17.12.2020 | Presseinfo Nr. 84

Jahresbilanz und Ausblick auf das Jahr 2021: Der Arbeitsmarkt bleibt stabil

Das Kurzarbeitergeld hat den Arbeitsmarkt stabilisiert, nachdem die Covid-19-Pandemie die Wirtschaftsleistung im Frühjahr vorübergehend hat einbrechen lassen. Negative Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt sind in den Zahlen für das Gesamtjahr sichtbar. Die zu erwartende baldige Verfügbarkeit des Impfstoffs und die hohe Anpassungsfähigkeit vieler Unternehmen geben Anlass für einen grundsätzlich positiven Ausblick auf das Jahr 2021.

  • Die Jahreszahlen für den Agenturbezirk Bielefeld sprechen insgesamt für eine robuste Verfassung des Arbeitsmarkts. Für das kommende Jahr steht deshalb zu erwarten, dass dieser sich im Zuge der wirtschaftlichen Belebung von den negativen Auswirklungen der Covid-19-Pandemie sukzessive erholt
  • Die Arbeitslosenzahl in der Stadt Bielefeld steigt von 12.970 im Vorjahr im gleitenden Jahresdurchschnitt* auf zuletzt 15.039 (Stand November 2020), das entspricht plus 16,0 Prozent. Im Kreis Gütersloh steigt diese Zahl im Vergleichszeitraum im Schnitt von 8.355 auf 9.710; ein Zuwachs von 16,2 Prozent.
  • Die Zugänge aus der Erwerbstätigkeit in Arbeitslosigkeit nehmen 2020 im gesamten Agenturbezirk Bielefeld im Vergleich zum Vorjahr um 2,0 Prozent zu; das Kurzarbeitergeld verhindert einen deutlicheren Anstieg der Zugänge
  • In Folge der Pandemie beenden 2020 deutlich weniger Menschen ihre Arbeitslosigkeit als in den Vorjahren. Die Zahl der Menschen, die aus dieser herausfinden, geht in der Stadt Bielefeld von 29.088 im Vorjahr auf 25.843 in diesem Jahr zurück. Das Minus beträgt damit 11,2 Prozent. Im Kreis Gütersloh gibt die Zahl um 7,4 Prozent nach – von 22.715 auf 21.024.

Aufgrund des Ausbruchs der Covid-19-Pandemie hat sich der Arbeitsmarkt 2020 in der Stadt Bielefeld und im Kreis Gütersloh deutlich gedämpft entwickelt. Erstmals seit dem Jahr 2014 ist die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk Bielefeld für das Gesamtjahr wieder gestiegen: Die Quote beträgt im gleitenden Jahresdurchschnitt 6,3 Prozent (Stand November 2020). Diese liegt damit 0,8 Prozentpunkte oberhalb des Vorjahreswerts.

Auf der Jahrespressekonferenz 2020 gab der Leiter der Agentur für Arbeit Bielefeld, Thomas Richter, heute einen grundsätzlich positiven Ausblick auf das kommende Jahr. Er verband diesen mit einem Hinweis auf konjunkturelle Abwärtsrisiken in Folge der Pandemie, deren Eintritt sich negativ auf den Arbeitsmarkt auswirken könne.

Im Frühjahr war die Wirtschaftsleistung aufgrund unter anderem von Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie vorübergehend eingebrochen. Diese Entwicklung hat zu deutlich steigenden Arbeitslosenzahlen im gesamten Agenturbezirk Bielefeld geführt. Das Kurzarbeitergeld und die Unterstützungshilfen haben im weiteren Jahresverlauf dann zu einer Stabilisierung am Arbeitsmarkt beigetragen. Die Erholung der Wirtschaft, die bereits im Monat Mai einsetzte, hat zudem zu einer leichten Aufholbewegung am Arbeitsmarkt geführt. Die Arbeitslosigkeit ist in der Folge in der Stadt Bielefeld und im Kreis Gütersloh in den vergangenen Monaten etwas zurückgegangen. Über das Gesamtjahr 2020 ist die Arbeitslosenzahl aber im gesamten Agenturbezirk im gleitenden Jahresdurchschnitt deutlich gestiegen: Im Vergleich zu 2019 erhöhte sich die Zahl von 21.325 auf 24.749. Das bedeutet einen Zuwachs von 16,1 Prozent. Die Corona-Krise trifft die Jugendlichen überdurchschnittlich stark: Unter den Menschen im Alter von 15 bis unter 25 Jahre erhöhte sich die Arbeitslosenzahl von 2.059 auf 2.502, ein Anstieg von 21,5 Prozent.

