29.10.2020 | Presseinfo Nr. 74

Der Arbeitsmarkt im Oktober 2020 (Kreis Gütersloh)

Die Entwicklung des Arbeitslosenbestandes im Kreis Gütersloh

Thomas Richter, Leiter der Agentur für Arbeit Bielefeld, kommentiert die Daten zum Arbeitsmarkt wie folgt:

Der Arbeitsmarkt hat sich im Oktober im Kreis Gütersloh saisonüblich gut entwickelt. Die Arbeitslosenzahl ging gegenüber September um 5,0 Prozent zurück. Das ist der dritte Rückgang in Folge. Nicht nur in der Arbeitslosenversicherung, sondern auch in der Grundsicherung ging die Arbeitslosigkeit zurück. Auch die Arbeitslosenquote sank wie schon in den beiden Vormonaten –  und zwar um 0,2 Prozentpunkte auf 4,6 Prozent. Zum Vergleich: Die Quote betrug vor Ausbruch der Covid-19-Pandemie, im März 2020, 4,2 Prozent.

Nach dem Einbruch der Konjunktur im März ist das eine erfreuliche Entwicklung. Ein wichtiger Grund für diese liegt darin, dass insgesamt die Wirtschaft in Ostwestfalen-Lippe im dritten Quartal schwungvoll auf den Erholungspfad zurückgekehrt ist. Im SGB-III-Bereich hat das im Oktober in ganz Nordrhein-Westfalen für eine positive Dynamik am Arbeitsmarkt gesorgt.

Der Arbeitsmarkt –  als nachlaufender Konjunkturindikator –  hat im Kreis Gütersloh die erste Talsohle hinter sich gebracht. Zwar zeigen sich die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie im Vergleich zu den Vorjahreszahlen noch immer deutlich. Und freilich dämpft die zweite Welle der Covid-19-Pandemie für viele Unternehmen den Ausblick. Viele Industrieunternehmen und Betriebe unter anderem aus dem Handwerk und hier speziell im Baugewerbe haben sich aber in der Corona-Krise als anpassungsfähig erwiesen. Es bleibt abzuwarten und zu hoffen, dass dieses Verhalten auch durch die derzeitige Pandemiesituation trägt. Das Kurzarbeitergeld ist für Unternehmen weiter eine zuverlässige Stütze.

Auf das Kurzarbeitergeld zu setzen, ist auch die richtige Strategie, um dem nach der Pandemie drohenden, verstärkten Fachkräftebedarf entgegenzuwirken. In den nächsten Jahren werden aus Gründen der Demographie viele Beschäftigte aus dem Berufsleben ausscheiden.

Kurzarbeitergeld

Im Oktober 2020 wurden von Unternehmen aus dem Kreis Gütersloh 39 Anzeigen über Kurzarbeit eingereicht. In den Anzeigen werden 1.045 Personen genannt, die potenziell von Kurzarbeit betroffen sind. Im Vergleich zum Vormonat sind das 22 Anzeigen weniger und 31 Personen mehr.

Hochgerechnete Zahlen zur realisierten Kurzarbeit im Kreis Gütersloh liegen für die Monate März bis Mai 2020 vor. Es geht hierbei um die bereits abgerechnete Kurzarbeit, die tatsächlich durchgeführt worden ist. Demnach gab es im Kreis Gütersloh im Mai 2.227 Betriebe, die Kurzarbeit durchgeführt haben und 28.478 Personen in Kurzarbeit. Im April waren es nach aktuell vorliegender Hochrechnung 2.636 Betriebe mit 32.048 Personen in Kurzarbeit, im März 1.387 Betriebe mit 11.722 Personen in Kurzarbeit.

Für den gesamten Agenturbezirk Bielefeld (Kreis Gütersloh und Stadt Bielefeld) liegen auch Hochrechnungen zu der realisierten Kurzarbeit in den Monaten Juni und Mai vor. Demnach waren im Bezirk im Juni 3.675 Betriebe mit 41.004 Mitarbeitern in Kurzarbeit. Im Mai waren es nach aktuell gültiger Hochrechnung 4.490 Betriebe mit 55.008 Mitarbeitern.

