29.10.2020 | Presseinfo Nr. 53

Herbstbelebung lässt den Arbeitsmarkt aufatmen

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Oktober gegenüber dem Vormonat gesunken. Insbesondere Personen unter 25 Jahren konnten ihre Arbeitslosigkeit beenden. Im Oktober wurden 1.981 Arbeitslose unter 25 Jahren gezählt, das sind 290 oder 12,8 Prozent weniger als noch im September. "Wie vorausgesagt, ist die Jugendarbeitslosigkeit weiter gesunken. Beispielsweise die zeitlichen Verschiebungen auf Grund der Pandemie bei Azubi-Entscheidungen machen sich weiter bemerkbar", weiß Gerald Witt, Leiter der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar.

„Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind sichtbar, wenn wir die Arbeitsmarktdaten vom März und nun vom Oktober vergleichen. Die Arbeitslosigkeit ist um 3.210 gestiegen, wir haben mehrere Zehntausend Kurzarbeitende und die Beschäftigung ist ebenfalls leicht gesunken", bewertet Gerald Witt die aktuelle Lage.

„Es zeigen sich jedoch zarte Besserungstendenzen. Wir beobachten seit August eine typische Entwicklung der Arbeitslosigkeit mit leicht sinkenden Zahlen. Die Inanspruchnahme der Kurzarbeit ist weiterhin hoch, die Arbeitskräftenachfrage steigt wieder zaghaft an. Der Weg ist aber noch lang. Wann die Arbeitslosigkeit wieder unter das Vorkrisenniveau sinkt, können wir aufgrund zahlreicher Risiken (zum Beispiel Infektionsgeschehen, mögliche Insolvenzwelle und Außenhandel) kaum seriös prognostizieren."

Unterbeschäftigung

Die Unterbeschäftigung, die neben den Arbeitslosen auch Personen erfasst, die erkrankt sind oder an Maßnahmen teilnehmen, lag im aktuellen Berichtsmonat bei 27.845 Personen, dies sind 9,3 Prozent oder 2.361 Personen mehr als vor einem Jahr.

Die Abgänge aus Arbeitslosigkeit in eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme nehmen stetig wieder zu, erreichen aber noch nicht wieder das Vorkrisenniveau.

Gemeldete Arbeitsstellen

Die Nachfrage nach Arbeitskräften nimmt im Vergleich zum Vorjahr weiter ab. Die Stellenmeldungen nehmen jedoch im Vergleich zu den letzten Monaten sukzessive wieder zu.

Aktuell werden 4.401 Arbeitsstellen im Bestand gezählt, das sind 787 weniger als noch vor einem Jahr (-15,2 Prozent). Gegenüber dem Vormonat nahm die Nachfrage weiter leicht zu (+301 gemeldete Stellen oder 7,3 Prozent).

Die TOP5 der gemeldeten Stellen finden sich bei den Fachkräften im Verkauf (157), Alten-pflegefachkräften (136 Stellen), den Reinigungshelfern (98), Bürofachkräfte (97) sowie Hel-fer im Gastronomieservice (92).

Kurzarbeit

Betriebe müssen vor Beginn von Kurzarbeit eine schriftliche Anzeige bei der zuständigen Agentur für Arbeit (Betriebssitz) erstatten. Die Zahl neuer Anzeigen für Kurzarbeit hat in den letzten Monaten gegenüber dem Höchststand im März/April deutlich abgenommen. Dies kann als Anzeichen dafür gewertet werden, dass die Krise sich bisher nicht weiter verschärft hat.

Nach den Anzeigen zur Kurzarbeit haben die Unternehmen bis zu drei Monate Zeit, die tatsächliche Kurzarbeit mit der Agentur für Arbeit abzurechnen.

Die Statistik der realisierten Kurzarbeit basiert auf den Angaben in diesen Abrechnungslisten, die den Anträgen auf Kurzarbeitergeld beizufügen sind. Daten über realisierte Kurzarbeit werden mit einer Wartezeit von fünf Monaten veröffentlicht, da hiermit eine sichere Statistik auf vollzähliger Basis mit hoher Datenqualität gewährleistet ist.

Die Inanspruchnahme von konjunkturell bedingter Kurzarbeit ist ein wichtiger Frühindikator für die künftige konjunkturelle Entwicklung am Arbeitsmarkt.

Die Daten zur tatsächlich realisierten Kurzarbeit zeigen einen detaillierten Blick in die die Städte und Landkreise:

In der Stadt Braunschweig haben im März und April tatsächlich 3.252 Betriebe für insgesamt 38.460 Kurzarbeitende (März 13.145) konjunkturelles Kurzarbeitergeld erhalten.

Der durchschnittliche Arbeitsausfall lag bei 54 Prozent, im März lag diese noch bei 27%.

Die TOP3 der meisten Kurzarbeiter waren im März und April in folgenden Wirtschaftsabschnitten zu finden: Verarbeitendes Gewerbe (12.733, März: 5.079), Handel (5.633, März: 1.720) und im Gastgewerbe (3.775, März: 1.732).

In der Stadt Salzgitter war ein erheblicher Anteil der Kurzarbeitenden in Großbetrieben angestellt: 13.330 von 19.652 insgesamt.

Der durchschnittliche Arbeitsausfall lag bei 57 Prozent, im März lag diese noch bei 34%.

Die TOP3 der meisten Kurzarbeiter waren insgesamt im März und April in folgenden Wirtschaftsabschnitten zu finden: Verarbeitendes Gewerbe (14.606, März: 5.733), Handel (1.015, März: 332), Gastgewerbe (670, März: 308).

Im Landkreis Wolfenbüttel zeigt sich, dass über die Hälfte der Kurzarbeitenden in Kleinstbetrieben bis 19 Beschäftigte beschäftigt waren (April 2020: 1.545 Betriebe / März 2020: 760 Betriebe). Insgesamt wurden im April 3.664 Kurzarbeiter gezählt (März 1.497).

Der durchschnittliche Arbeitsausfall lag im März noch bei 33 Prozent, im April bereits bei 47 Prozent. Die TOP3 der meisten Kurzarbeiter waren im März und April in folgenden Wirtschaftsabschnitten zu finden: Handel (1.183, März: 380), sonstige Dienstleistungen/priv. Haushalte (bspw Friseure, Fitnesscenter) (577, März: 221), Gastgewerbe (534, März: 241).

Auch im Landkreis Goslar hat sich die Zahl der tatsächlich Kurzarbeitenden von März auf April verdoppelt: 7.886 wurden im April gezählt, im März waren es noch 3.731.

Der durchschnittliche Arbeitsausfall lag im März noch bei 34 Prozent, im April bei 53%.

Die TOP3 der meisten Kurzarbeiter waren insgesamt im März und April in folgenden Wirtschaftsabschnitten zu finden: Gastgewerbe (2.954, März: 1.249), Verarbeitendes Gewerbe (2.325, März: 563), Handel (1.826, März: 648).

Die erste Hochrechnung für den Mai 2020 liegt nun ebenfalls auf Ebene der Städte und Landkreise vor. Demnach wurde konjunkturelles Kurzarbeitergeld wie folgt im Mai 2020 in Anspruch genommen:

Stadt Braunschweig 1.815 Betriebe mit 22.152 Kurzarbeitenden

Stadt Salzgitter 479 Betriebe mit 17.313 Kurzarbeitenden

Landkreis Wolfenbüttel 473 Betriebe mit 3.242 Kurzarbeitenden

Landkreis Goslar 1.048 Betriebe mit 7.374 Kurzarbeitenden