04.01.2022 | Presseinfo Nr. 3

Der Arbeitsmarkt im Jahresverlauf 2021 und ein Ausblick auf 2022

Nach dem ausgeprägten Krisenjahr 2020, in dem sich jedoch bereits in der zweiten Jahreshälfte eine gewisse Erholung am Arbeitsmarkt einstellte, entwickelte sich 2021 weiterhin sehr positiv

Die Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf 2021:

Nach dem ausgeprägten Krisenjahr 2020, in dem sich jedoch bereits in der zweiten Jahreshälfte eine gewisse Erholung am Arbeitsmarkt einstellte, entwickelte sich 2021 weiterhin sehr positiv: Zwar brachte der Januar zunächst eine höhere Arbeitslosigkeit mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote von 5,6 Prozent auf 6,1 Prozent mit sich. Bereits im Februar 2021 jedoch begann ein kontinuierlicher Rückgang der Arbeitslosigkeit in der Region. So betrug die Arbeitslosenquote im Februar 6,0 Prozent und nach dem ersten Quartal im März 5,8 Prozent. Bis Ende Juli fiel die Arbeitslosenquote auf 5,2 Prozent. Zum Ende des dritten Quartals wurde mit 4,9 Prozent wieder die Fünf-Prozent-Marke unterschritten. Im November wurde das Vorkrisenniveau mit 4,7 Prozent annähernd erreicht: Im November 2019 vor dem Anstieg der Winterarbeitslosigkeit 2019/2020 und der kurz darauf beginnenden Pandemie betrug die Arbeitslosenquote 4,6 Prozent. Das Jahr 2021 endete mit einer Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent. Innerhalb dieses einen Jahres konnten die kurzfristigen Auswirkungen der Pandemie trotz weiterer Infektionswellen im Wesentlichen wieder ausgeglichen werden.

Kurzarbeit

Auch 2021 kam dem Instrument der Kurzarbeit noch wesentliche Bedeutung zu, die Regelungen dazu trugen durchgängig zur Stabilisierung am Arbeitsmarkt bei. Insbesondere zwischen November 2020 und Februar 2021 stieg die Zahl der neuen oder erneuten Anzeigen von Kurzarbeit noch einmal an. Tatsächlich realisiert wird die Kurzarbeit immer für einen Teil der Anzeigen. Hierfür stehen Daten bis Juni 2021 zur Verfügung: Im Januar und Februar arbeiteten zwischen 1 600 und 1 700 Betriebe kurz, dies betraf zwischen 9 000 und 11 000 Mitarbeitende. Zum Vergleich mit dem Vorjahr: Im April 2020 und damit in der Höchstphase der Pandemie arbeiteten 22 310 Menschen in 2 446 Unternehmen kurz. Im Juni 2021 waren dies dann noch rund 5 000 Menschen in rund 800 Unternehmen. Allerdings waren auch bis Jahresende insbesondere Unternehmen der besonders betroffenen Branchen (Gastronomie, Einzelhandel, Veranstaltungsbranche) auf das Instrument der Kurzarbeit angewiesen.

Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosigkeit:

Im Jahresdurchschnitt 2021 waren 9 988 Menschen arbeitslos. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 5,3 Prozent. Im Jahr 2020 waren noch 10 737 Menschen arbeitslos, die Arbeitslosenquote betrug 5,7 Prozent. Im Jahresdurchschnitt fiel die Arbeitslosigkeit von 2020 auf 2021 um 7,0 Prozent.
Dieser Rückgang erfolgte im Wesentlichen im Rechtskreis der Arbeitslosenversicherung (SGB III: - 15,8 Prozent). Im Rechtskreis der Grundsicherung (SGB II) fiel der Rückgang mit -  0,8 Prozent eher gering aus.


Weitere Auswertungen im Detail:

Bewegungsdaten der Arbeitslosigkeit:

9 988 arbeitslose Menschen im Jahresdurchschnitt entsprechen 21 765 Neumeldungen in Arbeitslosigkeit (- 13,5 Prozent gegenüber 2020) und 23 510 Abmeldungen aus Arbeitslosigkeit (- 0,8 Prozent gegenüber 2020). Seit Beginn der Pandemie fallen An- und Abmeldungen geringer aus. Die Entwicklung am Arbeitsmarkt ist insgesamt weniger dynamisch.

