01.09.2020 | Presseinfo Nr. 88

Im August saisonal typisch mehr jüngere Arbeitslose in Bremerhaven

Arbeitslosenzahl (August 2020, Bremerhaven): 9.009
Veränderung gegenüber Vormonat: +176 bzw. +2,0 %

Veränderung gegenüber Vorjahresmonat: +1.591, bzw +21,4%
Arbeitslosenquote (Vorjahreswert):  14,9 %    (12,3%)

 

 

Bremerhaven: Armin Zubrägel, Stellv. Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven: „Im August wurde in der Seestadt von sieben Unternehmen für weitere 889 Personen Kurzarbeit neu angezeigt. Seit Beginn der Corona-Pandemie im März haben bis Ende August damit insgesamt 1.088 Betriebe für maximal 23.866 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven angezeigt. Die tatsächliche Inanspruchnahme zeigt sich erst nach und nach, weil Unternehmen drei Monate Zeit für die Abrechnung haben. Die Unternehmen versuchen durch die Inanspruchnahme von Kurzarbeit, ihr Personal vor Entlassung zu bewahren. Dieser Schutz hat bisher gewirkt.

Im August hat es zwar einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit gegeben, allerdings ist dieser eher saisonal bedingt. Die Ursachen dafür liegen hauptsächlich im sommerlichen Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit in der Altersgruppe der 15 bis unter 20-Jährigen. Sie sind nun in der Phase zwischen Schulabschluss und Beginn von Ausbildung und Studium. Zudem hat die Urlaubszeit noch den August geprägt, dadurch wurden Personaleinstellungen bei den Betrieben und Maßnahmeteilnahmen werden verzögert. Das Niveau der Arbeitslosigkeit liegt aktuell gut 21 Prozent über dem des Vorjahres, von dem Anstieg ist die Arbeitsagentur im Vergleich zum Jobcenter deutlich stärker betroffen. Verglichen zum Vormonat Juli hat der Zugang in Arbeitslosigkeit aus Beschäftigung auf dem 1. Arbeitsmarkt erfreulicherweise abgenommen, während die Beendigung der Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Beschäftigung gestiegen ist.

Die Zahl der zur Besetzung gemeldeten Stellen hat im Urlaubsmonat August abgenommen und liegt rund 24 Prozent unter dem Vorjahreswert. Mehr Vermittlungsaufträge gab es insbesondere aus der öffentlichen Verwaltung.“

Arbeitslosigkeit steigt um zwei Prozentpunkte

Im August befanden sich in Bremerhaven 9.009 Personen in der Erwerbslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit stieg um 2,0 Prozent (+176 gemeldete Arbeitslose) im Vergleich zum Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr lag die Arbeitslosigkeit um 1.591 Personen (+21,4 Prozent) höher.

Die Quote der Arbeitslosigkeit stieg im August auf 14,9 Prozent (Vormonat: 14,6%, Juli 2019: 12,3%).

Nach Abschluss von Ausbildungen beziehungsweise nach dem Ende der Schulzeit ist der August typischerweise durch die Sucharbeitslosigkeit jüngerer Menschen geprägt. In Bremerhaven stieg die Arbeitslosigkeit in der Gruppe der 15 bis unter 25-Jährigen binnen Monatsfrist um 20,9 Prozent. Insbesondere bei den Schulabgängern (15 – 20-Jährige) gibt es nun eine Phase der Arbeitslosigkeit, hier stieg die Arbeitslosigkeit binnen Monatsfrist um 78 Prozent.

Nach Personengruppen betrachtet im Vorjahresvergleich stieg die Arbeitslosigkeit überall an, wenn auch unterschiedlich stark. Die Spanne der Veränderungen reicht im August von +11,3% bei den 50-Jährigen und Älteren bis hin zu +35,0% bei der Gruppe der Ausländer.

Arbeitskräftenachfrage leicht unter Vormonatsniveau

Im August meldeten die Betriebe in der Stadt Bremerhaven 289 neue Stellen an die Arbeitsagentur zur Besetzung. Das waren 12 Stellen (-4,0 Prozent) weniger als im Juli. Im Vergleich zum Vorjahr gab es einen Rückgang um 92 neu gemeldete Stellen (-24,1%).

Die deutlichsten Rückgänge der Stellenmeldungen gab es im Handel (-24 Stellen) und in der Zeitarbeit (-22 Stellen). Den deutlichsten Anstieg gab es im Bereich der öffentlichen Verwaltung (+17 Stellen). Der Bestand insgesamt an freien Stellen lag mit 1.097 Arbeitsangeboten über dem Vormonatsniveau (+12 Stellen oder +1,1%), aber deutlich unter dem Niveau des letzten Jahres (-256 Stellen oder -18,9%).

Wenig neue Anzeigen von Kurzarbeit

Die Betriebe müssen gemäß § 99 SGB III grundsätzlich vor Beginn der Kurzarbeit eine Anzeige erstatten. Diese werden dann geprüft und zum Beispiel um doppelte Anzeigen bereinigt. Valide Zahlen zur tatsächlichen Kurzarbeit liegen insgesamt erst mit einem Zeitverzug von fünf Monaten vor.

