04.01.2022 | Presseinfo Nr. 1

Robuster Arbeitsmarkt in Ostsachen

Überblick zum Arbeitsmarkt im Agenturbezirk Bautzen:

Arbeitslosenzahl im Dezember 2021: 16.896 Menschen

  • Veränderung zum Vormonat: +683 Menschen / +4,2 Prozent
  • Veränderung zum Dezember 2020: -1.239 Menschen / -6,8 Prozent

Arbeitslosenquote im Dezember 2021: 6,1 Prozent

  • Veränderung zum Vormonat: +0,2 Prozentpunkte
  • Veränderung zum Dezember 2020: -0,4 Prozentpunkte

Bestand sozialversicherungspflichtiger Arbeitsstellen im Dezember 2021: 5.135

  • Veränderung zum Vormonat: -81 Stellen / -1,6 Prozent
  • Veränderung zum Dezember 2020: +537 Stellen / +11,7 Prozent
     

Arbeitslosenzahl im Jahr 2021: 18.034 Menschen

  • Veränderung zu 2020: -244 Menschen /-1,3 Prozent
  • Veränderung zu 2019: +418 Menschen / +2,4 Prozent

Arbeitslosenquote im Jahr 2021: 6,5 Prozent

  • Veränderung zu 2020: +/- 0,0 Prozentpunkte
  • Veränderung zu 2019: +0,2 Prozentpunkte

Bestand sozialversicherungspflichtiger Arbeitsstellen im Jahr 2021: 5.190

  • Veränderung zu 2020: +679 Stellen / +15,1 Prozent
  • Veränderung zu 2019: +731 Stellen / +16,4 Prozent

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zum 30.06.2021: 202.999

  • Veränderung zum 30.06.2020: +3.174 Beschäftigte / +1,6 Prozent
  • Veränderung zum 30.06.2019: +2.350 Beschäftigte / +1,2 Prozent
Gesamteinschätzung:

„Der ostsächsische Arbeitsmarkt hat sich im Jahr 2021 leicht erholt. Die Arbeitslosigkeit ist im Jahresverlauf 2021 gesunken. Es arbeiten wieder mehr Menschen in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Die Anzahl der gemeldeten freien Arbeitsstellen ist nach wie vor hoch. Trotz der aktuellen Entwicklungen halten noch immer viele Unternehmen ihre Fachkräfte – auch mit Hilfe des Kurzarbeitergeldes.
In den letzten Wochen zeigten die Unternehmen wieder mehr Kurzarbeit an. Unter den sich ändernden Rahmenbedingungen tun wir alles, um bei steigenden Antragszahlen eine zeitnahe Leistungsbearbeitung sicherzustellen und dennoch die Arbeits- und Stellenvermittlung sicherzustellen“, so Kathrin Groschwald, Vorsitzende der Ge-schäftsführung der Agentur für Arbeit Bautzen.

Arbeitslosigkeit sinkt im Jahresverlauf 2021, aber steigt im Dezember 2021 wieder an:

Die Arbeitslosenquote lag im Jahresdurchschnitt 2021 bei 6,5 Prozent und blieb ge-genüber dem Jahr 2020 unverändert. Sie ist 0,2 Prozentpunkte vom Niveau des Jah-res 2019 entfernt. Damals lag die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt bei 6,3 Prozent und erreichte den niedrigsten Stand seit 1998, dem Beginn der statistischen Aufzeichnungen.

Im Verlauf des Jahres 2021 sank die Arbeitslosenquote von 7,1 Prozent in den Mo-naten Januar und Februar bis auf ihren niedrigsten Stand von 5,9 Prozent im November 2021.

Die Arbeitslosenquote lag im Dezember 2021 bei 6,1 Prozent und stieg im Vergleich zu November 2021 um 0,2 Prozentpunkte an.

Im Dezember 2021 waren 16.896 Arbeitslose gemeldet, 683 Personen mehr als im Vormonat. Die Zahl der Arbeitslosen nahm gegenüber dem November 2021 um 4,2 Prozent zu und war damit größer als im gleichen Vorjahreszeitraum. Im Dezember 2020 stieg die Arbeitslosenzahl gegenüber dem Vormonat um 2,1 Prozent.
Im Dezember 2021 konnten weniger Arbeitslose als im Vormonat ihre Arbeitslosigkeit wegen Aufnahme einer Erwerbstätigkeit beenden. Gleichzeitig nahm die Zahl der Menschen, welche wegen dem Ende einer Erwerbstätigkeit im Dezember 2021 arbeitslos wurde, deutlich gegenüber November 2021 zu. Jahreszeitlich und saisonal üblich meldeten sich Menschen aus Außenberufen, wie der Landwirtschaft und dem Baugewerbe, arbeitslos. Zudem ist der Jahreswechsel ein typischer Zeitpunkt, an dem befristete Arbeitsverträge enden. Hinzu kommen Unsicherheiten im Zusammen-hang mit den aktuellen Rahmenbedingungen, wie dem Verlauf des Infektionsgeschehens und den damit verbundenen Einschränkungen sowie den Material- und Lie-ferengpässen, so dass Unternehmen bei Personalsuche und Einstellungen verhaltener handeln.