Arbeitslosigkeit nach Geschlecht:

Männer waren 2021 nach absoluten Zahlen stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als Frauen, ihr Anteil betrug 54,5 Prozent, der der Frauen 45,5 Prozent. Dies entsprach 5 442 Männern und 4 546 Frauen. Die Arbeitslosenquote der Männer betrug 5,5 Prozent, die der Frauen 5,2 Prozent. Im Vergleich zu 2020 fiel die Arbeitslosenquote für Frauen um 0,2 Prozentpunkte, die der Männer um 0,5 Prozentpunkte.

Arbeitslosigkeit nach Alter:

9,8 Prozent aller Arbeitslosen 2021 waren im Alter zwischen 15 und 25 Jahren. 36,8 Prozent aller Arbeitslosen waren 50 Jahre und älter. Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresdurchschnitt für Jüngere 5,1 Prozent, für Ältere 5,2 Prozent. Gegenüber 2020 waren im Jahresdurchschnitt 17,7 Prozent weniger Jüngere arbeitslos und 2,3 Prozent weniger Ältere.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften (Stellen):

Insgesamt beauftragten Betriebe und Institutionen im Jahresverlauf den gemeinsamen Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcentern in 8 394 Fällen mit der Suche nach Bewerberinnen und Bewerbern zur Einstellung. Das entspricht einer Zunahme von 15,1 Prozent gegenüber 2020. Der jahresdurchschnittliche Bestand an Stellen von 3 061 ist gegenüber Vorjahr um 11,6 Prozent gestiegen.

Beschäftigung im ersten Halbjahr 2021

120 001 Menschen waren zum 30.06.2021 (aktuellster Datenstand) im Agenturbezirk Bad Kreuznach sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 1,3 Prozent mehr als zum 30.06.2020 (Vorjahresquartal) und 0,5 Prozent mehr als zum 31.03.2021 (Vorquartal). Die Beschäftigung stieg in allen Regionen in Rheinland-Pfalz an.
Im Agenturbezirk Bad Kreuznach erfolgte der relativ stärkste Zuwachs zwischen Juni 2020 und Juni 2021 in dem Wirtschaftszweig Arbeitnehmerüberlassung, Land- und Forstwirtschaft sowie Energiewirtschaft. Zuwächse verzeichneten auch die Informations- und Kommunikationsbranche, die Immobilienwirtschaft incl. technischer Dienstleistungen sowie die wissenschaftlichen Freiberufler. Den stärksten Beschäftigungsrückgang verzeichnete die Kunst- und Unterhaltungsbranche.

Der Ausbildungsmarkt zum 30.09.2021:

In der letztjährigen Bilanz zum Ausbildungsjahr 2020/2021 mit Stichtag 30.09.2021 zeigten sich die Auswirkungen der Pandemie deutlicher als im Vorjahr. Im Laufe des Ausbildungsjahres wandten sich rund 1 600 Jugendliche (340 oder 17,2 Prozent weniger als im Ausbildungsjahr davor) mit dem Wunsch nach einer Ausbildung an die Berufsberatung. Anders als im Vorjahr, als sich sehr viele Jugendliche wegen oder trotz Corona für Ausbildung interessierten, ebbte die Nachfrage im abgelaufenen Ausbildungsjahr zwischen Oktober 2020 und September 2021 ab. Auf der anderen Seite des Ausbildungsmarktes reduzierten auch die Unternehmen ihr Ausbildungsangebot, dieser Rückgang fiel aber mit 6,9 Prozent moderat aus. Mehr als 2 000 betriebliche Ausbildungsstellen stellte die regionale Wirtschaft zur Verfügung.

Zum 30. September 2021 blieben davon noch annähernd 200 Ausbildungschancen ungenutzt (+ 41,3 Prozent mehr unbesetzte Stellen als im Vorjahr). 176 junge Menschen hatten bis dahin aber auch noch keine passende Stelle gefunden (- 9,7 Prozent zum Vorjahr).

