29.01.2021 | Presseinfo Nr. 5

Der Arbeitsmarkt im Januar 2021 (Stadt Bielefeld)

Die Entwicklung des Arbeitslosenbestandes in der Stadt Bielefeld

Thomas Richter, Leiter der Agentur für Arbeit Bielefeld, kommentiert die Daten zum Arbeitsmarkt wie folgt:

Erwartungsgemäß gedämpft ist der Arbeitsmarkt in der Stadt Bielefeld ins neue Jahr gestartet. Die Arbeitslosigkeit ist im Januar im Vergleich zum Vormonat um mehr als 6 Prozent gestiegen, nachdem die leichte Erholung bereits vor Dezember an ein vorläufiges Ende gekommen war. Der anhaltende Lockdown bremst die Dynamik, der Anstieg der Arbeitslosenzahl ist allerdings auch deutlich auf saisontypische Faktoren zurückführbar: Witterungsbedingt verliert der Arbeitsmarkt für gewöhnlich in der Zeit um den Jahreswechsel an Schwung. Weil auch einige Arbeitsverträge zum Jahresende auslaufen, verzeichnen die Arbeitsagenturen üblicherweise im Januar einen Anstieg in der Arbeitslosenstatistik. Vor einem Jahr ist die Arbeitslosigkeit von Dezember auf Januar in ähnlichem Umfang gestiegen.

Auswirkungen des Lockdowns spiegeln sich vornehmlich in der seit November wieder erhöhten Zahl von Anzeigen für Kurzarbeitergeld wider. Das bleibt ein gutes Signal, weil das zeigt, dass die Arbeitgeber ihr Personal halten wollen und auf eine Erholung in diesem Jahr hoffen. Aufgrund der umfassenden Unterstützungshilfen der Regierungen und einer verlängerten Bezugsdauer für das Kurzarbeitergeld kann erwartet werden, dass sich der Arbeitsmarkt in der Stadt Bielefeld im Ganzen weiter stabil entwickelt und einem verlängerten Lockdown standhält.

Vor großen Herausforderungen stehen freilich zu Beginn des neuen Jahres die Gastronomieunternehmen, in wesentlichen Teilen der Einzelhandel und im Handwerk insbesondere die Friseurbetriebe, aber auch Studios etwa für Kosmetik oder Tattoos. Einige Unternehmen verschieben ihre Entscheidung über eine Einstellung von neuem Personal derzeit wegen der erhöhten Unsicherheit nach hinten –  dürften diese aber nachholen, nachdem die beschränkenden Maßnahmen gelockert worden sind. Die Langzeitarbeitslosigkeit ist infolge der Pandemie im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Auf die Entwicklung gilt es arbeitsmarktpolitisch zu reagieren, damit das erhöhte Risiko steigender Sockelarbeitslosigkeit vermindert werden kann.

Der Arbeitsmarkt in der Stadt Bielefeld ist für die gesamte Dauer der Corona-Krise in robuster Verfassung geblieben. Auch weil sich der Fachkräftemangel weiter verschärft und ein zunehmender Gesundheitsschutz in der Bevölkerung durch Impfen erreicht werden kann, halten die Unternehmen die Belegschaften überwiegend. Der Anstieg der Arbeitslosenquote von 7,8 Prozent im Vorjahr um 1,1 Prozentpunkte auf 8,9 Prozent im Januar zeigt, dass der Arbeitsmarkt im wirtschaftlichen Zentrum Ostwestfalens stärker als andernorts unter Druck steht. Das liegt auch daran, dass viel weniger Menschen von außerhalb derzeit für Einkäufe und Dienstleistungen nach Bielefeld fahren.

Die Arbeitsagenturen unterstützen die Unternehmen und Menschen im Falle pandemiebedingter Arbeitsentgeltausfälle weiterhin mit Kurzarbeitergeld, zuverlässig wie bisher und in angemessener Frist. Es lohnt sich in Zeiten von Fachkräftemangel und Digitalisierung, das attraktive Angebot der Arbeitsagentur zu prüfen und die Mitarbeiter während der verminderten Auslastung mit finanzieller Unterstützung weiter zu qualifizieren.“

Kurzarbeitergeld

Im Januar 2021 wurden von Unternehmen aus der Stadt Bielefeld nach vorläufigen Daten 261 Anzeigen über Kurzarbeit eingereicht. In den Anzeigen werden 2.986 Personen genannt, die potenziell von Kurzarbeit betroffen sind. Im Vergleich zum Vormonat sind das nach aktualisierten Daten 12 Anzeigen und 1.081 Personen weniger.

Hochgerechnete Zahlen zur realisierten Kurzarbeit in der Stadt Bielefeld liegen für die Monate August und Juli 2020 vor. Es geht hierbei um die bereits abgerechnete Kurzarbeit, die tatsächlich durchgeführt worden ist. Demnach gab es in Bielefeld im August 1.293 Betriebe, die Kurzarbeit durchgeführt haben und 13.897 Personen in Kurzarbeit. Im Juli waren es nach aktuell vorliegender Hochrechnung 1.467 Betriebe mit 15.359 Personen in Kurzarbeit.

