03.11.2021 | Presseinfo Nr. 39

Ausbildungsmarkt in Oberberg

Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach: Einfluss von Corona auf Ausbildungsmarkt weiterhin spürbar:
Die Corona-Pandemie und die demographische Entwicklung schlagen sich weiter negativ auf dem Ausbildungsmarkt nieder. Dies zeigt sich vor allem in einem Rückgang der Zahl der Bewerberinnen und Bewerber, die sich bis zum offiziellen Ende des Berufsberatungsjahres am 30.09.2021 auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle gemeldet haben. Auf der Stellenseite haben die Unternehmen demgegenüber geringfügig mehr Ausbildungsplätze an die Agentur für Arbeit gemeldet als zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr. Dementsprechend blieben weniger Bewerberinnen und Bewerber unversorgt, wohingegen zum Stichtag 30.09.2021 mehr Ausbildungsstellen unbesetzt sind als Ende September 2020.

Im Oberbergischen Kreis wurden von den Unternehmen 1.770 Berufsausbildungsstellen bei der Arbeitsagentur gemeldet. Dies sind 35 oder 2,0 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon sind derzeit noch 226 unbesetzt – 40 oder 21,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf Bewerberseite stehen diesen Stellen 1.570 gemeldete Ausbildungssuchende gegenüber. Dies sind 65 oder 4,0 Prozent weniger als im Vorjahr. 108 gelten zum aktuellen Stand als unversorgt – dies sind 16 oder 12,9 Prozent weniger als im Vorjahr.

Im gesamten Bezirk der Arbeitsagentur (Oberberg, Rhein-Berg und Leverkusen) haben die Arbeitgeber insgesamt 3.738 Berufsausbildungsstellen an die Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach gemeldet. Das sind 50 (1,4 Prozent) mehr als im Vorjahr. Der Vergleich zur „Vor-Corona-Zeit“ zeigt ein anderes Bild. Zum 30.09.2019 waren 4.330 Ausbildungsstellen gemeldet worden. Gleichzeitig haben in diesem Jahr weniger Bewerber/innen für eine Ausbildungsstelle die Dienste der Agentur in Anspruch genommen. Mit 3.828 Personen waren dies 347 oder 8,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit hat sich die rückläufige Entwicklung aus dem Vorjahr fortgesetzt – 2019 gab es 4.583 Bewerberinnen und Bewerber. Derzeit gibt es noch 270 unversorgte Bewerber/innen, 166 oder 38,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig sind noch 478 Ausbildungsstellen unbesetzt - 79 oder 19,8 Prozent mehr als im Vorjahr.

Nicole Jordy, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach: „Die Aufnahme einer Ausbildung ist auch jetzt noch möglich und viele Unternehmen freuen sich weiterhin über Bewerbungen, damit Ausbildungsverhältnisse noch in diesem Jahr zustande kommen. Wie im vergangenen Jahr hat die Corona-Pandemie Einfluss auf den Ausbildungsmarkt. Gemeinsam mit unseren Partnern beraten und unterstützen wir Unternehmen und Jugendliche auch weiterhin zeitnah und umfassend. Kontaktieren Sie uns gerne!“

• Jugendliche/Eltern im OBK:
Bitte Mail senden an: berufsberatung.153@arbeitsagentur.de
• Kontakt für Arbeitgeber im OBK: 02261 304 104


IHK Köln: Wieder mehr neue Azubis in Oberberg – Corona-Einbrüche gestoppt
Der Ausbildungsmarkt erholt sich, aber langsam. Im Bezirk der IHK Köln, also in Köln, Leverkusen, im Rhein-Erft-, dem Rheinisch-Bergischen und dem Oberbergischen Kreis, wurden bis Ende September 7.412 neue Ausbildungsverträge in den rund 150 IHK-Berufen abgeschlossen. Das sind 180 Verträge oder 2,5 Prozent mehr als zum Vorjahresstichtag. „Die Corona-bedingten Einbrüche des vergangenen Jahres sind glücklicherweise gestoppt, der Ausbildungsmarkt hat wieder Tritt gefasst, wenn auch nur langsam“, erklärt Johannes Juszczak, Leiter Ausbildungsberatung der IHK Köln.

Als Katalysator für die Entwicklung verweist der IHK-Experte auf das Homeschooling im vergangenen Schuljahr, was die Berufsorientierung der Schülerinnen und Schüler stark eingeschränkt habe. In einzelnen Branchen zeige sich, dass der „frühere Bewerbermangel aus der Zeit vor der Pandemie mit noch größerer Wucht zurückgekommen ist: viele freie Stellen, aber wenige Bewerbende. Insbesondere im Tourismus- sowie im Hotel- und Gaststätten-bereich fehlen Bewerbende und das bei wieder wachsendem Angebot“, so Michael Sallmann, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Oberberg. Dieser Befund gelte – so Sallmann – leider auch für die gewerblich-technischen Ausbildungsberufe in der für Oberberg prägenden Industrie. Positiv verläuft die Entwicklung dagegen in den IT-Berufen: „Hier trifft ein nach wie vor großes Angebot an Ausbildungsstellen erfreulicherweise auf ein mittlerweile entsprechend großes Interesse bei den Bewerbenden“, so der IHK-Geschäftsführer.