Die kommunalen Jobcenter der Landkreise Bautzen und Görlitz registrierten im Dezember 2021 zusammen 11.041 Arbeitslose in der Grundsicherung. Von diesen entfallen 4.733 auf den Landkreis Bautzen und 6.308 auf den Landkreis Görlitz. Im Ver-gleich zu Dezember 2020 stieg die Zahl der Arbeitslosen in der Grundsicherung um 16 Menschen (+0,1 Prozent). Gegenüber Dezember 2019 ging die Zahl der Arbeitslosen in der Grundsicherung um 360 Menschen (-3,2 Prozent) zurück.

Bei der Arbeitsagentur Bautzen waren im Dezember 2021 5.855 Personen arbeitslos gemeldet, 1.255 Personen (-17,7 Prozent) weniger als im Dezember 2020 und 532 Personen (+10,0 Prozent) mehr als im Dezember 2019. Das Risiko, arbeitslos zu bleiben, ist während der Coronapandemie gestiegen. Einerseits sichert Kurzarbeitergeld Jobs. Andererseits werden in Teilen der Wirtschaft, die von Einschränkungen betroffen sind, keine oder weniger neue Stellen geschaffen. Damit sinken die Jobchancen. Je geringer die Qualifikationen eines Beschäftigten sind, desto höher ist Risiko, arbeitslos zu werden. Zudem können Arbeitslose, die es ohnehin schwe-rer auf dem Arbeitsmarkt haben, ihre Arbeitslosigkeit schwerer beenden, zum Beispiel Langzeitarbeitslose sowie Menschen ohne Berufsabschluss.

Unterbeschäftigung liegt unter dem Niveau von 2019:

Die Unterbeschäftigung, die Summe aus Arbeitslosen und Teilnehmern an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, lag im Dezember 2021 bei 20.477 Personen. Sie stieg gegenüber dem Vormonat um 1,3 Prozent (260 Personen) an, liegt jedoch unter dem Jahresdurchschnitt 2021. Im Jahr 2021 umfasste die Unterbeschäftigung durch-schnittlich insgesamt 21.914 Personen. Gegenüber dem Jahr 2020 ging diese Zahl um 4,6 Prozent zurück und gegenüber 2019 sank sie um 6,2 Prozent.

Im Dezember 2021 betrug die Unterbeschäftigungsquote 7,3 Prozent, im Vormonat lag sie noch bei 7,2 Prozent. Im Durchschnitt des Jahres 2021 lag die Unterbeschäftigungsquote bei 7,8 Prozent. Damit sank die Unterbeschäftigungsquote gegenüber dem Jahr 2020 um 0,3 Prozentpunkte und gegenüber 2019 um 0,4 Prozentpunkte.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stieg im Juni 2021 gegenüber den beiden Vorjahren an:

Im Juni 2021 belief sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Bezirk der Agentur für Arbeit Bautzen auf 202.999. Gegenüber Juni 2020 war das eine Zunahme um 3.174 Beschäftigte (+1,6 Prozent) und gegenüber Juni 2019 um 2.350 Beschäftigte (+1,2 Prozent).
Nach Branchen gab es, absolut betrachtet, die stärkste Zunahme in der Arbeitnehmerüberlassung (+1.747 oder +36,3 Prozent). Am ungünstigsten war die Entwicklung in der Energieversorgung (–885 oder –35,4 Prozent).

Arbeitskräftenachfrage schwächt sich ab, Bestand der gemeldeten Arbeitsstellen aber über dem Niveau von 2020 und 2019:

Die Unternehmen der Region meldeten der Arbeitsagentur Bautzen im Dezember 2021 637 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen. Das waren 177 Stellen (-21,7 Prozent) weniger als im Vormonat, 90 Stellen (-12,4 Prozent) weniger als im Dezember 2020 sowie 36 Stellen (-5,3 Prozent) weniger als im Dezember 2019. Unter anderem meldeten Arbeitgeber aus dem Baugewerbe (-63,3 Prozent), dem Gastgewerbe (-16,7 Prozent) und verarbeitendem Gewerbe (-12,2 Prozent) der Arbeitsagentur Bautzen weniger freie Stellen.

