30.06.2022 | Presseinfo Nr. 59

Der Arbeitsmarkt im Juni 2022 (Kreis Gütersloh)

Die Entwicklung des Arbeitslosenbestandes im Kreis Gütersloh

Günter Michaelis, stellv. Leiter der Agentur für Arbeit Bielefeld/Gütersloh:

„Im Vergleich zum Mai zeigt sich in den aktuellen Arbeitsmarktzahlen für den Kreis Gütersloh der von der Bundesregierung beschlossene Wechsel der geflüchteten Ukrainer*innen zum 1. Juni aus dem Bereich des Asylbewerberleistungsgesetzes in die Grundsicherung gemäß SGB II. Somit sind fast alle ermittelten Werte angestiegen. Vergleicht man die Arbeitslosenzahlen jedoch zurück bis 2000 zeigt sich: trotz des Anstiegs haben wir im Kreis Gütersloh mit 8.000 Personen noch immer die niedrigste Arbeitslosenzahl eines Junis in diesem Jahrtausend.

Zudem ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen von dem Rechtkreiswechsel unberührt und sinkt. Des Weiteren ist die Zahl der ausgeschriebenen Stellen erneut gestiegen. Es freut mich, dass die Arbeitgeber*innen der Region trotz Materialengpässen und den Folgen der wirtschaftlichen Sanktionen aufgrund des Ukraine-Kriegs weiterhin Neueinstellungen vornehmen wollen.“

Kurzarbeit

Im Juni 2022 wurden von Unternehmen aus dem Kreis Gütersloh nach vorläufigen Daten 15 neue Anzeigen über Kurzarbeit eingereicht. In den Anzeigen werden 663 Personen genannt, die potenziell neu von Kurzarbeit betroffen sind. Im Vormonat waren es 40 neue Anzeigen und 1.198 potenziell betroffene Personen.

Arbeitslosigkeit

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Kreis Gütersloh im Juni 2022 deutlich angestiegen. Insgesamt waren 8.000 Personen arbeitslos gemeldet. Dies sind 391 Personen bzw. 5,1 Prozent mehr als im Mai. Im Vergleich zum Juni des Vorjahres ist die Zahl der Arbeitslosen allerdings weiterhin um 630 Personen bzw. minus 7,3 Prozent geringer. Die Arbeitslosenquote liegt im Juni bei 3,8 Prozent. Vor einem Jahr belief sie sich auf noch auf 4,0 Prozent (minus 0,2 Prozentpunkte).

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung - SGB III

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung wurden in diesem Monat 3.289 Personen gemeldet. Die sind im Vergleich zum Vormonat 85 Personen bzw. 2,7 Prozent mehr. Vor einem Jahr waren dagegen noch 590 Personen bzw. 15,2 Prozent Leistungsempfänger*innen gemäß SGB III.

Entwicklung in der Grundsicherung - SGB II

Grundsicherung erhalten 306 Personen (plus 6,9 Prozent) mehr als im Vormonat. Im Vergleich zum Juni 2021 sind es dagegen 40 Personen (minus 0,8 Prozent) weniger. Insgesamt erhalten im Kreis Gütersloh im Berichtsmonat 4.711 Personen und damit 58,9 Prozent aller Arbeitslosen Grundsicherung gemäß SGB II.

Jugendarbeitslosigkeit

748 Arbeitslose sind im Juni 2022 im Kreis Gütersloh unter 25 Jahre alt. Im Mai waren dies noch 103 weniger. Die prozentuale Veränderung liegt somit bei plus 16,0 Prozent. Im Juni des Vorjahres waren es 26 weniger arbeitslose junge Menschen (plus 3,6 Prozent ).

Arbeitslose ab 50 Jahre

Die Anzahl arbeitsloser Personen ab 50 Jahre ist im Vergleich zum Vormonat ebenfalls gestiegen (plus 48 Personen bzw. plus 1,8 Prozent). Zum Juni 2021 sind es dagegen 227 Arbeitslose weniger (minus 7,8 Prozent). Insgesamt sind 2.685 Menschen ab 50 Jahre im Kreis Gütersloh arbeitslos.

Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Kreis Gütersloh im Berichtsmonat gesunken. 3.197 Personen waren länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter zählen 86,3 Prozent (2.760 Personen) zur Grundsicherung. Verglichen mit den Gesamtzahlen des Vormonates sind dies 13 Langzeitarbeitslose weniger. Im Vergleich zum Vorjahr sinkt die Zahl dieser Arbeitslosen sogar um 309 Personen.

Stellenangebote

Die Unternehmen aus dem Kreis Gütersloh haben in diesem Monat 528 Stellen gemeldet (plus 59 zum Vormonat). Im Bestand befanden sich insgesamt 4.308 offene Stellen, 152 mehr als im Vormonat und 893 mehr als im Vorjahresmonat.

Der Arbeitsmarkt in Ostwestfalen-Lippe

Die Arbeitslosigkeit in Ostwestfalen-Lippe ist im Juni 2022 gestiegen. Aktuell sind 57.728 Personen arbeitslos gemeldet. Die Meldungen von Personen, welche im aktuellen Berichtsmonat neu arbeitslos geworden sind, fällt mit 12.065 Personen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2.363 höher aus.