Für den gesamten Agenturbezirk Bielefeld (Kreis Gütersloh und Stadt Bielefeld) liegen auch Hochrechnungen zu der realisierten Kurzarbeit im Monat September 2020 vor. Demnach waren im Bezirk im September 2.247 Betriebe mit 21.198 Mitarbeitern in Kurzarbeit.

Arbeitslosigkeit

Die Zahl der Arbeitslosen ist in der Stadt Bielefeld im Januar 2021 gestiegen. Insgesamt waren 16.187 Personen arbeitslos gemeldet. Verglichen mit den Zahlen des Vormonats sind das 957 Personen oder 6,3 Prozent mehr. Im Vergleich zum Januar 2020 steigt die Zahl der Arbeitslosen um 2.259 Personen beziehungsweise 16,2 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt im Januar 2021 8,9 Prozent. Vor einem Jahr belief sie sich auf 7,8 Prozent (plus 1,1 Prozentpunkte).

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung - SGB III

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung wurden in diesem Monat 5.447 Personen gemeldet. Die Zahl hat sich im Vergleich zum Vormonat erhöht um 436 Personen beziehungsweise 8,7 Prozent. Im Vorjahresvergleich bedeutet das eine Erhöhung um 918 Personen oder um 20,3 Prozent.

Entwicklung in der Grundsicherung - SGB II

In der Grundsicherung sind 521 Arbeitslose mehr als im Vormonat und 1.341 mehr als im Vorjahr zu verzeichnen. Im Verhältnis entspricht dies plus 5,1 Prozent zum Vormonat beziehungsweise plus 14,3 Prozent zum Vorjahr. Insgesamt zählen 10.740 Personen und damit 66,3 Prozent aller Arbeitslosen zur Grundsicherung gemäß SGB II.

Jugendarbeitslosigkeit

1.424 Arbeitslose sind im Berichtsmonat in der Stadt Bielefeld unter 25 Jahre alt. Im Vormonat waren dies noch 80 weniger und im gleichen Monat des Vorjahres 127 weniger arbeitslose junge Menschen. Die prozentuale Veränderung beläuft sich somit auf plus 6,0 Prozent zum vorherigen Monat beziehungsweise plus 9,8 Prozent im Vorjahresvergleich.

Arbeitslose ab 50 Jahre

Die Anzahl arbeitsloser Personen ab 50 Jahre ist im Vergleich zum Vormonat gestiegen und zwar um 242 Personen oder um 5,1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sind es 767 Arbeitslose mehr (plus 18,2 Prozent). Insgesamt sind 4.972 Menschen ab 50 Jahre in der Stadt Bielefeld betroffen.

Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist in der Stadt Bielefeld im Berichtsmonat gestiegen. 7.113 Personen waren länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter zählen 88,7 Prozent (6.309 Personen) zur Grundsicherung. Verglichen mit den Gesamtzahlen des Vormonats sind das 351 Langzeitarbeitslose mehr. Im Vergleich zum Vorjahr steigt die Zahl dieser Arbeitslosen damit um 1.559 Personen, das entspricht einem Plus von 28,1 Prozent.

Stellenangebot

Unternehmen aus der Stadt haben in diesem Monat 320 Stellen gemeldet, das sind 195 Stellen weniger als im Vormonat. Im Bestand befanden sich insgesamt 2.866 offene Stellen, 220 Stellen weniger als im Vormonat und 378 weniger als im Vorjahresmonat.

Der Arbeitsmarkt in Ostwestfalen-Lippe

Nach der erfreulichen Entwicklung seit vergangenen August ist die Zahl der Arbeitslosen in Ostwestfalen-Lippe im Dezember 2020 und Januar 2021 im Vormonatsvergleich jeweils wieder gestiegen. Ein Anstieg zu dieser Jahreszeit ist aber saisonal üblich. So stieg in unserer Region die Zahl der Menschen ohne Arbeit im Vergleich zum Dezember 2020 um 5,4 Prozent auf 69.551 Personen. Das sind insgesamt 3.572 Arbeitslose mehr. Im Januar 2020 waren 11,1 Prozent oder 6.925 Menschen weniger ohne Arbeit registriert. Damit gibt es im Jahresvergleich einen sehr deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit in Ostwestfalen-Lippe. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat betrifft aufgrund der derzeitigen Krise alle Personengruppen. Die Zahl der offenen Stellen, die von den Jobcentern und Arbeitsagenturen in Ostwestfalen-Lippe angeboten werden konnten, lag im Januar auf einem geringen Niveau. Der Bestand lag mit 17.701 freien Stellen um 392 Stellen niedriger als noch vor einem Jahr. Gleichzeitig sank die Zahl der von den Arbeitgebern in der Region gemeldeten neuen Stellen im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 140 Stellen auf 3.276 Neumeldungen. Die niedrigste Arbeitslosenquote in unserer Region findet sich im Agenturbezirk Paderborn (5,4 Prozent), gefolgt von den Bezirken Herford (5,9 Prozent), Detmold (6,4 Prozent) und Bielefeld (6,6 Prozent). Insgesamt hat Ostwestfalen-Lippe eine Arbeitslosenquote von 6,1 Prozent (Vormonat 5,8 Prozent, Vorjahr 5,5 Prozent).