03.01.2020 | Presseinfo Nr. 2

Der Arbeitsmarkt im Jahresverlauf 2019 und ein Ausblick auf 2020

Die Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf 2019:
Auch 2019 und damit im fünften Jahr in Folge setzte sich der Rückgang der Arbeitslosigkeit weiter fort

Die Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf 2019:

Auch 2019 und damit im fünften Jahr in Folge setzte sich der Rückgang der Arbeitslosigkeit weiter fort. Im Januar 2019 betrug die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk noch 5,2 Prozent. Bereits im Februar sank die Arbeitslosigkeit wieder auf 5,1 Prozent, im März auf 4,9 Prozent und im April weiter auf 4,6 Prozent. Im Juli erfolgte der ebenfalls jahreszeitlich übliche Anstieg im Sommer – auf eine Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent. Bis zum November fiel diese wieder auf 4,6 Prozent, um im Dezember auf 4,8 Prozent anzusteigen. Der Abbau der Arbeitslosigkeit verlangsamte sich im zweiten Halbjahr 2019, im November war die Arbeitslosigkeit auf dem gleichen Niveau wie ein Jahr zuvor. Und im Dezember überstieg sie das Vorjahresniveau leicht.

Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosigkeit:

Im Jahresdurchschnitt 2019 waren 9 003 Menschen arbeitslos. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent. Im Jahr 2018 waren noch 9 341 Menschen arbeitslos, die Arbeitslosenquote betrug 5,0 Prozent. Im Jahresdurchschnitt ging die Arbeitslosigkeit von 2018 auf 2019 um 3,6 Prozent zurück.

3 270 Personen oder 36,3 Prozent wurden im Rahmen der Arbeitslosenversicherung (SGB III) durch die Agentur für Arbeit, 5 733 Personen oder 63,7 Prozent im Rahmen der Grundsicherung (SGB II) durch die Jobcenter betreut.


Die Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen:

Nur noch im Rechtskreis SGB II (Grundsicherung durch Jobcenter) wurde 2019 Arbeitslosigkeit abgebaut (- 6,4 Prozent). Im Rechtskreis der Arbeitslosenversicherung SGB III; Agentur für Arbeit) lag die jahresdurchschnittliche Arbeitslosigkeit um 1,7 Prozent über der des Vorjahres. 

Bewegungsdaten der Arbeitslosigkeit:

9 003 arbeitslose Menschen im Jahresdurchschnitt entsprechen 28 631 Neumeldungen in Arbeitslosigkeit (- 0,5 Prozent gegenüber 2018) und 28 575 Abmeldungen aus Arbeitslosigkeit (- 2,8 Prozent gegenüber 2018). Aus diesen Zahlen ist erkennbar, dass 2019 die Zahl der Anmeldungen die der Abmeldungen überstieg.

Arbeitslosigkeit nach Geschlecht:

Männer waren 2019 nach absoluten Zahlen stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als Frauen, ihr Anteil betrug 55,3 Prozent, der der Frauen 44,7 Prozent. Dies entsprach 4 977 Männern und 4 026 Frauen. Die Arbeitslosenquote der Männer betrug 5,0 Prozent, die der Frauen 4,6 Prozent. Im Vergleich zu 2018 ging die Arbeitslosigkeit für Frauen (- 5,5 Prozent) stärker zurück als für Männer (- 2,1 Prozent).

Arbeitslosigkeit nach Alter und Dauer:

10,7 Prozent aller Arbeitslosen 2019 waren im Alter zwischen 15 und 25 Jahren. 36,0 Prozent aller Arbeitslosen waren 50 Jahre und älter. Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresdurchschnitt für Jüngere 4,8 Prozent, für Ältere 4,6 Prozent. Gegenüber 2018 waren im Jahresdurchschnitt 0,5 Prozent weniger Jüngere arbeitslos und 2,5 Prozent weniger Ältere.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften (Stellen):

Insgesamt beauftragten Betriebe und Institutionen im Jahresverlauf den gemeinsamen Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcentern in 9 433 Fällen mit der Suche nach Bewerberinnen und Bewerbern zur Einstellung. Das entspricht einem Rückgang von 7,8 Prozent gegenüber 2018. Der jahresdurchschnittliche Bestand an Stellen von 3 165 ist gegenüber Vorjahr um 2,0 Prozent gestiegen.

 

Beschäftigung:

119 737 Menschen waren zum 30.06.2019 (aktuellster Datenstand) im Agenturbezirk Bad Kreuznach sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das sind 1,1 Prozent mehr als zum 30.06.2018 (Vorjahresquartal) und 0,2 Prozent mehr als zum 31.03.2019 (Vorquartal).

