05.01.2021 | Presseinfo Nr. 1

Der Arbeitsmarkt im Dezember 2020 (Stadt Bielefeld)

Die Entwicklung des Arbeitslosenbestandes in der Stadt Bielefeld

Thomas Richter, Leiter der Agentur für Arbeit Bielefeld, kommentiert die Daten zum Arbeitsmarkt wie folgt:

Im Dezember 2020 ist die Arbeitslosigkeit in der Stadt Bielefeld im Vergleich zum Vormonat um 0,9 Prozent gestiegen, nachdem die Arbeitslosenzahl zuvor drei Monate infolge rückläufig gewesen war. Leichte Schwankungen sind auch in den Vorjahren im Dezember typisch gewesen –  die Nachfrage nach Arbeitskräften sinkt etwa in Garten- und Landschaftsbau. Auch als Folge der verschärften temporären Beschränkungen zum Gesundheitsschutz entwickelt sich der Arbeitsmarkt in der Stadt Bielefeld zurzeit schwächer als in anderen Teilen von Ostwestfalen-Lippe.

Die jüngste leichte Belebung am Arbeitsmarkt dürfte damit vorerst an ein Ende gekommen sein. Branchen wie das Hotel- und Gastronomiegewerbe und der Einzelhandel, die in Bielefeld stärker vertreten sind, trifft der Lockdown besonders. Der nur leichte Anstieg der Arbeitslosigkeit zeigt aber, dass auch die meisten der stärker von den Beschränkungen betroffenen Unternehmen ihre Belegschaften halten –  in der Erwartung einer konjunkturellen Aufhellung im Jahresverlauf 2021.

Im Kurzarbeitergeld und in den Hilfen der Regierungen finden Unternehmen weiterhin eine geeignete und wirkungsvolle Unterstützung. Kurzarbeit haben Unternehmen zum Jahresende wieder verstärkt angezeigt. Der Konsum dürfte 2021 wieder wachsen, wenn Privatverbraucher etwa aufgeschobene Kaufentscheidungen nachholen und Unternehmen Investitionen tätigen.

Für Januar 2021 ist zunächst im gesamten Agenturbezirk mit steigenden Arbeitslosenzahlen zu rechnen. Für gewöhnlich ist der Januar einer der Monate mit den höchsten Arbeitslosenzahlen im Jahresverlauf. Nun steht zu erwarten, dass die vorübergehenden Beschränkungen zum Gesundheitsschutz den Arbeitsmarkt zusätzlich dämpfen werden. Arbeitskräfte in Arbeitnehmerüberlassung waren beispielsweise schon im Dezember weniger gefragt.

Ein ähnlich starker Anstieg der Arbeitslosigkeit wie im Frühjahr 2020 muss derzeit nicht befürchtet werden: Im Frühjahr hat die Pandemie Entscheider in Gänze unvorbereitet getroffen. Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Dass die Bevölkerung nun nach und nach geimpft wird, darf zuversichtlich stimmen.“

Kurzarbeitergeld

Im Dezember 2020 wurden von Unternehmen aus der Stadt Bielefeld nach vorläufigen Daten 251 Anzeigen über Kurzarbeit eingereicht. In den Anzeigen werden 4.039 Personen genannt, die potenziell von Kurzarbeit betroffen sind. Im Vergleich zum Vormonat sind das 32 Anzeigen und 510 Personen mehr.

Hochgerechnete Zahlen zur realisierten Kurzarbeit in der Stadt Bielefeld liegen für die Monate Juli und Juni 2020 vor. Es geht hierbei um die bereits abgerechnete Kurzarbeit, die tatsächlich durchgeführt worden ist. Demnach gab es in Bielefeld im Juli 1.463 Betriebe, die Kurzarbeit durchgeführt haben und 15.105 Personen in Kurzarbeit. Im Juni waren es nach aktuell vorliegender Hochrechnung 1.820 Betriebe mit 21.207 Personen in Kurzarbeit.

Für den gesamten Agenturbezirk Bielefeld (Kreis Gütersloh und Stadt Bielefeld) liegen auch Hochrechnungen zu der realisierten Kurzarbeit im Monat August vor. Demnach waren im Bezirk im August 2.555 Betriebe mit 24.404 Mitarbeitern in Kurzarbeit.

