05.01.2021 | Presseinfo Nr. 2

Der Arbeitsmarkt im Jahresverlauf 2020 und ein Ausblick auf 2021

2020 endete der Rückgang der Arbeitslosigkeit nach fünf Jahren in Folge

Die Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf 2020:

2020 endete der Rückgang der Arbeitslosigkeit nach fünf Jahren in Folge. Ebenso wie im Januar 2019 betrug die Arbeitslosenquote im Januar 2020 zunächst 5,2 Prozent. Anders als 2019 ging die Arbeitslosigkeit nicht bereits im Februar wieder zurück, sondern verharrte auch im zweiten Monat des Jahres auf 5,2 Prozent. Im März traf der jahreszeitlich übliche Rückgang zum Frühjahr dann ein und führte zu einer Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent. Die Mitte März begonnene Entwicklung aufgrund des Lockdown wurde aufgrund des statistischen Stichtages noch nicht abgebildet, so dass die Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent den vorerst letzten Stand ohne Einwirkungen der weltweiten Coronakrise kennzeichnet.

Im April stieg die Arbeitslosigkeit von 4,9 Prozent auf 5,6 Prozent an. Dieser Anstieg setzte sich bis einschließlich August fort, in dem die Arbeitslosenquote ebenso wie im Juli bei 6,3 Prozent lag. Im September setzte die in „normalen“ Jahren übliche Herbstbelebung erfreulicherweise ein und führte zu wieder sinkender Arbeitslosigkeit und einer Arbeitslosenquote von 6,0 Prozent. Diese positive Entwicklung setzte sich bis November fort, die Arbeitslosenquote ging weiter auf 5,6 Prozent zurück. Der Arbeitsmarkt hatte sich in der zweiten Jahreshälfte etwas von der Krisensituation erholt. Das Jahr endete trotz des erneuten Lockdown mit einer seit November unveränderten Arbeitslosenquote von 5,6 Prozent (Dezember 2019: 4,8 Prozent).

Kurzarbeit
Aufgrund der außergewöhnlichen Krise durch die globale Pandemie, die weitreichende Einschränkungen des öffentlichen Lebens notwendig machte, kam dem Instrument der Kurzarbeit im Jahr 2020 die entscheidende Bedeutung zu. Wie bereits in der Finanzkrise vor rund zwölf Jahren erwies sich die Zahlung von Kurzarbeitergeld an die Unternehmen als wirksames Mittel zur Sicherung der Beschäftigung und zum Erhalt von Arbeitsplätzen. Im April zeigten fast 3 000 Betriebe für insgesamt mehr als 35 500 Menschen Kurzarbeit an. Manche taten dies vorsorglich, zwischenzeitlich steht fest, wie viele Personen im April tatsächlich kurzgearbeitet haben: 22 310 in 2 446 Unternehmen. In den folgenden Monaten nahmen diese Zahlen wieder ab. Im November und Dezember zeigten jeweils wieder rund 300 Firmen für rund 3 000 Menschen monatlich Kurzarbeit an. Hierbei ist jedoch auch von Doppelmeldungen aufgrund von mehr als dreimonatigen Unterbrechungen des Bezuges von Kurzarbeitergeld auszugehen.

Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosigkeit:
Im Jahresdurchschnitt 2020 waren 10 737 Menschen arbeitslos. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 5,7 Prozent. Im Jahr 2019 waren 9 003 Menschen arbeitslos, die Arbeitslosenquote betrug 4,8 Prozent. Im Jahresdurchschnitt stieg die Arbeitslosigkeit von 2019 auf 2020 um 19,3 Prozent an.
Dieser Anstieg betraf mit + 35,8 Prozent sehr deutlich den Rechtskreis der Arbeitslosenversicherung (SGB III). Im Rechtskreis der Grundsicherung (SGB II) fiel der Anstieg mit + 9,8 Prozent etwas moderater aus.

Bewegungsdaten der Arbeitslosigkeit:
10 737 arbeitslose Menschen im Jahresdurchschnitt entsprechen 25 168 Neumeldungen in Arbeitslosigkeit (- 12,1 Prozent gegenüber 2019) und 23 688 Abmeldungen aus Arbeitslosigkeit (- 17,1 Prozent gegenüber 2019). Aus diesen Zahlen ist erkennbar, dass die Dynamik im Krisenjahr gering ausgeprägt war. Durch die stabilisierende Wirkung der Kurzarbeit meldeten sich weniger Menschen arbeitslos. Der Weg aus der Arbeitslosigkeit war für die Betroffenen jedoch auch schwieriger.

