05.01.2021 | Presseinfo Nr. 2

Erste Jahresergebnisse zum Arbeitsmarkt 2020 im Bezirk der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven

43.134 Arbeitslose im Jahresdurchschnitt / Arbeitslosenquote auf 10,1 Prozent gestiegen/ Zunahme der jahresdurchschnittlichen Arbeitslosenzahl in den Städten Bremen, Bremerhaven und im Landkreis Osterholz

Arbeitslosenzahl im Jahresdurchschnitt: 43.134

Veränderung gegenüber Vorjahr: +5.412 bzw. +14,3 %

Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt: 10,1 %

Veränderung gegenüber Vorjahr: +1,1 %

Arbeitslosigkeit 2020 gestiegen

Im Berichtsjahr 2020 hat die durchschnittliche Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk Bre-men-Bremerhaven im Vergleich zum Vorjahr Corona bedingt zugenommen. Mit im Jahresdurchschnitt 43.134 arbeitslos gemeldeten Personen ist die Arbeitslosigkeit im Bezirk der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven gegenüber dem Vorjahr um 5.412 Personen oder +14,3 Prozent gestiegen.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf zeigt steilen Anstieg mit Beginn der Pandemie und mehrmonatigen Rückgang von höherem Niveau.

Betrachtet man die Entwicklung der Differenzen des Arbeitslosenbestandes zum je-weiligen Vorjahresmonat, zeigt sich, dass die Abstände nach dem massiven An-stieg mit Beginn der Corona-Pandemie bis zum Jahresende fast das Niveau des Ausgangsmonats April wieder erreicht.

Arbeitslosenquote 2020 gestiegen

Die durchschnittliche Arbeitslosenquote betrug im Jahr 2020 10,1%. Gegenüber dem Vorjahr gab es einen Anstieg um 1,1 Prozentpunkte.

Auswirkungen der Corona-Pandemie bezogen auf den Anstieg der Arbeitslosigkeit regional nahezu gleich

Stadt Bremen: Im Berichtsjahr 2020 ist die durchschnittliche Arbeitslosigkeit in der Stadt Bremen gestiegen. Mit 32.456 arbeitslos gemeldeten Personen ist die Arbeits-losigkeit in der Stadt Bremen gegenüber dem Vorjahr um 4.074 Personen oder +14,4 Prozent gestiegen. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote betrug im Jahr 2020 in der Stadt Bremen 10,7%. Gegenüber dem Vorjahreswert 2019 ist sie um 1,2 Prozentpunkte gestiegen.

Stadt Bremerhaven: In der Stadt Bremerhaven ist durchschnittliche Arbeitslosigkeit im Jahr 2020 mit 8.367 Personen gegenüber dem Vorjahr (7.320) um 1.046 Perso-nen oder +14,3% gestiegen. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote betrug im Jahr 2020 in der Stadt Bremerhaven 13,8% und lag damit um 1,6 Prozentpunkte über dem Durchschnittsjahreswert des Vorjahres.

Landkreis Osterholz: Im Berichtsjahr 2020 hat die durchschnittliche Arbeitslosigkeit im Landkreis Osterholz zugenommen. Mit im Jahresdurchschnitt 2.312 arbeitslos gemeldeten Personen ist die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahr um 291 Personen oder +14,4 Prozent gestiegen. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote betrug im Jahr 2020 3,8% und lag damit um 0,5 Prozentpunkte über der Jahresdurchschnittsarbeitslosenquote des Vorjahres.

Kurzarbeit entscheidendes Instrument zur Dämpfung der Corona-Pandemie-Folgen

Der massive Einsatz von Kurzarbeit hat im Jahr 2020 den Arbeitsmarkt wesentlich stabilisiert und eine steigende Welle von Entlassungen verhindert.

Die Auswertung der realisierten Kurzarbeit zeigt unterschiedliche Verläufe der Be-troffenheit von KurzarbBezogen auf die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung differieren die Anteile der von Kurzarbeit betroffenen Beschäftigten an der Gesamtbeschäftigung im jewei-ligen Wirtschaftszweig sehr stark. So waren z.B. im Mai über 70% aller Beschäftigten im Gastgewerbe von Kurzarbeit betroffen. Jeder vierte Beschäftigte in der Zeitarbeit und in der Logistik arbeitete verkürzt. Im Handel war jeder fünfte Arbeitnehmer und im Verarbeitenden Gewerbe jeder dritte Beschäftigte von Kurzarbeit betroffen.

