30.09.2020 | Presseinfo Nr. 56

Herbst bringt leichte Entspannung

Arbeitslosenquote sank auf 5,6 Prozent.

Rückgänge bei allen Personen- und Altersgruppen.

Stärkster Rückgang bei den Männern.

Jugendliche profitieren ebenfalls.

Rückgänge in beiden Rechtskreisen.

Landkreis Groß-Gerau verzeichnet höchsten Rückgang an Arbeitslosen.

Wenig Stellenzuwächse, aber deutlicher Anstieg beim Stellenbestand.

Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt weiterhin spürbar.

Anzahl der Anzeigen auf Kurzarbeit auf niedrigstem Stand seit Beginn der Krise.
 

Die Zahl der Arbeitslosen ist im September im Vergleich zum Vormonat August saisonüblich gesunken. Im Vorjahresvergleich bleibt der SGB III Bereich weiterhin auf einem enormen Niveau von über 80 Prozent Erwerbslose mehr.

Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk bezogen auf alle Rechtskreise

Insgesamt waren 22.502 Menschen in den Landkreisen Hochtaunus, Groß-Gerau und Main-Taunus arbeitslos gemeldet. Das waren im Vergleich zum August diesen Jahres 890 Menschen (-3,8 Prozent) weniger. Gegenüber dem September 2019 waren 7.082 Personen mehr von Arbeitslosigkeit betroffen (+45,7 Prozent). Die Arbeitslosenquote (bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen) sank um 0,2 Prozent auf 5,6 Prozent. Im Vorjahr lag die Quote bei 3,9 Prozent.

„Mit Blick auf den September können wir auch in Pandemiezeiten den üblichen Trend einer Herbstbelebung erkennen. Auch die Zahl der im September gestellten Anzeigen auf Kurzarbeit ist so gering wie nie. Dies lässt auf eine steigende leichte Erholung am Arbeitsmarkt hoffen“, so Matthias Oppel, Vorsitzender der Geschäftsführung.

„Dennoch zeigen die Vorjahreszahlen, dass sich an der Gesamtlage kaum etwas verändert hat. Die Zahl der Erwerbslosen aus beiden Rechtskreisen liegt nach sechs Krisenmonaten immer noch bei rund 40 Prozent. Im Bereich des Arbeitslosengeldes I (SGB III) hat sich die Erwerbslosenzahl im Vorjahresvergleich weiterhin auf einem sehr hohen Prozentsatz eingependelt.  

Von der Herbstbelebung konnten insbesondere junge Menschen profitieren, während die Zahl der Langzeitarbeitslosen langsam, aber stetig zunimmt. Dies ist in besonderem Maße den Übergängen vom SGB III Bereich in die Grundsicherung und der Tatsache geschuldet, dass Geringqualifizierte oft kürzere Beschäftigungszeiten haben und damit nicht den erforderlichen Anspruch auf ALG I nachweisen können“, erklärt Oppel.

„Es fehlen die wichtigen Stellenmeldungen, um noch mehr Abgänge in Arbeit verzeichnen zu können, auch wenn sich die Zahl der Abgänge insgesamt deutlich erhöht und das Vorjahresniveau fast erreicht hat, können wir nur kleine Entspannungsphasen und eine bedingte Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes erkennen.

Obwohl der Arbeitsmarkt massiv unter Druck geriet, konnte aufgrund von Stabilisierungsmethoden ein bodenloses Abstürzen verhindert werden. Das Instrument der Kurzarbeit sorgt weiterhin für den Puffer. Es wird insbesondere, in den vor uns liegenden Monaten noch wichtiger werden, Beschäftigung statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren und damit einen wichtigen Beitrag zur notwendigen Stabilität in der Krise zu leisten.

