04.11.2020 | Presseinfo Nr. 104

Berufsorientierung an Oberschule Geestemünde ist Sprungbrett in die Ausbildung

Bremerhaven: „Against all odds“ – allen Widrigkeiten zum Trotz, so haben sich die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen in der Oberschule Geestemünde ihren Weg in die Ausbildung erarbeitet. Trotz der Pandemieeinschränkungen und trotz nicht immer perfekter Schulnoten halten nun rund 30 Prozent der Absolventen einen Ausbildungsvertrag in den Händen. Die Arbeitsagentur lobt das Engagement und das Konzept, mit dem die Schule Berufsorientierung durchführt.

 

Sie sind praxisnah, ortsverbunden und haben oft eine Vorliebe für das Handwerk – so beschreibt Sonderpädagogin und Klassenlehrerin Vera Mangels ihre Schülerinnen und Schüler, die sie in Sachen Berufsorientierung unterstützt. Damit eine große Zahl von ihnen nach der Oberschule tatsächlich den Weg zum begehrten Ausbildungsvertrag findet, sind viele Weichen zu stellen und Unterstützungen zu leisten. „Wir arbeiten daran, dass die Jugendlichen ihre Fähigkeit gut einschätzen können und an sich glauben! Leider können oder wollen viele Eltern sie bei der Berufswahl nicht unterstützen. Wir als Schule füllen einen Teil dieser Lücke und übernehmen Verantwortung“, beschreibt die Klassenlehrerin die Situation in Geestemünde. Da geht auch schon mal jemand aus dem Kollegium mit zum Vorstellungsgespräch und zuverlässig wird nachgehakt, ob die Bewerbungsaktivitäten ernsthaft vorangehen.

Joachim Ossmann, Leiter der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven, zeigt sich von den Früchten dieser Arbeit sehr beeindruckt: „In diesem schwierigen Corona-Jahr ist es der Schule gelungen, knapp ein Drittel des Abschlussjahrgangs in betriebliche Ausbildung zu bringen. Viele der Schülerinnen und Schüler hier haben einen Migrationshintergrund, viele haben Eltern, die mit Arbeitslosigkeit kämpfen. Sie bekommen von zuhause nicht viel Unterstützung und hatten zum Teil sprachliche Hürden zu meistern. Die zahlreichen Übergänge in Ausbildung sind daher wirklich bemerkenswert.“

Das geht nur im Team. Stephan Penning, stellvertretender Direktor der Oberschule und Klassenlehrer, erklärt: „Das Wissen unserer Berufsberaterin über den Arbeitsmarkt, die vielfältigen Ausbildungsberufe und Qualifizierungsmöglichkeiten ist für uns sehr hilfreich! Wenn die Jugendlichen mit ihren Wünschen zu uns kommen, weiß Berufsberaterin Evelyn Vöge-Sturm immer einen Weg zur Realisierung - oder einen realistischen Plan B. Die Kombination unserer guten Kenntnisse der Schülerpersönlichkeiten, ihrer Neigungen und Stärken, mit dem berufskundlichen Fachwissen der Berufsberatung, öffnet unseren Jugendlichen die Türen in Richtung Ausbildung.“

Für die Berufsberaterin Evelyn Vöge-Sturm ist der verbindliche und nachdrückliche Umgang der Schule mit dem Thema Berufsorientierung entscheidend: „Die Kinder lernen hier Verbindlichkeit. Genau so sorgfältig wie sie die Corona-Abstandsregeln im Gebäude beachten, genauso verbindlich müssen sie sich um Praktika, Werkstatttage, den Berufswahlpass und ihre Bewerbungen kümmern. Dabei agieren wir vorausschauend. Notfalls organisieren wir eben schon vor Ausbildungsbeginn einen Platz in unserer abH-Maßnahme (Ausbildungsbegleitende Hilfen), Ausbildungsabbrüche soll niemand erleben müssen.“

Direktorin Ana Isabel Hüller, erläutert die mehrjährige Arbeit mit den Schülern Richtung Beruf: „Das BO-Konzept der Oberschule Geestemünde zeichnet sich u.a. durch eine starke Praxis- und Handlungsorientierung aus. Diese wird in der Jahrgängen 5-7 durch die Arbeit in schuleigenen Werkstätten und in den Jahrgängen 8-10 durch drei Sozial- und Betriebspraktika, zwei Quartale im Werkstatttage an den berufsbildenden Schulen, Potentialanalyse und im Wahlpflichtbereich durch weitere Werkstätten, geprägt. Ein zentrales Element ist außerdem der Einbezug der Stärken und Schwächen der Schülerinnen und Schüler bei ihrer persönlichen Bildungs- und Berufswahl. Die Lehrkräfte und Lernenden werden dabei durch externe Partner unterstützt und beraten (Elemente sind beispielsweise BIZ-Besuche, Bewerbungstrainings, regelmäßige Berufsberatung am Standort der Schule).

Eine Schlüsselfunktion nehmen die Zukunftsgespräche im 10. Jahrgang ein. Dabei wird ein verbindlicher Fahrplan entwickelt, in einem Beratungsgespräch mit dem Schüler und seinen Eltern, dem Klassenlehrer, der Berufsberatung der Agentur für Arbeit und dem Schullaufbahnberater). So sollen möglichst viele Schülerinnen und Schüler den Weg in die Ausbildung finden und ihre Anschlussperspektive nach der 10. Klasse kennen.“

Für Joachim Ossmann als Leiter der Arbeitsagentur sind diese Mühen der Schule um die Berufsorientierung der Jugendlichen bestens investierte Zeit: „Aus unserer Sicht gilt es unbedingt zu verhindern, dass junge Menschen nach der Schule ihr Erwerbsleben mit Arbeitslosigkeit beginnen. Das ist eine fatale Weichenstellung! Ein Ausbildungsplatz sichert dagegen die eigene Qualifikation und damit den zukünftigen Arbeitsplatz.“