Der Bestand sozialversicherungspflichtiger Arbeitsstellen bei der Arbeitsagentur Bautzen sank gegenüber November 2021 um 81 Stellen (-1,6 Prozent) auf 5.135 und liegt damit etwas unter dem Jahresdurchschnitt von 2021. Im Jahr 2021 waren durchschnittlich 5.190 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen bei der Arbeitsagentur Bautzen im Bestand, 15,1 Prozent mehr als im Jahr 2020 und 16,4 Prozent mehr als im Jahr 2019.

Im Dezember 2021 gab es die meisten Stellen in folgenden Bereichen: Arbeitnehmerüberlassung (1.358), verarbeitendes Gewerbe (912), Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (493), Gesundheits- und Sozialwesen (452) und Baugewerbe (321). Gesucht werden beispielsweise Fachkräfte in den Bereichen Maschinenbau und Betriebstechnik (239), Verkauf (167), Fahrzeugführung (162), Metallbearbeitung (118), Gesundheits- und Krankenpflege (88), Altenpflege (83) sowie Fachkräfte und Spezialisten in der Informatik (128).

Stabilitätsanker konjunkturelles Kurzarbeitergeld:

Das Instrument der Kurzarbeit bleibt weiterhin ein Stabilitätsanker für den Arbeitsmarkt.

Vor Beginn von Kurzarbeit müssen Betriebe eine Anzeige über den voraussichtlichen Arbeitsausfall erstatten. Im November 2021 mussten 289 regionale Betriebe Kurzarbeit neu anzeigen, weil von einem Arbeitsausfall auszugehen war oder die ursprüngliche Anzeige verlängert werden musste. Das waren 228 Betriebe mehr als im Oktober 2021. Hinter diesen Anzeigen standen 2.901 Beschäftigte.

Im November 2021 kamen die meisten Betriebe, welche Kurzarbeit neu anzeigen mussten, aus den folgenden Branchen (TOP 4):

1. Gastgewerbe: 109 Betriebe mit 856 betroffenen Arbeitnehmern
2. Sonstige Dienstleistungen, private Haushalte: 78 Betriebe mit 608 betroffenen Arbeitnehmern:
    Darunter stammen 31 Anzeigen von Betrieben aus dem Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung mit 262 betroffenen Arbeitnehmern.
3. Verarbeitendes Gewerbe: 20 Betriebe mit 786 betroffenen Arbeitnehmern
4. Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen: 20 Betriebe mit 215 betroffenen Arbeitnehmern

Aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen bis August 2021 zur Verfügung. Nach aktuellen Hochrechnungen haben bislang im August 2021 692 Betriebe konjunkturelles Kurzarbeitergeld für insgesamt 4.494 beschäftigte Frauen und Männer beantragt. Das waren 200 Betriebe und 1.502 Kurzarbeiter weniger als im Juli 2021.

Ausblick auf das Jahr 2022:


Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit prognostiziert für das Jahr 2022 einen Rückgang der Arbeitslosigkeit auf das Niveau von 2019 sowie einen weiteren Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung für den Agenturbezirk Bautzen. Eine hohe Impfquote kann die weitere Erholung des Arbeitsmarktes unterstützen. Unsicherheiten ergeben sich aus Material- und Lieferengpässen.

„Demografie, Digitalisierung und Strukturwandel bleiben die Herausforderungen für die Zukunft. Arbeits- und Fachkräftesicherung ist deshalb auch im kommenden Jahr das zentrale Thema am Arbeitsmarkt. Wir müssen den bestmöglichen Übergang von der Schule in den Beruf gewährleisten. Es ist wichtig, dass Arbeitslose, und Beschäftigte qualifiziert werden sowie Arbeitskräfte mit unfreiwilliger Teilzeit die Möglichkeit erhalten länger zu arbeiten. Das wird aber nicht reichen. Ohne die gezielte Zuwanderung von gut qualifizierten Fachkräften wird es nicht gehen“, so Kathrin Groschwald.

„Wir gehen aktuell davon aus, dass der Arbeitsmarkt sich moderat weiterentwickelt und attraktive Möglichkeiten für den Arbeitseinstieg von Arbeitslosengeld II-Empfängern bietet. Wir werden - wie auch in den Vorjahren - das gesamte, sehr gute Spektrum der vorhandenen Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten nutzen, um unsere Kunden dabei zu unterstützen. Kernpunkte sind dabei die individuelle, passgenaue Weiterbildung von Arbeitslosengeld II-Empfängern sowie das Vermitteln bestmöglicher Arbeitsstellen durch die engen Kontakte in den Arbeitsmarkt. Dazu gehört auch die umfassende Arbeitgeberberatung durch den Arbeitsgeberservice des Jobcenters“, so Felix Breitenstein, Betriebsleiter des Jobcenters Landkreis Görlitz.


Link zur Arbeitsmarktprognose 2022 des Institutes für Arbeitsmarkt und Berufsforschung