30.04.2020 | Presseinfo Nr. 19

Starke Inanspruchnahme von Kurzarbeit sichert Arbeitsplätze in großem Umfang

- Kurzarbeit auf ausgesprochen hohem Niveau
- Arbeitslosigkeit ist deutlich gestiegen
- Kaum Nachfrage nach Arbeitskräften
- Momentaufnahme zum Ausbildungsmarkt:
- Mehr Ausbildungsstellen als Bewerberinnen und Bewerber
 

Die Arbeitslosigkeit ist im April deutlich angestiegen, die Arbeitslosenquote beträgt nun 5,6 Prozent. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist eingebrochen. Die Zahl der Betriebe, die Kurzarbeit angezeigt haben, bewegt sich auf einem nie dagewesenen Niveau.

Die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt ist kaum vergleichbar mit einem vorhergehenden Zeitraum. Üblicherweise führt die Frühjahrsbelebung im April zu sinkender Arbeitslosigkeit. Die Coronakrise hat den langjährigen Trend zum Aufbau von Beschäftigung jedoch abrupt unterbrochen. „Wir sehen in diesem Monat einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit“, informiert Gundula Sutter, Leiterin der Agentur für Arbeit Bad Kreuznach. „Diese wird voraussichtlich auch in den kommenden Monaten weiter stark ansteigen. Bereits im April haben sich viel mehr Menschen als sonst arbeitsuchend gemeldet“.

Auch die Zahl derer, die sich aus abhängiger Beschäftigung arbeitslos meldeten, ist um annähernd 60 Prozent gestiegen. Gleichzeitig konnten rund 40 Prozent weniger eine solche Beschäftigung aufnehmen. Ein weiterer Aspekt: Da viele Fördermaßnahmen ausgesetzt sind, ging auch die Aufnahme von Weiterbildungen zurück. Mehr Anmeldungen auf der einen und weniger Abmeldungen auf der anderen Seite führten zu höherer Arbeitslosigkeit insgesamt.

Aktuell hilft den Unternehmen die Möglichkeit, Kurzarbeit anzuzeigen, um ihre Beschäftigten zu halten. Mit Kurzarbeit gelingt es in großem Umfang Arbeitsplätze zu sichern.

Damit sich die Arbeitslosigkeit nun nicht verfestigt, braucht es Unterstützung bei Neueinstellungen, beispielsweise dort, wo jetzt Personalmangel herrscht. „Hierfür wäre es wichtig“ appelliert Sutter, „dass die Unternehmen, die jetzt Personalbedarf haben, diese Stellen anbieten. „Deren Besetzung hat für uns Priorität“. Zurzeit sind die Stellenmeldungen nämlich stark rückläufig. „Natürlich verstehen wir, dass zurzeit niemand wirklich planen kann. „Wo jetzt aber akuter Bedarf an Arbeitskräften besteht, helfen wir gerne“, betont Sutter.  

Auch am Ausbildungsmarkt ergeben sich in den nächsten Wochen und Monaten zahlreiche Veränderungen, so dass die Aprildaten nur eine Momentaufnahme abbilden: Das Verhältnis zwischen Ausbildungsstellen und Bewerberinnen und Bewerbern fiel zugunsten der Jugendlichen aus.

 

„Unsere wichtigste Aufgabe in diesen Zeiten bleibt die zuverlässige Zahlung von Geldleistungen, um Existenzen zu sichern“, bekräftigt Sutter abschließend. Dazu gehören neben dem Kurzarbeitergeld, dem Arbeitslosengeld und der Grundsicherung (Jobcenter) auch alle Leistungen der Familienkasse. „Wir bleiben weiter so intensiv telefonisch und online für unsere Arbeitnehmer- und Arbeitgeberkunden da, das hat sich bisher bestens bewährt“.

 

Kurzarbeit*

3 077 Betriebe haben im März und April Kurzarbeit angezeigt, diese geprüften Anzeigen umfassen 37 814 Personen. Dies sind rund 30 Prozent aller Beschäftigten (Stand:30.09.2019) im Agenturbezirk.