Saisonüblich wäre ein leichter Rückgang der Arbeitslosigkeit von Mai auf Juni eines Jahres. Vor der Pandemie (2015 – 2019) betrug dieser Rückgang durchschnittlich 1,2 Prozent (2020: plus 1,5 Prozent, 2021: minus 1,4 Prozent). Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit von Mai auf Juni in diesem Jahr von 3,6 Prozent ist vorrangig einer gesetzlichen Änderung zum 01.06.2022 zuzuordnen. Bislang erhielten Personen, welche aufgrund des Krieges in der Ukraine von dort geflohen sind Asylbewerberleistungen. Ab dem 01.06.2022 kann dieser Personenkreis unter bestimmten Voraussetzungen Grundsicherung von den Jobcentern erhalten. Die Beantragung der entsprechenden Leistung geht mit einer Arbeitslosmeldung bei den Jobcentern einher. Im Vergleich zum Vormonat ist der Bestand arbeitsloser Ausländer im Juni 2022 um 1.774 Personen gestiegen (plus 10,4 Prozent). Im Juni 2021 waren in Ostwestfalen-Lippe 141 Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit arbeitslos gemeldet. Im aktuellen Berichtsmonat stieg die Anzahl Arbeitsloser dieses Personenkreises um 1.956 auf nun 2.097 Personen an. Davon sind ca. 97 Prozent allein bei den Jobcentern gemeldet.

Ein weiterer Grund für die saisonunübliche Zunahme der Arbeitslosigkeit im Berichtsmonat Juni 2022 ist der frühe Beginn der Sommerferien. Durch die damit verbundene Beendigung von Berufsausbildungsverhältnissen sind einige junge Menschen bereits im Juni arbeitslos geworden, bis sie in den nächsten Monaten eine neue Beschäftigung beginnen werden. Üblicherweise wäre diese Entwicklung in den Monaten Juli und August zu erwarten. In Ostwestfalen-Lippe sind im aktuellen Berichtsmonat 573 junge Menschen im Alter von 15 bis unter 25 Jahren mehr arbeitslos gemeldet als im Vormonat (plus 12Prozent).

Insgesamt entspricht der Bestand an arbeitslos gemeldeten Personen im aktuellen Berichtsmonat etwa dem Niveau des Juni 2019 (57.482).

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist während der Pandemie stark angestiegen und beträgt aktuell 24.853. Das sind 1.115 Menschen oder 4,7 Prozent mehr als im Juni 2020. Seit April letzten Jahres ist ein kontinuierliches Abschmelzen der Langzeitarbeitslosen zu beobachten. So ist die Zahl der Menschen, die länger als ein Jahr auf Arbeitssuche sind aktuell um 3.548 Menschen bzw. 12,5 Prozent niedriger als im Juni 2021. Der Anteil Langzeitarbeitsloser an allen Arbeitslosen beträgt aktuell 43,1 Prozent (Juni 2021: 43,9 Prozent; Juni 2020: 32,6 Prozent) und ist im Vergleich zum Vormonat (Mai 2022: 45,0 Prozent) deutlich gesunken. Diese plötzliche Verschiebung des Anteils ist jedoch auf die schlagartige Zunahme der Arbeitslosen insgesamt wegen der Arbeitslosmeldung ukrainischer Flüchtlinge zum 01.06.2022 zurückzuführen.

Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen, welche durch Jobcenter und Arbeitsagenturen in OWL angeboten werden können, hat ein Rekordhoch von 28.069 Stellen erreicht. Das ist eine Zunahme zum Vorjahresmonat um 6.836 Stellen oder 32,2 Prozent. Der zweithöchste Bestand im Juni in den letzten fünf Jahren betrug 21.692 im Juni 2018. Im aktuellen Berichtsmonat wurden 4.139 freie Arbeitsstellen neu gemeldet. Damit sind im Vergleich zum Vorjahresmonat 368 Stellen weniger gemeldet worden. Damit zeigen sich erste Auswirkungen aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten bezogen auf die Preissteigerungen und Energiekosten sowie Lieferengpässen. Arbeitgeber zeigen sich vorsichtig mit der Meldung neuer Arbeitsstellen und scheinen weniger Arbeitskräfte neu einzustellen, worauf der Zuwachs des Bestandes an gemeldeten Arbeitsstellen hindeutet. Dass gemeldete Arbeitsstellen jedoch nicht zurückgezogen werden, lässt eine Hoffnung der Arbeitgeber auf baldige Verbesserung der Lage erkennen.

Die niedrigste Arbeitslosenquote in unserer Region findet sich im Kreis Höxter (3,4 Prozent), gefolgt von den Kreisen Gütersloh (3,8 Prozent), Paderborn (4,7 Prozent), Minden-Lübbecke (4,9 Prozent), Herford (5,2 Prozent), Lippe (5,2 Prozent) und der Stadt Bielefeld (7,6 Prozent). Insgesamt hat Ostwestfalen-Lippe eine Arbeitslosenquote von 5,1 Prozent (Vormonat 4,9 Prozent, Vorjahr 5,7 Prozent).