14.09.2020 | Presseinfo Nr. 52

Der Erste in Deutschland - mit neuer Förderung Ausbildung gestartet

Seit April macht Mathias E. eine Ausbildung zum Tischler. Das Besondere: Er ist deutschlandweit der erste, der die Chance zu einer vollwertigen Qualifikation in einem anerkannten Ausbildungsberuf im Rahmen der Förderung durch das so genannte Budget für Ausbildung nutzt.

Der 34-Jährige erzählt im Pressegespräch von schwierigen Zeiten. Erst die Unterstützung in der ISBA der Stiftung Lebenshilfe Zollernalb, der geregelte Tagesablauf und die Einblicke in zahlreiche Produktionsbereiche stellten die Weichen Richtung Ausbildung. Der zurückhaltende, humorvolle junge Mann hat sich nach Probewochen, Praktika und Projekten, z. B. in der Näherei oder dem Umbau eines Bauwagens, zur Ausbildung im Holzbereich entschlossen. Und als er den Mut dazu gefasst hatte, war für ihn klar, „dass es nur diese Option gibt“ und er mit Durchhaltevermögen diese Chance nutzen will. „In der Arbeitsgruppe habe ich mich gleich wohlgefühlt“, freut er sich. „Es war dann im Grunde einfach, Mathias zu aktivieren“, erinnert sich Hans Scheck, Gruppenleiter im Berufsbildungsbereich.

Schon früh im ersten Gespräch mit dem Sozialdienst der ISBA hatte sich Mathias‘ Interesse für die Schreinerei angedeutet.  „Ein paar Stolpersteine hat er schon aus dem Weg räumen müssen“, berichtet Elke Nemecek vom Sozialdienst. Manchmal führen erst Umwege zum Ziel, und manchmal sind dafür gute Ratschläge und Hilfe von außen nötig. Sie ist froh, dass die neu geschaffenen Förderinstrumente diese gezielte Unterstützung ermöglichen.

Auch Sabine Jenter, Beraterin für berufliche Rehabilitation der Agentur für Arbeit Balingen, hält das neue Förderinstrument für sehr nützlich und hofft, dass das Beispiel Schule macht. „Die Sicherheit, ohne Risiko die betriebliche Ausbildung zu beginnen und damit nicht einen Werkstattplatz aufs Spiel zu setzen, ist ein wichtiges Argument“, so Jenter, die sehr eng mit der Lebenshilfe zusammenarbeitet.

Die Ausbildung bei dem Inklusionsunternehmen AIZ gGmbH der Lebenshilfe macht Mathias in Teilzeit. „Diese Flexibilität ist ein wichtiger Baustein, weil wir so den Bedürfnissen des Auszubildenden entgegenkommen können“, betont Scheck. Auch der Berufsschulbesuch, der nach den Ferien beginnen wird und auf den der Auszubildende schon ganz gespannt ist, wird tageweise im Wechsel mit der praktischen Tätigkeit durchgeführt.

„Wir leisten viel Motivationsarbeit. Mit den idealen Rahmenbedingungen bei der AIZ und der intensiven Kooperation mit allen Beteiligten, sei es dem Integrationsfachdienst oder der Agentur für Arbeit, finden wir Wege, die Ziele des Bundesteilhabegesetzes zu erreichen. Mathias ist ein Paradebeispiel dafür“, so Nemecek. Und Gruppenleiter Scheck betont: „Das schafft er alles selbst. Wir schieben nur manchmal in die richtige Richtung.“ Besonders zeichnet Mathias sein handwerkliches Geschick und die Fähigkeit aus, bei Problemen gezielt nach Lösungen zu suchen.