 

Arbeitsmarkt: Gesamtzahl und Quote:

Im April waren im Bezirk der Agentur für Arbeit Bad Kreuznach insgesamt 10 519 Menschen arbeitslos, 1 225 oder 13,2 Prozent mehr als im März und 1 807 oder 20,7 Prozent mehr als im April des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote beträgt 5,6 Prozent – nach 4,9 Prozent im März und 4,6 Prozent im April des Vorjahres.

 

Bewegungen (Anmeldungen in und Abmeldungen aus Arbeitslosigkeit)

In diesem Monat ist insbesondere die Zunahme der Arbeitslosmeldungen aus abhängiger Beschäftigung seit Vormonat auffällig: + 403 oder 58,7 Prozent. Auch im Vergleich zum April 2019 beträgt der Zuwachs 394 oder 56,6 Prozent. Weitere 90 Personen, die zuvor selbständig waren, meldeten sich arbeitslos. Auch das ist eine ungewöhnlich hohe Zahl.

Rund 500 Personen konnten trotz der schwierigen Situation in abhängige Beschäftigung einmünden und damit ihre Arbeitslosigkeit beenden. Das sind jedoch 344 oder rund 40 Prozent weniger als im März und 316 oder 38,5 Prozent weniger als im letztjährigen April.

Viel mehr Menschen wurden arbeitslos und deutlich weniger konnten eine Beschäftigung oder eine Weiterbildung aufnehmen: Das führte in Summe zum Anstieg der Arbeitslosigkeit.

 

Stellen:

Bereits im März gab es einen erheblichen Stellenrückgang, im April ist die Nachfrage nach Arbeitskräften regelrecht eingebrochen. Nur 249 neu zu besetzende Stellen wurden zur Verfügung gestellt: Ein Minus von 56,6 Prozent zum März und von 70,4 Prozent zum April 2019. Der Stellenbestand beträgt 2 749. Der Rückgang zum März fiel mit 14,0 Prozent nicht ganz so deutlich aus. Denn die Betriebe haben ihre bestehenden Vakanzen meist nicht anderweitig besetzt, sondern allenfalls Stornierungen vorgenommen.

 

Beschäftigung

121 929 Menschen waren zum 30.09.2019 (aktuellster Datenstand) im Agenturbezirk Bad Kreuznach sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 0,8 Prozent mehr als zum 30.09.2018 (Vorjahresquartal).

 

Regionaler Arbeitsmarkt:

Der deutliche Anstieg der Arbeitslosigkeit betraf alle Regionen in etwas unterschiedlicher Ausprägung.

 

Arbeitslosenquoten nach Geschäftsstellen:

  •  Agenturbezirk Bad Kreuznach insgesamt: 10 519 Arbeitslose (+ 1 225)

    stieg von 4,9 Prozent auf 5,6 Prozent (Vorjahr 4,6 Prozent)

  • Kreuznach: 3 778 Arbeitslose (+ 447)

    stieg von 5,3 Prozent auf 6,1 Prozent (Vorjahr 5,2 Prozent)

  • Birkenfeld 955 Arbeitslose (+ 129)

    stieg von 5,2 Prozent auf 6,0 Prozent (Vorjahr 5,0 Prozent)

  • Idar-Oberstein 1 891 Arbeitslose (+ 111)

    - stieg von 6,4 Prozent auf 6,8 Prozent (Vorjahr 5,8 Prozent)

  • Kirn 1 422 Arbeitslose (+ 142)

    - stieg von 5,6 Prozent auf 6,2 Prozent (Vorjahr 5,7 Prozent)

  • Simmern 1 466 Arbeitslose (+ 242)

    - stieg von 3,3 Prozent auf 4,0 Prozent (Vorjahr 3,1 Prozent)

  • Boppard 1007 Arbeitslose (+ 154)

    - stieg von 3,8 Prozent auf 4,5 Prozent (Vorjahr 2,9 Prozent)

     

 

Überblick über die Arbeitsmärkte auf Kreisebene:

 

Landkreis Bad Kreuznach:

Kurzarbeit*:

Im Landkreis Bad Kreuznach haben 1 326 Betriebe Kurzarbeit angezeigt, diese geprüften Anzeigen umfassen 14 901 Personen.