Trotzdem müssen wir jede wirtschaftliche Erholung nutzen, um Stellen zu schaffen, denn das Instrument der Kurzarbeit ist endlich. Hier gilt es in Zukunft verstärkt gleichermaßen Arbeitgebern und Arbeitnehmern coachend zur Seite zu stehen. Die Weiterbildung der Beschäftigten im Betrieb wird mehr an Bedeutung gewinnen und sollte in der Zeit der Kurzarbeit bereits genutzt werden, um mit Einsetzen der wirtschaftlichen Erholung alle Potenziale ausschöpfen zu können und genügend Facharbeiter bzw. Fachkräfte im eigenen Unternehmen bündeln zu können. Gleichzeitig sorgen Digitalisierung und Handelskonflikte dafür, dass gerade in exportabhängigen Wirtschaftszweigen weniger Mitarbeiter benötigt werden. In diesem Dualismus zwischen Fachkräftesicherung und gleichzeitigem Schwinden derselben in einigen Branchen wird die größte Herausforderung in den nächsten Jahren liegen, um einen kleinen Ausblick zu geben“, erklärt Matthias Oppel.   

„Wenig Erholungseffekte haben wir derzeit im Gastgewerbe und in dem Wirtschaftszweig sonstige Dienstleistungen (z.B. Kulturveranstaltungen). Die vor uns liegende Zeit wird die Entspannung nicht begünstigen, um die erlittenen wirtschaftlichen Verluste auszugleichen. Der bundesweite Arbeitsmarkt wird insgesamt – mit einigen örtlichen Lichtblicken am Horizont – noch lange unter der Pandemie ächzen, weiß Matthias Oppel.“

Stellenmarkt

Der September sorgte trotz Belebung für keinen Zuwachs an offenen Stellen im Vergleich zum August: Insgesamt meldeten die Unternehmen im September 687 Stellen, 5 Stellen weniger (-0,7 Prozent) als im August. Im Vergleich zum September 2019 waren 41,6 Prozent oder 489 Stellen weniger gemeldet worden. Was den Stellenbestand angeht, so konnte dieser etwas zulegen. Im Vergleich zum Vormonat belief sich der Bestand auf insgesamt 2.488 Stellen. Das ist ein Plus von 177 Stellen (+7,7 Prozent) gegenüber August. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind 2.082 Stellen weniger gemeldet worden (- 45,6 Prozent).  

Der Gesamtzugang seit Jahresbeginn belief sich im September auf 5.694 Stellen. Das entspricht einem Minus von 4.226 Stellen oder 42,6 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019. Damit ist der Zugang an offenen Stellen im gesamten Agenturbezirk seit Einsetzen der Pandemie weiterhin um rund 40 Prozent eingebrochen. Dies konnte auch die leichte Herbstbelebung nicht verbessern.  

Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

Im Bereich des Arbeitslosengeldes I (SGB III), für den die Arbeitsagentur Bad Homburg in den drei zugehörigen Kreisen ausschließlich zuständig ist, nahm die Zahl der Erwerbslosen um 557 Menschen (-4,7 Prozent) auf 11.196 ab. Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurden im September 5.233 Menschen mehr (+87,8 Prozent) gezählt.  

Im Bereich des Arbeitslosengeldes II (SGB II), welches im Agenturbezirk Bad Homburg ausschließlich in kommunaler Hand liegt, sank die Zahl der Arbeitslosen auf 11.306 Menschen (- 333 Personen oder 2,9 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr waren allerdings 1.829 Personen mehr (+19,3 Prozent) arbeitslos gemeldet.

Die prozentuale Verteilung sieht wie folgt aus: 49,8 Prozent (SGB III) zu 50,2 Prozent (SGB II). 

Ausbildungsmarkt

Das Ausbildungsjahr 2019/2020 endet heute, am 30. September 2020. Die Abschlussstatistik zum Ausbildungsjahr wird im Oktober 2020 in einem gesonderten Bericht zusammen mit Arbeitsmarktbericht veröffentlicht werden.

Entwicklung im Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis und Kreis Groß-Gerau

Die drei Landkreise des Agenturbezirks Bad Homburg können alle von der Herbstbelebung profitieren und die Zahl der Erwerbslosen im Vergleich zum Vormonat August in beiden Rechtskreisen verringern.

