30.10.2020 | Presseinfo Nr. 49

„#AusbildungKlarmachen- da geht noch was!“

Die Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg, die Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg, die Kreishandwerkerschaft Bonn/Rhein-Sieg und die Handwerkskammer zu Köln präsentierten in ihrer gemeinsamen Pressekonferenz am Freitag, den 30. Oktober 2020, wegen den Coronapandemie bedingten Verschiebungen auf dem Ausbildungsmarkt eine (Zwischen-)Bilanz des Berufsberatungsjahres 2019/20 für die Region.

Stefan Krause, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg, sagt: „Damit die Pandemie den Einstieg in den Ausbildungsmarkt und die Erwerbsperspektiven der jungen Menschen so wenig wie möglich behindert, möchten wir gemeinsam mit unseren Partnern am Ausbildungsmarkt das „5. Quartal" nutzen um noch für einen Ausbildungsbeginn bis zum 01. Februar 2021 zu werben."

(Zwischen-)Bilanz der Arbeitsagentur Bonn / Rhein-Sieg

Akquise von Ausbildungsstellen

Die Agentur für Arbeit konnte im zurückliegenden Berichtsjahr 4.926 Ausbildungsstellen akquirieren. Das sind -548 oder -10 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl gemeldeter Bewerber sank ebenfalls zum Vorjahr um -492 (-8,7 Prozent) auf insgesamt 5.144. Der erneute Rückgang der Bewerber für eine duale Ausbildung liegt in der Bundesstadt Bonn im Wesentlichen an dem pandemiebedingten Ausfall von Beratungsterminen an Schulen und Berufsorientierungsmessen.

Seit Beginn des Beratungsjahres (1. Oktober 2019) sind der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein Sieg die meisten Stellen zu den folgenden Berufsausbildungen gemeldet worden: Kaufmann/-frau Büromanagement (352), Kauf-mann/-frau im Einzelhandel (350), Verkäufer/in (236), Medizinische/r Fachangestellter/r (229), Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r (229), Anlagemechaniker Sanitär-/Heizung, und Klimatechnik (137) Handelsfachwirt/in (Ausbildung) (132), Elektrotechniker/in Energie-/Gebäudetechnik (126), Fachkraft – Lagerlogistik (99) und Fachinformatiker/in – Systemintegration (95).

Stefan Krause zieht trotz dieser Statistiken insgesamt eine positive Zwischenbilanz. „Trotz pandemiebedingten Matchingproblemen entwickelte sich der Ausbildungsmarkt robust. Der Rückgang der Bewerber als auch der Stellen fiel nicht ins Bodenlose, sondern konnte durch unser gemeinsames Engagement abgefedert werden. Damit finden wir eine solide Ausgangslage für den Ausbildungsmarkt vor, um den Aufholprozess im fünften Ausbildungsquartal aktiv anzugehen."

Weiterhin informiert der Agenturleiter zu den allgemeinen strukturellen Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt, Stefan Krause: „Viele strukturelle Veränderungen hat die Pandemie verstärkt. So führten die Einschränkungen zum einen dazu, dass sowohl Bewerberinnen und Bewerber als auch Unternehmen hinsichtlich ihres Ausbildungsbeginns verunsichert wurden. Des Weiteren verstärkte dies auch die Neigung der jungen Menschen einen höheren Schulabschluss anzustreben oder direkt in ein Studium einzusteigen."

Jürgen Hindenberg, Geschäftsführer Berufsbildung und Fachkräftesicherung der IHK Bonn/Rhein-Sieg, meint hierzu: „Bei Schülerinnen und Schülern ist das Interesse an manchen Berufen zurückgegangen – zum Beispiel im Bereich Industrie. Dieser Trend ist allerdings nicht auf Corona zurückzuführen, sondern zeigt, dass die Jugendlichen bei der Berufswahl auf wirtschaftliche Veränderungen reagieren – zum Beispiel auf die Umweltdiskussion. „Für die Bereiche Industrie, Tourismus, Veranstaltungen oder Hotel und Gastronomie – in denen allein auf Grund der demografischen Entwicklung Nachwuchskräfte dringend gesucht werden –, brauchen wir eine Informationsoffensive, um die Zukunftsfähigkeit dieser Branchen für die Zeit nach Corona aufzuzeigen".

