30.10.2020 | Presseinfo Nr. 89

Ausbildungsmarkt 2019/2020

Bilanz des Berufsberatungsjahres

 

+++ Wir sind mit einem „blauen Auge“ davongekommen sind. Der Einbruch auf dem Ausbildungsmarkt ist geringer, als gedacht. +++ Die Nachvermittlung läuft und die Jugendlichen nutzen aufgrund des Pandemiegeschehens immer mehr digitale Wege der Berufsberatung, zum Beispiel mit Livechats auf Youtube. +++ Wir appellieren eindringlich an alle Betriebe, auch für das nächste Jahr Ausbildungsplätze anzubieten und uns ihre Stellen zu melden. +++ Wir können mit verschiedenen Fördermöglichkeiten unterstützen.

Zahlen/Daten/Fakten

29 unversorgte Bewerber, 29 Jugendliche weniger gegenüber dem Vorjahr

Weniger als 1.000 gemeldete Bewerber, 185 Jugendliche weniger als im Vorjahr

1.160 gemeldete Ausbildungsstellen, über 200 weniger als im letzten Berichtsjahr

144 Ausbildungsstellen blieben unbesetzt, das sind 35 weniger als im Vorjahr

Im Berufsberatungsjahr 2019/2020 (1. Oktober 2019 bis 30. September 2020) meldeten sich 965 Jugendliche (-16 Prozent).

Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen sank im Vergleich zum Vorjahr um 208 (-15 Prozent) auf 1.160. Zum 30.9. blieben 144 Ausbildungsstellen unbesetzt, das sind 3 unbesetzte Stellen mehr als im letzten Jahr.

Entwicklung des Ausbildungsmarktes von 2013 bis heute im Salzlandkreis

2013 wurden 1.026 Lehrstellen durch Arbeitgeber gemeldet und 2020 waren es mit 1.160 Ausbildungsstellen 15 Prozent weniger als im letzten Jahr. Die Zahl der angemeldeten Bewerberzahlen ist erneut gesunken. Im September 2013 suchten knapp 1.400 Jungen und Mädchen eine Ausbildung in der Region. In diesem Jahr waren es fast 450 weniger (965 junge Menschen).

Berufsausbildungsstellen nach Regionen

Während in Staßfurt mit 61 unbesetzten Ausbildungsstellen zum Ende des Berichtsjahres, das entspricht einen Zuwachs um zwei Ausbildungsstellen gegenüber dem Vorjahr, die größte Anzahl noch nicht besetzter Ausbildungsstellen gemeldet sind, ist die geringste Anzahl von 22 (3 mehr als im letzten Berichtsjahr) unbesetzte Ausbildungsstellen in Aschersleben zu finden. In Bernburg konnten 30 (32 weniger gegenüber VJM) und in Schönebeck 31 (8 weniger gegenüber VJM) Ausbildungsstellen zum Ende des Berichtsjahres 2019/2020 nicht besetzt werden.

Geschäftsstellenbereich Bernburg:

In Bernburg und Umgebung war die Diskrepanz zwischen gemeldeten Bewerbern (275) und Ausbildungsstellen (384) am größten.

Den größten Rückgang, mit fast 40 Prozent der Ausbildungsstellen sind im Gastgewerbe zu verzeichnen, gefolgt mit 28 Prozent weniger Lehrstellen von dem verarbeitenden Gewerbe aus der Produktion und Fertigung.

Insgesamt konnten 30 Ausbildungsstellen in Bernburg und Umgebung nicht besetzt werden.

Geschäftsstellenbereich Schönebeck:

Der zahlenmäßige, ausgewogenste Ausbildungsmarkt ist, wie auch im letzten Jahr in Schönebeck zu finden. Hier stehen 269 gemeldete Ausbildungsstellen den 287 gemeldeten Bewerbern gegenüber. Nur hier sind mehr Bewerber als Ausbildungsstellen gemeldet.

