01.09.2020 | Presseinfo Nr. 50

Kurzarbeit stützt weiter die Beschäftigung

Die Zahl der Arbeitslosen ist im August gegenüber dem Vormonat angestiegen. Insbesondere Personen unter 25 Jahren sind betroffen, die nach ihrer Berufsausbildung nicht gleich eine Anschlussbeschäftigung gefunden haben.

Der starke Anstieg bei den Jüngeren im Vorjahresvergleich (+655 oder 32,1 Prozent) ist im Wesentlichen auf den Ferienbeginn im Juli 2020 zurückzuführen. Dieser lag nach dem Stichtag im Juli und die Arbeitslosmeldungen wurden erst für den Berichtsmonat August wirksam. Der Stichtag für den Berichtsmonat August war der 11.8.20. Dieser liegt noch innerhalb der Ferien, so dass die Entlastung aufgrund des Ferienendes fehlt. Außerdem wurden in diesem Jahr die Abschlussprüfungen der Auszubildenden coronabedingt nach hinten verschoben, so dass sich die Arbeitslosmeldungen entsprechend erst später bemerkbar machten. Die Zahl der arbeitslosen Jüngeren wird sich im September erfahrungsgemäß wieder deutlich verringern.

Die erheblichen Anstiege der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr (+4.165 oder 22,0 Prozent) sind Folgen der Corona-Krise. Dieser Anstieg ist im Wesentlichen weiterhin auf die fehlenden Abgänge in Beschäftigung und das reduzierte Angebot an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen zurückzuführen. Die aktuelle Arbeitslosenquote beträgt 7,0 Prozent und liegt damit 1,2 Prozentpunkte über Vorjahresniveau.

„Die Kurzarbeit stützt weiter die Beschäftigung. Mit dem Kurzarbeitergeld wollen wir das Band zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber halten. Dies ist bisher gut gelungen. Ich begrüße die Entscheidung, die Bezugsdauer von Kurzarbeitergeld zu verlängern. Auch die Möglichkeit für Arbeitgeber, im kommenden Jahr bei einer Verbindung von Kurzarbeit und Qualifizierung die Sozialbeiträge weiterhin zu 100 Prozent erstattet zu bekommen, ist richtig", bewertet Oliver Bossow, stellvertretender Leiter der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar die aktuelle Arbeitsmarktlage.

 

Unterbeschäftigung

Die Unterbeschäftigung, die neben den Arbeitslosen auch Personen erfasst, die erkrankt sind oder an Maßnahmen teilnehmen, lag im aktuellen Berichtsmonat bei 29.144 Personen, dies sind 11,6 Prozent oder 3.028 Personen mehr als vor einem Jahr.

 

Gemeldete Arbeitsstellen

Die Nachfrage nach Arbeitskräften nimmt im Vergleich zum Vormonat wieder ab. 153 freie Arbeitsstellen sind im August weniger gemeldet worden als im Vorjahr.

Aktuell werden 3.998 Arbeitsstellen im Bestand gezählt, das sind 1.133 weniger als noch vor einem Jahr (- 22,1 Prozent).

Die TOP5 der gemeldeten Stellen finden sich bei den Altenpflegefachkräften (139 Stellen), den Reinigungshelfern (113), den Fachkräften im Verkauf (111), Helfer im Gastronomieservice (100) sowie bei den Büro- und Sekretariatsfachkräfte (93).

 

Kurzarbeit

Betriebe müssen vor Beginn von Kurzarbeit eine schriftliche Anzeige bei der zuständigen Agentur für Arbeit (Betriebssitz) erstatten. Nach den Anzeigen zur Kurzarbeit haben die Unternehmen bis zu drei Monate Zeit, die tatsächliche Kurzarbeit mit der Agentur für Arbeit abzurechnen.

Die Statistik der realisierten Kurzarbeit basiert auf den Angaben in diesen Abrechnungslis-ten, die den Anträgen auf Kurzarbeitergeld beizufügen sind. Daten über realisierte Kurzarbeit werden mit einer Wartezeit von fünf Monaten veröffentlicht, da hiermit eine sichere Statistik auf vollzähliger Basis mit hoher Datenqualität gewährleistet ist.

Die Inanspruchnahme von konjunkturell bedingter Kurzarbeit ist ein wichtiger Frühindikator für die künftige konjunkturelle Entwicklung am Arbeitsmarkt. Um möglichst zeitnah Zahlenmaterial zur Verfügung stellen zu können, werden am aktuellen Rand Hochrechnungen auf Basis der vorläufigen Daten vorgenommen.