Statements von Thomas Richter, Leiter der Agentur für Arbeit Bielefeld

Bilanz 2020:

Am Arbeitsmarkt sehen wir uns aufgrund der Pandemie heute einer Fülle größerer Herausforderungen gegenüber. Die Transformation zu einer digitalen und nachhaltigen Wirtschaft vollzieht sich in erhöhtem Tempo. Und während es der Fachkräftemangel vielen Unternehmen in Bau und Handwerk noch erschwert, eingehende Aufträge zeitnah abzuarbeiten, hat die Covid-19-Pandemie Gastronomiebetriebe und Hotels und Gaststätten im Jahr 2020 schwer getroffen. Auch im Einzelhandel entwickelte sich das Geschäft sehr durchwachsen. Solche Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt schlagen sich in den Jahreszahlen für die Stadt Bielefeld und den Kreis Gütersloh negativ nieder.

Es ist eine gute Nachricht, für die Menschen und Unternehmen, dass sich das Kurzarbeitergeld in der Krise als stabilisierendes Instrument bewährt. Die Arbeitsausfälle werden mit diesem überbrückt. Es ist mit dem Kurzarbeitergeld gelungen, das gute Arbeitsangebot zu erhalten. Es ist zudem positiv, dass die wirtschaftliche Erholung, die im Monat Mai bereits einsetzte, die Arbeitslosigkeit bis zuletzt leicht sinken ließ.

Derzeit nehmen die von den temporär geltenden Schutzmaßnahmen betroffenen Unternehmen das Kurzarbeitergeld wieder mehr in Anspruch. Das bleibt richtig; die Unternehmen sollten bis an das andere Ende der aufgespannten Brücke gehen und ihre Mitarbeiter mitnehmen. Für das kommende Jahr ist mit einer wirtschaftlichen Belebung zu rechnen. Es gilt unverändert: Alles in allem behält der Arbeitsmarkt zum Jahreswechsel seine robuste Verfassung bei."

Ausblick auf 2021:

„Der Arbeitsmarkt ist in der Stadt Bielefeld und im Kreis Gütersloh zum Jahreswechsel stabil. Viele Unternehmen haben ihre unternehmensinternen Prozesse gut an die veränderten Bedingungen unter der Covid-19-Pandemie anpassen können. Die zeitnah zu erwartende Verfügbarkeit von Impfstoffen lässt hoffen, dass der Schutz der Menschen vor dem Corona-Virus im nächsten Jahr ganz überwiegend ohne einschneidende Maßnahmen gewährleistet werden kann. Das Kurzarbeitergeld steht den Unternehmen zur Überbrückung von Arbeitsausfällen weiter zur Verfügung und stellt sicher, dass die Unternehmen ihre Mitarbeiter halten können. Es kann angenommen werden, dass negative Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt auch im nächsten Jahr insgesamt beherrschbar bleiben, zumal die Wirtschaft insbesondere in der Stadt Bielefeld und grundsätzlich auch im Kreis Gütersloh in hohem Maß diversifiziert ist. Von der erwarteten baldigen wirtschaftlichen Erholung 2021 sollten deutlichere, positive Impulse auf den Arbeitsmarkt übergehen. Weil die Pandemie noch nicht eingedämmt ist, gibt es freilich Abwärtsrisiken, die mit einem grundsätzlich positiven Ausblick auf das Jahr 2021 verbunden sind.

Der Fachkräftemangel bleibt 2021 und in den Jahren danach wesentliche Herausforderung an Arbeitsmarkt und Ausbildungsmarkt. Damit Unternehmen im strukturellen Wandel gut aufgestellt sind, gilt es das Beschäftigungspotenzial hoch zu halten. Betriebe sollten die Bereitschaft aufbringen, junge Menschen zu Fachkräften zu machen, damit einer Verknappung vorgebeugt werden kann. Weil der demographische Wandel den Fachkräftemangel in den kommenden Jahren verschärfen wird und mit dem digitalen Wandel einige strukturelle Veränderungen einhergehen werden, ist es für die Betriebe unerlässlich, Jugendliche zu gewinnen. Die Arbeitsagentur Bielefeld bietet hierfür attraktive Fördermöglichkeiten an, und wird die Weiterqualifizierung für ein hohes Beschäftigungspotenzial weiter umfassend unterstützen. Es wird weiter im Mittelpunkt stehen, die Langzeitarbeitslosigkeit gering zu halten. Menschen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, hilft die Agentur für Arbeit Bielefeld mit Kräften, schnell eine Anstellung zu finden. Der Fokus wird 2021 auf Ausbildung und Qualifizierung liegen."

Der Arbeitsmarkt in der Stadt Bielefeld:

In der Stadt Bielefeld ist die Arbeitslosenzahl von 12.970 im Vorjahr im gleitenden Jahresdurchschnitt auf zuletzt 15.039 (Stand November 2020) gestiegen, das entspricht plus 16,0 Prozent. Die Zahl bezieht sich auf Grundsicherung (SGB II) und Arbeitslosenversicherung (SGB III). Die Arbeitslosenquote erhöhte sich im Vergleichszeitraum von 7,3 Prozent um 1,0 Prozentpunkte auf 8,3 Prozent. Die Zugänge aus der Erwerbstätigkeit in Arbeitslosigkeit nahmen 2020 in der Stadt Bielefeld im Vergleich zum Vorjahr dabei um 1,4 Prozent zu; die Zahl erhöhte sich damit von 11.812 im Vorjahr um 162 auf 11.974.

