30.09.2022 | Presseinfo Nr. 82

Der Arbeitsmarkt im September 2022 (Stadt Bielefeld)

Die Entwicklung des Arbeitslosenbestandes in der Stadt Bielefeld

„Die Arbeitslosigkeit im Stadtgebiet Bielefeld ist im September saisontypisch gesunken“, stellt Günter Michaelis, operativer Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bielefeld, fest. „Von diesem Rückgang profitieren alle Personengruppen, der Arbeitsmarkt in der Stadt zeigt sich robust“, so der Experte.

Dennoch betont er auch: „Was in den nächsten Wochen und Monaten passiert, wird wahrscheinlich auch an dem Arbeitsmarkt in Bielefeld nicht spurlos vorübergehen. Ich glaube aber, dass der Markt relativ widerstandsfähig ist, was auch die positive Entwicklung im September – trotz Inflation, bereits deutlich macht. Deshalb lässt sich nach wie vor schlecht prognostizieren, wie sich der Arbeitsmarkt in der nächsten Zeit entwickeln wird. Man kann sich jedoch sicher sein: Wo nötig, werden wir mit Kurzarbeitergeld dabei helfen, Arbeitsplätze zu erhalten.“

Arbeitslosigkeit

Die Zahl der Arbeitslosen ist in der Stadt Bielefeld im September 2022 gesunken. Insgesamt waren 14.491 Personen arbeitslos gemeldet. Verglichen mit den Zahlen des Vormonates sind dies 347 Personen oder 2,3 Prozent weniger. Im Vergleich zum September des Vorjahres sinkt die Zahl der Arbeitslosen um 848 Personen bzw. 5,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt im September 2022 7,9 Prozent. Vor einem Jahr belief sie sich auf 8,4 Prozent (-0,5 Prozentpunkte).

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung - SGB III

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung wurden in diesem Monat 3.588 Personen gemeldet. Die Zahl hat sich im Vergleich zum Vormonat um 124 Personen bzw. 3,3 Prozent reduziert. Im Vorjahresvergleich bedeutet dies eine Verringerung um 271 Personen oder 7,0 Prozent.

Entwicklung in der Grundsicherung - SGB II

In der Grundsicherung sind 223 Arbeitslose weniger als im Vormonat und 577 weniger als im Vorjahr zu verzeichnen. Im Verhältnis entspricht dies -2,0 Prozent zum Vormonat bzw. -5,0 Prozent zum Vorjahr. Insgesamt sind es 10.903 Personen und damit 75,2 Prozent aller Arbeitslosen, die zur Grundsicherung gemäß SGB II zählen.

Jugendarbeitslosigkeit

1.245 Arbeitslose sind im Berichtsmonat in der Stadt Bielefeld unter 25 Jahre alt. Im Vormonat waren dies noch 72 mehr und im gleichen Monat des Vorjahres 98 mehr arbeitslose junge Menschen. Die prozentuale Veränderung beläuft sich somit auf -5,5 Prozent zum vorherigen Monat bzw. -7,3 Prozent im Vorjahresvergleich.

Arbeitslose ab 50 Jahre

Die Anzahl arbeitsloser Personen ab 50 Jahre ist im Vergleich zum Vormonat gesunken (-23 Personen oder -0,5 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr sind es 164 Arbeitslose weniger (-3,4 Prozent). Insgesamt sind 4.657 Menschen ab 50 Jahre in der Stadt Bielefeld betroffen.

Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist in der Stadt Bielefeld im Berichtsmonat gesunken. 7.039 Personen waren länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter zählen 94,0 Prozent (6.614 Personen) zur Grundsicherung. Verglichen mit den Gesamtzahlen des Vormonates sind dies 89 Langzeitarbeitslose weniger. Im Vergleich zum Vorjahr sinkt die Zahl dieser Arbeitslosen damit um 435 Personen.

Stellenangebot

Unternehmen aus der Stadt haben in diesem Monat 540 Stellen gemeldet (-89 zum Vormonat). Im Bestand befanden sich insgesamt 4.971 offene Stellen, 112 weniger als im Vormonat und 992 mehr als im Vorjahresmonat.