Arbeitslosigkeit nach Geschlecht:
Männer waren 2020 nach absoluten Zahlen stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als Frauen, ihr Anteil betrug 56,2 Prozent, der der Frauen 43,8 Prozent. Dies entsprach 6 029 Männern und 4 708 Frauen. Die Arbeitslosenquote der Männer betrug 6,0 Prozent, die der Frauen 5,4 Prozent. Im Vergleich zu 2019 stieg die Arbeitslosigkeit für Frauen (+ 0,8 Prozentpunkte) geringer an als für Männer (+ 1,0 Prozentpunkte).

Arbeitslosigkeit nach Alter:

11,1 Prozent aller Arbeitslosen 2020 waren im Alter zwischen 15 und 25 Jahren. 35,1 Prozent aller Arbeitslosen waren 50 Jahre und älter. Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresdurchschnitt für Jüngere 6,0 Prozent, für Ältere 5,3 Prozent. Gegenüber 2019 waren im Jahresdurchschnitt 23,8 Prozent mehr Jüngere arbeitslos und 16,1 Prozent mehr Ältere.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften (Stellen):

Insgesamt beauftragten Betriebe und Institutionen im Jahresverlauf den gemeinsamen Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcentern in 7 292 Fällen mit der Suche nach Bewerberinnen und Bewerbern zur Einstellung. Das entspricht einem Rückgang von 22,7 Prozent gegenüber 2019. Der jahresdurchschnittliche Bestand an Stellen von 2 744 ist gegenüber Vorjahr um 13,3 Prozent gesunken.

Beschäftigung:
118 488 Menschen waren zum 30.06.2020 (aktuellster Datenstand) im Agenturbezirk Bad Kreuznach sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das sind 1,0 Prozent weniger als zum 30.06.2019 (Vorjahresquartal) und 1,1 Prozent weniger als zum 31.03.2020 (Vorquartal).
Der Rückgang zum Vorjahresquartal fiel im hiesigen Bezirk höher als im Landesdurchschnitt aus. In Rheinland-Pfalz fiel die Beschäftigung von 30.06.2019 auf 30.06.2020 um 0,5 Prozent.
Im Agenturbezirk Bad Kreuznach erfolgte der relativ stärkste Zuwachs zwischen Juni 2019 und Juni 2020 in dem Wirtschaftszweig Erziehung und Unterricht sowie im Baugewerbe. Zuwächse verzeichneten auch Land- und Forstwirtschaft, Heime und Sozialwesen sowie die Informations- und Kommunikationsbranche. Den stärksten Beschäftigungsrückgang verzeichnete die Zeitarbeitsbranche, das Gastgewerbe und Teile des verarbeitenden Gewerbes.

Der Ausbildungsmarkt zum 30.09.2020:
Zum Ende des Ausbildungsjahres 2019/2020 zeichnet sich zwar kein Corona-Jahrgang ab, allerdings sind die Auswirkungen der Pandemie deutlich erkennbar. So wandten sich im Laufe dieses Ausbildungsjahres fünf Prozent (94 Personen) mehr Jugendliche an die Berufsberatung und suchten nach einer Ausbildungsstelle als vor einem Jahr. Die Jugendlichen gingen in dem schwierigen Jahr nicht „verloren“, sie meldeten und kümmerten sich um einen Ausbildungsplatz und konnten auch unter erschwerten Bedingungen von der Berufsberatung unterstützt werden.
Die regionalen Unternehmen reduzierten ihr Ausbildungsangebot in diesem Jahr etwas - um 4,3 Prozent (100 Ausbildungsstellen).
Dennoch überstieg die Zahl der Ausbildungsstellen auch in diesem Ausbildungsjahr die der Bewerberinnen und Bewerber insgesamt: 2 241 Ausbildungsstellen waren nach den Sommerferien zu besetzen, 1 978 junge Menschen interessierten sich für einen dualen Ausbildungsplatz. Damit war die Ausgangslage aus Sicht der Jugendlichen nicht schlecht.

