Der Arbeitsmarkt im Wirtschaftsraum Bonn/Rhein-Sieg – Jahresbilanz 2022

Der Arbeitsmarkt 2022 – Zwischen Pandemie und Fachkräfteengpässen

03.01.2023 | Presseinfo Nr. 2

Ukraine-Krieg, stark steigende Energie- und Rohstoffpreise, Inflation, Materialengpässe und Nachwirkungen der Corona-Pandemie: Stressfaktoren hat das Jahr 2022 für Wirtschaft und Arbeitsmarkt einige bereitgehalten. Doch der Arbeitsmarkt entwickelte sich trotz der konjunkturellen Herausforderung stabil. Ein wesentlicher Grund, dass die Arbeitslosigkeit nicht angestiegen ist, seien Engpässe bei qualifizierten Arbeitskräften, die dazu führen, dass Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber an ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern festhalten. So lautete heute die Bilanz der Agentur für Arbeit Bonn. 

Bilanz für das Jahr 2022 im Agenturbezirk Bonn/Rhein-Sieg

  • Deutlicher Rückgang der Arbeitslosigkeit nach zwei Pandemiejahren.
  • Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nimmt zu.
  • Die Arbeitskräftenachfrage zeigt einen deutlichen Bedarf an Fachkräften.
  • Die tatsächlich realisierte Kurzarbeit sinkt weiter.

Entwicklung der Beschäftigung gesamt

„Im Jahr 2022 erholt sich der Arbeitsmarkt der Region Bonn/Rhein-Sieg von den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie. Ende 2022 sind mehr als 350.000 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Innerhalb eines Jahres verzeichnete Bonn somit ein Plus von 2,8 Prozent. Besonders hervorzuheben ist der Anstieg bei den ausländischen Arbeitskräften (+8,9 Prozent). Positiv entwickelte sich zudem die Beschäftigung bei den höherqualifizierten Älteren (+13,0 Prozent)", erläutert Stefan Krause, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bonn, während der Jahresbilanz zum Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Bonn. Mit Blick auf die Anforderungsprofile der Beschäftigten in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis war der höchste Anstieg bei den Helfer*innen (+9,8 Prozent) und bei den Spezialist*innen (+7,2 Prozent) zu verzeichnen. Die Gruppe der Expert*innen wuchs im Vergleich zum Vorjahr leicht (+4,2 Prozent). Mit einem Minus von 0,3 Prozent bildeten jedoch die Fachkräfte ohne Spezifikation im Jahresvergleich das Schlusslicht.

Die höchsten Zuwächse nach Wirtschaftszweigen waren in der "Öffentlichen Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung" (+4,6 Prozent) gefolgt von „Erziehung und Unterreicht" (+6,1 Prozent).

Entwicklung der Arbeitslosigkeit gesamt

Im Jahr 2022 waren bei der Agentur für Arbeit Bonn und den Jobcentern Bonn und Rhein-Sieg durchschnittlich 28.547 Menschen zeitgleich arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote im Jahresschnitt 2022 beträgt 5,7 Prozent, das sind 0,6 Prozentpunkte weniger als in 2021. Im Vergleich zum Vorjahr waren somit in 2022 3.278 Personen weniger arbeitslos (-10,3 Prozent).

Während sich 2020 die Folgen der Corona-Pandemie zunächst besonders stark im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III) bemerkbar machten, war der Einfluss im Jobcenter (SGB II) weniger ausgeprägt. Dies änderte sich jedoch in 2021. Insbesondere die Langzeitarbeitslosigkeit stieg im Jahr 2021 stark an. In 2022 konnte diese Zahl wieder auf 12.344 langzeitarbeitslose Menschen reduziert werden (-10,3 Prozent).
Betrachtet nach Rechtskreisen gab es im SGB III 1.301 Langzeitarbeitslose, das sind -481 Menschen oder -27,0 Prozent weniger als 2021. Im SGB II waren 2022 11.043 Menschen langzeitarbeitslos, das sind -943 oder -7,9 Prozent langzeitarbeitslose Menschen weniger.

Junge Leute waren von den Auswirkungen der Krise überdurchschnittlich betroffen. Mittlerweile ist die Jugendarbeitslosigkeit im Agenturbezirk Bonn wieder leicht unter dem Niveau von 2019 verortet. Im Jahresdurchschnitt betrug die Arbeitslosenquote der jungen Menschen unter 25 Jahren 4,2 Prozent und blieb somit auf gleichem Niveau wie im Vorjahr. 2.177 junge Menschen waren durchschnittlich im Jahr 2022 arbeitslos, das sind 345 weniger als in 2021 (-13,7 Prozent).
Betrachtet nach Rechtskreisen gab es im SGB III 887 arbeitslose Jugendliche, das sind -301 Jugendliche oder -25,3 Prozent weniger als 2021. Im SGB II waren 2022 1.290 Jugendliche arbeitslos, das sind -45 oder -3,4 Prozent arbeitslose Jugendliche weniger.

"Angesichts gestiegener Knappheit vor allem an qualifizierten Arbeitskräften, halten viele Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber auch in konjunkturell schwierigen Zeiten an ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fest. So werde immer sichtbarer: Damit der Arbeitsmarkt auch über 2023 hinaus stabil bleibt, muss in die Menschen investiert werden.", sagt Stefan Krause.