Hochtaunuskreis

Im September waren im Hochtaunuskreis insgesamt 6.251 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 142 Personen (-2,2 Prozent) weniger als im August und 2.188 Menschen (- 53,9 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Davon waren 3.154 Menschen dem Rechtskreis SGB III und 3.097 dem Rechtskreis SGB II zugeordnet. Im SGB III Bereich waren 86 Personen oder 2,7 Prozent weniger arbeitslos. Im Bereich des SGB II waren es 56 Arbeitslose oder 1,8 Prozent weniger als im August. (Relation: 50,5 Prozent zu 49,5 Prozent).  

Gegenüber dem Vorjahresmonat waren im Rechtskreis SGB III 1.479 Menschen mehr arbeitslos gemeldet (+88,3 Prozent). Im Rechtskreis SGB II waren es 709 Personen mehr (+29,7 Prozent). 

Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozent auf 5,2 Prozent. Im September 2019 lag die Quote bei 3,4.

Der Zugang offener Stellen belief sich auf insgesamt 207 Stellenmeldungen im September (+52 Stellen oder 33,5 Prozent). Der Zugang offener Stellen wies im Vergleich zum September 2019 einen Rückgang von 133 Stellen auf. Dies entspricht einem Minus von 39,1 Prozent. Der Stellenbestand lag bei 725 offenen Stellen. Das waren 88 Stellen oder 13,8 Prozent mehr gegenüber dem Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr lag der Bestand bei 568 Stellen oder 43,9 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Zugang seit Jahresbeginn belief sich auf insgesamt 1.692 Stellen und somit auf 1.487 Stellen weniger (-46,8 Prozent) als im Vorjahreszeitraum.   

Main-Taunus-Kreis

Im Main-Taunus-Kreis nahm die Arbeitslosenzahl im September um 213 Menschen (+3,3 Prozent) auf 6.336 ab. Im Vergleich zum Vorjahr waren 2.115 Menschen mehr (+50,1 Prozent) gemeldet.

Davon waren 3.242 Personen dem Rechtskreis SGB III und 3.094 dem Rechtskreis SGB II zugeordnet. Dies ergibt eine Relation von 51,2 Prozent (SGB III) zu 48,8 Prozent (SGB II). Im Bereich des SGB III gab es einen Rückgang von 65 Erwerbslosen (-2,1 Prozent) gegenüber dem Vormonat. Mit Blick auf den SGB II Bereich gab es eine Abnahme von 65 Personen oder 2,1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich keine nennenswerte Veränderung: Insgesamt waren 1.645 Personen oder 103,0 Prozent im Bereich des SGB III mehr gemeldet. Im SGB II Bereich sah es wie folgt aus:  Hier waren im Vergleich zum Vorjahr 470 Erwerbslose oder 17,9 Prozent mehr gemeldet.

Die Arbeitslosenquote sank ebenfalls um 0,1 Prozentpunkte auf 4,9 Prozent und liegt damit nunmehr 1,6 Prozent über dem Vorjahreswert (3,3 Prozent).  

Der Bestand offener Stellen lag bei 719 Stellen und damit 13 Stellen oder 1,8 Prozent über dem Vormonatswert. Im Vergleich zum Vorjahr lag der Bestand 371 Stellen bzw. 34,0 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Der Zugang offener Stellen lag mit 159 Stellen und 88 Stellen bzw. 35,6 Prozent über dem Vormonatswert. Im Vergleich zum Vorjahr waren allerdings 106 Stellen weniger gemeldet worden, was einem Minus von 40,0 Prozent entspricht.

Seit Jahresbeginn meldeten die Unternehmen im Main-Taunus-Kreis insgesamt 1.503 Stellen, 745 Stellen weniger (- 33,1 Prozent) als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.  

Kreis Groß-Gerau

Im Kreis Groß-Gerau belief sich die Zahl, der von Arbeitslosigkeit betroffenen Personen im September auf 9.915.  Das waren 535 Personen weniger als im August (-5,1 Prozent) und 2.759 mehr (+38,6 Prozent) als vor einem Jahr.   