Arbeitslosigkeit

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Kreis Gütersloh im Oktober 2020 gesunken. Insgesamt waren 9.792 Personen arbeitslos gemeldet. Verglichen mit den Zahlen des Vormonats sind das 517 Personen oder 5,0 Prozent weniger. Im Vergleich zum Oktober des Vorjahres steigt die Zahl der Arbeitslosen um 1.622 Personen beziehungsweise 19,9 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt im Oktober 2020 4,6 Prozent. Vor einem Jahr belief sie sich auf 3,9 Prozent (plus 0,7 Prozentpunkte).

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung - SGB III

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung wurden in diesem Monat 5.144 Personen gemeldet. Die Zahl hat sich im Vergleich zum Vormonat verringert um 386 Personen beziehungsweise 7,0 Prozent. Im Vorjahresvergleich bedeutet das eine Erhöhung um 1.264 Personen oder 32,6 Prozent.

Entwicklung in der Grundsicherung - SGB II

In der Grundsicherung sind 131 Arbeitslose weniger als im Vormonat und 358 mehr als im Vorjahr zu verzeichnen. Im Verhältnis entspricht dies minus 2,7 Prozent zum Vormonat beziehungsweise plus 8,3 Prozent zum Vorjahr. Insgesamt zählen 4.648 Personen und damit 47,5 Prozent aller Arbeitslosen zur Grundsicherung gemäß SGB II.

Jugendarbeitslosigkeit

998 Arbeitslose sind im Berichtsmonat im Kreis Gütersloh unter 25 Jahre alt. Im Vormonat waren das noch 150 mehr und im gleichen Monat des Vorjahres 227 weniger arbeitslose junge Menschen. Die prozentuale Veränderung beläuft sich somit auf minus 13,1 Prozent zum vorherigen Monat beziehungsweise plus 29,4 Prozent im Vorjahresvergleich.

Arbeitslose ab 50 Jahre

Die Anzahl arbeitsloser Personen ab 50 Jahre ist im Vergleich zum Vormonat gesunken, und zwar um 69 Personen oder 2,2 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sind es 479 Arbeitslose mehr (plus 18,5 Prozent). Insgesamt sind 3.069 Menschen ab 50 Jahre im Kreis Gütersloh betroffen.

Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Kreis Gütersloh im Berichtsmonat gestiegen. 3.242 Personen waren länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter zählen 79,2 Prozent (2.567 Personen) zur Grundsicherung. Verglichen mit den Gesamtzahlen des Vormonats sind das 49 Langzeitarbeitslose mehr. Im Vergleich zum Vorjahr steigt die Zahl dieser Arbeitslosen damit um 681 Personen.

Stellenangebot

Unternehmen aus dem Kreis haben in diesem Monat 1.080 Stellen gemeldet (plus 445 zum Vormonat). Im Bestand befanden sich insgesamt 3.287 offene Stellen, 472 mehr als im Vormonat und 450 mehr als im Vorjahresmonat.

Der Arbeitsmarkt in Ostwestfalen-Lippe

Nach der erfreulichen Entwicklung im August und September ist die Zahl der Arbeitslosen in Ostwestfalen-Lippe auch im Oktober gesunken. So ging in der Region die Zahl der Menschen ohne Arbeit im Vergleich zum September 2020 um 4,3 Prozent auf 67.777 Personen zurück. Das sind insgesamt 3.051 Arbeitslose weniger. Im Oktober 2019 waren 17,5 Prozent oder 10.083 Menschen weniger ohne Arbeit registriert. Damit gibt es im Jahresvergleich einen sehr deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit in Ostwestfalen-Lippe. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat betrifft aufgrund der derzeitigen Krise alle Personengruppen. Die Zahl der offenen Stellen, die von den Jobcentern und Arbeitsagenturen in Ostwestfalen-Lippe angeboten werden konnten, lag im Oktober auf einem deutlich geringeren Niveau. Der Bestand lag mit 18.456 freien Stellen um 1.410 Stellen niedriger als noch vor einem Jahr. Gleichzeitig stieg aber die Zahl der von den Arbeitgebern in der Region gemeldeten neuen Stellen im Oktober im Vergleich zum Vorjahresmonat um 623 Stellen. Die niedrigste Arbeitslosenquote in Ostwestfalen-Lippe findet sich im Agenturbezirk Paderborn (5,2 Prozent), gefolgt von den Bezirken Herford (5,8 Prozent), Detmold (6,3 Prozent) und Bielefeld (6,3 Prozent). Insgesamt hat Ostwestfalen-Lippe eine Arbeitslosenquote von 6,0 Prozent.