10.12.2021 | Presseinfo Nr. 23

So kann Inklusion gelingen

„Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe, aber ohne Unterstützung der Kooperationsbetriebe hätte ich das nicht geschafft. Es war ein langer, steiniger Weg aber am Ende haben sich alle Mühen gelohnt“, sagt die 31-Jährige Stefanie Medick.

Mit Leidenschaft und Engagement ist Stefanie Medick ein unverzichtbares Mitglied in der Splitcase-Fertigung und ist aufgrund Ihrer Kompetenz im Umgang mit Maschinen und Anlagen aus diesem Bereich nicht mehr wegzudenken. Bereits seit dem Frühjahr 2020 steht sie als Zerspanungsmechanikerin in der Metallwerkstatt der Hofer WILO SE, ihre Frau. „Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe, aber ohne Unterstützung der Kooperationsbetriebe hätte ich das nicht geschafft. Es war ein langer, steiniger Weg aber am Ende haben sich alle Mühen gelohnt“, sagt die 31-Jährige.

Mit langem Atem hat sich die alleinerziehende Mutter trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen durch schwierige persönliche Umstände in den letzten Jahren eine solide berufliche Zukunft erarbeitet. Für die nötige individuelle Unterstützung im Rahmen eines beruflichen Rehabilitationsverfahrens sorgte dabei Sabine Pinkas, Reha-Beraterin bei der Agentur für Arbeit Bayreuth-Hof. Die Reha-Expertin begleitete Stefanie Medick auf ihrem mutigen und nicht immer einfachen Weg: „Neben der individuellen Beratung koordinieren wir im Reha-Verfahren die Einbindung weiterer Akteure und behalten dabei immer den „roten Faden“ in der Hand“. Einen ersten Kontakt mit der Berufsberatung der Arbeitsagentur gab es bereits 2004, allerdings zunächst ohne Ergebnis. „Nach der Hauptschule hatte ich kein konkretes Ziel, entschied mich dennoch für eine Ausbildung die ich leider vorzeitig beenden musste“, erzählt Medick. Ein entscheidender Wende-punkt war die Geburt ihres Kindes. Nach der Elternzeit mit weiteren Turbulenzen entschloss sich die junge Mutter zunächst zum Nachholen ihres Schulabschlusses und suchte wieder Kontakt zur Reha-Berufsberatung der Arbeitsagentur. „Ende 2015 waren wir soweit, dass wir gemeinsam zielgerichtete Schritte für eine berufliche Eingliederung angehen konnten“, erinnert sich Pinkas. „Frau Medick kam mit dem konkreten Wunsch nach einer handwerklichen Ausbildung im Berufsfeld Metall zu mir und musste prompt mit einer Absage eines Metallbetriebes zurechtkommen: Für einen Beruf mit körperlichen Anforderungen sei sie nicht geeignet.“ Aber Stefanie Medick ließ sich nicht entmutigen und suchte gemeinsam mit ihrer Beraterin nach Lösungsmöglichkeiten, ihrem Wunsch dennoch näher zu kommen. „Unser erstes Ziel war die Steigerung der gesundheitlichen Belastbarkeit, verbunden mit einer umfassenden Berufsorientierung“, erläutert Pinkas. So finanzierte die Arbeitsagentur zunächst eine rehaspezifische Maßnahme mit psychologischer Begleitung beim Bildungsträger bfz Hochfranken. Im Verlauf dieser mehrmo-natigen Maßnahme gelang es Stefanie Medick durch ihre hohe Motivation und ihr handwerkliches Geschick, trotz der Doppelbelastung als alleinerziehende Mutter, sich schnell einen Ausbildungsbetrieb im Beruf der Werkzeugmechanikerin zu erschließen. „Der Einblick in den handwerklichen Beruf mit der Mög-lichkeit zur Metallbearbeitung hat mich bestätigt, dass ich eine Ausbildung, idealerweise sehr gut, absolvieren möchte“, so Stefanie Medick. Als nächster Schritt konnte nun eine dreieinhalbjährige kooperative Reha-Ausbildung in Angriff genommen werden. Auch hier wurden die Kosten über die Reha-Ersteingliederung der Arbeitsagentur in Hof getragen: Maßnahmekosten und So-zialversicherungsbeiträge wurden bezahlt, Stefanie Medick erhielt ein Ausbildungsgeld und ihr wurden die anfallenden Fahrkosten erstattet. Die Diakonie am Campus fungierte als Ausbildungspartner, die praktische Ausbildung er-folgte aber bei der WIILO SE in Hof.