Darunter waren 4.800 Menschen dem Rechtskreis SGB III und 5.115 dem Rechtskreis SGB II zugeordnet. Gemessen an der Gesamtzahl entfielen somit 48,4 Prozent der Gemeldeten auf den Bereich der Arbeitslosenversicherung und 51,6 Prozent auf den Bereich der Grundsicherung.

Die Arbeitslosigkeit sank seit August in beiden Rechtskreisen. (SGB III: -323 Personen oder 6,3 Prozent; SGB II: 212 Personen oder -4,0 Prozent). So waren 2.109 Menschen im Rechtskreis SGB III mehr arbeitslos als vor einem Jahr (+78,4 Prozent). Im Rechtskreis SGB II waren es 650 Menschen mehr (+14,6 Prozent).  

Die Arbeitslosenquote sank in diesem Monat um 0,4 Prozentpunkte auf 6,4 Prozent. Im Vorjahr lag die Quote noch bei 4,7 Prozent.     

Der Stellenzugang im Landkreis Groß-Gerau belief sich auf 321 Stellen. Dies entspricht einem Plus von 31 Stellen bzw. 10,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Im Vorjahresvergleich waren 250 Stellen oder 43,8 Prozent weniger gemeldet.  Seit Jahresbeginn meldeten die Unternehmen insgesamt 2.499 offene Stellen. Das waren ebenfalls deutlich weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (-1.994 Stellen oder – 44,4 Prozent). Der Stellenbestand lag mit 1.044 gemeldeten Stellen über den Vormonatswerten (+78 oder + 7,9 Prozent) und 1.143 Stellen weniger als im Vorjahr (-52,3 Prozent).    

Kurzarbeit

Die Entwicklung der Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit nahm im September deutlich ab. Insgesamt wurden 55 Anzeigen gestellt. Diese Entwicklung zeigt sich auch in drei zum Agenturbezirk gehörenden Kreisen.

Agenturbezirk Bad Homburg

Insgesamt gingen im Agenturbezirk im September noch 55 Anzeigen auf Kurzarbeit ein. Angemeldet wurde die Kurzarbeit für insgesamt 893 Beschäftigte. Insgesamt stellten die Unternehmen von April bis Ende September insgesamt 7.705 Anzeigen, und meldeten damit Kurzarbeit an. Die Zahl der Betroffenen Mitarbeiter/innen in den Unternehmen, für die Kurzarbeit angemeldet wurde, lag bis Ende September agenturweit bei 121.469 Beschäftigten. Auch hier gilt, dass es dabei nicht um die tatsächliche Zahl der Kurzarbeiter handelt. Diese fällt erfahrungsgemäß deutlich niedriger aus und kann statistisch im Moment nicht erfasst werden.  

Die Zahl der tatsächlichen Kurzarbeiter im Agenturbezirk Bad Homburg lag per Ende Mai bei 40.293 Beschäftigten.

Hochtaunuskreis

Im Hochtaunuskreis liegen nunmehr von April bis Ende September insgesamt 2.559 Anzeigen von Unternehmen vor. Im September hatten die Unternehmen 18 neue Anzeigen auf Kurzarbeit eingereicht. Betroffen sind damit 157 Beschäftigte in Kurzarbeit. Im Gesamtzeitraum wurde für 26.695 Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet.

Main-Taunus-Kreis

Im Main- Taunus-Kreis liegen nunmehr von April bis Ende September insgesamt 2.579 Anzeigen von Unternehmen vor. In diesem Monat meldeten die Unternehmen 22 neue Anzeigen auf Kurzarbeit. Damit kamen 538 potentielle Kurzarbeiter hinzu. Insgesamt wurde für den Zeitraum von April bis heute für 34.256 Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet.

Kreis Groß-Gerau

2.567 Anzeigen lagen im Landkreis Groß-Gerau Ende September vor. Von Kurzarbeit betroffen, waren demnach 60.518 Beschäftigte. Im September wurden lediglich 15 Anzeigen für 198 potentielle Beschäftigte in Kurzarbeit gestellt.