30.09.2020 | Presseinfo Nr. 77

Es geht Berg auf - Corona zum Trotz

Saisonale Entwicklung. Erneut weniger Arbeitslose. Arbeitsmarkt und Fördergeschäft nehmen Fahrt auf. Kurzarbeit läuft weiter. Anfragen aber rückläufig.

Mit dem Ende des Sommers hat auch in diesem Jahr - Corona zum Trotz - bereits eine leichte Herbstbelebung eingesetzt. Die Arbeitslosigkeit geht zurück. Im Vergleich zum August konnten im September rund ein Viertel mehr Arbeitslose eine neue Erwerbstätigkeit aufnehmen. Knapp 1.000 Personen starteten eine neue Arbeit. Die gute Entwicklung zeigt sich auch, richtet man den Blick auf die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen. Hier gab es gegenüber dem Vormonat einen Rückgang um 8 Prozent oder 136 junge Menschen, die im August noch auf der Suche nach einer Ausbildung, Anstellung oder schulischen Alternative waren.

Die Agentur für Arbeit zählt im September insgesamt über beide Rechtskreise hinweg (Agentur für Arbeit und Jobcenter) 18.965 Arbeitslose. Gegenüber dem Vormonat sind das 755 Arbeitslose oder 3,8 Prozent weniger. Verglichen mit dem September vor einem Jahr sind es allerdings noch 2.567 Arbeitslose oder 15,7 Prozent mehr. Die aktuelle Entwicklung in diesem Monat war jedoch so gut, dass sie im September erneut zu einem Rückgang der Arbeitslosenquote gegenüber dem Vormonat führte.

Und zwar genau in demselben Maße wie bereits im Vorjahr: Sie ist um 0,4 Prozentpunkte von August auf September gefallen und liegt nun bei 9,8 Prozent. Im August lag sie noch bei 10,2. Im September letzten Jahres lag sie bei 8,5 Prozent.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, Frank Neukirchen-Füsers, freut sich, dass coronabedingt keine neuen Lasten in den letzten Wochen aufgebaut wurden. Trotz Pandemie sei auch in diesem Jahr auf dem Arbeitsmarkt eine saisontypische Herbstdynamik nach der Sommerpause zu spüren. Er weist aber auch darauf hin, dass die im Frühjahr angewachsene Arbeitslosigkeit noch immer da sei und sagt: „Wir verzeichnen aktuell eine wirklich gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Sicherlich profitieren nicht alle Branchen und auch nicht alle Zielgruppen gleichermaßen davon. Viele Unternehmen kämpfen stark und müssen Kurzarbeit beziehen. Dennoch gibt es parallel dazu einen eindeutigen Positivtrend und die Zahlen sagen: Es geht Berg auf. Das ist angesichts der Tatsache, dass wir uns nach wie vor in einer Pandemie-Situation befinden, sehr erfreulich. Damit konnte vor wenigen Wochen noch keiner rechnen. Die Stellen-Nachfrage war zu Beginn der Pandemie regelrecht eingebrochen. Jetzt nimmt der Arbeitsmarkt wieder Fahrt auf und auch das Fördergeschäft startet durch. Das Instrument der Kurzarbeit bleibt weiter wichtig und sorgt in vielen Bereichen für Arbeitsplatzsicherung, aber auch für eine gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten und hängt von vielen Faktoren ab, nicht zuletzt von der Zahl der Infizierungen. Tatsache ist, aktuell sind wir auf einem Erholungskurs der Wirtschaft. Ob wir mit der guten Entwicklung im September die Trendwende der Krise bereits geschafft haben, bleibt zu hoffen aber offen."

Zu den Eckdaten der Arbeitslosigkeit in der Versicherungsleistung: Von den insgesamt 18.965 Arbeitslosen im September wurden 5.445 im Bereich der Versicherungsleistung (Agentur für Arbeit - SGB III) betreut. Das sind 188 Personen weniger als im Vormonat, allerdings 1.620 Personen mehr als im September vor einem Jahr. Die anteilige SGB III-Arbeitslosenquote ist leicht um 0,1 Prozentpunkte gefallen und liegt nun bei 2,8 Prozent.

Zur Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der Grundsicherung: Im Rechtskreis der Grundsicherung (Jobcenter - SGB II) sind 13.520 Arbeitslose registriert, das ist ein Minus von 567 Personen gegenüber dem Monat August und verglichen mit dem Monat September vor einem Jahr ein Plus von 947 Arbeitslosen. Die anteilige SGB II-Arbeitslosenquote ist damit um 0,3 Prozentpunkte gefallen und liegt nun bei 7,0 Prozent.

