30.10.2020 | Presseinfo Nr. 54

Ein gemeinsamer Blick auf die Entwicklung am Ausbildungsmarkt

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar meldeten sich vom 1. Oktober
2019 bis 30. September 2020 3.466 Jugendliche bei der Berufsberatung. Dies entsprach einem Minus gegenüber dem vorherigen Berufsberatungsjahr von 327 (8,6
Prozent). Allerdings spielt auch der fehlende Abiturjahrgang in Niedersachsen in diesem Sommer eine Rolle, da Abiturienten mit Ausbildungswunsch oder dem Ziel des dualen Studiums nur zu einem Bruchteil zur Verfügung stehen.

„Die rund 350 weniger gemeldeten Bewerber entsprechen annähernd der Zahl der fehlenden Abiturienten in unserem Agenturbezirk," interpretiert Gerald Witt die Statistikzahlen. Gleichzeitig sank ebenfalls leicht die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen. Insgesamt 3.358 Ausbildungsplätze wurden von ausbildenden Unternehmen und Institutionen gemeldet, das waren 53 (1,6 Prozent) weniger als im September 2019.

„Nach wie vor stehen mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung als besetzt werden könnten. Das hängt vor allem damit zusammen, dass Stellenanforderungen und Bewerberwünsche nicht immer zusammenpassen und viele Ausbildungsbetriebe mit wirtschaftlichen Unsicherheiten konfrontiert sind. Es liegt uns sehr am Herzen, dass trotz der Corona-Pandemie die Chancen für junge Menschen auf einen Ausbildungsplatz erhalten bleiben. Wir appellieren daher weiterhin an Unternehmen, nicht auf Ausbildung zu verzichten. Nach Corona werden sonst die Fachkräfte fehlen", so das Resümee von Gerald Witt, Leiter der Agentur für Arbeit.

Günter Neumann, Leiter Berufliche Bildung bei der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade: „Durch den Wegfall von Ausbildungsmessen und den Ausfall von Aktionen der Handwerkskammer an den Schulen hat sich das Zusammenfinden von Jugendlichen und Ausbildungsbetrieben zeitlich nach hinten verschoben. Jetzt greifen die digitalen Methoden der Nachwuchsgewinnung wie zum Beispiel Online-Speeddatings. Den Wert von 2019 werden wir vermutlich trotzdem nicht mehr erreichen, dennoch ist das Ergebnis unter den extremen Umständen bereits jetzt bemerkenswert. Wir erwarten, dass sich die Zahlen bis zum Jahresende noch verbessern, da der Ausbildungsmarkt unverändert in Bewegung ist. Wichtig ist uns deshalb auch der Hinweis, dass bis Ende des Jahres ein Einstieg in die Ausbildung möglich ist, da alle Partner in der dualen Ausbildung darauf vorbereitet sind, auch Späteinsteiger gut zu integrieren. Wir ermuntern daher die Betriebe, weiterhin Jugendliche für das aktuelle Ausbildungsjahr zu gewinnen, um den Bedarf an handwerklichen Fachkräften zu decken."

„Die aktuellen Herausforderungen der Corona-Pandemie haben sich Anfang des Jahres sehr schnell auf den Ausbildungsmarkt ausgewirkt. Viele unserer Mitgliedsunternehmen haben besonnen und flexibel auf die Auswirkungen reagiert und für den Ausbildungsbereich gute Lösungen gefunden", resümiert Anja Klockenhoff, Leiterin der Abteilung Ausbildung der IHK Braunschweig. „Zu Beginn des Jahres war für viele Unternehmen noch nicht absehbar, ob sie zum diesjährigen Ausbildungsstart Ausbildungsplätze anbieten werden. Die Herausforderung liegt in diesem Jahr darin, die Angebote der Unternehmen und die Nachfrage von Schulabgängern zusammenzubringen." Klockenhoff berichtet, dass durch die Verzögerungen in der Bewerbungsphase im Frühjahr sich die Einstellungsphase um sechs bis acht Wochen verschiebt. „Ein Ausbildungsbeginn ist auch nach August bzw. September noch möglich und wir merken, dass Unternehmen eine hohe Bereitschaft mitbringen, sich für die Ausbildung zu engagieren", so Klockenhoff.