Aktuell liegen Zahlen für geprüfte Anzeigen bis zum Stichtag 26. August vor. In Bremerhaven wurden im August 7 neue Anzeigen für Kurzarbeitergeld gestellt, betroffen davon wären maximal 889 Personen. In Bremerhaven zeigten seit Beginn der Corona-Krise im März bis August 1.088 Unternehmen für maximal 23.866 Personen Kurzarbeit an.

 

Wie hoch die tatsächliche Inanspruchnahme der Kurzarbeit ist, wird sich erst in den folgenden Monaten zeigen. Die neuesten Daten zu den Anzeigen über Kurzarbeit und die betroffenen Personen werden  im Internet veröffentlicht: https://statistik.arbeitsagentur.de/./Kurzarbeitergeld

Entwicklung nach Rechtskreisen:  Insbesondere Arbeitsagentur hat mehr Kunden

Jobcenter (Sozialgesetzbuch II): Beim Jobcenter in der Stadt Bremerhaven waren im August 6.492 Arbeitslose gemeldet. Im Vergleich zum Vormonat stieg die Zahl derjenigen, die auf die Grundsicherung angewiesen sind, um 1,2 Prozent (oder +74 Personen). Gegenüber dem Vorjahr waren 745 Personen (oder 13,0%) mehr beim Jobcenter arbeitslos gemeldet.

Agentur für Arbeit (Sozialgesetzbuch III):  In der Stadt Bremerhaven waren im August mit 2.517 Arbeitslosen mehr Menschen im Rechtskreis SGB III bei der Agentur für Arbeit Bremerhaven arbeitslos gemeldet als im Vormonat (+102 Personen oder +4,2%). Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Arbeitslosen um mehr als die Hälfte an (+846 Personen oder +50,6%).

Umfang der Unterbeschäftigung  

Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven Angaben zur Unterbeschäftigung. Dazu zählen zusätzlich zu den Arbeitslosen solche Personen, die nach der gesetzlichen Statistik nicht als arbeitslos gelten, aber z.B. im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden*.

Nach dieser Definition waren nach vorläufigen Angaben im August 11.444 Personen im Agenturbezirk Bremerhaven unterbeschäftigt. Das waren 107 Personen mehr als im Vormonat (+0,9%) und 993 Personen mehr (+9,5 Prozent) als vor einem Jahr.

Ausbildungsmarkt

Im Berichtszeitraum von Oktober 2019 bis August 2020 haben sich in der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Bremerhaven 1.253 Bewerber für eine Berufsausbildung gemeldet. Das waren 7 Jugendliche weniger (-0,6%) als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der gemeldeten Berufsausbildungsstellen lag mit 1.066 Ausbildungsstellen im August leicht über dem Vorjahreswert (+4 Stellen oder +0,4%).

Die Vermittlungsprozesse am Ausbildungsmarkt laufen, sind aber im Endspurt des Vermittlungsjahres. Sie sind geprägt durch die Einschränkungen im Zuge der Corona-Krise.

Der August zeigte folgendes Zwischenergebnis im Vergleich zum vergangenen Jahr: Es waren 328 Bewerber noch unversorgt (ein Minus von 31 Personen oder -8,6% zu 2019) und mehr Stellen waren noch unbesetzt (246 Ausbildungsstellen, ein Plus von 52 Stellen oder +26,8% zu 2019).

Armin Zubrägel: „Auf dem Ausbildungsmarkt in Bremerhaven ist auch nach dem ersten Ausbildungsstarttermin im August noch Bewegung. Viele Unternehmen haben ihre Ausbildungsangebote offengehalten und trotz der Pandemie-Belastungen nicht storniert. Deshalb starten wir mit der Jugendberufsagentur für Jugendliche noch eine Telefonaktion am 3. September (Tel. 0471 – 9449 111 von 8 bis 16 Uhr). Es gilt, auch jetzt noch Bewerber und Betriebe zusammenzubringen. Wir wollen allen Jugendlichen, die noch unversorgt sind, helfen.  Unser ergänzendes Angebot „Walk&Talk“ am 10. September (Anmeldung am 3. September) hilft dann denjenigen, die sich besser im persönlichen Kontakt austauschen und beraten lassen können. Wir nutzen alle Kompetenzen der Partner in der Jugendberufsagentur um unsere Jugendlichen hier zu unterstützen, die Kammern und der Magistrat sind Teil der Aktion.

Auch in den ersten Wochen der Ausbildung ergeben sich durch Ausbildungsabbrüche in der Probezeit noch Möglichkeiten und in diesem Jahr ist der Ausbildungsstart ohnehin durch die Corona-Pandemie auch später noch möglich. Kontakt halten zur Berufsberatung ist daher extrem wichtig. Wer Fragen hat, kann sich gerne außerhalb der Aktion auch an die extra dafür eingerichtete lokale Service-Telefonnummer der Berufsberatung** wenden.“

** Berufsberatungshotline: 0421 178 1245 (kostenpflichtig). Montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und donnerstags von 14 bis 16.30 Uhr erreichbar.

 

* Dazu gehören Personen in Arbeitsmarktmaßnahmen, beruflicher Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten, Grün-dungszuschuss, Altersteilzeit etc. Aufgrund der Vorläufigkeit der Daten zur Maßnahmeteilnahme können sich hier in den kommenden Monaten noch Änderungen ergeben. Nicht enthalten sind Beschäftigte in Kurzarbeit, weil diese Daten erst mit mehrmonatiger zeitlicher Verzögerung erhoben werden können.