Offene Ausbildungsstellen und unversorgte Bewerber

Die Bilanz am Ende des Beratungsjahres zeigt, dass auf 252 unversorgte Bewerber 519 offene Stellen kommen. Das bedeutet eine Relation von 1 unversorgten Bewerber zu 2,06 unbesetzte Stellen. Zum Vorjahr stieg die Anzahl der unversorgten Bewerber um 8,2 Prozent und die Anzahl der unbesetzten Ausbildungsstellen um 54,9 Prozent. „Unser gemeinsames Ziel ist, jedem motivierten Jugendlichen, der bei der Berufsberatung gemeldet ist, einen Berufseinstieg zu ermöglichen", stimmten die Kooperationspartner am Ausbildungsmarkt überein.

„Als Arbeitsagentur haben wir viele Möglichkeiten, Azubis und Betriebe zu fördern, den Einstieg in die Ausbildung vorzubereiten und diese dann auch erfolgreich abzuschließen", erläutert Ralf Steinhauer, Leiter der Berufsberatung. „Neben den Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BvB) gibt es Instrumente wie die Assistierte Ausbildung (AsA) und ausbildungsbegleitende Hilfen (abH), die eine Ausbildung stabilisieren und sowohl den schulischen als auch betrieblichen Teil einer Ausbildung flankieren. Unsere Erfahrung ist, dass mit dieser Unterstützung auch Jugendliche mit schwachem Schulabschluss ihre Ausbildung erfolgreich abschließen können."

In Hinblick auf die Kammerbilanzen sind folgende (Zwischen-)Ergebnisse zu nennen:

Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg wurden zum 30. September 2020 2.480 neue Ausbildungsverträge verzeichnet. Das ist ein Minus von -16,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2019: 2.974 Verträge). Die Dramatik, die dahintersteckt, wird erst dann deutlich, wenn man die Zahlen der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg von 519 unbesetzten Ausbildungsstellen und 252 unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern gegenüberstellt. Dann erkennt man nämlich, dass die unbesetzten Ausbildungsplätze um 54,9 Prozent zugenommen haben.

In der Pandemie den Ausbildungsmarkt neu gestalten

„Wie der Vergleich der unbesetzten Ausbildungsstellen mit den unversorgten Bewerbern zeigt, kommen Angebot und Nachfrage in Zeiten der Corona-Pandemie nicht zusammen", sagt Jürgen Hindenberg, Geschäftsführer Berufsbildung und Fachkräftesicherung der IHK Bonn/Rhein-Sieg: „Genauso wie in den Schulen darf es auch auf dem Ausbildungsmarkt – wie in diesem Jahr geschehen – keine weiteren Lockdowns geben. Daher müssen die Akteure im Übergang Schule-Beruf den Ausbildungsmarkt interaktiv und individualisiert neu gestalten. Jetzt kommt es erst einmal darauf an, allen unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern bis zum Februar 2021 ein Angebot auf Ausbildung zu machen und das fünfte Ausbildungsquartal zu nutzen."

Kreishandwerkerschaft Bonn/Rhein-Sieg

„Die Kreishandwerkerschaft freut sich über 1.463 neue Ausbildungsverträge des regionalen Handwerks. Damit wurde fast der Spitzenwert des Jahres 2018 erreicht: Vor zwei Jahren waren es 1.533, im Jahr 2015 beispielsweise „nur" 1.390.

