30.07.2020 | Presseinfo Nr. 45

Der Arbeitsmarkt im Juli 2020 - Einsatz von Kurzarbeit stabilisiert weiterhin

Die Zahl der Arbeitslosen ist saisonüblich im Juli gegenüber dem Vormonat angestiegen. Insbesondere Personen unter 25 Jahren sind betroffen, die nach ihrer Berufsausbildung nicht gleich eine Anschlussbeschäftigung gefunden haben. Erfahrungsgemäß wird sich die Zahl der Jugendarbeitslosigkeit spätestens im September wieder deutlich verringern. Die erheblichen Anstiege der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr (+3.691 oder 19,7 Prozent) sind Folgen der Corona-Krise.

Dieser Anstieg ist im Wesentlichen weiterhin auf die fehlenden Abgänge in Beschäftigung und das reduzierte Angebot an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen zurückzuführen. Die aktuelle Arbeitslosenquote beträgt 6,8 Prozent und liegt damit 1,1 Prozentpunkte über Vorjahresniveau.

„Wir sind durch die erste Corona-Welle vergleichsweise gut durchgekommen. Vor allem die Kurzarbeit hat dazu beigetragen, dass es nicht zu Massenentlassungen gekommen ist", kommentiert Gerald Witt, Leiter der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar die aktuelle Entwicklung. „Wir sind aber noch nicht durch, auch wenn sich das gesellschaftlich gerade manchmal so anfühlen mag. Ich rechne damit, dass der Arbeitsmarkt bestimmt zwei Jahre brauchen wird, um sich zu erholen. Mittlerweile glaubt man ja, dass all die Themen, die uns vor Corona beschäftigt haben, wie Fachkräftemangel, das Gewinnen ausländischer Fachkräfte – aus einer andere Epoche stammen. Aber wenn sich die Lage wieder bessert, wer-den wir deutlich sehen, wie sehr wir Fachkräfte brauchen, um aus der Krise wieder rauszu-kommen."

 

Unterbeschäftigung.

Die Unterbeschäftigung, die neben den Arbeitslosen auch Personen erfasst, die erkrankt sind oder an Maßnahmen teilnehmen, lag im aktuellen Berichtsmonat bei 28.824 Personen, dies sind 10,0 Prozent oder 2.626 Personen mehr als vor einem Jahr.

 

Gemeldete Arbeitsstellen

Die Nachfrage nach Arbeitskräften nimmt im Vergleich zum Vormonat wieder deutlich zu. 400 freie Arbeitsstellen sind im Juli neu gemeldet worden. Das sind 51,5 Prozent mehr als noch im Juni. Der Zugang an gemeldeten Stellen liegt aber leicht unter dem Niveau des Vorjahres. (- 85 oder - 6,7 Prozent).

Aktuell werden 3.748 Arbeitsstellen im Bestand gezählt, das sind 1.314 weniger als noch vor einem Jahr (- 26,0 Prozent).

 

Die TOP5 der gemeldeten Stellen finden sich in der Altenpflege als Fachkraft mit 138 Stel-len, als Reinigungshelfer mit 120 Stellen, Fachkräfte für Büro und Sekretariat 93, Fachkräfte im Verkauf 92 sowie Fachkräfte in der Bauelektrik mit 84 gemeldeten Stellen.

 

Blick auf die beiden Rechtskreise

Agentur für Arbeit und Jobcenter: Beide bringen Menschen und Arbeit zusammen. Dennoch gibt es Unterschiede.

Die Agentur für Arbeit berät und vermittelt Menschen, die üblicherweise das Arbeitslosen-geld als Versicherungsleistung beziehen. Grundlage dafür ist das Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGBIII). Bei der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar, zu der auch Wolfenbüttel und Salzgitter gehören, sind im Juli 8.468 Arbeitslose gezählt worden. Das sind 379 mehr gegenüber Juni und 2.785 (48,9 Prozent) mehr gegenüber dem Vorjahr. Der überwiegende Teil des aktuellen Anstiegs der Arbeitslosigkeit kommt also aus einer Beschäftigung und nimmt nun entsprechend die Versicherungsleistung in Anspruch.

Insbesondere die gemeldeten Arbeitslosen unter 25 Jahren bei den Agenturen für Arbeit zeigen eine deutliche statistische Steigerung. Gegenüber dem Vormonat ist deren Bestand um 103 (10,2 Prozent) und gegenüber dem Vorjahresmonat um 274 oder 32,5 Prozent an-gestiegen. Die Ausbildungsbetriebe haben also weniger Fachkräfte nach der Ausbildung übernommen als noch im letzten Jahr. „Ich rechne jedoch damit, dass diese gute ausgebil-deten jungen Menschen nach den Unsicherheiten in den Unternehmen schnell am Markt Fuß fassen werden", blickt der Agenturchef in die Zukunft.

