31.03.2021 | Presseinfo Nr. 22

Halbjahresbilanz zum Ausbildungsmarkt 2020/2021 in der Stadt Bielefeld

Der Ausbildungsmarkt in der Stadt Bielefeld steht weiter im Zeichen der Pandemie. Die Zahl der Ausbildungsinteressierten ist im Vergleich zur ersten Hälfte des Vorjahres rückläufig; die Zahl der Ausbildungsstellen steigt aber leicht an. Es gibt noch viel Bewegung am Ausbildungsmarkt. Auszubilden und zu qualifizieren bleibt im demographischen und strukturellen Wandel unerlässlich.

  • 941 Jugendliche suchen am 11.03.2021 in der Stadt Bielefeld nach einem Ausbildungsplatz. In Unternehmen und Verwaltungen sind 887 Ausbildungsstellen frei. Betriebe suchen in einigen Branchen händeringend Auszubildende.
  • Die Zahl der Bewerber beträgt in der Stadt Bielefeld im Vergleich zum Vorjahr minus 11,3 Prozent, die der Ausbildungsstellen plus 4,1 Prozent.
  • Größte Herausforderung am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt bleiben die demographische Entwicklung und der Fachkräftebedarf. Ausbildung auch in Pandemiezeiten ist die beste Strategie, der Herausforderung zu begegnen.
  • Mit Beginn der Ausbildung besteht die Hoffnung auf eine normale Ausbildung im Hinblick auf die Impfkampagne. Weder Betriebe noch Bewerber sollten resignieren; Unternehmen und Ausbildungsinteressierte sich bei der Agentur für Arbeit melden.

Wie in ganz Deutschland leidet der Ausbildungsmarkt 2020/2021 auch in der Stadt Bielefeld nach wie vor unter der Pandemie, aber es gibt noch viel Bewegung. Ein hohes Infektionsgeschehen in der Covid-19-Pandemie und der Lockdown dämpften im ersten Halbjahr des Ausbildungsjahres das Marktgeschehen. Es ist das zweite Ausbildungsjahr, das im Zeichen der Covid-19-Pandemie steht. Die Zahl der Bewerber entwickelte sich im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres in der Stadt Bielefeld nochmals rückläufig. Die Zahl der von den Unternehmen gemeldeten Ausbildungsstellen stieg wieder leicht an. Der Rückgang der Bewerberzahl ist vor dem Hintergrund des in den nächsten Jahren rückläufigen Bewerberpotentials besorgniserregend, da in diesen Jahren auch die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Berufsleben ausscheiden.

Heinz Thiele, Leiter der Arbeitsagentur Bielefeld, kommentiert die Zahlen wie folgt:

„Wer sich um eine Ausbildung bemüht, kann auch unter den derzeit erschwerten Bedingungen einen passenden Platz finden. Wenn sowohl die Bewerber als auch die Betriebe flexibel agieren, ist auf dem Ausbildungsmarkt in Bielefeld noch viel möglich. Es ist wichtig, dass Schüler und Eltern das Beratungsangebot frühzeitig wahrnehmen: Die Berufsberatung der Bielefelder Arbeitsagentur unterstützt in der Jugendberufsagentur bei der Bewerbung, vermittelt passende Plätze und kennt die vielen Unternehmen, die Ausbildungsplätze auch in diesem Jahr wieder vergeben. Für ein erstes Gespräch braucht es keinen Plan. Für jeden findet sich ein Weg zur Fachkraft, der individuelle Interessen und Begabungen berücksichtigt. Wichtig ist es, sich bei uns zu melden, damit wir unterstützen können. Dies gilt sowohl für die Jugendlichen als auch für die Betriebe.

Aus Sorge vor dem zunehmenden Fachkräftemangel halten viele Unternehmen in der Stadt Bielefeld auch im zweiten Jahr der Covid-19-Pandemie an der Ausbildung fest – trotz der temporären Krise haben die Betriebe schon viele Ausbildungsverträge geschlossen. Diese handeln damit auch vorausschauend: Sobald es zur wirtschaftlichen Belebung kommt, werden Fachkräfteengpässe die Betriebe schnell an die Auslastungsgrenze bringen. Schon bestehende Passungsprobleme am Ausbildungsmarkt dürften sich dadurch vergrößern. In absehbarer Zeit wird die Pandemie die Konjunktur nicht mehr belasten; der demographische und strukturelle Wandel sind aber die größten Herausforderungen für den Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren. Auszubilden und auf Qualifizierung zu setzen bleibt daher für die Unternehmen unerlässlich.

Auch Betriebe, die durch die Pandemie besonders betroffen sind, möchte ich ermutigen, weiter auszubilden. Die Prämien aus dem Bundesprogramm zur Sicherung von Ausbildungsplätzen setzen an dem Punkt wirksam an. Die Unternehmen sollten allerdings frühzeitig unseren Arbeitgeber-Service kontaktieren, damit sie von Prämien auch profitieren.“

Der Ausbildungsmarkt in der Stadt Bielefeld

Seit Oktober 2020 haben sich in der Stadt Bielefeld 1.618 Jugendliche und junge Erwachsene auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur in der Bielefelder Jugendberufsagentur (JBA) gemeldet, zeigen Daten der Arbeitsagentur von März. Das sind 207 junge Menschen weniger als im Vorjahreszeitraum (minus 11,3 Prozent). Versorgt sind bereits 677 Bewerber, 162 Jugendliche weniger als im März 2020 (minus 19,3 Prozent). Davon planen 151 junge Menschen mit einer Alternative, beispielsweise mit einem weiterführenden Schulbesuch. Momentan sind in der Stadt Bielefeld 941 Ausbildungsinteressierte unversorgt.

