17.12.2020 | Presseinfo Nr. 89

Der Arbeitsmarkt in Herne im Jahr 2020

Arbeitsmarkt im Coronamodus

Im Jahresrückblick weist der Herner Arbeitsmarkt mehr Arbeitslose und eine höhere Arbeitslosenquote auf als im Vorjahr. Die Pandemie hat Spuren hinterlassen. Zwar sichert die Kurzarbeit Arbeitsplätze in der Krise, dennoch fällt die Entwicklung auf dem Herner Arbeitsmarkt auf den Stand von vor drei Jahren zurück. Im März, vor dem Ausbruch der Pandemie, wies der Arbeitsmarkt noch einen Beschäftigungsanstieg auf. Eine Entwicklung, an die man so schnell wie möglich im neuen Jahr wieder anschließen möchte.

Gemeinsam mit dem Oberbürgermeister der Stadt Herne, Dr. Frank Dudda, und dem Geschäftsführer des Jobcenters, Karl Weiß, lässt der Vorsitzende Geschäftsführer der Agentur für Arbeit, Frank Neukirchen-Füsers, noch einmal die Entwicklung auf dem Arbeitsmarktjahr 2020 Revue passieren und erläutert die Herausforderung für das neue Jahr.

„Das letzte Dreivierteljahr ist ausnahmslos gekennzeichnet durch die Pandemie. Im ersten Quartal konnten wir noch an die positive Entwicklung der letzten drei Jahre anknüpfen. Die Beschäftigung stieg deutlich und die Arbeitslosigkeit lag jeweils unter den Vorjahreswerten. Es hätte ein gutes Jahr für den Herner Arbeitsmarkt werden können. Mit Beginn des zweiten Quartals hat sich dies verändert. Mit Hilfe der Kurzarbeit und dem Einsatz vieler arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen ist es uns dennoch gelungen, 2020 gut durch die Krise zu kommen und Stabilität auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen“, fasst der Vorsitzende Geschäftsführer der Agentur für Arbeit, Frank Neukirchen-Füsers, die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im zu Ende gehenden Jahr zusammen.   

Im Jahresverlauf 2020 zählt die Agentur für Arbeit in Herne durchschnittlich 9.049 Arbeitslose. Verglichen mit der Entwicklung im Vorjahr ist dies ein Anstieg um 917 Personen oder 11,3 Prozent. 2017 war das Jahr, in dem die durchschnittliche Arbeitslosigkeit mit 9.335 Personen zuletzt über dem heutigen Wert lag. In den Jahren davor lag sie immer darüber. Die aktuell durchschnittliche Arbeitslosenquote liegt im zurückliegenden Jahr bei 11,5 Prozent und ist damit um 1,2 Prozentpunkte höher als 2019.

In der Beschäftigungsentwicklung, die zuletzt im März letzten Jahres ausgewertet wurde, kann Frank Neukirchen-Füsers auf eine positive Entwicklung verweisen. Zum Zeitpunkt der letzten Auswertung - Ende des ersten Quartals 2020 - wies sie verglichen mit dem Jahr 2019 noch einmal einen deutlichen Anstieg auf. Die Agentur für Arbeit registrierte damals ein Plus an Beschäftigung in Herne um 1.967 Personen oder 4,3 Prozent mehr als im März 2019. Insgesamt wurden im März 47.690 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte gezählt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der positive Trend in der Beschäftigungsentwicklung mit der nächsten Auswertung (Mitte Januar 21) abgeschwächt wird.

Die Arbeitslosigkeit ist in 2020 gestiegen, die Unternehmen halten sich nach wie vor mit Neu-Einstellungen zurück, aber die Kurzarbeit bleibt für viele Unternehmen ein wichtiges Instrument zur Arbeitsplatzsicherung. Insbesondere langjährige, erfahrene Mitarbeiter konnten von der Kurzarbeit profitieren. Die Zahlen belegen, dass der Zugang in Arbeitslosigkeit „Älterer“ – das heißt, Personen, die bereits das 55. Lebensjahr überschritten haben - im Laufe des letzten Jahres zurückgegangen ist. Im Schnitt waren es 335 Personen oder 12 Prozent weniger als 2019.

Insgesamt sind seit Beginn des Jahres bis jetzt 1.204 Anzeigen von Unternehmen zur Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit eingegangen. Die ersten Auswertungen dazu (bis Juni) zeigen, dass rund jeder zweite Antrag realisiert wird. Mitte des Jahres waren in Herne demnach 5.150 Beschäftigte tatsächlich von Kurzarbeit betroffen. Dies entspricht einer Kurzarbeiterquote von 10,8 Prozent (NRW 12,2 Prozent). „Das ist viel, auch wenn Herne damit etwas unter dem Landesdurchschnitt liegt. Es heißt aber auch, dass diese Arbeitsplätze durch die Inanspruchnahme von Kurzarbeit gesichert sind und das ist gut so. Wir werden im neuen Jahr weiter mit diesem Instrument arbeiten und dabei verstärkt für Weiterbildung und Qualifizierung werben. Die Zeiten der Kurzarbeit können wir im Zusammenhang mit technologischem und digitalem Wandel jetzt sinnvoll nutzen. Diese Phase ist prädestiniert dafür,“ erklärt Neukirchen-Füsers.

Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda bleibt vorsichtig optimistisch, sieht aber für das neue Jahr 2021 Licht am Ende des Coronatunnels: „Auch der Herner Arbeitsmarkt leidet unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Das bereitet vielen Menschen und uns Sorge. Deshalb versuchen wir mit vereinten Kräften, an die überaus positive Entwicklung der letzten Jahre anzuknüpfen. Diese Entwicklung hat uns gezeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Die Tendenz der letzten beiden Monate lassen uns mit vorsichtigem Optimismus und Zuversicht in das kommende Jahr gehen."

Auch für das Jobcenter bleiben im neuen Jahr Fortbildungen und Qualifizierungen das A und O für die Zukunft. Selbst im Jahr der Pandemie gab es nur eine kurze Unterbrechung der Maßnahmen und Weiterbildungsangebote des Jobcenters.

Karl Weiß, Geschäftsführer des Jobcenters in Herne, betont, wie wichtig es ist, seinen Kund*Innen immer wieder neue Chancen zu ebnen, um auf dem ersten Arbeitsmarkt gut und langfristig Fuß fassen zu können: „Nach der Unterbrechung durch die Corona-Pandemie ist das Jobcenter wieder voll in die Qualifizierung von Kundinnen und Kunden eingestiegen, um ihnen neue Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt zu eröffnen. Seit 2019 hat das Bündnis für Arbeit gemeinsam erreicht, dass 375 langzeitarbeitslose Menschen durch das Teilhabechancengesetz wieder einen Job gefunden haben. In 2020 haben trotz Lockdown 126 Langzeitarbeitslose dauerhaft Arbeit bekommen. Die Anzahl der Haushalte, die Leistungen nach dem SGB II beziehen, ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,2 Prozent gesunken. Die Zahl der Kunden des Jobcenters hat sich durch Corona bisher noch nicht deutlich verändert.“