Arbeitslosigkeit in den Landkreisen:

Landkreis Bad Kreuznach:

Insbesondere zwischen November 2020 und Februar 2021 stieg die Zahl der neuen oder erneuten Anzeigen von Kurzarbeit noch einmal an. Tatsächlich realisiert wird die Kurzarbeit immer für einen Teil der Anzeigen. Hierfür stehen Daten bis Juni 2021 zur Verfügung: Im Januar und Februar arbeiteten rund 700 Betriebe kurz, dies betraf rund 4 000 Mitarbeitende. Zum Vergleich mit dem Vorjahr: Im April 2020 und damit in der Höchstphase der Pandemie arbeiteten rund 9 100 Menschen in rund 1 100 Unternehmen kurz. Im Juni 2021 waren dies dann noch rund 1 700 Menschen in rund 350 Unternehmen.
Im Landkreis Bad Kreuznach ging die jahresdurchschnittliche Arbeitslosigkeit im Vergleich zu 2020 zurück - um 4,0 Prozent (von 5 404 auf 5 187 Personen). Die Arbeitslosenquote ist von 6,3 Prozent in 2020 auf 6,1 Prozent im Jahresdurchschnitt 2021 gesunken. Im Vergleich zu den beiden anderen Landkreisen im Agenturbezirk fiel der Rückgang der Arbeitslosigkeit hier geringer aus.
Insbesondere Männer, Jüngere und ausländische Arbeitsuchende profitierten von sinkender Arbeitslosigkeit. Das sind die Personengruppen, die im Jahr davor auch vom Anstieg am stärksten betroffen waren.
1 556 Personen weniger (- 12,9 Prozent) als 2020 mussten sich im Jahresverlauf 2021 arbeitslos melden. Auch dies zeigt die stabilisierende Wirkung der Kurzarbeit. Die Abmeldungen aus Arbeitslosigkeit fielen ähnlich aus wie 2020 (- 56 oder - 0,5 Prozent).
Rund 25 Prozent mehr Stellen wurden angeboten, auch der Bestand an Stellen wuchs um mehr als 16 Prozent.

Landkreis Birkenfeld:

Insbesondere zwischen November 2020 und Februar 2021 stieg die Zahl der neuen oder erneuten Anzeigen von Kurzarbeit noch einmal an. Tatsächlich realisiert wird die Kurzarbeit immer für einen Teil der Anzeigen. Hierfür stehen Daten bis Juni 2021 zur Verfügung: Im Januar und Februar arbeiteten rund 400 Betriebe kurz, dies betraf zwischen 3 500 und 3 700 Mitarbeitende. Auch im April und Mai waren noch rund 3 100 Personen von Kurzarbeit betroffen. Zum Vergleich mit dem Vorjahr: Im April 2020 und damit in der Höchstphase der Pandemie arbeiteten rund 6 300 Menschen in rund 600 Unternehmen kurz. Im Juni 2021 waren dies dann noch rund 1 900 Menschen in rund 250 Unternehmen.
Im Landkreis Birkenfeld ging die jahresdurchschnittliche Arbeitslosigkeit im Vergleich zu 2020 zurück - um 10,4 Prozent (von 2 869 auf 2 571 Personen). Die Arbeitslosenquote ist von 6,6 Prozent in 2020 auf 5,9 Prozent im Jahresdurchschnitt 2021 gesunken. Im Vergleich zu den beiden anderen Landkreisen im Agenturbezirk fiel der Rückgang der Arbeitslosigkeit hier am deutlichsten aus.
Insbesondere Männer, Jüngere und ausländische Arbeitsuchende profitierten von sinkender Arbeitslosigkeit. Das sind die Personengruppen, die im Jahr davor auch vom Anstieg am stärksten betroffen waren.
Fast 900 Personen weniger (- 14,2 Prozent) als 2020 mussten sich im Jahresverlauf 2021 arbeitslos melden. Auch dies zeigt die stabilisierende Wirkung der Kurzarbeit. Die Abmeldungen aus Arbeitslosigkeit fielen etwas geringer aus als 2020 (- 2,1 Prozent).
Rund 17 Prozent mehr Stellen wurden angeboten, auch der Bestand an Stellen wuchs um fast 16 Prozent.