Entwicklungen bei den ukrainischen Geflüchteten

Der Bestand an arbeitssuchenden Ukrainer*innen steigt im Agenturbezirk stetig an. Im Dezember 2022 betrug er insgesamt 4.268 Personen. Der Bestand an arbeitslosen Ukrainer*innen zeigt sich mit 1.474 weitestgehend konstant. 

Arbeitskräftenachfrage

Im Jahr 2022 wurden insgesamt 19.155 freie Stellen bei der Agentur für Arbeit Bonn zur Besetzung gemeldet. Dies sind 630 Stellen (+3,4 Prozent) mehr als im Vorjahr. Die Stellenzugänge spiegelten dabei die Dynamik des Einstellungsgeschehens und des aktuellen Personalbedarfs der Betriebe wider.

Die meisten Stellen wurden in den Bereichen "Unternehmensorganisation und -strategie" (+73,5 Prozent) gemeldet, gefolgt vom "Verkauf" (+24,7 Prozent).

Hinsichtlich des Qualifikationsniveaus ist der höchste Anstieg im Vergleich zum Vorjahr bei den Stellen zu verzeichnen, die sich an Helfer*innen richten (+4,3 Prozent). Die Stellen für Fachkräfte sind zum Vorjahr um 3,9 Prozent angestiegen, jene für Spezialist*innen um 3,5 Prozent. Die Stellen für Expert*innen sind um 1,7 Prozent gestiegen.
Es besteht eine große Differenz im Anforderungsniveau zwischen Angebot und Nachfrage. Dem gewachsenen Zugang an Arbeitsstellen steht ein deutlicher Rückgang bei den Arbeitslosen gegenüber. Im Vergleich zum Vorjahr sind die arbeitslosen Helfer*innen um 8,8 Prozent gesunken. Die Anzahl der arbeitslosen Spezialist*innen ist um 15,1 Prozent gesunken. Arbeitslose Fachkräfte weisen einen Rückgang 15,4 Prozent auf und die Anzahl von arbeitslosen Expert*innen ist um 16,3 Prozent zurück gegangen.

Ausblick 2023

„Der Arbeitsmarkt im Agenturbezirk Bonn steckt voller Chancen. Die eigenen Fähigkeiten weiter zu entwickeln, wird immer wichtiger. Deswegen investieren wir als Arbeitsagentur in gezielte Fortbildungen für Arbeitssuchende und für Beschäftigte. Lernbereitschaft und das Streben nach Wissen sind die neuen Schlüsselkompetenzen auf dem Arbeitsmarkt. Gemeinsam mit unseren Partnern arbeiten wir an einer vernetzten Weiterbildung in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis", so Stefan Krause. "Es ist sicher, dass Fachkräfte weiterhin auf dem Arbeitsmarkt dringend branchenübergreifend gesucht werden."

„Wir freuen uns auf die Umsetzung des Bürgergelds. Viele Bürgerinnen und Bürger können von neuen Fördermöglichkeiten, beispielsweise mit Prämien und verlängertem Ausbildungszeiten, profitieren. So wird die Motivation, eine Qualifizierung nicht nur zu beginnen, sondern auch durchzuhalten, verstärkt. Die Herausforderung wird aber sein, dass wir Menschen erreichen, die bislang trotz Beratung und Maßnahmen noch keine berufliche Perspektive für sich gefunden haben. Letzten Endes ist es nie zu spät, etwas für sich zu lernen und seinen eigenen Wert zu erkennen. Mittlerweile gibt es die Jobcenter seit 18 Jahren, und wir können uns auf unsere Erfahrung verlassen. Wir sind gut aufgestellt.“ Sagt Anja Roth, derzeit Geschäftsführerin jobcenter rhein-sieg.

Günter Schmidt, Geschäftsführer des Jobcenters Bonn, sieht ebenfalls einen wichtigen Schwerpunkt der kommenden Änderungen beim Thema Qualifizierung und Ausbildung:
„Von den über 20.000 erwerbsfähigen Kund*innen, die wir in Bonn betreuen, verfügen mehr als drei Viertel (77 %) über keinen anerkannten Berufsabschluss. Das Thema Qualifizierung hat deswegen – gerade auch im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel in vielen Branchen – seit langer Zeit hohe Priorität für unsere tägliche Arbeit. Dass es nun auch per Gesetz einen höheren Stellenwert erhält, ist ein gutes Signal. 
Gleichzeitig erhalten die Jobcenter durch die Entfristung der Instrumente des Teilhabechancengesetzes jetzt dauerhaft die Möglichkeit, Langzeitarbeitslose in geförderte Arbeit zu bringen und deren soziale Teilhabe zu stärken.“ Mit der Einführung des Bürgergelds soll die ursprünglich bis Ende 2024 befristete Förderung zur Teilhabe am Arbeitsmarkt fest im Instrumentenkasten der Grundsicherung für Arbeitsuchende verankert werden. Damit steht den Jobcentern auch über 2024 hinaus ein wirksames Instrument zur Verfügung, das sich an besonders arbeitsmarktferne Langzeitarbeitslose richtet.
 

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