Zielgruppen 2020 unterschiedlich von Arbeitsmarktentwicklung betroffen

Jugendarbeitslosigkeit gestiegen, Altersgruppen unterschiedlich stark betroffen

Die Arbeitsmarktentwicklung vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, hat im ver-gangenen Jahr zu einem Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit geführt. Mit im Jahres-durchschnitt 4.468 Jugendlichen waren in der Altersgruppe der 15 bis unter 25-Jäh-rigen jahresdurchschnittlich 723 Jugendliche mehr arbeitslos als ein Jahr zuvor (+19,3 Prozent). Die differenzierte Betrachtung zeigt, dass die Altersgruppe der 20 bis unter 25-Jährigen Jugendlichen mit +20,5% oder jahresdurchschnittlich 624 mehr betroffene Personen, deutlich stärker zum Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit beige-tragen hat als die Altersgruppe der 15 bis unter 20-jährigen Jugendlichen. Hier gab es einen unterdurchschnittlichen Anstieg um 12,4 oder +99 Jugendliche mehr.

Die Ursache für die unterschiedliche Betroffenheit lag im Wegfall typischer Beschäf-tigungsmöglichkeiten im Servicebereich, bzw. Arbeitnehmerüberlassung durch die Corona-Pandemie für junge Erwachsene.

Frauen weniger betroffen

Obwohl es mehr arbeitslos gemeldete Frauen gab, waren Frauen im Vergleich zu Männern im vergangenen Jahr von der durch die Corona-Pandemie geprägten Ar-beitsmarktentwicklung weniger betroffen. Die Zahl der jahresdurchschnittlich arbeits-los gemeldeten Frauen nahm von 16.483 Personen im Jahr 2019 auf 18.571 in 2020 zu. Die prozentuale Zunahme der Frauenarbeitslosigkeit lag mit +12,7% unterhalb der Zunahme der Arbeitslosigkeit der Männer (+15,6%) und unterhalb der Zunahme der allgemeinen Arbeitslosigkeit von +14,3%. Die Ursache dafür liegt mit hoher Wahr-scheinlichkeit in der überproportionalen Beschäftigung von Frauen in systemrelevan-ten Dienstleistungsbereichen, die von der Corona-Pandemie nicht so stark betroffen sind.

Chancen für Langzeitarbeitslose eingeschränkt

Menschen mit längerer Unterbrechung der Erwerbstätigkeit fanden im letzten Jahr weniger Wiedereinstiegschancen auf dem Arbeitsmarkt vor. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen stieg von durchschnittlich 15.028 Personen im Jahr 2019 um 1.676 Personen auf 16.704 Personen im Jahresdurchschnitt 2020 (+11,2%).

Ausländer von Lock-Down Maßnahmen in Dienstleistungsbetrieben betroffen, Schwerbehindertenzahl ist gestiegen

Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosigkeit von Ausländern hat in 2020 mit 16.875 Betroffenen im Vergleich zu 14.172 betroffenen Personen in 2019 um 2.703 Perso-nen oder +19,1% deutlich zugenommen. Ursache hierfür war die überproportionale Beschäftigung von Ausländern in von den Corona Maßnahmen besonders betroffe-nen Dienstleistungsunternehmen.

Die Zahl der schwerbehinderten Arbeitslosen ist im Jahresdurchschnitt 2020 um 86 Personen, oder +5,2 Prozent gestiegen.

Statement zum Rückblick auf das Jahr 2020:

