich eine Herausforderung dar, die wir als Gesellschaft nur gemeinsam und mit Geduld bewältigen können. Ich betone dies gerade vor dem Hintergrund der veröffentlichten Zahlen zum Thema Kurzarbeit.

Wir haben derzeit geprüfte Anzeigen von über 5.000 Unternehmen in unserem Bezirk. Dies bedeutet, dass über 70.000 Menschen von Kurzarbeit betroffen sind. Somit befindet sich jeder vierte sozialversicherungspflichtige Beschäftige im Agenturbezirk derzeit in Kurzarbeit. Hier haben wir nach den uns vorliegenden Anzeigen eine ausgewogene Verteilung innerhalb der Landkreise, auch wenn im Landkreis Groß-Gerau aufgrund der Unternehmensgrößen mehr Menschen in Kurzarbeit tätig sind.

Hervorheben möchte ich zudem, dass Kurzarbeit nicht mit Arbeitslosigkeit gleichzusetzen ist, auch wenn es weniger Gehalt für den Einzelnen bedeutet. Im Gegenteil: Das arbeitsmarktpolitische Instrument der Kurzarbeit hat zum Ziel, genau davor zu schützen“, so Oppel.

„Darüber hinaus ist nicht jede Stellenbesetzung, die jetzt storniert wurde, dauerhaft gestrichen. Der jetzige Stillstand und die wenigen Abgänge in Arbeit sind eine Momentaufnahme. Ich möchte allen Bürgerinnen und Bürgern in meinem Agenturbezirk Mut zusprechen. Auch in dieser Krise hat das simple Gesetz der Folge Bestand, dass nach den jetzt zu bewältigenden Herausforderungen wieder eine Zeit des Ausschwungs kommen wird. Dies müssen wir uns vergegenwärtigen.

Bis dahin sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Agentur für Arbeit Bad Homburg weiterhin für Sie als verlässliche Ansprechpartner da. Sie arbeiten täglich dafür, die Geldleistungen zu gewähren. Wir alle haben in den vergangenen Wochen die Maßnahmen der Bundesregierung mitgetragen. Dies hat dazu geführt, dass die Maßnahmen nunmehr gelockert werden konnten. Mit unser aller Verhalten tragen wir dazu bei, die Zahl der Neuinfektionen zu verringern, um weitere Lockerungen zu ermöglichen. Dadurch werden wir die wirtschaftlichen Folgen minimieren können und Arbeitsplätze werden gesichert.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien alles Gute und bleiben Sie gesund,“ so Matthias Oppel.  

 

Stellenmarkt

Der Stellenmarkt im April steht ganz im Zeichen der Krise: Im April sah es wie folgt aus: Im Vergleich zum Vormonat belief sich der Bestand auf insgesamt 2.883 Stellen. Das ist ein Minus von 317 Stellen (-9,9 Prozent) gegenüber März. Im Vergleich zum April 2019 sind es 575 Stellen weniger gemeldet worden (-16,6 Prozent).

Der Zugang offener Stellen lag ebenfalls unter dem Vormonatswert.  Insgesamt meldeten die Unternehmen im April 393 Stellen, 451 Stellen weniger (-53,4 Prozent) als im März und 816 Stellen weniger als im Vorjahr (-67,5 Prozent).   

Der Gesamtzugang seit Jahresbeginn beläuft sich im April auf 2.859 Stellen. Das entspricht einem Minus von 903 Stellen oder 24 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019.  

Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

Im Bereich des Arbeitslosengeldes I (SGB III), für den die Arbeitsagentur Bad Homburg in den drei zugehörigen Kreisen ausschließlich zuständig ist, nahm die Zahl der Erwerbslosen um 1.749 Menschen (+25,3 Prozent) auf 8.657 zu. Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurden im April 2.648 Menschen mehr (+44,1 Prozent) gezählt.  

Im Bereich des Arbeitslosengeldes II (SGB II), welches im Agenturbezirk Bad Homburg ausschließlich in kommunaler Hand liegt, stieg die Zahl der Arbeitslosen auf 9.653 Menschen (+640 Personen oder 7,1 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr waren allerdings 681 Personen mehr (+7,6 Prozent) arbeitslos gemeldet.

Die prozentuale Verteilung sieht wie folgt aus: 47,3 Prozent (SGB III) zu 52,7 Prozent (SGB II). 