Zur Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung: Nicht unberücksichtigt solle man die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten lassen, so Arbeitsmarktexperte Neukirchen-Füsers. „Die aktuellen Zahlen haben wir jetzt aus März. Da lag die Zahl bei 139.206 Beschäftigten. Ein Plus von 2,5 Prozent oder 3.365 Personen gegenüber dem Vorjahr. Das zeigt, dass die wirtschaftliche Entwicklung in Bochum vor Corona als durchweg gut zu bewerten war. Wir werden mit allen Mitteln versuchen, diesen Trend wiederaufzunehmen und Beschäftigung in Bochum weiter stärken."

Zur aktuellen Arbeitskräfte-Nachfrage: Während in vielen Bereichen der Arbeitsmarkt saisontypisch an Dynamik gewinnt, bleibt die Situation in einigen Bereichen angespannt. Insbesondere der Hotel- und Gaststättenbereich sowie das Veranstaltungsmanagement leiden wirtschaftlich unter der aktuellen Pandemie. Auch viele Dienstleister wie Reisebüros oder der Handel bekommen die Zurückhaltung ihrer Kundschaft stark zu spüren.

Zwar verzeichnet der Arbeitgeber-Service aktuell insgesamt einen leichten Rückgang der Stellenmeldungen. In einigen Branchen ist jedoch eine deutliche Nachfrage zu erkennen. Auch insgesamt lassen die Auswirkungen von COVID-19 im September auf dem Arbeitsmarkt nach. Besonders stark ist der Ruf nach Personal in der Gesundheitsbranche. Berufe aus diesem Bereich sind und bleiben gefragt, und die Nachfrage wird weiter steigen.

Der Handel, die Wirtschaft und Unternehmen und Behörden meldeten insgesamt 613 neue Stellen. Gegenüber dem August ist dies ein leichter Rückgang um 18 Stellenzugänge oder 2,9 Prozent. Der Blick auf das Vorjahr zeigt ein Minus von 291 Stellenzugänge oder 32,2 Prozent. Dennoch, insgesamt befinden sich 2.745 offene Stellenangebote im Bestand des Bochumer Arbeitgeber-Services. Das sind zwar 59 Stellen weniger als im August und 664 Stellen weniger als im September vor einem Jahr. Aber es ist immer noch ein breites Repertoire an Möglichkeiten und die Meldungen der Firmen zeigen trotz allem, dass die Geschehnisse auf dem Arbeitsmarkt wieder an Fahrt gewinnen. Es werden Fachkräfte in vielen Branchen wie zum Beispiel für das Handwerk und die Logistik gesucht.

Zur Kurzarbeit im August: Die Zahl der Unternehmen, die im September Kurzarbeit neu angemeldet haben, ist weiter leicht gesunken. Zeigten im August noch 25 Betriebe (mit 168 Mitarbeitern) Kurzarbeit neu an, so sind es im September noch 20 Unternehmen (mit insgesamt 184 Mitarbeitern). Insgesamt verzeichnet die Agentur für Arbeit in Bochum damit 3.386 Unternehmen, die seit Beginn der Pandemie für mögliche 38.594 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet haben. Welche Unternehmen und wie viele Mitarbeiter letztendlich Kurzarbeitergeld beziehen, kann jedoch erst zeitverzögert genau ermittelt werden.

Die Betriebe haben insgesamt drei Monate Zeit, angemeldete Kurzarbeit auch zu beantragen. Die Anzeige ist eine Vorhersage des Arbeitgebers. Die realisierten Zahlen werden erst durch die Anträge im Nachhinein mitgeteilt. Daher bleibt zu berücksichtigen, dass auch im Juli die Auswertung zur Kurzarbeit noch nicht valide ist. Die vorherige Anzeige der Unternehmen bleibt jedoch dringend erforderlich und zeigt einen Trend.

Zur Unterbeschäftigung: In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie Teilnehmer an einer Maßnahme der Arbeitsmarktpolitik oder in einem arbeitsmarktbedingten Sonderstatus sind. Diese Personen werden zur Unterbeschäftigung gerechnet, weil sie für Menschen stehen, denen ein reguläres Beschäftigungsverhältnis fehlt.

Nachdem bereits im August die Unterbeschäftigung insbesondere durch die Wiederaufnahme vieler Förderinstrumente gestiegen ist, verzeichnet die Agentur in diesem Monat einen Rückgang um 294 Personen oder 1,2 Prozent. Insgesamt waren im September 24.456 Personen in der Unterbeschäftigung registriert. Verglichen mit dem September vor einem Jahr sind dies 1.755 Personen oder 7,7 Prozent mehr.