Gerade weil es für Handwerksunternehmen in den zurückliegenden Monaten schwierig war, mit jungen Leuten in Kontakt zu kommen, ist dies ein bemerkenswertes Ergebnis. Messen und Börsen sind ausgefallen, Praktika waren kaum möglich, der Kontakt zu den Schulen war unterbrochen. Das, was man Matching nennt, also der persönliche Abgleich zwischen den Interessenten und den Betrieben, war über Wochen hinweg enorm erschwert. Und dies genau in der „heißen" Phase des Jahres, was die Ausbildungsplatzsuche anbelangt.

Die Firmen haben dennoch mit Erfolg nach Nachwuchs gesucht und sich offensichtlich von den aktuellen Schwierigkeiten infolge der Corona-Pandemie nicht beeinflussen lassen.

Das Handwerk weiß, dass Ausbildung das wichtigste Mittel zur Deckung des Fachkräftebedarfs ist. Nur mit neuen Mitarbeitern kann das Handwerk auf Dauer hochwertige Leistungen anbieten.

Die Betriebe werden damit aber auch ihrer Verantwortung der Jugend gegenüber gerecht. Diese Botschaft sollte das Handwerk als Arbeitgeber und Ausbilder noch attraktiver machen.

Die Ausbildungsbereitschaft der Handwerksunternehmen ist genauso groß wie das Interesse der jungen Leute am Handwerk," sagt Oliver Krämer, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bonn/Rhein-Sieg.

Handwerkskammer zu Köln

Die Region Bonn/Rhein-Sieg erweist sich einmal mehr als überdurchschnittlich starker Wirtschaftsraum. Das unterstreicht der Vergleich mit den Ergebnissen auf Kammerebene. Die Handwerkskammer zu Köln verzeichnete 4.790 Neuabschlüsse, was einem Rückgang von 8,4 Prozent entspricht. Die Corona-Pandemie wirkt sich erfreulicherweise nicht so stark aus, wie es anzunehmen war. „Gerade mit Blick auf andere Wirtschaftsbereiche und unsere eigenen Zwischenergebnisse aus dem Sommer ist dieses Ergebnis sehr gut", stellt Dr. Markus Th. Eickhoff, Leiter der Geschäftsstelle Bonn der Handwerkskammer zu Köln, fest. Corona und das Ausfallen von Ausbildungsmessen und -börsen, Praktika sowie beruflicher Orientierung in Schulen beeinträchtige das Matching, also das Zusammenführen von Angebot und Nachfrage. Dadurch habe sich der Abschluss der Lehrverträge um etwa acht Wochen nach hinten verschoben.

Fünftes Quartal Ausbildungsmarkt – da geht noch was!

Anders als in den vorangegangenen Jahren steht an dieser Stelle nicht bereits das nächste Berufsausbildungsjahr im Fokus unseres Interesses, sondern unsere verlängerte Nachvermittlungsaktion bis zum 01. Februar 2021. Dies ist der zusätzliche Startpunkt für die Ausbildung in besonders betroffenen Bereichen. Dadurch eröffnet sich auch für Jugendliche die Chance auf den Einstieg, die sich bis jetzt noch nicht bei der Berufsberatung oder den Ausbildungsbetrieben gemeldet haben. Da sind sich die Partner am Ausbildungsmarkt einig.

Dabei bleibt die Berufsberatung das Kernelement des Berufsorientierungsangebots der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg. Sobald es wieder möglich ist, wird die Berufsberatung ihre Arbeit an den Schulen wiederaufnehmen, um junge Menschen auf Ausbildung und Studium vorbereiten zu können. Noch unversorgte Bewerberinnen und Bewerber werden gesondert kontaktiert und beraten.

Für Fragen und Anliegen rund um die Berufswahl steht die Berufsberatung weiterhin auch telefonisch oder per E-Mail zur Verfügung.

Bonn Hotline: 0228 924 8000,

E-Mail: Bonn.Berufsberatung@arbeitsagentur.de

Siegburg Hotline: 02241 300 800,

E-Mail: Siegburg.Berufsberatung@arbeitsagentur.de

Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen können ihre Ausbildungsstellen telefonisch unter

0800 / 4-5555-20 melden.