Ausbildungsmarkt

Durch die Corona-Krise ist es im Moment nur sehr eingeschränkt möglich eine Zwischenbilanz zum Ausbildungsmarkt zu ziehen. Deswegen nimmt die Agentur für Arbeit Bad Homburg aufgrund der aktuellen Situation vorerst von einer Veröffentlichung Abstand.

Entwicklung im Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis und Kreis Groß-Gerau

Die Krise hat alle drei Landkreise im April gleichermaßen im Griff:

Es waren alle Personen- und Altersgruppen von dem Anstieg betroffen.  

Hochtaunuskreis

Im April waren im Hochtaunuskreis insgesamt 4.841 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 540 Personen (+12,6 Prozent) mehr als im März und 863 Menschen (+21,6 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Davon waren 2.505 Menschen dem Rechtskreis SGB III und 2.336 dem Rechtskreis SGB II zugeordnet. Im SGB III Bereich waren 501 Personen oder 25,5 Prozent mehr arbeitslos. Im Bereich des SGB II waren es 39 Arbeitslose oder 1,7 Prozent mehr als im Vormonat. (Relation: 51,7 Prozent zu 48, 3 Prozent).  

Gegenüber dem Vorjahresmonat waren im Rechtskreis SGB III 793 Menschen mehr arbeitslos gemeldet (+46,3 Prozent). Im Rechtskreis SGB II waren es 70 Personen mehr (+3,1 Prozent). 

Die Arbeitslosenquote stieg um 0,5 Prozent auf 4,1 Prozent. Im April 2019 lag die Quote bei 3,4.

Der Zugang offener Stellen belief sich auf insgesamt 94 Stellenmeldungen im April (-207 Stellen oder 68,8 Prozent). Der Zugang offener Stellen im Vergleich zum April 2019 belief sich auf einen Rückgang von 256 Stellen. Dies entspricht einem Minus von 73,1 Prozent. Der Stellenbestand lag bei 881 offenen Stellen. Das waren 129 Stellen oder 12,8 Prozent weniger gegenüber dem Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr lag der Bestand bei 199 Stellen oder 18,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Zugang seit Jahresbeginn belief sich auf insgesamt 887 Stellen und somit auf 424 Stellen weniger (-32,3 Prozent) als im Vorjahreszeitraum.   

Main-Taunus-Kreis

Im Main-Taunus-Kreis nahm die Arbeitslosenzahl im April um 718 Menschen (+16,4 Prozent) auf 5.086 zu. Im Vergleich zum Vorjahr waren 999 Menschen mehr (+24,4 Prozent) gemeldet.

Davon waren 2.365 Personen dem Rechtskreis SGB III und 2.721 dem Rechtskreis SGB II zugeordnet. Dies ergibt eine Relation von 46,5 Prozent (SGB III) zu 53,5 Prozent (SGB II). Im Bereich des SGB III gab es einen Zuwachs von 539 Erwerbslosen (+29,5 Prozent) gegenüber dem Vormonat. Mit Blick auf den SGB II Bereich gab es einen Zuwachs von 179 Personen oder 7,0 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr gab es einen Anstieg von 688 Personen im Bereich des SGBIII oder 41,0 Prozent und einen Zuwachs von 311 Erwerbslosen oder 12,9 Prozent im Bereich der Grundsicherung.

Die Arbeitslosenquote stieg um 0,5 Prozentpunkte auf 3,9 Prozent und liegt damit nunmehr 0,7 Prozent über dem Vorjahreswert.    

Der Bestand offener Stellen lag bei 724 Stellen und damit 128 Stellen oder 15,0 Prozent unter dem Wert vom März. Im Vergleich zum Vorjahr lag der Bestand 134 Stellen bzw. 15,6 Prozent ebenfalls unter dem Vorjahresniveau. Der Zugang offener Stellen lag mit 90 Stellen und 109 Stellen bzw. 54,8 Prozent ebenfalls unter dem Vormonatswert. Im Vergleich zum Vorjahr waren 194 Stellen weniger gemeldet worden, was einem Minus von 68,3 Prozent entspricht.

Seit Jahresbeginn meldeten die Unternehmen im Main-Taunus-Kreis insgesamt 665 Stellen, 250 Stellen weniger (-27,5 Prozent) als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. 

Kreis Groß-Gerau

Im Kreis Groß-Gerau belief sich die Zahl, der von Arbeitslosigkeit betroffenen Personen auf 8.383. Das waren 1.131 Personen mehr als im März (+15,6 Prozent) und 1.467 mehr (+21,2 Prozent) als vor einem Jahr.   