In Oberberg waren zum Stichtag 30.09.2021 genau 959 neue Ausbildungsverträge eingetragen – das sind 34 Verträge (plus 3,7 Prozent) mehr als am 30.09.2020. Mit 579 Verträgen – plus 28 Verträge im Vergleich zum Vorjahresstichtag – konnten die kauf-männischen Berufe deutlicher zulegen als die gewerblich-technischen Berufe. Hier wurden 380 neue Ausbildungsverträge unterschrieben, 6 mehr als zum Vorjahresstichtag. Zum Vergleich die Ergebnisse aus dem IHK-Bezirk (zum Vorjahresstichtag):

  • Stadt Köln: 4.039 Ausbildungsverträge (plus 2,9 Prozent = plus 115 neue Verträge)
  • Stadt Leverkusen: 618 Ausbildungsverträge (plus 0,5 Prozent = plus drei Verträge)
  • Rhein-Erft-Kreis: 1.239 Ausbildungsverträge (minus 1 Prozent = minus 13 Verträge)
  • Rheinisch-Bergischer Kreis: 557 Ausbildungsverträge (plus 8 Prozent = 41 Verträge)

„Unternehmen, die auch kurzentschlossen Ausbildungs- oder Praktikumsplätze be-setzen wollen, können von unserem ‚Quick-Start-Service‘ profitieren. Innerhalb von 48 Stunden klären wir individuell die rechtlich notwendigen Voraussetzungen, um alle Ausbildungspotenziale der regionalen Wirtschaft zu heben“, so IHK-Ausbildungsexperte Juszczak.
Die Ausbildungsstellenvermittlung der IHK Köln unterstützt Betriebe und Jugendliche auch weiterhin bei Ausbildungsplatzsuche und Bewerbung per WhatsApp (0173 5487517), Mail (ausbildungsvermittlung@koeln.ihk.de) oder Telefon (0221 1640-6650). Eltern können sich in IHK-Webinaren über das „Abenteuer Ausbildung“ informieren.

Kreishandwerkerschaft Bergisches Land: Ausbildungsjahr 2021 – Oberberg
Auch das zweite Pandemiejahr ist eine Herausforderung für die Ausbildungsplatzvermittlung. Durch die Corona-Pandemie konnten in diesem Jahr wieder zahlreiche Initiativen in der Region nicht wie geplant umgesetzt werden oder mussten erneut ausfallen. Ausbildungs- und Berufsorientierungsmessen in Präsenz konnten nicht stattfinden, Berufsfelderkundungen wurden wegen der weiter geltenden kontaktreduzierenden Schutzmaßnahmen sowie der Schulschließungen nicht oder nur eingeschränkt durchgeführt.
Die Verantwortlichen haben auf die Gegebenheiten reagiert und Alternativen zur Information der jungen Zielgruppe angeboten. Neben digitalen Messen und Onlineauftritten hat die Kreishandwerkerschaft Bergisches Land eine digitale Kampagne für die Ausbildung im Handwerk gestartet. „Erstmals haben vier junge Reporter im Alter zwischen 14 und 17 Jahren Handwerksberufe unter die Lupe genommen. Insgesamt sind dabei 13 Videos auf Augenhöhe mit der Zielgruppe entstanden.“, berichtet der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land, Marcus Otto. „Die Kreishandwerkerschaft hat nicht nur die Perspektive der potenziellen Auszubildenden eingenommen, sondern auch über deren Kommunikationskanäle – Instagram und TikTok – Werbung für Ausbildung im Handwerk gemacht. Und dabei konnten wir einige Erfolge in Form von neu geschlossenen Ausbildungsverträgen verzeichnen.“

Auch wenn durch die Pandemie im zweiten Pandemiejahr noch einiges durcheinander gewirbelt wurde, kann man für das Handwerk in dieser Region von einem Lichtblick sprechen. Das Defizit bei den Lehrverträgen ist weiter geschrumpft. Und auch wenn das Niveau von 2019 noch nicht wieder erreicht werden konnte, fällt die Bilanz zum Stichtag 30. September 2021 mit einem Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahresstichtag für die gesamte Region positiver als im vergangenen Jahr aus. Handwerksausbildung im Oberbergischer Kreis In diesem Jahr verzeichnet das Handwerk weniger Ausbildungsverträge in Oberberg in den Ausbildungsberufen Dachdecker, Elektroniker, Kraftfahrzeugmechatroniker, Maurer, Metallbauer und Zimmerer. Besonders die Friseure müssen ein großes Minus hinnehmen, da sie in der Pandemie über einen langen Zeitraum ihre Betriebe geschlossen halten mussten und während dieser Zeit auch nicht ausbilden konnten.

Auf der anderen Seite stehen die Ausbildungsberufe Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik und Maler und Lackierer, die in diesem Jahr einen äußerst positiven Beitrag in der Statistik der Verträge leisten und eine Steigerung um jeweils rund 14 Prozent verzeichnen. Absoluter Gewinner in der Statistik 2021 ist der Tischler. Hier hat sich die Zahl der Lehrverträge verdoppelt, nachdem sie 2020 noch zu den pandemiebedingten Verlierern gehörten. Die Bilanz für alle Ausbildungsverträge im Oberbergischen Kreis fällt somit mit plus/minus 0 positiv aus.

Marcus Otto appelliert an die Handwerksbetriebe: „Nehmen Sie wieder jede Gelegenheit wahr und bieten Sie Praktikumsplätze an! Wie viel das Handwerk jungen Menschen an unterschiedlichen Karrieren zu bieten hat, lässt sich nun mal am besten vor Ort präsentieren und erlebbar machen. Wir müssen dem Fachkräftemangel aktiv entgegenwirken und den jungen Leuten zeigen, welche sehr guten Zukunftsaussichten das Handwerk zu bieten hat.“