Arbeitsmarkt: Gesamtzahl und Quote:

Im April waren im Landkreis Bad Kreuznach insgesamt 5 200 Menschen arbeitslos, 589 oder 12,8 Prozent mehr als im März und 677 oder 15,0 Prozent mehr als im April des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote beträgt 6,1 Prozent – nach 5,4 Prozent im März und 5,3 Prozent im April des Vorjahres.

Bewegungen:

Zunahme der Arbeitslosmeldungen aus abhängiger Beschäftigung seit Vormonat (480): + 179 oder 59,5 Prozent. Auch im Vergleich zum April 2019 beträgt der Zuwachs 143 oder 42,4 Prozent. Weitere rund 30 Personen, die zuvor selbständig waren, meldeten sich arbeitslos. Auch das ist eine eher hohe Zahl. 211 Personen konnten trotz der schwierigen Situation in abhängige Beschäftigung einmünden und damit ihre Arbeitslosigkeit beenden. Das sind jedoch 141 oder rund 40 Prozent weniger als im März und 116 oder 35,5 Prozent weniger als im letztjährigen April.

Stellen:
Nur 141 neu zu besetzende Stellen wurden zur Verfügung gestellt: Ein Minus von 37,3 Prozent zum März und von 48,9 Prozent zum April 2019. Der Stellenbestand beträgt 1 193. Der Rückgang zum März fiel mit 8,8 Prozent nicht ganz so deutlich aus.

Beschäftigung:

54 483 Menschen waren zum 30.09.2019 (aktuellster Datenstand) im Landkreis Bad Kreuznach sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 1,7 Prozent mehr als zum 30.09.2018 (Vorjahresquartal).

 

 

Landkreis Birkenfeld:

Kurzarbeit*:

Im Landkreis Birkenfeld haben 789 Betriebe Kurzarbeit angezeigt, diese geprüften Anzeigen umfassen 10 077 Personen.

Arbeitsmarkt: Gesamtzahl und Quote:

Im April waren im Landkreis Birkenfeld insgesamt 2 846 Menschen arbeitslos, 240 oder 9,2 Prozent mehr als im März und 448 oder 18,7 Prozent mehr als im April des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote beträgt 6,5 Prozent – nach 6,0 Prozent im März und 5,5 Prozent im April des Vorjahres.

Bewegungen:

Zunahme der Arbeitslosmeldungen aus abhängiger Beschäftigung seit Vormonat (264): + 93 oder 54,4 Prozent. Auch im Vergleich zum April 2019 beträgt der Zuwachs 96 oder 57,1 Prozent. Weitere 15 Personen, die zuvor selbständig waren, meldeten sich arbeitslos. Auch das ist eine eher hohe Zahl. 132 Personen konnten trotz der schwierigen Situation in abhängige Beschäftigung einmünden und damit ihre Arbeitslosigkeit beenden. Das sind jedoch 60 oder rund 31 Prozent weniger als im März und 76 oder 36,5 Prozent weniger als im letztjährigen April.

Stellen:

Nur 55 neu zu besetzende Stellen wurden zur Verfügung gestellt: Ein Minus von 57,7 Prozent zum März und von rund 80 Prozent zum April 2019. Der Stellenbestand beträgt 466. Der Rückgang zum März fiel mit 22,8 Prozent nicht ganz so deutlich aus.

Beschäftigung:

27 817 Menschen waren zum 30.09.2019 (aktuellster Datenstand) im Landkreis Birkenfeld sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 1,0 Prozent weniger als zum 30.09.2018 (Vorjahresquartal).