Die WILO SE mit Hauptsitz in Dortmund ist einer der weltweit führenden Her-steller von Pumpen und Pumpensystemen für die Heizungs-, Kälte- und Klimatechnik, die Wasserversorgung sowie die Abwasserbehandlung und Entsorgung. Der Standort Hof arbeitet mit ca. 500 Mitarbeitern und Mitarbei-terinnen an den globalen Lösungen für die Trinkwassergewinnung, Wasseraufbereitung, Wasserförderung und Abwasserentsorgung. „Als Stefanie Medick zu mir in die Ausbildung kam sah ich eine junge Dame, die den Anforderungen der Arbeitswelt nicht vollkommen gewachsen war. Ich entdeckte das Potenzial, förderte und forderte Sie. Stefanie konnte mit Ihrem Engagement und ihrem unstillbaren Wissensdurst sehr schnell über Ihre Grenzen hinauswachsen und somit einen vorbildlichen Ausbildungsverlauf mit einer sehr gu-ten Abschlussnote beenden“, erklärt Markus Röder, Ausbilder Metalltechnik. „In der Zeit der Ausbildung war ich im ständigen engen Austausch mit der Kundin, dem Bildungsträger und den Kooperationsbetrieben, so konnten wir sehr flexibel und kurzfristig auf private und gesundheitliche Belastungsfakto-ren reagieren und individuelle Anpassung vornehmen, wie zum Beispiel den Wechsel auf den Beruf der Zerspanungsmechanikerin“, ergänzt Reha-Beraterin Sabine Pinkas.


Am 26.02.2020 erreichte Stefanie Medick den IHK-Abschluss als Zerspanungsmechanikerin mit Spezialisierung CNC-Drehtechnik. „Wegen Ihres Engagements, der erlernten Selbständigkeit und der Power die Sie sich selbst in Ihrer Ausbildung angeeignet hat, war Stefanie nicht nur eine erstklassige Auszubildende sondern auch eine junge Frau die wir als vollwertige Fachar-beiterin im Betrieb übernehmen können“, betont Röder.
Reha-Beraterin Sabine Pinkas: „Die Arbeitsagentur kann aus einen vielfältigen Angebot an Unterstützungsmöglichkeiten schöpfen, auch mein Fazit ist, dass der Erfolg letztlich immer vom eigenen Wollen abhängig ist: „Hier hat eine junge Frau mit vielfältigen Problemen hart an sich gearbeitet und sich so mit einem unbändigen Willen erfolgreich ihren Weg in einen anspruchsvollen und männerdominierten Beruf erkämpft. Dafür braucht es aber eben auch Be-triebe, die sich offen zeigen und Menschen eine Chance geben, selbst wenn diese einen Bruch in ihrer Biographie haben. So kann Inklusion gelingen“.


„Ich hätte mich für einen bequemeren Weg entscheiden können, die dreiein-halb Jahre waren nicht immer leicht für mich, aber rückblickend kann ich sagen, dass dies die beste Entscheidung für mich war. Ich bin sehr stolz auf mich, was ich alles trotz meiner Vergangenheit geleistet habe. Damit habe ich mir einen soliden Grundstein für meine Zukunft gelegt. Ich würde das immer wieder so machen“, ist sich Stefanie Medick sicher.