Zum Ende des Ausbildungsjahres am 30. September hatten davon 195 Ausbildungsanwärter (+ 68 Personen) noch keinen Vertrag in der Tasche, 138 Ausbildungsstellen (+ 22 Stellen) waren noch offen. Hier bildet sich eine Auswirkung der Corona-Pandemie in Form der Verzögerung der gesamten Bewerbungs- und Einstellungsprozesse ab. Auch die Jugendlichen brauchten in dieser unsicheren Situation etwas länger, um sich zu bewerben, zu entscheiden und zu beginnen. Eine gewisse Hemmung setzte sich bis zum Jahresende, sicher auch aufgrund des neuerlichen Lockdowns, fort.



Arbeitslosigkeit in den einzelnen Regionen des Agenturbezirks:

Landkreis Bad Kreuznach:
Im April zeigten fast 1 300 Betriebe für insgesamt mehr als 14 300 Menschen Kurzarbeit an. Manche taten dies vorsorglich, zwischenzeitlich steht fest, wie viele Personen im April tatsächlich kurzgearbeitet haben: 9 124 in 1 070 Unternehmen. In den folgenden Monaten nahmen diese Zahlen wieder ab. Im November und Dezember zeigten jeweils wieder rund 130 Firmen für rund 1 500 Menschen im November und rund 800 Menschen im Dezember Kurzarbeit an. Hierbei ist jedoch auch von Doppelmeldungen aufgrund von mehr als dreimonatigen Unterbrechungen des Bezuges von Kurzarbeitergeld auszugehen.
Im Landkreis Bad Kreuznach stieg die jahresdurchschnittliche Arbeitslosigkeit an - um 16,2 Prozent (von 4 650 auf 5 404 Personen). Die Arbeitslosenquote ist von 5,5 Prozent in 2019 auf 6,3 Prozent im Jahresdurchschnitt 2020 gestiegen. Im Vergleich zu den beiden anderen Landkreisen im Agenturbezirk fiel der Anstieg der Arbeitslosigkeit hier geringer aus.
Insbesondere Männer, Jüngere und ausländische Arbeitsuchende waren von steigender Arbeitslosigkeit betroffen.
Rund 2 400 Personen weniger als 2019 mussten sich im Jahresverlauf 2020 arbeitslos melden. Aus der Arbeitslosigkeit abmelden konnten sich rund 3 200 Personen weniger als 2019. Dies zeigt eine geringere Dynamik insbesondere aufgrund der stabilisierenden Wirkung der Kurzarbeit.
Fast 20 Prozent weniger Stellenangebote wurden gemacht, auch der Bestand an Stellen reduzierte sich um 12,1 Prozent.


Landkreis Birkenfeld:
Im April zeigten fast 800 Betriebe für insgesamt mehr als 9 400 Menschen Kurzarbeit an. Manche taten dies vorsorglich, zwischenzeitlich steht fest, wie viele Personen im April tatsächlich kurzgearbeitet haben: 6 265 in 638 Unternehmen. In den folgenden Monaten nahmen diese Zahlen wieder ab. Im November und Dezember zeigten jeweils wieder etwas mehr als 50 Firmen für rund 600 Menschen im November und rund 1 400 Menschen im Dezember Kurzarbeit an. Hierbei ist jedoch auch von Doppelmeldungen aufgrund von mehr als dreimonatigen Unterbrechungen des Bezuges von Kurzarbeitergeld auszugehen.
Im Landkreis Birkenfeld stieg die Arbeitslosigkeit bereits im zweiten Jahr in Folge an. Der Anstieg betrug im Jahresdurchschnitt 2020 gegenüber 2019 16,9 Prozent (von 2 453 auf 2 869 Personen). Die Arbeitslosenquote stieg von 5,6 Prozent auf 6,6 Prozent.
Insbesondere Männer, Jüngere und ausländische Arbeitsuchende waren von steigender Arbeitslosigkeit betroffen.
Rund 900 Personen weniger als 2019 mussten sich im Jahresverlauf 2020 arbeitslos melden. Aus der Arbeitslosigkeit abmelden konnten sich 1 051 Personen weniger als 2019. Dies zeigt eine geringere Dynamik insbesondere aufgrund der stabilisierenden Wirkung der Kurzarbeit.
Fast 30 Prozent weniger Stellenangebote wurden gemacht, auch der Bestand an Stellen reduzierte sich um 18,4 Prozent.