Aufgrund der Pandemie haben in der Stadt Bielefeld 2020 weniger Menschen als in den Vorjahren ihre Arbeitslosigkeit beenden können. Die Zahl der Menschen, die aus dieser herausfanden, ging von 29.088 im Vorjahr auf 25.843 in diesem Jahr zurück. Das Minus beträgt damit 11,2 Prozent.

Arbeitsagentur und Jobcenter standen in der Stadt Bielefeld im gleitenden Jahresdurchschnitt 2020 3.204 Arbeitsstellen für die Vermittlung zur Verfügung, 363 Stellen weniger als im Vorjahr (minus 10,2 Prozent).

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Arbeitsort in der Stadt Bielefeld stieg bis März 2020 auf 160.222. Im Vergleich zum März 2019 bedeutet das einen Beschäftigungszuwachs um 1,6 Prozent. Im Zeitraum September 2019 bis März 2020 ging die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten dabei allerdings leicht zurück.

In der Stadt Bielefeld ist die Arbeitslosigkeit 2020 im gleitenden Jahresdurchschnitt unter allen Personengruppen gestiegen. Unter den jungen Menschen im Alter von 15 bis unter 25 Jahre stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahr von 1.237 um 20,7 Prozent auf 1.493. Die Zahl der über lange Zeit arbeitslosen Menschen stieg im Vergleichszeitraum von 5.308 um 12,3 Prozent auf 5.960. Unter den Menschen mit schwerer Behinderung erhöhte sich die Arbeitslosenzahl in dem Zeitraum von 802 auf 885 und damit um 10,3 Prozent. Unter den ausländischen Menschen stieg die Arbeitslosigkeit von 4.183 im Jahr 2019 auf 5.078 in diesem Jahr, das entspricht 21,4 Prozent Zuwachs.

Der Arbeitsmarkt im Kreis Gütersloh:

Im Kreis Gütersloh hat die Arbeitslosenzahl von 8.355 im Vorjahr im gleitenden Jahresdurchschnitt auf zuletzt 9.710 (Stand November 2020) zugelegt, das bedeutet einen Anstieg von 16,2 Prozent. Die Zahl bezieht sich auf Grundsicherung (SGB II) und Arbeitslosenversicherung (SGB III). Die Arbeitslosenquote erhöhte sich im Vergleichszeitraum von 4,0 Prozent um 0,6 Prozentpunkte auf 4,6 Prozent. Die Zugänge aus der Erwerbstätigkeit in Arbeitslosigkeit nahmen 2020 im Kreis Gütersloh im Vergleich zum Vorjahr dabei 2,6 Prozent zu; die Zahl erhöhte sich damit von 10.490 im Vorjahr um 1.277 auf 10.767.

Aufgrund der Pandemie haben im Kreis Gütersloh 2020 weniger Menschen als in den Vorjahren ihre Arbeitslosigkeit beenden können. Die Zahl der Menschen, die aus dieser herausfanden, ging im Kreis Gütersloh von 22.715 im Vorjahr auf 21.024 in diesem Jahr zurück und gab damit um 7,4 Prozent nach.

Arbeitsagentur und Jobcenter standen im Kreis Gütersloh im gleitenden Jahresdurchschnitt 2020 2.729 Arbeitsstellen für die Vermittlung zur Verfügung, 79 Stellen weniger als im Vorjahr (minus 2,8 Prozent).

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Arbeitsort im Kreis Gütersloh stieg bis März 2020 auf 184.116. Im Vergleich zum März 2019 bedeutet das einen Beschäftigungszuwachs um 0,7 Prozent. Im Zeitraum September 2019 bis März 2020 ging die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten dabei allerdings leicht zurück.

Im Kreis Gütersloh ist die Arbeitslosigkeit 2020 im gleitenden Jahresdurchschnitt unter allen Personengruppen gestiegen. Unter den jungen Menschen im Alter von 15 bis unter 25 Jahre stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahr von 822 um 22,8 Prozent auf 1.010. Die Zahl der über lange Zeit arbeitslosen Menschen stieg im Vergleichszeitraum von 2.586 um 13,5 Prozent auf 2.936. Unter den Menschen mit schwerer Behinderung erhöhte sich die Arbeitslosenzahl in dem Zeitraum von 519 auf 604 und damit um 16,4 Prozent. Unter den ausländischen Menschen stieg die Arbeitslosigkeit von 2.817 im Jahr 2019 auf 3.303 in diesem Jahr, das entspricht einem Anstieg von 17,2 Prozent.

* Die in dieser Presseinformation verwendeten gleitenden Jahresdurchschnittswerte enthalten statistisch erfasste Daten für die zwölf vergangenen Monate jeweils vom letzten verfügbaren Datenstand an. Unter Umständen beinhalten diese also auch Daten aus dem Vorjahr.