05.01.2021 | Presseinfo Nr. 1

Arbeitsmarktbericht Dezember 2020

„Im Wintermonat Dezember lassen sich, trotz des weichen Lockdowns, weiterhin positive Zeichen für den Arbeitsmarkt erkennen. Die Arbeitslosigkeit reduziert sich im Vergleich zum Vormonat um 407 Personen (-1,3 Prozent). Der Rückgang der Arbeitslosigkeit ist für einen Dezember nicht saisonüblich. Im Jahr 2019 hatten wir im Dezember einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um rund 200 Personen. Die Arbeitslosigkeit sinkt in diesem Jahr, da der Zugang von Personen in die Arbeitslosigkeit deutlich zurückgegangen ist. Dies ist zunächst ein Erfolg der Unterstützungsmaßnahmen der Politik und der arbeitsmarktpolitischen Instrumente wie der Kurzarbeit. Im Vergleich zum Vorjahr sind 1.411 Personen weniger arbeitslos geworden. Weiterhin sind aber 5.801 Menschen mehr von Arbeitslosigkeit betroffen, als im Vorjahr. Es ist 1.713 Menschen im letzten Monat gelungen eine neue Tätigkeit aufzunehmen, das sind 185 mehr als im Dezember 2019. Gleichzeitig meldeten Arbeitgeber 1.360 neue Stellen, das sind -342 weniger als im Dezember des letzten Jahres, aber 93 Stellen mehr als noch im November 2020.
Mögliche Auswirkungen des harten Lockdowns fließen noch nicht in die Zahlen ein, da der Beginn des harten Lockdowns (16.12.) erst wenige Tage nach dem Stichtag (10.12.) der Statistik in Kraft getreten ist. Da der Lockdown jedoch nicht in eine Phase der Belebung fällt, dürfte der Effekt nicht annähernd so stark werden wie im Frühjahr. Hinzu kommt, dass Unternehmen auch gelernt haben, mit einem Lockdown umzugehen und zu wirtschaften." sagt Stefan Krause, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg.

Zusammenfassung zur Situation der Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk und den politischen Gebietskörperschaften nach Rechtskreisen

Die Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk Bonn/Rhein-Sieg normalisiert sich im Vergleich zum Vormonat (von 32.529 auf 32.122). Es ist ein Rückgang im Versicherten- und Grundsicherungsbereich zu verzeichnen.

Im Agenturbezirk Bonn/Rhein-Sieg fielen die Zugänge in Arbeitslosigkeit aus der Erwerbstätigkeit um -4,3 Prozentpunkte. Die Abgänge aus der Arbeitslosigkeit in eine Erwerbstätigkeit fielen jedoch ebenfalls stark um -22,4 Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die Arbeitslosigkeit angestiegen (+22,0 Prozent). Der Anstieg betraf alle Personengruppen und konnte in beiden Rechtskreisen beobachtet werden, wobei die Arbeitslosigkeit im Versichertenbereich und hier in Bonn stärker gestiegen ist. (vgl. Details im Gesamtbericht ab S. 7).

Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Im Dezember fiel die Jugendarbeitslosigkeit leicht um insgesamt -37 Personen (-1,4 Prozent) und stieg im Vorjahresvergleich um +469 Personen an.

Auch die Arbeitslosigkeit der Älteren (50+) stabilisiert sich im Vergleich zum Vormonat weiter und fällt um -91 Menschen (-0,8 Prozent) ab. Sie steigt jedoch im Vorjahresvergleich um +2.064 Personen.

Die Langzeitarbeitslosigkeit stieg im Vorjahresvergleich im Grundsicherungsbereich um +2.050 Personen (+24,3 Prozent).

Die Gesamtarbeitslosenquote, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, fiel im Agenturbezirk Bonn/Rhein-Sieg um -0,1 Prozentpunkte auf einen Prozentwert von 6,4 Prozent und überschritt damit den Wert des Vorjahresstandes um +1,1 Prozentpunkte.

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte

(Neuer Quartalsstichtag: 30.06.2020)

Gegenüber dem Vorquartal März 2020 ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung um 0,8 Prozent gesunken. Die Agentur Bonn liegt damit im oberen Drittel der NRW-Arbeitsagenturen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal Juni 2019 blieb die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahezu unverändert. Die NRW-Arbeitsagenturen streuen zwischen -2,0 Prozent und 1,4 Prozent. Hier liegt die Agentur Bonn im mittleren Drittel der NRW-Arbeitsagenturen.

Situation konjunktureller Kurzarbeit

Anzeigen

Für den November 2020 legte die Statistik nun die endgültigen Daten zu den Anzeigen und betroffenen Personen vor. Danach zeigten im November insgesamt 531 neue Unternehmen der Region Bonn/Rhein-Sieg Kurzarbeit an. Das bedeutet einen erheblichen Anstieg im Vergleich zum Vormonat Oktober. Hier waren es 88 Neuanzeigen. Im Vorjahr zeigten im Monat November 17 Betriebe konjunkturelle Kurzarbeit an. In den Anzeigen wurden der Agentur für Arbeit für November insgesamt 3.770 Personen genannt. Im Monat Oktober waren es noch 655 Personen.

Kurzarbeitende Betriebe und Kurzarbeitende

Zur realisierten Kurzarbeit im Monat August 2020 liegt erneut eine aktuelle Hochrechnung vor. Danach realisierten im Agenturbezirk 2.732 Betriebe (Juli: 3.167) konjunkturelle Kurzarbeit. 20.033 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (Juli: 23.251) waren danach von Kurzarbeit betroffen gewesen.

