29.10.2020 | Presseinfo Nr. 79

Auf dem Arbeitsmarkt derzeit Vieles unter Vorbehalt

Erneuter Rückgang der Arbeitslosigkeit in beiden Rechtskreisen. Entwicklung jedoch stark branchenabhängig. Zeitgleich unverändert starker Einsatz von Kurzarbeit und vermehrte Aktivierung des Fördergeschäfts.

Schon im August standen in Herne die Weichen auf Erholungskurs. Die Wirtschaft erfuhr einen leichten Auftrieb und der lokale Arbeitsmarkt zog an. Die Freude war groß, war die positive Entwicklung doch viel früher als Corona bedingt erwartet. Das Geschehen auf dem Arbeitsmarkt bleibt insgesamt betrachtet zwar auch jetzt noch positiv, die Arbeitslosenzahlen sind im Oktober erneut gesunken, aber, die Abgänge in Erwerbstätigkeit sinken und die Stellenzugänge werden weniger. Das Jobcenter und auch die Arbeitsagentur bauen das Fördergeschäft weiter aus und die Teilnehmer an Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik steigen. Darüber hinaus bleibt die Inanspruchnahme von Kurzarbeit unverändert hoch.

Insgesamt zählt die Agentur für Arbeit in Herne im Oktober über beide Rechtskreise hinweg (Agentur für Arbeit und Jobcenter) 9.280 Arbeitslose. Gegenüber dem Vormonat sind das 194 Arbeitslose oder 2,0 Prozent weniger. Verglichen mit dem Oktober vor einem Jahr sind es 1.733 Arbeitslose oder 23,0 Prozent mehr. Die Arbeitslosenquote ist dennoch damit auch in diesem Monat gegenüber dem Vormonat erneut gesunken und beträgt aktuell 11,7 Prozent. Das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als im September aber 2,1 Prozentpunkte mehr als im Oktober letzten Jahres. Von einer Quote unter 10 Prozent, wie im letzten Jahr um diese Zeit, kann keine Rede mehr sein. Dennoch, das Gute: Die 10-Tausender-Marke der Personen in der Arbeitslosigkeit ist noch lange nicht überschritten.

Frank Neukirchen-Füsers, der Vorsitzende Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bochum, zu der auch die Geschäftsstelle in Herne gehört, bleibt verhalten positiv: „Bis hierher haben wir die Herausforderungen der Pandemie gut gemeistert. Wie in jedem Jahr nach der Sommerpause trat eine leichte Herbstbelebung ein, die auch jetzt noch gut zu spüren ist. Zwar nicht so stark wie im vergangenen Jahr, aber deutlich erkennbar. Bis zum Frühjahr war die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Herne sehr gut. Wir können aber nicht ignorieren, dass die Infektionszahlen wahnsinnig schnell steigen, und insbesondere Herne ist betroffen. Das hat  Auswirkungen, auch auf die Wirtschaft. Ich hoffe nicht, dass wir neue große Pandemie-Lasten damit aufbauen. Die im Frühling angewachsene Arbeitslosigkeit ist noch nicht wieder abgebaut. Der jedes Jahr aufs Neue einsetzende Rückgang der Arbeitslosigkeit bis zum Jahresende ist aktuell nicht vorhersehbar. Es gibt viele Unternehmen, die gut durch die Krise kommen wie zum Beispiel die IT-Branche. Der Dienstleistungsbereich hingegen hat es derzeit sehr schwer. Die Unterschiede in der Entwicklung sind eklatant. Was aber für alle gilt: Was schlecht ist für das Virus, ist gut für die Wirtschaft.“

Zu den Eckdaten der Arbeitslosigkeit in den Rechtskreisen: Von den insgesamt 9.280 Arbeitslosen im Oktober wurden 2.279 im Bereich der Versicherungsleistung (Agentur für Arbeit – SGB III) betreut. Das sind 166 Personen weniger als im Vormonat, allerdings 494 Personen mehr als im Oktober vor einem Jahr. Die anteilige SGB IIIArbeitslosenquote ist leicht um 0,2 Prozentpunkte gefallen und liegt nun bei 2,9 Prozent. Im Rechtskreis der Grundsicherung (Jobcenter – SGB II) sind 7.001 Arbeitslose registriert, das ist ein Minus von 28 Personen gegenüber dem September und verglichen mit dem Oktober vor einem Jahr ein Plus von 1.239 Arbeitslosen. Die anteilige SGB II-Arbeitslosenquote bleibt demnach in diesem Monat konstant bei 8,9.

Zur aktuellen Arbeitskräfte-Nachfrage: Insgesamt verzeichnet der Arbeitgeber-Service im Oktober wieder einen leichten Rückgang an neuen Stellenmeldungen. 172 neue Stellenzugänge wurden in den letzten vier Wochen registriert. Gegenüber dem Vormonat ist das ein Rückgang um gut ein Fünftel (22,5 Prozent) oder insgesamt 50 Stellenzugänge weniger. Verglichen mit dem Vorjahresmonat sind es gar ein Drittel (31,2 Prozent) oder absolut, 78 Stellenzugänge weniger.

Zur Kurzarbeit im Oktober: Die Zahl der Unternehmen, die im Oktober Kurzarbeit neu angemeldet haben, hat sich verdoppelt. Dennoch hat sich die Anzahl der möglich betroffenen Mitarbeiter kaum erhöht. Zeigten im September noch 5 Betriebe mit 37 Mitarbeitern Kurzarbeit neu an, so sind es im Oktober 11 Unternehmen mit insgesamt 40 Mitarbeitern. Insgesamt verzeichnet die Agentur für Arbeit in Herne damit 1.122 Unternehmen, die seit Beginn der Pandemie für mögliche 13.025 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet haben. Welche Unternehmen und wie viele Mitarbeiter letztendlich Kurzarbeitergeld beziehen, kann jedoch erst zeitverzögert genau ermittelt werden.
Die Betriebe haben insgesamt drei Monate Zeit, angemeldete Kurzarbeit auch zu beantragen. Die Anzeige ist eine Vorhersage des Arbeitgebers. Die realisierten Zahlen werden erst durch die Anträge im Nachhinein mitgeteilt. Daher bleibt zu berücksichtigen, dass auch im Juli die Auswertung zur Kurzarbeit noch nicht valide ist. Die vorherige Anzeige der Unternehmen bleibt jedoch dringend erforderlich und zeigt einen Trend.

Zur Unterbeschäftigung: In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie Teilnehmer an einer Maßnahme der Arbeitsmarktpolitik oder in einem arbeitsmarktbedingten Sonderstatus sind. Diese Personen werden zur Unterbeschäftigung gerechnet, weil sie für Menschen stehen, denen ein reguläres Beschäftigungsverhältnis fehlt. Die Unterbeschäftigung ist wieder, wie die Arbeitslosigkeit auch, in diesem Monat, leicht gesunken. Die Agentur verzeichnet im Oktober einen Rückgang um 80 Personen oder 0,6 Prozent. Insgesamt waren im Oktober 12.854 Personen in der Unterbeschäftigung registriert. Verglichen mit dem Oktober vor einem Jahr sind dies 1.165 Personen oder ganze 10 Prozent mehr.