Arbeitslosigkeit

Die Zahl der Arbeitslosen ist in der Stadt Bielefeld im Dezember 2020 gestiegen. Insgesamt waren 15.230 Personen arbeitslos gemeldet. Verglichen mit den Zahlen des Vormonats sind das 136 Personen oder 0,9 Prozent mehr. Im Vergleich zum Monat Dezember des Vorjahres steigt die Zahl der Arbeitslosen um 2.127 Personen beziehungsweise 16,2 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt im Dezember 2020 8,4 Prozent. Vor einem Jahr belief sie sich auf 7,3 Prozent (plus 1,1 Prozentpunkte).

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung - SGB III

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung wurden in diesem Monat 5.011 Personen gemeldet. Die Zahl hat sich im Vergleich zum Vormonat erhöht um 15 Personen beziehungsweise 0,3 Prozent. Im Vorjahresvergleich bedeutet das eine Erhöhung um 1.020 Personen oder um 25,6 Prozent.

Entwicklung in der Grundsicherung - SGB II

In der Grundsicherung sind 121 Arbeitslose mehr als im Vormonat und 1.107 mehr als im Vorjahr zu verzeichnen. Im Verhältnis entspricht dies plus 1,2 Prozent zum Vormonat beziehungsweise plus 12,1 Prozent zum Vorjahr. Insgesamt zählen 10.219 Personen und damit 67,1 Prozent aller Arbeitslosen zur Grundsicherung gemäß SGB II.

Jugendarbeitslosigkeit

1.344 Arbeitslose sind im Berichtsmonat in der Stadt Bielefeld unter 25 Jahre alt. Im Vormonat waren dies noch 20 mehr und im gleichen Monat des Vorjahres 127 weniger arbeitslose junge Menschen. Die prozentuale Veränderung beläuft sich somit auf minus 1,5 Prozent zum vorherigen Monat beziehungsweise plus 10,4 Prozent im Vorjahresvergleich.

Arbeitslose ab 50 Jahre

Die Anzahl arbeitsloser Personen ab 50 Jahre ist im Vergleich zum Vormonat gestiegen, und zwar um 55 Personen oder um 1,2 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sind es 769 Arbeitslose mehr (plus 19,4 Prozent). Insgesamt sind 4.730 Menschen ab 50 Jahre in der Stadt Bielefeld betroffen.

Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist in der Stadt Bielefeld im Berichtsmonat gestiegen. 6.762 Personen waren länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter zählen 89,8 Prozent (6.072 Personen) zur Grundsicherung. Verglichen mit den Gesamtzahlen des Vormonats sind das 131 Langzeitarbeitslose mehr. Im Vergleich zum Vorjahr steigt die Zahl dieser Arbeitslosen damit um 1.345 Personen (plus 24,8 Prozent).

Stellenangebot

Unternehmen aus der Stadt haben in diesem Monat 515 Stellen gemeldet, das sind 33 gemeldete Stellen mehr als im Vormonat. Im Bestand befanden sich insgesamt 3.086 offene Stellen, 27 Stellen weniger als im Vormonat und 175 weniger als im Vorjahresmonat.

Der Arbeitsmarkt in Ostwestfalen-Lippe

Nach der erfreulichen Entwicklung seit August 2020 ist die Zahl der Arbeitslosen in Ostwestfalen-Lippe im Dezember erstmalig wieder gestiegen. So stieg in unserer Region die Zahl der Menschen ohne Arbeit im Vergleich zum November 2020 um 0,3 Prozent auf 65.979 Personen. Das sind insgesamt 173 Arbeitslose mehr. Im Dezember 2019 waren 13,6 Prozent oder 7.894 Menschen weniger ohne Arbeit registriert. Damit gibt es im Jahresvergleich einen sehr deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit in Ostwestfalen-Lippe. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat betrifft aufgrund der derzeitigen Krise alle Personengruppen. Die Zahl der offenen Stellen, die von den Jobcentern und Arbeitsagenturen in Ostwestfalen-Lippe angeboten werden konnten, lag im Dezember auf einem geringen Niveau. Der Bestand lag mit 18.106 freien Stellen um 363 Stellen niedriger als noch vor einem Jahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der von den Arbeitgebern in der Region gemeldeten neuen Stellen im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat aber um 334 Stellen. Die niedrigste Arbeitslosenquote in unserer Region findet sich im Agenturbezirk Paderborn (5,1 Prozent), gefolgt von den Bezirken Herford (5,6 Prozent), Detmold (6,1 Prozent) und Bielefeld (6,2 Prozent). Insgesamt hat Ostwestfalen-Lippe eine Arbeitslosenquote von 5,8 Prozent (Vormonat 5,8 Prozent, Vorjahr 5,1 Prozent).