Zum Vergleich die endgültigen Zahlen zur realisierten Kurzarbeit (Stand: November 2020 nach einer Wartezeit von 5 Monaten): Im Juni realisierten 3.949 Betriebe für 33.310 Beschäftige konjunkturelles Kurzarbeitergeld. Die überwiegende Anzahl der Betriebe, die Kurzarbeit realisierten, kamen aus dem Handel (686 mit 4.210 Beschäftigten, darunter alleine aus dem Einzelhandel: 381 Betriebe mit 1.893 Beschäftigten), Gastgewerbe (640 Betriebe mit 4.352 Beschäftigten, darunter alleine aus der Gastronomie: 516 Betriebe mit 2.575 Beschäftigten), Immobilien (404 Betriebe mit 2.640 Beschäftigten), Gesundheitswesen (326 Betriebe mit 3.405 Beschäftigten), Dienstleistungsgewerbe, zum Beispiel Kunst, Unterhaltung und Erholung (353 Betriebe mit 2.260 Beschäftigten) und dem Verarbeitenden Gewerbe (394 Betriebe mit 9.352 Beschäftigte).

Die Kurzarbeiter-Quote stellt den Anteil der Kurzarbeiter an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten dar. Im Agenturbezirk Bonn/Rhein-Sieg lag die Kurzarbeiter-Quote im August bei 5,8 Prozent. Im Vormonat Juli lag sie noch bei 6,8 Prozent.

„Ohne das arbeitsmarktpolitische Instrument der Kurzarbeit wäre es nicht denkbar gewesen, dass im Zuge der Herbstbelebung bereits wieder Arbeitslosigkeit abgebaut und Beschäftigung aufgebaut wird. Im November ist das Anzeigenverhalten für konjunkturelle Kurzarbeit wieder stark angestiegen. Dabei darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass nicht jede Anzeige auf Kurzarbeit auch zur realisierten Kurzarbeit wird.", sagt Stefan Krause, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg.

Situation auf dem Ausbildungsmarkt

Es gab bereits vor der Pandemie Ausbildungsbereiche, die ihren Fachkräftebereich nicht abdecken und sicherstellen konnten. Dies wird durch die Pandemie noch verstärkt. Trotzdem raten wir Unternehmen, in ihrer Ausbildungsbereitschaft nicht nachzulassen.

Das Hotel- und Gaststättengewerbe ist mit am stärksten von der Pandemie betroffen. Für das neue Jahr gibt es bisher keine gemeldeten Ausbildungsstellen. Die erhoffte Verschiebung der ausgebliebenen Einstellungen vom Sommer auf den Ausbildungsbeginn 1. Februar 2021 ist durch die Verlängerung und das offene Ende des erneuten Lockdowns nicht zu erwarten.

Der Einzelhandel ist sehr differenziert zu betrachten. Insbesondere der Textileinzelhandel hatte sehr unter der Krise zu leiden. Die Einstellungsbereitschaft war Corona bedingt bisher schwächer als zuvor. Der Online- und Elektrohandel, Baumärkte, Möbelhäuser waren hingegen von der Krise wenig bis gar nicht betroffen.

Der Friseurbereich ist ebenfalls stark von der Pandemie betroffen. Dieses Jahr gab es z.B. nur eine Klasse mit Azubis am Troisdorfer Berufskolleg mit 18 Personen. Es fehlt der Nachwuchs, gelernte Kräfte fehlen damit auch in ein paar Jahren noch verstärkt.

Im produzierenden Gewerbe wurden weniger Berufsausbildungsstellen (BAST) besetzt, als im Vorjahr. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass Arbeitgeber ihre Stellen auf Grund von Covid-19 zurückgezogen haben.

Sorgen machen sich Arbeitgeber, die auf Messeveranstaltungen angewiesen sind. Hier wurden (noch) keine BASTs storniert, aber die Firmen machen sich generell große Sorgen um die Zukunft.

Bei den Branchen Veranstaltungsmanagement und Sport gab es Interessenten wie zuvor, jedoch kam es aufgrund der Schließungen erst verspätet zu Kontaktaufnahmen zum Arbeitgeber.

Teilweise konnte man feststellen, dass sich die Tendenz zur Fortführung der Schullaufbahn gerade in einer unsicheren Zeit wie dieser eher noch verstärkt hat. Das gilt sogar für Bereiche, in denen in kaufmännischen Berufen ausgebildet wird.

Wer jetzt vor der Ausbildungswahl steht sollte sich von Fachleuten unterstützen lassen. Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Bonn bietet diese Hilfen auch in Corona-Zeiten an.

Ein Ausbildungsstart ist noch im "5.Quartal" oder bis 01.02.2021 möglich. Für 2021 gilt das Procedere wie in den Vorjahren.

Für Fragen und Anliegen rund um die Studien- und Berufswahl steht die Berufsberatung weiterhin auch telefonisch oder per E-Mail zur Verfügung.

Bonn Hotline: 0228 924 8000,
E-Mail: Bonn.Berufsberatung@arbeitsagentur.de

Siegburg Hotline: 02241 300 800,
E-Mail: Siegburg.Berufsberatung@arbeitsagentur.de

Den vollständigen Arbeitsmarktbericht finden Sie nebenstehend als pdf-Datei.