30.09.2020 | Presseinfo Nr. 71

Der Arbeitsmarkt im September 2020 (Kreis Gütersloh)

Die Entwicklung des Arbeitslosenbestandes im Kreis Gütersloh

Thomas Richter, Leiter der Agentur für Arbeit Bielefeld, kommentiert die Daten zum Arbeitsmarkt wie folgt:

Die wirtschaftliche Lage der vergangenen Wochen im Kreis Gütersloh bewirkt eine erste Entspannung am Arbeitsmarkt. Viele Unternehmen stellen wieder vermehrt Mitarbeiter ein. Die Zahl der Arbeitslosen ist entsprechend gegenüber dem Vormonat gesunken, im Kreis Gütersloh zum zweiten Mal in Folge. Besonders deutlich ging die Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen zurück. Bei den Rückkehrern aus der Arbeitslosigkeit in die Erwerbstätigkeit beträgt der Zuwachs insgesamt rund 11 Prozent. Das ist auch ein wesentlicher Grund dafür, dass die Arbeitslosenquote gegenüber August um 0,2 Prozentpunkte auf 4,8 Prozent gesunken ist.

Die wirtschaftlichen Strukturen im Kreis Gütersloh erweisen sich Monate nach Beginn der Corona-Krise als widerstandsfähig. Das liegt sicher am Kurzarbeitergeld, das für Arbeitsausfälle nunmehr bis zu 24 Monate beantragt werden kann, aber nicht allein. Viele Unternehmen und Privatverbraucher wissen sich zudem gut an die Bedingungen in der Corona-Krise anzupassen, sie reagieren angemessen. Unternehmenslenkern dürfte aufgrund der Knappheit am Arbeitsmarkt auch mehr als in früheren Krisen daran gelegen sein, die Fachkräfte zu halten.

Auf eine kontinuierliche Erholung lässt unter anderem hoffen, dass die Zahl der freien Stellen, die Unternehmen der Arbeitsagentur melden, zum dritten Mal in Folge steigt. Ein Vergleich der Arbeitslosenzahl von September zum Vorjahresmonat zeigt, dass es einer länger anhaltenden Erholungsphase am Arbeitsmarkt bedarf: Noch immer liegt der Wert erhöht um rund 22 Prozent.

Unsicherheiten aufgrund der Pandemie begründen weiter Risiken für die Erwerbstätigkeit im Kreis. Es hat sich im vergangenen halben Jahr deutlich gezeigt, dass in den Regionen, in denen sich das Corona-Virus stark und anhaltend ausbreitete, die Wirtschaft und damit auch der Arbeitsmarkt stark darunter gelitten haben. Es liegt bei jedem Einzelnen, die Abstände einzuhalten, alternative Kommunikationsmöglichkeiten zu nutzen und Mund- und Nasenschutz zu tragen.“

Kurzarbeitergeld

Im September 2020 wurden von Unternehmen aus dem Kreis Gütersloh 46 Anzeigen über Kurzarbeit eingereicht. In den Anzeigen werden 915 Personen genannt, die potenziell von Kurzarbeit betroffen sind. Im Vergleich zum Vormonat sind das 29 Anzeigen und 294 Personen weniger.

Hochgerechnete Zahlen zur realisierten Kurzarbeit im Kreis Gütersloh liegen für die Monate März und April 2020 vor. Es geht hierbei um die bereits abgerechnete Kurzarbeit, die tatsächlich durchgeführt worden ist. Demnach gab es im Kreis Gütersloh im April 2.641 Betriebe, die Kurzarbeit durchgeführt haben und 32.084 Personen in Kurzarbeit. Im März waren es nach aktuell vorliegender Hochrechnung 1.387 Betriebe mit 11.722 Personen in Kurzarbeit.

Für den gesamten Agenturbezirk Bielefeld (Kreis Gütersloh und Stadt Bielefeld) liegen auch Hochrechnungen zu der realisierten Kurzarbeit im Monat Mai vor. Demnach waren im Bezirk im Mai 4.504 Betriebe mit 54.831 Mitarbeitern in Kurzarbeit. Im April waren es nach aktuell gültiger Hochrechnung 5.201 Betriebe mit 60.179 Mitarbeitern, im März 2.773 Betriebe mit 22.432 Personen.

Arbeitslosigkeit

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Kreis Gütersloh im September 2020 gesunken. Insgesamt waren 10.309 Personen arbeitslos gemeldet. Verglichen mit den Zahlen des Vormonats sind das 409 Personen oder 3,8 Prozent weniger. Im Vergleich zum September des Vorjahres steigt die Zahl der Arbeitslosen um 1.885 Personen beziehungsweise 22,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt im September 2020 4,8 Prozent. Vor einem Jahr belief sie sich auf 4,0 Prozent (plus 0,8 Prozentpunkte).

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung - SGB III

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung wurden in diesem Monat 5.530 Personen gemeldet. Die Zahl hat sich im Vergleich zum Vormonat verringert um 303 Personen beziehungsweise um 5,2 Prozent. Im Vorjahresvergleich bedeutet dies eine Erhöhung um 1.477 Personen oder 36,4 Prozent.