Die Zahl der Berufsausbildungsstellen, die Unternehmen und Verwaltungen seit Oktober 2020 für das Stadtgebiet meldeten, ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. So zählte die Arbeitsagentur in der Stadt Bielefeld seit Oktober 2020 1.625 Ausbildungsstellen und damit 64 Stellen mehr als im Jahr davor (plus 4,1 Prozent). Die Unternehmen setzen auf Nachwuchs. Den Jugendlichen stehen die Türen für eine Ausbildung offen: Im Stadtgebiet gibt es aktuell 887 unbesetzte Ausbildungsplätze. Rechnerisch stand damit in der Stadt Bielefeld jedem unversorgten Bewerber nahezu ein unbesetzter Ausbildungsplatz gegenüber (0,94).

Besonders gesucht werden Auszubildende unter anderem als Kauffrau oder Kaufmann in Einzelhandel, Büromanagement und Industrie, Verkäuferinnen und Verkäufer sowie medizinische Fachangestellte.

Die Covid-19-Pandemie hat das Geschehen am Ausbildungsmarkt deutlich gedämpft, unter anderem weil der Zugang der Jugendlichen zu den Beratungsangeboten der Arbeitsagenturen, der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer in der Krise eingeschränkt ist. Die Berufsberaterinnen und Berufsberater der Arbeitsagenturen nutzen jede Möglichkeit, Bewerber zu gewinnen und mit den Ausbildungsplatzsuchenden in Verbindung zu bleiben. Soweit möglich, werden weiter Beratungen an Schulen angeboten, aber verstärkt werden auch digitale Formate genutzt. Dass Informationen unter den Teilnehmenden am Ausbildungsmarkt zurzeit nicht ungehindert fließen, dämpft die Initiativbereitschaft unter den Akteuren. Niemand sollte aber resignieren; jeder Ausbildungsinteressierte sich bei der Agentur für Arbeit melden. Die Berufsberater werden alle Möglichkeiten nutzen, einen möglichst guten Ausgleich am Ausbildungsmarkt zu unterstützen. Es besteht auch die Hoffnung, dass Unternehmen länger als sonst üblich Ausbildungsstellen anbieten und Jugendliche Bewerbungen auf den Weg geben. Die Beteiligten am regionalen Ausbildungskonsens wirken auch in diesem Jahr wieder intensiv darauf hin, möglichst viele Jugendliche in Ausbildung zu bringen.

Entwicklungen im Agenturbezirk

Im gesamten Agenturbezirk, zu dem die Stadt Bielefeld und der Kreis Gütersloh zählen, haben im Ausbildungsjahr 2020/2021 2.849 Bewerber Aktivitäten auf dem Ausbildungsmarkt entfaltet, wie Daten der Arbeitsagentur von März zeigen. Das sind 426 Jugendliche oder 13,0 Prozent weniger als im Vorjahr. Zugleich haben Unternehmen und Verwaltungen in der ersten Hälfte des Ausbildungsjahres insgesamt 3.812 freie Berufsausbildungsstellen gemeldet. Das sind 140 Stellen mehr als vor einem Jahr und entspricht einem Plus von 3,8 Prozent. 1.660 junge ausbildungssuchende Menschen sind momentan in der Stadt Bielefeld und im Kreis Gütersloh noch unversorgt. Das sind 98 Jugendliche weniger als im Vorjahr (minus 5,6 Prozent). 2.175 Stellen sind zudem im Agenturbezirk Bielefeld unbesetzt. Das sind im Vorjahresvergleich 40 Stellen mehr (plus 1,9 Prozent). Versorgt sind bislang 1.189 Bewerber, 328 Jugendliche weniger als im März 2020 (minus 21,6 Prozent).

Von den 2.849 statistisch erfassten Bewerbern haben im gesamten Agenturbezirk bisher rund 41,7 Prozent ein Ausbildungsverhältnis begonnen oder sich für Alternativen entschieden, beispielsweise für ein Studium oder einen weiterführenden Schulbesuch oder einen Freiwilligendienst. Rechnerisch betrachtet hat im Agenturbezirk damit momentan jeder noch unversorgte Ausbildungssuchende die Wahl unter 1,31 unbesetzten Berufsausbildungsstellen.

In eine Berufsausbildung mündeten bisher 473 junge Menschen ein, ein Rückgang von 28,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für ein Studium oder einen weiterführenden Schulbesuch oder ein Praktikum entschieden sich 166 Jugendliche. Das Bildungsgefälle reicht von 28 Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss bis zu 403 Absolventen mit Allgemeiner Hochschulreife. Dazwischen liegen 598 Schulabgänger mit Hauptschulabschluss, 1.091 Schulabgänger mit Realschulabschluss und 583 Schulabgänger mit Fachhochschulreife. Die Zahl der gemeldeten Bewerber ohne Hauptschulabschluss stieg dabei im Vergleich zum Vorjahr um 6 oder um 27,3 Prozent. Die Zahl der Jugendlichen mit Hauptschulabschluss sank um 112 oder 15,8 Prozent. Die Zahl der Bewerber mit einem Realschulabschluss ging um 153 oder 12,3 Prozent zurück. Die Zahl der Bewerber mit Fachhochschulreife sank um 139 oder 19,3 Prozent. Die Zahl der Bewerber mit einer Allgemeinen Hochschulreife ging in dem Zeitraum um 20 oder um 4,7 Prozent zurück.