30.09.2020 | Presseinfo Nr. 96

Bremerhaven: Erstmals seit Beginn der Pandemie Rückgang der Arbeitslosigkeit

Arbeitslosenzahl (September 2020, Bremerhaven): 8.734

Veränderung gegenüber Vormonat: -275 bzw.     -3,1 %

Veränderung gegenüber Vorjahresmonat: +1.590 bzw. +22,3%
Arbeitslosenquote (Vorjahreswert): 14,4% (11,9%)


 

Bremerhaven: Joachim Ossmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven zur aktuellen Entwicklung am Arbeitsmarkt: „Im September hat die Arbeitslosenzahl in Bremerhaven das erste Mal seit Beginn der Corona-Pandemie im März abgenommen. Die Ursachen dafür waren vor allem, dass wieder mehr Menschen eine Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt haben aufnehmen können, insbesondere Jüngere.  Der Beginn von schulischen und betrieblichen Ausbildungen hat zu einem saisonal üblichen Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit geführt. Nach der Sommerpause konnten auch wieder mehr Menschen in arbeitsmarktpolitische Maßnahmen einmünden. Das Niveau der Arbeitslosigkeit liegt aktuell trotz allem gut 20 Prozent über dem des Vorjahres. Erfreulich ist aber, dass die Zahl der Arbeitslosmeldungen nach Entlassungen auch diesen Monat wieder zurückgegangen ist. Dazu hat weiterhin in erheblichem Ausmaß der Einsatz von Kurzarbeit in den Betrieben beigetragen. Neue Kurzarbeit wurde in Bremerhaven kaum angezeigt. Im September taten dies nur sieben Unternehmen für maximal 45 Personen. Seit Beginn der Corona-Pandemie im März haben bis Ende September damit insgesamt 1.095 Betriebe für 23.911 Mitarbeitende Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit Bremerhaven angezeigt.

Das Angebot an zur Besetzung gemeldeten Stellen hat im September wiederum zugenommen. Eine höhere Arbeitskräftenachfrage gab es insbesondere aus dem Verarbeitenden Gewerbe.“

Arbeitslosigkeit ging zurück

Im September befanden sich in Bremerhaven 8.734 Personen in der Erwerbslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit sank um 3,1 Prozent (-275 gemeldete Arbeitslose) im Vergleich zum Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr lag die Arbeitslosigkeit um 1.590 Personen (+22,3 Prozent) höher.

Die Quote der Arbeitslosigkeit sank im September auf 14,4 Prozent (Vormonat: 14,9%, September 2019: 11,9%).

Nach der Sommerpause gelang vielen jungen Arbeitslosen typischerweise die Beendigung der Arbeitslosigkeit, Ausbildungen und berufliche Maßnahmen begannen für sie. Auch dieses Jahr ging die Jugendarbeitslosigkeit binnen Monatsfrist deutlich zurück. Sie sank im Vergleich zum August um -15,2% in der Gruppe der 15 bis unter 25-Jährigen und sogar um --22,3% bei den Schulabgängern (15 bis 20-Jährige).

Nach Personengruppen betrachtet im Vorjahresvergleich stieg die Arbeitslosigkeit überall an, wenn auch unterschiedlich stark. Die Spanne der Veränderungen reichte im September von +12,6% bei den 50-Jährigen und Älteren bis hin zu +35,0% in der Gruppe der Ausländer.

Bestand an freien Stellen steigt

Der Bestand insgesamt an freien Stellen lag mit 1.114 Arbeitsangeboten über dem Vormonatsniveau (+17 Stellen oder +1,5%), aber deutlich unter dem Niveau des letzten Jahres

(-219 Stellen oder -16,4%). Im September meldeten die Betriebe in der Stadt Bremerhaven 264 neue Stellen an die Arbeitsagentur zur Besetzung. Das waren 25 Stellen (-8,7 Prozent) weniger als im August. Im Vergleich zum Vorjahr gab es einen Rückgang um 65 neu gemeldete Stellen (-19,8%).

Den deutlichsten Rückgang an Stellenmeldungen gab es im Handel (-19 Stellen). Auch im Bereich der öffentlichen Verwaltung sank die Personalnachfrage (-17 Stellen). Den deutlichsten Anstieg an gemeldeten Stellen gab es aus dem verarbeitenden Gewerbe (+21 Stellen).

