02.09.2020 | Presseinfo Nr. 69

Es geht wieder weiter!

Zur Lage auf dem Arbeitsmarkt in Herne, August 2020
 

Kurzarbeit federt weiter gut ab. Kehrtwende in Teilbereichen zeichnet sich ab. Arbeitsmarkt nimmt Schwung auf.

Vor genau einem Jahr erfreute sich der Herner Arbeitsmarkt eines kontinuierlichen Rückgangs der Arbeitslosigkeit. Seit Beginn des Jahres 2019 ging damals die Zahl der Arbeitslosigkeit von Monat zu Monat zurück – auch in der Sommerpause. Die Entwicklung der Monate seit „Corona“ in diesem Jahr erwies sich als das genaue Gegenteil. Jetzt, im August, zählt die Agentur für Arbeit zum ersten Mal wieder weniger Arbeitslose. Die magische Marke von 10.000 wurde wieder unterschritten. Dennoch bleibt zu berücksichtigen, dass in Herne rund jeder Vierte möglicherweise von Kurzarbeit betroffen sein könnte.

„Der Arbeitsmarkt zieht wieder an. Unternehmen stellen wieder vermehrt ein, die Zugänge aus der Erwerbsarbeit in Arbeitslosigkeit sind rückläufig und die berufliche Förderung und Qualifizierung hat wieder Fahrt aufgenommen. Drei positive Signale für den Herner Arbeitsmarkt“, so Frank Neukirchen-Füsers. „Wenn die Infektionszahlen jetzt nicht wieder steigen und zusätzliche Restriktionen erforderlich machen, dann wird sich der positive Trend weiter fortsetzen.“

Im August zählt die Agentur für Arbeit in Herne über beide Rechtskreise hinweg (Agentur für Arbeit und Jobcenter) insgesamt 9.980 Arbeitslose. Gegenüber dem Vormonat sind das 26 Personen oder 0,3 Prozent weniger. Erfreulich, wenn man bedenkt, dass im Juli noch ein Anstieg von 281 Arbeitslosen zu verzeichnen war.  

Verglichen mit dem August vor einem Jahr zeigt sich coronabedingt jedoch nach wie vor eine hohe Betroffenheit. Insgesamt gab es damals 2.036 Arbeitslose oder 25,6 Prozent weniger. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 12,6 Prozent und ist damit in den letzten vier Wochen wieder um 0,1 Prozentpunkte gefallen. Gegenüber dem Vorjahr liegt die Quote aber noch um 2,5 Prozentpunkte höher. 

„Früher als erwartet kehrt sich der coronabedingte Anstieg der Arbeitslosigkeit um. Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht. Ich hoffe, wir haben damit den Höhepunkt der Krise überschritten und die Kehrtwende mit dieser positiven Entwicklung eingeläutet“, sagte Arbeitsmarktexperte Frank Neukirchen-Füsers. Eine Arbeitsmarktanalyse ohne die aktuellen Kurzarbeiterzahlen sei jedoch weiterhin nicht denkbar. Er ergänzt: „Kurzarbeit bleibt trotz allem das Hauptinstrument, das die Lage am Arbeitsmarkt stabilisiert. Die Verlängerung bedeutet für viele Arbeitnehmer Arbeitsplatzsicherung und für die Unternehmen Planungssicherheit. Diese Zeit sollte jedoch nicht ungenutzt vorübergehen. Trotz Corona-Krise sollten wir weiter schon jetzt an morgen denken. Es ist eine gute Zeit, Personal zu qualifizieren und wir können dies unterstützen.“

Nach wie vor ist es der Hotel- und Gastronomiebereich, die Veranstaltungsbranchen und auch die Metallbranche, die besonders von Kurzarbeit – nicht nur in Herne – betroffen sind. Im Gesundheitsbereich zieht die Personalnachfrage derzeit wieder deutlich an. Der Arbeitsmarkt im akademischen Bereich ist trotz Corona nach wie vor aufnahmefähig. Die Stellenvermittlungen laufen gut. Die Vermittlungen im Helfersegment sind – wie auch sonst – schwierig. Qualifizierungsmaßnahmen gäbe es jedoch in jedem Segment und seien, so Neukirchen-Füsers, gerade in der heutigen, schnelllebigen Zeit wichtig.

Zur Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen:

Die Arbeitslosigkeit liegt im Bereich der Versicherungsleistung (Agentur für Arbeit - SGB III) im August bei 2.638 Personen, das sind 28 Personen mehr als im Juli und 789 Personen mehr als im Vorjahr. Die anteilige SGB III-Arbeitslosenquote blieb konstant bei 3,3 Prozent.