Der Anstieg zum Vorjahresquartal fiel im hiesigen Bezirk niedriger als im Landesdurchschnitt aus. In Rheinland-Pfalz stieg die Beschäftigung von 30.06.2018 auf 30.06.2019 um 1,7 Prozent.

Im Agenturbezirk Bad Kreuznach erfolgte der relativ stärkste Zuwachs zwischen Juni 2018 und Juni 2019 in dem Wirtschaftszweig der Erbringung freiberuflicher, wissenschaftlicher und technischer Dienstleistungen, der Information und Kommunikation, Arbeitnehmerüberlassung, der Land- und Forstwirtschaft und im Gesundheitswesen. Den stärksten Beschäftigungsrückgang hatte in diesem Zeitraum die Zeitarbeitsbranche.

Der Ausbildungsmarkt zum 30.09.2019:

Im Agenturbezirk Bad Kreuznach hat sich der Ausbildungsmarkt 2018/2019 als klassischer „Bewerbermarkt“ abgebildet. So ging die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber gegenüber dem vorhergehenden Ausbildungsjahr um 12,9 Prozent zurück. Neben dem demografischen Faktor lässt auch das Interesse an dualer Ausbildung nach. Zwar ist auch die Zahl der Ausbildungsstellen gegenüber dem Vorjahr rückläufig (- 11,2). Sie übertraf aber die Bewerberzahl deutlich. Zwischen Oktober 2018 und September 2019 hatten rund 1 900 Jugendliche die Berufsberatung um Unterstützung bei der Ausbildungssuche gebeten. Rund 2 300 Ausbildungsstellen wurden im gleichen Zeitraum von den regionalen Ausbildungsbetrieben angeboten. Es gelang Berufsberatern und Ausbildungsstellenvermittlern im Jahresverlauf gut zum Ausgleich am Ausbildungsmarkt beizutragen. Zum 30. September blieben 127 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz und 116 Ausbildungsstellen unbesetzt.

 

Arbeitslosigkeit in den einzelnen Regionen des Agenturbezirks:

Landkreis Bad Kreuznach:

Im Landkreis Bad Kreuznach ging die jahresdurchschnittliche Arbeitslosigkeit zurück - um 4,6 Prozent (von 4 875 auf 4 650 Personen). Die Arbeitslosenquote ist von 5,8 Prozent in 2018 auf 5,5 Prozent im Jahresdurchschnitt 2019 gesunken und ist damit nicht mehr die höchste im Agenturbezirk Bad Kreuznach.

Insbesondere Frauen und Langzeitarbeitslose profitierten hier vom Rückgang der Arbeitslosigkeit. Wie schon im Vorjahr gelang es im Landkreis Bad Kreuznach die Arbeitslosigkeit in der Grundsicherung (SGB II) deutlich abzubauen (- 7,9 Prozent zu 2018). In der Arbeitslosenversicherung (SGB III) waren mehr Menschen arbeitslos als 2018 (+ 2,5 Prozent).

Rund 200 Personen weniger als 2018 mussten sich im Jahresverlauf 2019 arbeitslos melden. Aus der Arbeitslosigkeit abmelden konnten sich 462 Personen weniger als 2018. Dies zeigt die etwas nachlassende Dynamik insbesondere im zweiten Halbjahr 2019. Jedoch überstieg insgesamt die Zahl der Abmeldungen die der Anmeldungen, was zum Rückgang der Arbeitslosigkeit führte.

Der Zugang an Stellenangeboten ging um 8,5 Prozent zurück, der Bestand um 1,7 Prozent.

 

Landkreis Birkenfeld:

Im Landkreis Birkenfeld stieg die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt 2019 gegenüber 2018 – anders als in den beiden anderen Landkreisen - an und zwar um 1,1 Prozent (von    2 426 auf 2453 Personen). Die Arbeitslosenquote verharrte ebenso wie 2018 auf 5,6 Prozent.

Lediglich Frauen und Langzeitarbeitslose waren weniger von Arbeitslosigkeit betroffen als 2018, alle anderen Personengruppen mehr. Im Landkreis Birkenfeld konnte die Arbeitslosigkeit nur noch im Rechtskreis SGB II (Grundsicherung) geringfügig abgebaut werden (- 0,5 Prozent). In der Arbeitslosenversicherung (SGB III) stieg die Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf um 5,1 Prozent an.