Den größten Rückgang, mit fast 72 Prozent der Ausbildungsstellen sind in der Logistikbranche zu verzeichnen, gefolgt mit 69 Prozent weniger Lehrstellen in der Finanzdienstleistungs- und Versicherungsbranche.

Insgesamt konnten 31 Ausbildungsstellen in Schönebeck und Umgebung nicht besetzt werden.

Geschäftsstellenbereich Staßfurt:

In Staßfurt haben sich weniger Bewerber (233) gemeldet, als durch die Unternehmen Ausbildungsstellen (278) gemeldet wurden.

Den größten Rückgang, mit 70 Prozent der Ausbildungsstellen sind in der Finanzdienstleistungs- und Versicherungsbranche zu verzeichnen, gefolgt mit 50 Prozent weniger Lehrstellen im Gastgewerbe. Mehr Lehrstellen (60 Prozent) wurden in den wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen angezeigt, dazu gehören u.a.Laboranten oder Rechtsanwalts-und Notariatsgehilfen.

Insgesamt konnten 61 Ausbildungsstellen in Staßfurt und Umgebung nicht besetzt werden.

Geschäftsstellenbereich Aschersleben:

Wie in allen Geschäftsstellen der Agentur für Arbeit Bernburg, wurden auch in Aschersleben die meisten Ausbildungsplätze im verarbeitenden Gewerbe angeboten. Auch hier ist ein Rückgang um fast 13 Prozent zu verzeichnen. In Aschersleben haben sich 170 Bewerber gemeldet, als durch die Unternehmen Ausbildungsstellen (229) gemeldet wurden.

Den größten Rückgang, mit 56 Prozent der Ausbildungsstellen sind im Handel zu verzeichnen. Im Wirtschaftszweig Erziehung und Unterricht 37 Prozent (23 Ausbildungsstellen) weniger gemeldet.

Insgesamt konnten 22 Ausbildungsstellen nicht besetzt werden.

Bewerber nach Regionen

Bewerberseitig stellt sich die Situation regional ähnlich dar.

In Bernburg ist auch der größte Rückgang um 50 gemeldete Bewerber gegenüber dem Berichtsjahr 2018/2019 zu verzeichnen. Insgesamt meldeten sich in der Saalestadt 275 Jungen und Mädchen an (-91). 13 Jungen und Mädchen hatten zum 30.September noch keinen Ausbildungsvertrag unterschrieben.

Auch in Schönebeck meldeten sich 16 Schüler weniger als im letzten Berufsberatungsjahr. Insgesamt suchten dort 287 Jungen und Mädchen einen Ausbildungsplatz. Zum Ende des Berufsberatungsjahres waren noch unter fünf junge Menschen ohne eine Lehrstelle.

In der Region Staßfurt haben sich seit dem Beginn des Berufsberatungsjahres, am 1.Oktober des letzten Jahres 25 Jungen und Mädchen weniger gemeldet.

Insgesamt suchten dort 233 Jungen und Mädchen einen Ausbildungsplatz.

Im Vergleich im Salzlandkreis ist die größte Anzahl mit 13 unversorgten Bewerbern in Bernburg zu finden. In Schönebeck, Aschersleben und Staßfurt suchen nur noch einzelne Bewerber eine Ausbildungsstelle.

Bewerber/-innen nach Schulabschluss in den Berichtsjahren

Von den 965 gemeldeten Bewerbern waren 384 weiblich und 581 männlich.

Knapp die Hälfte aller Jungen und Mädchen verfügen über einen Realschulabschluss. Danach folgen im Salzlandkreis die Bewerber mit einem Hauptschulabschluss. Ihre Zahl lag bei 228 junge Menschen, das entspricht 23,6 Prozent.

Mit der Fachhochschulreife bewarben sich 57 Bewerber und nur 100 Jungen und Mädchen verfügen über ein Abitur.