Diese erste Hochrechnung für den März 2020 liegt erstmals auf Ebene der Städte und Landkreise vor. Demnach wurde konjunkturelles Kurzarbeitergeld wie folgt im März in Anspruch genommen:

 

Stadt Braunschweig   1.207 Betriebe mit 13.034 Kurzarbeitenden

Stadt Salzgitter            328 Betriebe mit 7.353 Kurzarbeitenden

Landkreis Goslar          680 Betriebe mit 3.706 Kurzarbeitenden

Landkreis Wolfenbüttel 300 Betriebe mit 1.482 Kurzarbeitenden

 

Blick auf den Ausbildungsmarkt

Bisher sind 3.383 junge Berufsstarter bei der Agentur für Arbeit gemeldet. Das sind 354 oder 9,5 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Allerdings spielt auch der fehlende Abiturjahrgang in Niedersachsen in diesem Sommer eine Rolle, da Abiturienten mit Ausbildungswunsch oder dem Ziel des dualen Studiums nur zu einem Bruchteil zur Verfügung stehen. „Die rund 350 weniger gemeldeten Bewerber entsprechend annähernd der Zahl der fehlenden Abiturienten," interpretiert Oliver Bossow die Statistik.

Dahingehend ist auch auf der Angebotsseite ein Rückgang zu verzeichnen. Unternehmen, die Abiturienten als Nachwuchskräfte suchen, haben zu diesem Sommer meist weniger Ausbildungsstellen gemeldet. Insgesamt stehen aktuell 3.174 zur Verfügung und damit 91 oder 2,8 Prozent weniger als vor 12 Monaten.

„In diesem Jahr haben sich die Entscheidungen in den Unternehmen einige Wochen nach hinten verschoben, so dass auch aktuell noch Chancen auf einen Ausbildungsstart in die-sem Sommer bestehen", so der Vize-Agenturchef.

„Über 800 Ausbildungsstellen sind derzeit noch unbesetzt. Wer also eine Lehrstelle sucht, sollte auf keinen Fall den Kopf in den Sand stecken, sondern umgehend den Kontakt zur Berufsberatung suchen."

 

Mit dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern" hat das Bundeskabinett ein Paket mit verschiedenen Hebeln verabschiedet. Gefördert werden kleine und mittelständische Unternehmen, die trotz erheblichen Arbeitsausfalls bestehende Ausbildungsverträge ohne Einschränkung weiterführen oder ihre Ausbildungsleistungen erhöhen, Auszubildende von insolventen anderen Betrieben übernehmen oder auch Auszubildende übernehmen, deren Betrieb für einen gewissen Zeitraum die Ausbildung unterbrechen muss. „Die Ausbildungsprämie ist ein sinnvolles Instrument, wenn sie dazu beiträgt, einen Jahrgang „Corona" zu verhindern. Interessierte Unternehmen sollten umgehend Kontakt mit uns aufnehmen", kommentiert Bossow das Bundesprogramm.

 

Beratung zum Bundesprogramm oder zur Meldung freier Ausbildungsstellen unter Telefon 0800 4 5555 20.

In Zeiten der Corona-Pandemie verzichtet die Agentur für Arbeit aus Gründen des Infektionsschutzes aktuell auf den persönlichen Kundenkontakt. Dennoch ist die Berufs und Studienberatung der Arbeitsagentur mit telefonischen Beratungstagen für Jugendliche und ihre Eltern da. Die Telefone sind dienstags und donnerstags von 08.00 Uhr bis 18.00 Uhr unter der Telefonnummer 0531 207 – 1199 besetzt.

 

Fünf Jahre nach dem Satz „Wir schaffen das".

„Unser Ziel ist, dass die Menschen möglichst gut ausgebildet als Fachkräfte einen Job finden. Das geht am ehesten über eine fundierte Qualifizierung und den kontinuierlichen Erwerb von Sprachkenntnissen. Wir haben immer gesagt, dass Ankommen Zeit braucht. Wir reden nicht von wenigen Monaten, sondern von einem Zeitraum von sechs bis sieben Jahren. Von daher sind wir zufrieden mit den aktuellen Integrationsschritten", sagt Oliver Bossow.

Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt, dass fünf Jahre nach dem Beginn der Flüchtlingsbewegungen die Hälfte der Geflüchteten, die seit Beginn der Flüchtlingskrise nach Deutschland eingereist sind, eine Arbeit gefunden hat.

Für den Agenturbezirk Braunschweig-Goslar wurden im August 2.560 arbeitslose und 4.273 arbeitsuchende Menschen aus den nichteuropäischen Asylherkunftsländern (Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien) gezählt.

Die Zahl der Arbeitssuchenden ist höher, da dort auch die Menschen gezählt werden, die beispielsweise an einer Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung, an beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen oder anderen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen. Im Januar 2020 (aktuellste Daten) wurden insgesamt 2.308 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus diesen Ländern gezählt.

„Allerdings müssen wir jetzt auch feststellen, dass in der Corona-Krise viele der Integrierten wieder arbeitslos werden. Die Arbeitslosigkeit liegt im August um insgesamt 27,7 Prozent höher als im März 2020, bei Schutzsuchenden liegt sie um 34,5 Prozent höher. Ganz klar steigern zwei Faktoren das Risiko, in der Krise eher arbeitslos zu werden: mangelnde formale Qualifikation und defizitäre Sprachkenntnisse. Und in der jetzigen Situation fallen diese beide Faktoren ungünstig zusammen."

 

Die nächste Presseinformation zur Entwicklung am Arbeitsmarkt erscheint am 30. September 2020.