Entwicklung in der Grundsicherung - SGB II

In der Grundsicherung sind 106 Arbeitslose weniger als im Vormonat und 408 mehr als im Vorjahr zu verzeichnen. Im Verhältnis entspricht dies minus 2,2 Prozent zum Vormonat beziehungsweise plus 9,3 Prozent zum Vorjahr. Insgesamt sind es 4.779 Personen und damit 46,4 Prozent aller Arbeitslosen, die zur Grundsicherung gemäß SGB II zählen.

Jugendarbeitslosigkeit

1.148 Arbeitslose sind im Berichtsmonat im Kreis Gütersloh unter 25 Jahre alt. Im Vormonat waren dies noch 116 mehr und im gleichen Monat des Vorjahres 265 weniger arbeitslose junge Menschen. Die prozentuale Veränderung beläuft sich somit auf minus 9,2 Prozent zum vorherigen Monat beziehungsweise plus 30,0 Prozent im Vorjahresvergleich.

Arbeitslose ab 50 Jahre

Die Anzahl arbeitsloser Personen ab 50 Jahre ist im Vergleich zum Vormonat gesunken, und zwar um 67 Personen oder um 2,1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sind es 541 Arbeitslose mehr (plus 20,8 Prozent). Insgesamt sind 3.138 Menschen ab 50 Jahre im Kreis Gütersloh betroffen.

Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Kreis Gütersloh im Berichtsmonat gestiegen. 3.193 Personen waren länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter zählen 80,6 Prozent (2.573 Personen) zur Grundsicherung. Verglichen mit den Gesamtzahlen des Vormonates sind dies 64 Langzeitarbeitslose mehr. Im Vergleich zum Vorjahr steigt die Zahl dieser Arbeitslosen damit um 672 Personen.

Stellenangebot

Unternehmen aus dem Kreis haben in diesem Monat 635 Stellen gemeldet (plus 173 zum Vormonat). Im Bestand befanden sich insgesamt 2.815 offene Stellen, das sind 176 offene Stellen mehr als im Vormonat und 41 offene Stellen weniger als im Vorjahresmonat.

Der Arbeitsmarkt in Ostwestfalen-Lippe

Nach Zeichen der Erholung am Arbeitsmarkt im August ist die Zahl der Arbeitslosen in Ostwestfalen-Lippe auch im September gesunken. So ging in dieser Region die Zahl der Menschen ohne Arbeit im Vergleich zum Vormonat um 4,7 Prozent auf 70.828 Personen zurück. Das sind insgesamt 3.515 Arbeitslose weniger. Im September 2019 waren 20,6 Prozent oder 12.095 Menschen weniger ohne Arbeit registriert. Damit gibt es im Jahresvergleich einen sehr deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit in Ostwestfalen-Lippe. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat aufgrund der anhaltenden Corona-Krise betrifft alle Personengruppen. Die Zahl der offenen Stellen, die von den Jobcentern und Arbeitsagenturen in Ostwestfalen-Lippe angeboten werden konnten, lag im September auf einem deutlich geringeren Niveau als im Vorjahr. Der Bestand lag mit 17.530 freien Stellen um 3.019 Stellen niedriger als noch vor einem Jahr. Gleichzeitig sank die Zahl der von den Arbeitgebern in der Region gemeldeten neuen Stellen im September im Vergleich zum Vorjahresmonat um 69 Stellen. Die niedrigste Arbeitslosenquote in der Region Ostwestfalen-Lippe findet sich im Agenturbezirk Paderborn (5,4 Prozent), gefolgt von den Bezirken Herford (6,1 Prozent), Detmold (6,6 Prozent) und Bielefeld (6,7 Prozent). Insgesamt hat Ostwestfalen-Lippe eine Arbeitslosenquote von 6,2 Prozent.

Der Ausbildungsmarkt

Der Ausbildungsmarkt entwickelt sich im Kreis Gütersloh weiterhin sehr dynamisch –  die Besetzung von Ausbildungsstellen verzögert sich durch die Corona-Krise. Der Ausbildungsbeginn verschiebt sich im laufenden Ausbildungsjahr im Durchschnitt um rund zwei Monate nach hinten. Die letzten Entscheidungen am Ausbildungsmarkt werden in diesem Jahr im Kreis Gütersloh frühestens im Dezember fallen.

Nach wie vor suchen Hunderte junge Menschen im Kreis Gütersloh nach einer Ausbildungsstelle, sie fragen Ausbildungsplätze in unverminderter Stärke nach. Um Unternehmen zusätzliche Anreize für die Ausbildung der Fachkräfte von morgen zu bieten, hat die Bundesregierung das Programm „Ausbildungsplätze sichern“ ins Leben gerufen, das verschiedene finanzielle Fördermöglichkeiten vorsieht. Anträge sind an die örtlichen Arbeitsagenturen zu richten.

Eine durch die Corona-Krise bedingte Lücke bei der Ausbildung gilt es für die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen angesichts der Fachkräfteknappheit zu vermeiden. Zu diesem Ziel bekennen sich auch die Partner des Ausbildungskonsenses NRW, indem sie die Initiative „Ausbildung Jetzt“ gemeinsam umsetzen.