Rhein-Hunsrück-Kreis:
Im April zeigten mehr als 900 Betriebe für insgesamt mehr als 11 700 Menschen Kurzarbeit an. Manche taten dies vorsorglich, zwischenzeitlich steht fest, wie viele Personen im April tatsächlich kurzgearbeitet haben: 6 291 in 738 Unternehmen. In den folgenden Monaten nahmen diese Zahlen wieder ab. Im November und Dezember zeigten jeweils wieder rund 100 Firmen für rund 600 im November und rund 850 Menschen im Dezember Kurzarbeit an. Hierbei ist jedoch auch von Doppelmeldungen aufgrund von mehr als dreimonatigen Unterbrechungen des Bezuges von Kurzarbeitergeld auszugehen.
Im Rhein-Hunsrück-Kreis stieg die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt 2020 mit einem Plus um nahezu 30 Prozent am stärksten an. Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote betrug 4,2 Prozent nach 3,2 Prozent im Vorjahr (von 1 900 auf 2 464 Personen).
Insbesondere Männer, Ältere und ausländische Arbeitsuchende waren von steigender Arbeitslosigkeit betroffen.
Rund 200 Personen weniger als 2019 mussten sich im Jahresverlauf 2020 arbeitslos melden. Aus der Arbeitslosigkeit abmelden konnten sich rund 600 Personen weniger als 2019. Dies zeigt eine etwas geringere Dynamik insbesondere aufgrund der stabilisierenden Wirkung der Kurzarbeit.
21,9 Prozent weniger Stellenangebote wurden gemacht, auch der Bestand an Stellen reduzierte sich um 12,0 Prozent.

Ausblick 2021:

Arbeitsmarkt bleibt robust. Bis Arbeitslosigkeit auf Vorkrisenniveau erreicht ist, wird es jedoch dauern.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet nach der Schrumpfung der Wirtschaftsleistung in 2020 eine mögliche Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in 2021 um maximal 3,2 Prozent. Der Arbeitsmarkt geriet in 2020 immens unter Druck, die Verschlechterung blieb aber vergleichsweise begrenzt.  Im Zuge einer wirtschaftlichen Erholung, für die es im Herbst ja durchaus Anzeichen gab, verbessert sich auch die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Das IAB geht für 2021 von einem Anstieg der Erwerbstätigkeit und einem Rückgang der Arbeitslosigkeit aus. Regional würde das bei einer mittleren Zunahme des BIP einem Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung um 0,5 Prozent entsprechen.
Im Agenturbezirk Bad Kreuznach erfolgte ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit bis zur Jahresmitte 2020, ab September ging die Arbeitslosigkeit wieder zurück, was sich bis zum Jahresende fortsetzte. Auch der Ausgleich am Ausbildungsmarkt gelang in dem besonderen Krisenjahr durchaus noch. „Die Verschiebung der Priorität von heute auf morgen von Beratungs- und Vermittlungsarbeit zur Leistungsgewährung in diesem immensen Umfang, verlangte uns viel ab“, räumt Gundula Sutter ein. „Insofern hielt das Krisenjahr 2020 zwar besondere Herausforderungen bereit, aber es ist uns sehr gut gelungen schnell und wirksam mit Kurzarbeitergeld zu unterstützen. Dabei kamen auch andere Anliegen der Kundinnen und Kunden nicht zu kurz und wir konnten entscheidend zur wirtschaftlichen und sozialen Stabilität in der Region beitragen“, betont Gundula Sutter, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bad Kreuznach.

Die Entwicklung am Arbeitsmarkt in 2021 wird weiter durch den Verlauf des Infektionsgeschehens und der Impfungen bestimmt. Je nachdem wann und in welchen Umfang eine wirtschaftliche Erholung eintreten kann, wird die Nachfrage nach Arbeitskräften wieder steigen. Dies ist Voraussetzung, um die in 2020 entstandene höhere Arbeitslosigkeit wieder abzubauen und nach und nach Vorkrisenniveau zu erreichen.  Mögliche Insolvenzen sind dabei zurzeit ebenso wenig einschätzbar wie die Auswirkungen der weiterhin anstehenden Transformationsprozesse insbesondere in der Industrie.

Auf mittlere und längere Sicht bleibt die Qualifizierung von Arbeitsuchenden und Beschäftigten eines der wichtigsten Themen am Arbeitsmarkt. Auch in Phasen der Kurzarbeit bestehen Möglichkeiten zur Weiterbildung von Beschäftigten, diese Botschaft liegt Sutter unverändert am Herzen.