Rhein-Hunsrück-Kreis:

Insbesondere zwischen November 2020 und Februar 2021 stieg die Zahl der neuen oder erneuten Anzeigen von Kurzarbeit noch einmal an. Tatsächlich realisiert wird die Kurzarbeit immer für einen Teil der Anzeigen. Hierfür stehen Daten bis Juni 2021 zur Verfügung: Im Januar und Februar arbeiteten rund 500 Betriebe kurz, dies betraf zwischen 3 300 und 3 400 Mitarbeitende. Auch im März und April waren noch zwischen 2 600 und 2 800 Personen von Kurzarbeit betroffen. Zum Vergleich mit dem Vorjahr: Im April 2020 und damit in der Höchstphase der Pandemie arbeiteten rund 6 900 Menschen in rund 700 Unternehmen kurz. Im Juni 2021 waren dies dann noch rund 1 500 Menschen in rund 250 Unternehmen.
Im Landkreis Rhein-Hunsrück ging die jahresdurchschnittliche Arbeitslosigkeit im Vergleich zu 2020 zurück - um 9,5 Prozent (von 2 464 auf 2 231 Personen). Die Arbeitslosenquote ist von 4,2 Prozent in 2020 auf 3,8 Prozent im Jahresdurchschnitt 2021 gesunken. Ähnlich wie im Landkreis Birkenfeld fiel der Rückgang hier deutlich aus.
Insbesondere Männer, Jüngere und ausländische Arbeitsuchende profitierten von sinkender Arbeitslosigkeit. Das sind die Personengruppen, die im Jahr davor auch vom Anstieg am stärksten betroffen waren.
Rund 1 000 Personen weniger (- 14,0 Prozent) als 2020 mussten sich im Jahresverlauf 2021 arbeitslos melden. Auch dies zeigt die stabilisierende Wirkung der Kurzarbeit. Die Abmeldungen aus Arbeitslosigkeit veränderten sich gegenüber 2020 nicht.
Nur knapp ein Prozent mehr Stellen wurden angeboten, der Bestand an Stellen wuchs um rund vier Prozent.

Ausblick 2022:

Erreichtes Vorkrisenniveau bietet gute Grundlage zur weiteren Entlastung am Arbeitsmarkt. Noch bevorstehende Auswirkungen der Pandemie sind zurzeit kaum einschätzbar.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartete in seiner Prognose 2021/2022 eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in 2021 um 2,2 Prozent, in 2022 um 3,8 Prozent. Die Forscher gehen auch von einem Rückgang der Arbeitslosigkeit und einem Anstieg der Beschäftigung für das gerade begonnene Jahr aus.  

Im Agenturbezirk Bad Kreuznach konnte die Arbeitslosigkeit in 2021 wie bereits beschrieben deutlich sinken und das Vorkrisenniveau annähernd erreicht werden. Neben der Gewährung von Kurzarbeitergeld, das zur Stabilisierung am Arbeitsmarkt beitrug, konnte die Agentur für Arbeit mit ihren Aktivitäten der Arbeitsvermittlung und Berufsberatung positiv auf den Ausgleich am regionalen Arbeitsmarkt wirken. Dabei zeigt sich im Tagesgeschäft wie von den IAB-Forschern beschrieben, dass mit der steigenden Nachfrage nach Arbeitskräften Engpässe am Arbeitsmarkt wieder relevanter werden. Zurzeit zeigen sich deutlich mehr Schwierigkeiten bei der Besetzung von Stellen als Anfang des Jahres, jedoch weniger als vor der Krise.


Trotz des Pandemiegeschehens erwartet Gundula Sutter, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bad Kreuznach einen stabilen Arbeitsmarkt. 2022 sieht sie sehr gute Chancen auf vielfältige und passsende Ausbildungsangebote. Darüber hinaus bestehen zahlreiche Möglichkeiten zur Weiterbildung von Arbeitsuchenden und Beschäftigten – auch in Phasen der Kurzarbeit. Denn der Fachkräftebedarf wird in diesem Jahr wieder stärker in den Fokus rücken. Ausbildung und Qualifizierung bleiben deshalb die großen Themen am Arbeitsmarkt in Gegenwart und Zukunft. Die Agentur für Arbeit Bad Kreuznach berät sehr gerne in diesen Fragen.