Kaum neue Anzeigen von Kurzarbeit

Die Betriebe müssen gemäß § 99 SGB III grundsätzlich vor Beginn der Kurzarbeit eine Anzeige erstatten. Diese werden dann geprüft und zum Beispiel um doppelte Anzeigen bereinigt. Valide Zahlen zur tatsächlichen Kurzarbeit liegen insgesamt erst mit einem Zeitverzug von fünf Monaten vor.

Aktuell liegen Zahlen für geprüfte Anzeigen bis zum Stichtag 24. September vor. In Bremerhaven wurden im September sieben neue Anzeigen für Kurzarbeitergeld gestellt, betroffen davon wären maximal 45 Personen. In Bremerhaven zeigten seit Beginn der Corona-Krise im März bis September 1.095 Unternehmen für maximal 23.911 Personen Kurzarbeit an.

Wie hoch die tatsächliche Inanspruchnahme der Kurzarbeit ist, wird sich erst in den folgenden Monaten zeigen. Die neuesten Daten zu den Anzeigen über Kurzarbeit und die betroffenen Personen werden  im Internet veröffentlicht: https://statistik.arbeitsagentur.de/./Kurzarbeitergeld

Entwicklung nach Rechtskreisen:   

Jobcenter (Sozialgesetzbuch II): Beim Jobcenter in der Stadt Bremerhaven waren im September 6.349 Arbeitslose gemeldet. Im Vergleich zum Vormonat sank die Zahl derjenigen, die auf die Grundsicherung angewiesen sind, um 2,2 Prozent (oder -143 Personen). Gegenüber dem Vorjahr waren 826 Personen (oder 15,0%) mehr beim Jobcenter arbeitslos gemeldet.

Agentur für Arbeit (Sozialgesetzbuch III):  In der Stadt Bremerhaven waren im September mit 2.385 Arbeitslosen weniger Menschen im Rechtskreis SGB III bei der Agentur für Arbeit Bremerhaven arbeitslos gemeldet als im Vormonat (-132 Personen oder -5,2%). Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Arbeitslosen allerdings stark an (+764 Personen oder +47,1%).

Mehr Teilnehmer in arbeitsmarktpolitische Maßnahmen

1.991 Personen nahmen im September in Bremerhaven an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters teil. Im Vergleich zum Vormonat stieg die Teilnehmerzahl um 4,5 Prozent (85 Personen) an. Noch wirken aber die Einschränkungen der Corona-Pandemie nach. Anders als im Vorjahr waren nun 25,4% oder 679 Personen weniger in Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik. Besonders stark war der Rückgang im Bereich „Aktivierung und berufliche Eingliederung“ (-194 Personen oder

-33,3%). 

Umfang der Unterbeschäftigung  

Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven Angaben zur Unterbeschäftigung. Dazu zählen zusätzlich zu den Arbeitslosen solche Personen, die nach der gesetzlichen Statistik nicht als arbeitslos gelten, aber z.B. im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden*.

 

Nach dieser Definition waren nach vorläufigen Angaben im September 11.217 Personen im Agenturbezirk Bremerhaven unterbeschäftigt. Das waren 240 Personen weniger als im Vormonat (-2,1%) und 896 Personen mehr (+8,7 Prozent) als vor einem Jahr.

Ausbildungsmarkt

Das Geschäftsjahr der Berufsberatung endet am 30.09. und damit nach dem statistischen Zähltag für den aktuellen Berichtsmonat. Die Ausbildungsmarktbilanzdaten zum 30.09. werden im Rahmen der Arbeitsmarktberichterstattung für den Oktober am 29.10. veröffentlicht.

In diesem Jahr wurde der Ausbildungsstart durch die Corona-Pandemie behindert. Auch jetzt noch können daher mit Verspätung Ausbildungen begonnen werden. Auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle sollte die Unterstützung der Berufsberatung genutzt werden:

Service-Telefonnummer der Berufsberatung: 0421 178 1245 (Ortstarif). Montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und donnerstags von 14 bis 16.30 Uhr.

Terminvereinbarung: Tel. 0800 4 5555 00 (kostenfrei)

 

 

* Dazu gehören Personen in Arbeitsmarktmaßnahmen, beruflicher Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten, Grün-dungszuschuss, Altersteilzeit etc. Aufgrund der Vorläufigkeit der Daten zur Maßnahmeteilnahme können sich hier in den kommenden Monaten noch Änderungen ergeben. Nicht enthalten sind Beschäftigte in Kurzarbeit, weil diese Daten erst mit mehrmonatiger zeitlicher Verzögerung erhoben werden können.