DER ARBEITSMARKT IN OSTWESTFALEN-LIPPE

Nach drei Monaten steigender Arbeitslosigkeit in Ostwestfalen-Lippe geht diese, typisch für die Zeit nach der Sommerpause, nun wieder zurück. Aktuell sind 61.489 Personen arbeitslos gemeldet, das ist ein Minus zum Vormonat um 734 Menschen oder 1,2 Prozent. Im Vergleich zum September 2021 liegt die Arbeitslosigkeit dagegen um 1.576 Menschen oder 2,6 Prozent höher. Die Arbeitslosmeldungen im aktuellen Monat fallen mit 12.438 Personen im Vergleich zum Vorjahresmonat ebenso deutlich um 1.535 höher aus.

Auch im September sind weitere geflüchtete Menschen aus der Ukraine, die seit dem 1. Juni durch die Jobcenter betreut werden, dort als (erstmalig) arbeitslos erfasst worden. Dem folgend ist es nicht überraschend, dass sich die Arbeitslosigkeit der Ausländer im Monatsvergleich mit einem Plus von 0,3 Prozent (+70 Personen), entgegen der sinkenden Arbeitslosigkeit insgesamt, entwickelt.

Ohne den Zugang der ukrainischen Kriegsflüchtlinge in die Arbeitslosigkeit wäre die Arbeitslosigkeit um etwa 900 Personen gesunken. Typisch für einen September ist in Ostwestfalen-Lippe ein deutlich stärkerer Rückgang der Arbeitslosigkeit, welcher in den letzten sieben Jahren durchschnittlich 2.570 Personen betrug. Der eher verhaltene Rückgang der Arbeitslosigkeit geht unter anderem auf das (weiterhin) vorsichtige Einstellungsverhalten der Arbeitgeber zurück. Die Abgänge in Erwerbstätigkeit fallen in einem September eigentlich höher aus und spiegeln die aktuellen Sorgen der Arbeitgeber wieder.

In Ostwestfalen-Lippe sind aktuell etwa 5.430 ukrainische Staatbürger arbeitslos gemeldet, davon über 99 Prozent im Rechtskreis SGB II. Dies sind ca. 5.300 Personen mehr als im Februar 2022, dem Berichtsmonat vor Ausbruch des Krieges in der Ukraine.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist wieder leicht zurückgegangen. Im aktuellen Berichtsmonat sind 24.591 Personen länger als ein Jahr auf Arbeitssuche. Das sind 16,7 Prozent mehr als im September 2019, aber 10,3 Prozent weniger als zum September 2021. In den Septembermonaten der Jahre 2016 bis 2019 nahm die Langzeitarbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat durchschnittlich um 6,8 Prozent ab. Der Anteil Langzeitarbeitsloser an allen Arbeitslosen ist aktuell mit 40,0 Prozent weiterhin hoch (2021: 45,8 %, 2020: 35,5 %, 2019: 35,9 %, jeweils September).

Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen, welche durch Jobcenter und Arbeitsagenturen in OWL angeboten werden können, geht aktuell weiter zurück und beträgt im Berichtsmonat 26.596 Stellen. Das ist aber immer noch ein Plus zum Vorjahresmonat um 2.186 Stellen oder 9,0 Prozent. Das Stellenangebot bewegt sich damit immer noch auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Im September 2022 wurden 4.045 freie Arbeitsstellen neu gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurden damit 911 Stellen oder 18,4 Prozent weniger gemeldet. Damit zeigen sich unverändert die Auswirkungen der wirtschaftlichen Unsicherheiten mit Blick auf die Preissteigerungen und Energiekosten sowie Lieferengpässe. Arbeitgeber sind vorsichtig mit der Meldung neuer Arbeitsstellen und stellen weniger Arbeitskräfte neu ein. Dass gemeldete Arbeitsstellen jedoch zu einem großen Teil nicht zurückgezogen werden zeigt, dass Arbeitgeber trotz aller Risiken grundsätzlich an der Einstellung passender Kräfte, vor allem auf Fachkraftebene, interessiert sind.