Darunter waren 3.787 Menschen dem Rechtskreis SGB III und 4.596 dem Rechtskreis SGB II zugeordnet. Gemessen an der Gesamtzahl entfielen somit 45,2 Prozent der Gemeldeten auf den Bereich der Arbeitslosenversicherung und 54,8 Prozent auf den Bereich der Grundsicherung.

Die Arbeitslosigkeit stieg seit März in beiden Rechtskreisen. (SGB III: +709 Personen oder 23,0 Prozent; SGB II: +422 Personen oder +10,1 Prozent). So waren 1.167 Menschen im Rechtskreis SGB III mehr arbeitslos als vor einem Jahr (+44,5 Prozent). Im Rechtskreis SGB II waren es 300 Menschen mehr (+7,0 Prozent).  

Die Arbeitslosenquote stieg im April auf 5,5 Prozent. Im Vorjahr lag die Quote noch bei 4,6 Prozent.     

Der Stellenzugang im Landkreis Groß-Gerau belief sich auf 209 Stellen. Dies entspricht einem Minus von 135 Stellen bzw. -39,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Im Vorjahresvergleich waren 366 Stellen oder 63,7 Prozent weniger gemeldet.  Seit Jahresbeginn meldeten die Unternehmen insgesamt 1.307 offene Stellen. Das waren ebenfalls deutlich weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (-229 Stellen oder -14,9 Prozent). Der Stellenbestand lag mit 1.278 gemeldeten Stellen auch unter den Vormonatswerten (-60 oder -4,5 Prozent) und 242 Stellen weniger als im Vorjahr (-15,9 Prozent).    

 

Kurzarbeit

Die Entwicklung der Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit lässt deutlich die Auswirkungen der Corona - Krise auf den Arbeitsmarkt erkennen. Die Zahl der geprüften Anzeigen und der darin genannten Personen ist vom März auf April im Agenturbezirk Bad Homburg nochmals gestiegen. Die März Zahlen wurden nunmehr abschließend geprüft und auch auf Mehrfachanzeigen eines Betriebes bzw. Betriebsteile hin bereinigt. Somit ergeben sich für den März veränderte Zahlen.

Agenturbezirk Bad Homburg

Insgesamt stellten die Unternehmen bis Ende April insgesamt 5.046 Anzeigen im Agenturbezirk, und meldeten damit Kurzarbeit an. Im Vergleich zum März, in dem 477 geprüfte Anzeigen eingingen, zeigte sich im April nunmehr die Auswirkungen der Corona-Krise erstmals deutlich. Damit gingen im April 4.569 Anzeigen ein. Das entspricht einer Steigerung von 957,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat.

Die Zahl der Betroffenen Mitarbeiter/innen in den Unternehmen, die Kurzarbeit angemeldeten, liegt bei 70.659 Personen. Im März 2020 waren es noch 8.745 Personen. Im Vergleich dazu, waren im April 2019 nur 16 Personen in Kurzarbeit beschäftigt.

Hochtaunuskreis

Im Hochtaunuskreis liegen nunmehr 1.734 geprüfte Anzeigen von Unternehmen vor. 168 Anzeigen waren es im März 2020. Insgesamt sind 15.318 Personen in Kurzarbeit tätig. Im März waren es noch 2.347 Menschen, die in Kurzarbeit tätig waren. Im April gingen 1.566 Anzeigen ein. Dies entspricht einem Zuwachs von 932,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat.

Main-Taunus-Kreis

Im Main-Taunus-Kreis hatten die Unternehmen im April 1.694 Anzeigen eingereicht. In Kurzarbeit waren damit 22.082 Personen. Im März 2020 waren es noch 163 Unternehmensanzeigen und 2.625 Kurzarbeiter. Im April gingen 1.531 Unternehmensanzeigen ein. Damit ergab sich daraus eine Steigerung von 939,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat.

Landkreis Groß-Gerau

1.618 geprüfte Anzeigen lagen im Landkreis Groß-Gerau zum Ende April 2020 vor. Von Kurzarbeit betroffen waren demnach 33.259 Personen. Damit hat der Landkreis den größten Anteil an Kurzarbeitern im Agenturbezirk. Es gingen im April damit 1.472 Anzeigen ein. Dies entspricht einer Steigerung von 1.008,2 Prozent. Im März lagen der Agentur 146 geprüfte Anzeigen auf Kurzarbeit vor. Damit waren 3.773 Personen im März bereits in Kurzarbeit.