Die Agentur für Arbeit Bernburg hat den Ausbildungsmarkt analysiert und die Chefin der Bernburger Arbeitsagentur, Anja Huth erklärt:

In welchen Ausbildungsberufen ist der Rückgang der gemeldeten Ausbildungsstellen am größten?

Zurückgegangen sind im Vergleich zum Vorjahr vor allem gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen in der Produktion und Fertigung, im Handel allgemein und speziell mit Kraftfahrzeugen, im Friseurhandwerk, in Gastronomie- und Hotellerie und kaufmännischen Berufen.

Mehr Ausbildungsstellen zum Vorjahr, wenn auch nur sehr kleinteilig wurden u.a. für die Landwirtschaft, Holz-und Metallbearbeitung, Aus-und Trockenbau und Ver-und Entsorgung von Unternehmen gemeldet.

Liegt der Rückgang der Stellen- und Bewerbermeldungen nur an Corona?

Der Rückgang ist nur zu einem Teil pandemiebedingt. Bereits bis zum Berichtsmonat März – vor den Einschränkungen durch die Pandemie – lagen sowohl die Zahl der Bewerber/-innen um 15 Prozent weniger als im März 2019, als auch die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen neun Prozent niedriger als im Vorjahresmonat. Den Corona-Effekt schätzen wir bei den betrieblichen Stellen und bei den Bewerbern auf jeweils – 200 ein.

Der Stellenrückgang dürfte – vor Corona – auf die schwache Konjunktur zurückzuführen gewesen sein und auch darauf, dass Betriebe in den letzten Jahren Ausbildungsstellen nicht mit einem aus ihrer Sicht geeigneten jungen Menschen besetzen konnten. Außerdem muss berücksichtigt werden, dass im vorangegangenen Berichtsjahr die höchste Stellenzahl seit 2014/15 im Bernburger Agenturbezirk zu verzeichnen war.

Der Bewerberrückgang resultiert z. B. auch aus der Änderung des Ausbildungsmarktes zum Bewerbermarkt und der Wandlung zur zunehmenden digitalen Nutzung zur Ausbildungssuche.

Nicht alle junge Menschen haben eine Ausbildungsstelle gefunden. Was machen die jungen Menschen jetzt, die leer ausgegangen sind?

Die gemeldeten Bewerber/-innen sind 2020 stärker als sonst auf weiteren Schulbesuch ausgewichen. Es haben sich weniger 15- bis 20-Jährige als im letzten Jahr arbeitslos gemeldet und auch die Zahl der unversorgten Bewerber/-innen ist zurückgegangen. Alles in allem kann ich sagen, dass wir mit einem „blauen Auge“ davongekommen sind. Trotzdem wird bis zum Ende des Jahres versucht noch möglichst viele der knapp 30 unversorgten Jungen und Mädchen und unbesetzte Ausbildungsstellen zusammenzubringen.

Arbeitgeber melden weniger Arbeitsstellen und Ausbildungsstellen. Ist zu befürchten, dass sich der Fachkräftemangel verstärkt?

Das ist ein Thema, dass mir sehr am Herzen liegt. Ich appelliere an unsere Arbeitgeber trotz der Unsicherheiten, nicht auf Ausbildung zu verzichten und sich für einen jungen Menschen aus der Region zu entscheiden, denn nach Corona werden die Fachkräfte fehlen.

Auch junge Menschen sollen sich jetzt nicht zurückziehen oder aufgeben. Einige Betriebe haben signalisiert, dass sie bis Ende des Jahres noch Ausbildungsverträge abschließen wollen.

Alle Jahre wieder. Welche Berufe sind denn die „TOP 10“ bei unseren Jungen und Mädchen?

Die Wünsche der Jugendlichen haben sich trotz CORONA nicht geändert. Auf den ersten Platz bei den Jungen ist weiterhin der Wunsch Kfz-Mechatroniker zu werden und die Mädchen möchten immer noch Verkäuferin werden.