Dort mussten sich im Jahresverlauf rund 100 Personen mehr als 2018 arbeitslos melden. Gleichzeitig konnten sich rund 200 Menschen weniger im Jahresverlauf aus der Arbeitslosigkeit abmelden. Letztlich überstiegen die Arbeitslosmeldungen die Abmeldungen aus Arbeitslosigkeit.  

Der Zugang an Stellenangeboten war um 3,6 Prozent rückläufig, der Bestand um 1,9 Prozent.

 

Rhein-Hunsrück-Kreis:

Im Rhein-Hunsrück-Kreis ging die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt 2019 um 6,9 Prozent und damit am stärksten innerhalb des Agenturbezirks zurück. Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote betrug 3,2 Prozent nach 3,5 Prozent im Vorjahr (von 2 040 auf 1 900 Personen).

Insbesondere Männer und Langzeitarbeitslose profitierten vom Rückgang der Arbeitslosigkeit. Hier gelang der Abbau der Arbeitslosigkeit auch in beiden Rechtskreisen, deutlicher jedoch im Rechtskreis SGB II (Grundsicherung; - 10,8 Prozent).

Weniger Menschen (- 47) als im Vorjahr mussten sich im Jahresverlauf 2019 arbeitslos melden. Gleichzeitig konnten sich rund 150 Personen weniger aus der Arbeitslosigkeit abmelden. Letztlich überstiegen die Arbeitslosmeldungen die Abmeldungen aus Arbeitslosigkeit. 

Der Zugang an Stellenangeboten war um 9,5 Prozent rückläufig, der Bestand hingegen ist um 8,7 Prozent gestiegen.

 

 

Ausblick 2020:

 

Abbau der Arbeitslosigkeit wird etwas ausgebremst, aber Arbeitsmarkt bleibt robust.

 

Nach Einschätzung des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) führt der konjunkturelle Abschwung zu einer geringeren Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) als in den vergangenen fünf Jahren - um 1,1 Prozent in 2020. Der Arbeitsmarkt wird sich voraussichtlich ebenfalls schwächer als in den vergangenen Jahren entwickeln.

Entsprechend der erwarteten Konjunkturentwicklung rechnete das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in seiner Herbstprognose mit einer Stagnation der Arbeitslosigkeit, aber weiterhin mit einem Plus bei der Erwerbstätigkeit.

 

Im Agenturbezirk Bad Kreuznach ist der Abbau der Arbeitslosigkeit auch 2019 insgesamt deutlich und für alle Personengruppen gut gelungen. Besondere Erfolge wurden 2019 bei der Integration von Langzeitarbeitslosen erzielt. Hier hat sicher das zum 01.01.2019 neu verabschiedete Teilhabechancengesetz unterstützt. Auch der Ausgleich am Ausbildungsmarkt gelang bei zunehmenden Schwierigkeiten noch recht gut. „Insofern war 2019 – gerade aufgrund der etwas erschwerten Rahmenbedingungen - ein gelungenes Jahr“, betont Gundula Sutter, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bad Kreuznach.

2020 dürfte die seit mehr als zehn Jahren anhaltende positive Entwicklung etwas gebremst werden. Insbesondere konjunkturabhängige Branchen wie das verarbeitende Gewerbe und die Zeitarbeit spüren dies bereits. Von einem Beschäftigungseinbruch ist jedoch auch der Arbeitsmarkt in der Region weit entfernt. Gundula Sutter glaubt, dass sich nicht zuletzt aufgrund der Knappheit der Arbeitskräfte mittelfristig ein Rückgang der Arbeitslosigkeit fortsetzen wird. „Zunächst sollten wir uns aber für einige Monate auf steigende Arbeitslosenzahlen einstellen“, so Sutter.

Mit dem ebenfalls im vergangenen Jahr eingeführten Qualifizierungschancengesetz wurde die Weiterbildungsförderung ausgedehnt. Unabhängig von Alter, Ausbildung und Betriebsgröße wurde Weiterbildung für Beschäftigte möglich, deren Tätigkeiten durch Technologien ersetzt werden oder vom Strukturwandel betroffen sind. „Die Agentur für Arbeit unterstützt bereits Betriebe in diesem Prozess durch Beratung und finanzielle Förderung, 2020 möchten wir den Anteil dieser Förderungen weiter steigern“, so die Agenturchefin zu einem wichtigen geschäftspolitischen Schwerpunkt. Die Qualifizierung von Arbeitsuchenden und Beschäftigten wird das beherrschende Thema der kommenden Jahre am Arbeitsmarkt sein.