 

Rhein-Hunsrück-Kreis:

Kurzarbeit*:

Im Landkreis Rhein-Hunsrück haben 962 Betriebe Kurzarbeit angezeigt, diese geprüften Anzeigen umfassen 12 836 Personen.

Arbeitsmarkt: Gesamtzahl und Quote:

Im April waren im Landkreis Rhein-Hunsrück insgesamt 2 473 Menschen arbeitslos, 396 oder 19,1 Prozent mehr als im März und 682 oder 38,1 Prozent mehr als im April des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote beträgt 4,2 Prozent – nach 3,5 Prozent im März und 3,0 Prozent im April des Vorjahres.

Bewegungen:

Zunahme der Arbeitslosmeldungen aus abhängiger Beschäftigung seit Vormonat (346): + 131 oder 60,9 Prozent. Auch im Vergleich zum April 2019 beträgt der Zuwachs 155 oder 81,2 Prozent. Weitere 47 Personen, die zuvor selbständig waren, meldeten sich arbeitslos. Auch das ist eine eher hohe Zahl. 161 Personen konnten trotz der schwierigen Situation in abhängige Beschäftigung einmünden und damit ihre Arbeitslosigkeit beenden. Das sind jedoch 143 oder 47,0 Prozent weniger als im März und 124 oder 43,5 Prozent weniger als im letztjährigen April.

Stellen:

Nur 53 neu zu besetzende Stellen wurden zur Verfügung gestellt: Ein Minus von 75,8 Prozent zum März und von 81,1 Prozent zum April 2019. Der Stellenbestand beträgt 1 090. Der Rückgang zum März fiel mit 15,1 Prozent nicht ganz so deutlich aus.

 

 

Beschäftigung:

39 629 Menschen waren zum 30.09.2019 (aktuellster Datenstand) im Landkreis Rhein-Hunsrück sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 0,8 Prozent mehr als zum 30.09.2018 (Vorjahresquartal).

 

 

Ausbildungsmarkt:

Mehr Bewerber (+ 6,6 Prozent) haben sich seit Oktober gemeldet als im Vorjahr, davon sind auch jetzt mehr als noch vor einem Jahr auf der Suche (+ 9,4 Prozent). Die Zahl der Stellen insgesamt ist ähnlich (- 1,1 Prozent), zurzeit sind jedoch 12,4 Prozent mehr unbesetzt als vor einem Jahr. Konkret haben zurzeit 927 Jugendliche noch die Auswahl zwischen 1 312 Ausbildungsstellen. Hier dürften sich allerdings aufgrund der aktuellen Situation zusätzliche Veränderungen ergeben als dies ohnehin in den Monaten vor Ausbildungsbeginn der Fall ist. Deshalb wird auch auf Daten auf Kreisebene verzichtet.

 

 

 

*Hinweise zur Statistik der Kurzarbeit:

Betriebe müssen vor Beginn von Kurzarbeit eine schriftliche Anzeige bei der zuständigen Agentur für Arbeit (Betriebssitz) erstatten; dies hat spätestens bis zum Ende des Monats zu erfolgen, für den erstmalig Leistungen bezogen werden sollen. Die Statistik über angezeigte Kurzarbeit berichtet über elektronisch erfasste und geprüfte Anzeigen von Kurzarbeit sowie die in den Anzeigen enthaltene Anzahl der Beschäftigten, welche voraussichtlich von einem Arbeitsausfall betroffen sind. Im März 2020 ist aufgrund erhöhtem Aufkommens an Anzeigen über Kurzarbeit („Corona-Krise“) die Erfassung in den IT-Systemen häufig erst mit zeitlichem Verzug erfolgt. Die Nacherfassungen sind mit dem Monat April 2020 fast vollständig abgeschlossen. Zur umfassenden Abbildung des „Corona-Effektes“ auf die Anzahl geprüfter Anzeigen zur Kurzarbeit müssen und sind die statistischen Berichtsmonate März und April 2020 zusammen betrachtet worden.