Joachim Ossmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bre-men-Bremerhaven: „Die Corona-Pandemie war auch auf dem Arbeitsmarkt der beherrschende Einflussfaktor im letzten Jahr. Mit Beginn der Corona-Pandemie im März kam es zunächst zu einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit, der durch den massiven Einsatz von Kurzarbeit gebremst wurde. Im weiteren Verlauf ging die Arbeitslosigkeit bis zum Jahresende von einem höheren Niveau wieder zurück und zeigte bis zum Jahresende sogar die saisontypische Dynamik. Auch der 2. Lock-Down ab Anfang November führte nicht zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahl. Der stabilisierende Effekt der Kurzarbeit zeigt sich auch darin, dass es trotz schwieriger Konjunkturlage weniger Zugänge in Arbeitslosigkeit aus Beschäftigung am 1. Ar-beitsmarkt gab. Insgesamt meldeten sich in 2020 knapp 27.000 Menschen aus Be-schäftigung arbeitslos. Dagegen war die Beendigung der Arbeitslosigkeit durch Arbeitsaufnahme auf dem 1. Arbeitsmarkt in einigen Wirtschaftszweigen im Vergleich zum Vorjahr erschwert. Besondern betroffen waren hier das Hotel- und Gaststätten-gewerbe, sowie der Veranstaltungs- und Kulturbereich. Insgesamt konnten im Bezirk der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven gut 21.000 Menschen im letzten Jahr ihre Arbeitslosigkeit durch Beschäftigungsaufnahmen am 1. Arbeitsmarkt beenden. (-7,4%). Im Ergebnis waren im Jahresdurchschnitt 2020 fast 5.500 mehr Personen im Arbeitsagenturbezirk arbeitslos gemeldet als im Vorjahr. In Bremen, Bremer-haven und im Landkreis Osterholz war die Entwicklung hinsichtlich der durchschnitt-lichen Arbeitslosenbestandserhöhung mit + 14,4%, bzw. 14,3% annähernd gleich. Die der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven gemeldete Arbeitskräftenachfrage ist im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr um fast ein Viertel zurückgegangen. Erfreu-licherweise hat der Zugang offener Stellen zum Jahresende aber wieder angezogen und im Dezember sogar das Vorjahresniveau leicht überschritten."

Arbeitskräftenachfrage gesunken

Im Jahr 2020 wurden der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven von den Betrieben insgesamt 16.492 Stellen zur Besetzung aufgegeben. Das waren 5.212 Stellen oder -24,0 Prozent weniger als im Vorjahr 2019. Betrachtet man den Verlauf der Arbeitskräftenachfrage im Jahr 2020, zeigt sich, dass sich der Stellenzugang nach einem Einbruch zu Beginn der Corona-Pandemie zum Jahresende bis auf das Vorjahresniveau erholt hat.

Stellenbestand ebenfalls rückläufig

Der jahresdurchschnittliche Stellenbestand lag in 2020 mit 6.376 Stellen um 1.753 Stellen oder -21,6% unter dem Durchschnittsbestand des Vorjahres.

Unterbeschäftigung

Aktuelle Jahreszahlen zur Unterbeschäftigung liegen noch nicht vor.

Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen

Aktuelle Jahreszahlen zu arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen liegen noch nicht vor.

Statement zum Ausblick auf das Jahr 2021

Vor dem Hintergrund der Entwicklung des Vorjahres blickt Joachim Ossmann verhal-ten optimistisch auf das neue Jahr: „Die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hängt wesentlich davon ab, welche Maßnahmen mit welcher Dauer zur Pandemiebe-kämpfung noch ergriffen werden müssen und wie lange die Unternehmen mit Kurzarbeit und staatlichen Hilfen, die Zeit der Pandemie noch überbrücken können. Bis-her konnte der Arbeitsmarkt durch Kurzarbeit gut stabilisiert werden. Positiv ist auch, dass sich die Arbeitskräftenachfrage zum Jahresende hin bis auf das Vorjahresniveau erholt hat. Ein Unsicherheitsfaktor ist, ob der Substanzverlust bei Unternehmen zu einer größeren Insolvenzwelle in diesem Jahr führt. Eine Vorhersage zur Arbeits-marktentwicklung ist daher schwierig. Positiv wird sich sicher die Impfkampagne auswirken. Sobald diese abgeschlossen ist, werden viele bisher beschränkte Geschäfts-modelle wieder tragfähig sein. Unternehmen wie Beschäftigten und derzeit Arbeitslosen rate ich, die Zeit der Pandemie zu gut wie möglich auch für die Weiterbildung zu nutzen. Die Corona-Pandemie hat den ohnehin bestehenden Trend zur Digitalisierung deutlich beschleunigt. Die Anforderungen an Beschäftigte und Unternehmen, sich zukünftig erfolgreich im Wirtschaftsleben zu behaupten, werden nach Corona gestiegen sein. Die Agentur für Arbeit Bremen –Bremerhaven wird diesen Wandel durch das neue Angebot der Berufsberatung im Erwerbsleben und die Fördermöglichkeiten, die das Qualifizierungschancengesetzt bietet, nach Kräften unterstützen."