01.07.2020 | Presseinfo Nr. 42

Arbeitsmarkt weiter unter Corona-Einfluss

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juni erneut, entgegen der üblichen saisonalen Entwicklung, gestiegen. Dieser Anstieg ist im Wesentlichen weiterhin auf die fehlenden Abgänge in Beschäftigung und das reduzierte Angebot an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen zurückzuführen.

Die Zahl der Arbeitslosen im Agenturbezirk Braunschweig-Goslar ist gegenüber dem Mai leicht um 220 arbeitslose Menschen auf insgesamt 22.156 gestiegen, im Vorjahresmonatsvergleich um 4.137. Die aktuelle Arbeitslosenquote beträgt 6,7 Prozent und liegt damit 1,2 Prozentpunkte über Vorjahresniveau.

 

„Die Zahl der Arbeitslosen ist seit März deutlich gestiegen. Diese Entwicklung schwächt sich mittlerweile leicht ab, da Beschäftigungsaufnahmen sichtlich zugenommen haben sowie auch Förder- und Qualifizierungsmaßnahmen wieder angelaufen sind", kommentiert Gerald Witt, Leiter der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar die aktuelle Entwicklung.

Die Zunahme von neu arbeitslos gemeldeten Personen liegt zwar noch über Vorjahresniveau, hat sich aber in den beiden vergangenen Monaten abgeschwächt. Die meisten Zugänge kommen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus dem Verarbeitendem Gewerbe.

 

Unterbeschäftigung.

Die Unterbeschäftigung, die neben den Arbeitslosen auch Personen erfasst, die erkrankt sind oder an Maßnahmen teilnehmen, lag im aktuellen Berichtsmonat bei 28.420 Personen, dies sind 9,3 Prozent oder 2.412 Personen mehr als vor einem Jahr.

 

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

Im aktuellen Monat können wir, nach der sechsmonatigen Wartezeit, neue Daten zu den so-zialversicherungspflichtig Beschäftigten veröffentlichen. Ende Dezember 2019, dem letzten Quartalsstichtag der Beschäftigungsstatistik mit gesicherten Angaben, belief sich die sozial-versicherungspflichtige Beschäftigung im Bezirk der Agentur für Arbeit Braunschweig–Goslar auf 254.620. Gegenüber dem Vorjahresquartal war das eine Zunahme um 2.620 oder 1,0%, nach +2.707 oder +1,1% im Vorquartal. Nach Branchen gab es absolut betrachtet die stärkste Zunahme bei Immobilien, freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (+809 oder +3,2%); am ungünstigsten war dagegen die Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe (–589 oder –1,0%).

Gemeldete Arbeitsstellen

Die Nachfrage nach Arbeitskräften hat auf der Basis der gemeldeten Arbeitsstellen kräftig abgenommen. 1.454 oder 29,2 Prozent weniger Stellen sind gegenüber dem Vorjahr gemeldet. Im Vorjahresvergleich stehen insbesondere in den Branchen Handel, Instandhaltung und Reparaturen von Kfz (aktuell 380 / -264 ggü. Vorjahr) sowie im Verarbeitendem Gewerbe (aktuell 167 / -257 ggü. Vorjahr) im Juni deutlich weniger Stellen zur Verfügung.

 

Kurzarbeit

Betriebe müssen vor Beginn von Kurzarbeit eine schriftliche Anzeige bei der zuständigen Agentur für Arbeit (Betriebssitz) erstatten; dies hat spätestens bis zum Ende des Monats zu erfolgen, für den erstmalig Leistungen bezogen werden sollen. Die Statistik über angezeigte Kurzarbeit berichtet über elektronisch erfasste und geprüfte Anzeigen von Kurzarbeit sowie die in den Anzeigen enthaltene Anzahl der Beschäftigten, welche voraussichtlich von einem Arbeitsausfall betroffen sind.

Die Entwicklung der Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit lässt deutlich die Auswirkungen der Coronakrise auf den Arbeitsmarkt erkennen, wobei in den letzten beiden Monaten weniger Anzeigen hinzugekommen sind. Lediglich im Kreis Wolfenbüttel gab es hingegen eine Zunahme der Personen in Anzeigen für Kurzarbeit um 47 gegenüber Mai.

Für den Agenturbezirk Braunschweig-Goslar, zu dem auch Salzgitter und Wolfenbüttel gehört, werden für den Zeitraum von März bis Mai insgesamt 6.036 geprüfte (endgültige) Anzeigen gezählt für insgesamt 94.256 Personen.

Mit diesen endgültigen Daten ist eine Aussage zu den TOP3 der Wirtschaftsabschnitte nach der Personenanzahl in den Anzeigen möglich:

Verarbeitendes Gewerbe 32.819 Personen in Anzeigen

Handel, Instandhaltung u. Reparatur Kfz 14.323 Personen in Anzeigen

Gastgewerbe 7.239 Personen in Anzeigen

Die vorläufigen Juni-Zahlen bis zum 26. Juni zählen 185 Anzeigen für 3.800 genannte Personen.

 

Blick auf den Ausbildungsmarkt

Bisher sind 3.139 junge Berufsstarter bei der Agentur für Arbeit gemeldet. Das sind 373

oder 10,6 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Allerdings spielt auch der fehlende Abiturjahrgang in Niedersachsen in diesem Sommer eine Rolle, da Abiturienten mit Ausbildungswunsch oder dem Ziel des dualen Studiums nur zu einem Bruchteil zur Verfügung stehen. Dahingehend ist auch auf der Angebotsseite ein Rückgang zu verzeichnen. Unternehmen, die Abiturienten als Nachwuchskräfte suchen, haben zu diesem Sommer meist weniger Ausbildungsstellen gemeldet. Insgesamt stehen aktuell 2.909 zur Verfügung und damit 173 oder 5,6 Prozent weniger als vor 12 Monaten.

 

„Ausbildungsverträge können und sollen immer geschlossen werden! Dafür bedarf es beim Bezug von Kurzarbeitergeld keiner Meldung oder Zustimmung der Arbeitsagentur", beantwortet Gerald Witt die Frage nach Azubieinstellungen während Kurzarbeit.

"Der Start in die heiße Phase am Ausbildungsmarkt hat sich in diesem Jahr etwas nach hinten verschoben. Viele Ausbildungsverträge werden erst später geschlossen. Trotz der Krise sind die Chancen auf eine Ausbildung für junge Menschen weiterhin gut", so der Agenturchef. „Unser gemeinsames Ziel muss es sein, einen „Ausbildungsjahrgang Corona" zu verhindern. Wer jetzt nicht ausbildet, schießt ein unternehmerisches Eigentor. Wir werden nach der Krise wieder über den hohen Fachkräftebedarf reden. Daher sollte auch die Berufsausbildung nicht in Vergessenheit geraten. Denn die eigene Ausbildung ist eine wichtige Säule zur Fachkräftesicherung."

Betriebe können freie Ausbildungsstellen unter Telefon 0800 4 5555 20 melden.

 

In Zeiten der Corona-Pandemie verzichtet die Agentur für Arbeit aus Gründen des Infektionsschutzes aktuell auf den persönlichen Kundenkontakt. Dennoch ist die Berufs- und Studienberatung der Arbeitsagentur mit telefonischen Beratungstagen für Jugendliche und ihre Eltern da. Die Telefone sind dienstags und donnerstags von 08.00 Uhr bis 18.00 Uhr unter der Telefonnummer 0531 207 – 1199 besetzt.