Der Rechtskreis der Grundsicherung (Jobcenter - SGB II) verzeichnet im August gegenüber dem Vormonat einen Rückgang um 54 Personen. Insgesamt sind im August 7.342 Arbeitslose in diesem Bereich registriert. Die anteilige SGB II-Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 9,3 Prozent (minus 0,1 Prozentpunkte gegenüber Vormonat).

Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Herne in den letzten 10 Jahren insgesamt:

Die aktuelle Arbeitskräfte-Nachfrage

Insgesamt stehen in Herne den Arbeitsuchenden 950 offene Stellen zur Verfügung. Davon wurden 161 Stellenzugänge im August neu gemeldet. Gegenüber dem Vormonat sind dies zwar 43 Stellenmeldungen weniger (minus 21,1 Prozent). Hier bleibt jedoch zu berücksichtigen, dass bereits im letzten Monat der Zugang an Stellenmeldungen mit einem Plus von 60 Stellenzugängen oder 41,7 Prozent verzeichnet wurde und der Stellenmarkt im Vormonat bereits stark an Fahrt gewann.

Die Arbeitskräfte-Nachfrage bleibt unverändert gegenüber dem Vormonat: Es wird Personal im Gesundheits- und Dienstleistungsbereich gesucht. Die Nachfrage in der IT-Branche und im Baubereich bleiben und auch das Handwerk sucht weiter nach gut ausgebildetem Personal.

 

Zur Kurzarbeit im Juli: Waren es im Juli noch 27 Unternehmen, die für ihren Betrieb Kurzarbeit anzeigen mussten, sind es im August noch 7. Würde die Kurzarbeit für diese 7 Unternehmen zu hundert Prozent greifen, wären davon 51 Personen betroffen. Insgesamt verzeichnet die Agentur für Arbeit in Herne damit 1.104 Unternehmen, die seit Beginn der Pandemie Kurzarbeit angemeldet haben. Theoretisch könnten, wird die angezeigte Kurzarbeit wirklich durchgeführt, demnach 12.930 Mitarbeiter in Herne betroffen sein. Welche Unternehmen und wie viele Mitarbeiter letztendlich Kurzarbeitergeld beziehen, kann jedoch erst zeitverzögert genau ermittelt werden. Die Betriebe haben insgesamt drei Monate Zeit, angemeldete Kurzarbeit auch zu beantragen. Die Anzeige ist eine Vorhersage des Arbeitgebers. Die realisierten Zahlen werden erst durch die Anträge im Nachhinein mitgeteilt. Daher bleibt zu berücksichtigen, dass auch im Juli die Auswertung zur Kurzarbeit noch nicht valide ist. Die vorherige Anzeige der Unternehmen bleibt jedoch dringend erforderlich und zeigt einen Trend.

Zur Unterbeschäftigung: In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie Teilnehmer an einer Maßnahme der Arbeitsmarktpolitik oder in einem arbeitsmarktbedingten Sonderstatus sind. Diese Personen werden zur Unterbeschäftigung gerechnet, weil sie für Menschen stehen, denen ein reguläres Beschäftigungsverhältnis fehlt. Insgesamt waren im Juni 13.150 Personen in der Unterbeschäftigung registriert. Verglichen mit dem Juli sind dies 10 Personen mehr und verglichen mit dem Vorjahr 1.221 Personen mehr.

Unterbeschäftigung nach Rechtskreisen im August 2020:

Die Agentur für Arbeit steht mit allen Dienstleistungen wie folgt zur Verfügung:

  • Die Berufsberatung steht allen Jugendlichen erstmalig unter der Hotline 0800 5555 00 zur Verfügung oder über die direkte Anwahl des persönlichen Beraters.
  • Für die Arbeitnehmer wurde eine zusätzliche Service-Nummer - 0234 305 5555 – geschaltet. Darüber hinaus bleiben die bestehenden kostenlosen Hotline-Nummern (Arbeitnehmer: 0800 4 5555 00 und Arbeitgeber: 0800 4 5555 20) bestehen.
  • Neben der Telefonie gibt es die Möglichkeit die eServices zu nutzen. Es empfiehlt sich aber, alle grundsätzlichen Fragen vorab mit einem Mitarbeiter telefonisch zu erörtern.
  • Terminierte, einzelne Gespräche können persönlich vor Ort geführt werden
  • Darüber hinaus besteht aber auch während der normalen Dienstzeit die Möglichkeit, via Mailverkehr unter Bochum.Kontakt@arbeitsagentur.de mit der Agentur für Arbeit in Kontakt zu treten.
  • Schnelle Hilfe gibt es auch auf dem YOUTUBE-KANAL der Bundesagentur für Arbeit unter https://www.youtube.com/user/Arbeitsagentur