In den Jobcentern wird die Sozialleistung nach dem Sozialgesetzbuch Zweites Buch (SGBII) ausgezahlt. Die dort betreuten Menschen haben keinen Anspruch (mehr) auf die Versicherungsleistung, weil sie entweder beispielsweise länger als ein Jahr arbeitslos sind, und damit der Anspruch auf Arbeitslosengeld erloschen ist, oder bisher keine Versiche-rungsbeiträge zur Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben.

Im Juli wurden in den Jobcentern Braunschweig, Goslar, Salzgitter und Wolfenbüttel 13.945 Arbeitslose gezählt. Das sind 104 (-0,7 Prozent) weniger als noch im Juni, jedoch 906 (6,9 Prozent) mehr als vor einem Jahr.

 

Kurzarbeit

Betriebe müssen vor Beginn von Kurzarbeit eine schriftliche Anzeige bei der zuständigen Agentur für Arbeit (Betriebssitz) erstatten. Nach den Anzeigen zur Kurzarbeit haben die Unternehmen bis zu drei Monate Zeit, die tat-sächliche Kurzarbeit mit der Agentur für Arbeit abzurechnen.

Die Statistik der realisierten Kurzarbeit basiert auf den Angaben in diesen Abrechnungslisten, die den Anträgen auf Kurzarbeitergeld beizufügen sind. Daten über realisierte Kurzar-beit werden mit einer Wartezeit von fünf Monaten veröffentlicht, da hiermit eine sichere Sta-tistik auf vollzähliger Basis mit hoher Datenqualität gewährleistet ist.

Die Inanspruchnahme von konjunkturell bedingter Kurzarbeit ist ein wichtiger Frühindikator für die künftige konjunkturelle Entwicklung am Arbeitsmarkt. Um möglichst zeitnah Zahlen-material zur Verfügung stellen zu können, werden am aktuellen Rand Hochrechnungen auf Basis der vorläufigen Daten vorgenommen.

Diese erste Hochrechnung für den März 2020 liegt auf Ebene des Agenturbezirks nun vor. Demnach haben 2.600 Betriebe mit 18.067 Kurzarbeitern tatsächlich das konjunkturelle Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen.

Im nächsten Arbeitsmarktbericht stehen dann auch Daten auf Ebene der Städte und Landkreise zur Verfügung. Endgültige Ergebnisse mit sämtlichen Merkmalen wie Wirtschafts-zweige, Betriebsgrößen, Geschlecht, Arbeitsausfall können wir mit den September-Zahlen veröffentlichen.

 

Blick auf den Ausbildungsmarkt

Bisher sind 3.278 junge Berufsstarter bei der Agentur für Arbeit gemeldet. Das sind 348 oder 9,6 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Allerdings spielt auch der fehlende Abi-turjahrgang in Niedersachsen in diesem Sommer eine Rolle, da Abiturienten mit Ausbil-dungswunsch oder dem Ziel des dualen Studiums nur zu einem Bruchteil zur Verfügung stehen. Dahingehend ist auch auf der Angebotsseite ein Rückgang zu verzeichnen. Unter-nehmen, die Abiturienten als Nachwuchskräfte suchen, haben zu diesem Sommer meist weniger Ausbildungsstellen gemeldet. Insgesamt stehen aktuell 3.071 zur Verfügung und damit 133 oder 4,2 Prozent weniger als vor 12 Monaten.

„Nach dem Corona-Lockdown dürfen wir in einigen Jahren keinen „Lockdown wegen Fachkräftemangel" riskieren. Eine Ausbildung dauert mindestens zwei Jahre, so dass heute schon der Nachwuchs eingestellt werden muss, um die Fachkräfte in einigen Jahren im Un-ternehmen zu haben", so der Agenturchef. „Wer jetzt nicht ausbildet, schießt ein unterneh-merisches Eigentor. Die Berufsausbildung darf in diesem Sommer nicht in Vergessenheit geraten. Denn die eigene Ausbildung ist eine wichtige Säule zur Fachkräftesicherung."

Betriebe können freie Ausbildungsstellen unter Telefon 0800 4 5555 20 melden.

 

In Zeiten der Corona-Pandemie verzichtet die Agentur für Arbeit aus Gründen des Infekti-onsschutzes aktuell auf den persönlichen Kundenkontakt.

Dennoch ist die Berufs- und Studienberatung der Arbeitsagentur mit telefonischen Beratungstagen für Jugendliche und ihre Eltern da. Die Telefone sind dienstags und donnerstags von 08.00 Uhr bis 18.00 Uhr unter der Telefonnummer 0531 207 – 1199 besetzt.

 

Die nächste Presseinformation zur Entwicklung am Arbeitsmarkt erscheint am 1. September 2020.