30.06.2021 | Presseinfo Nr. 47

Bhv.:Über 80 Prozent des Weges zum Vor-Corona-Niveau geschafft

Arbeitslosenzahl (Juni 2021, Bremerhaven): 7.861

Veränderung gegenüber Vormonat: -176 bzw. -2,2 %

Veränderung gegenüber Vorjahresmonat: -1.007, bzw. -11,4%
Arbeitslosenquote (Vorjahreswert): 13,0 %    (14,6%)

Bremerhaven: Joachim Ossmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven: „Der Arbeitsmarkt hat im Juni einen weiteren großen Schritt in Richtung des Ausgangsniveaus vor der Corona-Pandemie getan: Betrachtet man die Differenz zwischen dem Ausgangsmonat März 2020 (7.682 Arbeitslose) vor der Corona Pandemie und dem Höchststand der Arbeitslosigkeit während Corona im letzten August (9.009 Arbeitslose) so kommt man auf einen Anstieg von über 1.300 Arbeitslosen. Jetzt im Juni beträgt die Differenz zum Vor-Corona-März nur noch 180 Arbeitslose, wir haben also gut über 80% des Weges zur Ausgangslage in Bremerhaven schon zurückgelegt.

Die Kurzarbeit spielt auch im Übergang zur Normalität in der Wirtschaft weiterhin eine große Rolle zur Vermeidung ansonsten eintretender Arbeitslosigkeit. Erfreulicherweise sind im Juni aber kaum noch neue Anzeigen für Kurzarbeit eingegangen. Mit den Lockerungen der Corona-Regeln wird die Kurzarbeit in weiten Teilen der Wirtschaft wieder an Bedeutung abnehmen. Ich gehe auch von weiter sinkenden Arbeitslosenzahlen aus.

Die Arbeitskräftenachfrage ist im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat um über 40 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum Mai waren die Impulse im Juni allerdings verhaltener, Rückgänge gab es in der Kräftenachfrage aus der Zeitarbeit und der Öffentlichen Verwaltung. Der Stellenbestand liegt insgesamt noch um ca. 300 Stellen unter dem Ausgangswert vor Corona, aber auch hier zeigt sich seit Monaten eine Aufholtendenz wie bei der Arbeitslosigkeit.“

Arbeitslosigkeit nähert sich dem Niveau vor Krisenbeginn

Im Juni befanden sich in Bremerhaven 7.861 Personen in der Erwerbslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit sank binnen Monatsfrist um 2,2 Prozent (-176 gemeldete Arbeitslose).

Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank die Arbeitslosigkeit um 1.007 Personen (-11,4 Prozent). Die Quote der Arbeitslosigkeit sank im Juni auf 13,0 Prozent und nähert sich damit der Quote des letzten Monats vor der Corona-Krise an (März 2020: 12,8%).

Im Juni 2020 lag die Quote noch bei 14,6%, im Juni 2019 vor der Krise dagegen bei 12,0%.

Bei allen betrachten Personengruppen zeigt sich im Juni ein Rückgang der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Krisenmonat vor einem Jahr. Die Spanne der Veränderungen reichte von -21,7 Prozent bei den 15 bis unter 25-Jährigen bis zu -1,6 Prozent bei den 50-Jährigen und älter.

Entgegen den Trend entwickelte sich die Langzeitarbeitslosigkeit. Sie lag auch im Juni deutlich über dem Vorjahreswert (+16,0%). Allerdings nahm das Plus im Vergleich zu den Vormonaten weiter ab (Mai: +21,5%, April: +28,2%, März: +30,6%). Insgesamt zählten im Juni 3.616 Menschen in Bremerhaven als Langzeitarbeitslose, das waren 498 Personen mehr als vor einem Jahr.

Bestand an freien Stellen wächst

Der Bestand insgesamt an freien Stellen liegt mit 1.186 Arbeitsangeboten über dem Niveau des Vormonats (+27 Stellen oder +2,3%) und über dem Niveau des Vorjahres (+174 Stellen oder +17,2%). Im Berichtsmonat meldeten die Betriebe in der Stadt Bremerhaven insgesamt 298 neue Stellen an die Arbeitsagentur zur Besetzung. Das waren 31 Stellen (-9,4 Prozent) weniger als im Mai. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es allerdings einen Anstieg um 90 neu gemeldete Stellen (+43,3%).

Den deutlichsten Rückgang an gemeldeten Stellen gab es binnen Monatsfrist in der Zeitarbeit (-57 Stellen) sowie aus der Öffentl. Verwaltung/Sozialversicherung (-16 Stellen). Mehr Stellen meldeten insbesondere die freiberufl. und wissenschaftl. Dienstleistungen (+13 Stellen) sowie das Gesundheits- und Sozialwesen (+11 Stellen). 

Anzahl neuer Anzeigen von Kurzarbeit gering

Die Betriebe müssen gemäß § 99 SGB III grundsätzlich vor Beginn der Kurzarbeit eine Anzeige erstatten. Diese werden dann geprüft und zum Beispiel um doppelte Anzeigen bereinigt. Valide Zahlen zur tatsächlichen Kurzarbeit liegen insgesamt erst mit einem Zeitverzug von fünf Monaten vor.

Aktuell liegen Zahlen für geprüfte Anzeigen bis zum Stichtag 24. Juni vor. Im Juni gingen aus Bremerhaven bei der Arbeitsagentur 8 neue Anzeigen für Kurzarbeitergeld ein, betroffen davon wären maximal 192 Personen. Vergleicht man die aktuelle Corona-Lage mit dem Vorjahr, zeigt sich die unterschiedliche Dynamik. Von März bis Juni 2020 zeigten 1.067 Unternehmen für maximal 22.850 Personen Kurzarbeit an. Aktuell dagegen im Jahr 2021 zeigten von März bis Juni nur 74 Unternehmen für max. 1.362 Mitarbeitende Kurzarbeit an.

Wie hoch die tatsächliche Inanspruchnahme der Kurzarbeit ist, zeigt sich erst in den auf die Anzeigen nachfolgenden Monaten. Valide Zahlen zur tatsächlichen Kurzarbeit liegen daher erst mit einem Zeitverzug von fünf Monaten vor. Derzeit liegen die Daten für Dezember 2020 vor. Damals lag die tatsächlich realisierte, konjunkturelle Kurzarbeit in der Seestadt bei 481 Betrieben mit 4.649 betroffenen Kurzarbeitenden.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen:

Jobcenter (Sozialgesetzbuch II): Beim Jobcenter in der Stadt Bremerhaven waren im Juni 6.174 Arbeitslose gemeldet. Im Vergleich zum Vormonat sank die Zahl derjenigen, die auf die Grundsicherung angewiesen sind, um 1,1 Prozent (oder -71 Personen). Gegenüber dem Vorjahr sank die Zahl der beim Jobcenter arbeitslos gemeldeten um 361 Personen (-5,5 Prozent).

Agentur für Arbeit (Sozialgesetzbuch III):  In der Stadt Bremerhaven waren im Juni mit 1.687 Arbeitslosen weniger Menschen im Rechtskreis SGB III bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet als im Vormonat (-105 Personen oder -5,9%). Die Zahl der Arbeitslosen liegt deutlich niedriger als im Pandemiemonat Juni 2020 (-646 Personen oder -27,7%).

Maßnahmenangebot unterstützt den Arbeitsmarkt

2.201 Personen nahmen im Juni in Bremerhaven an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters teil. Das war eine ähnliche Teilnehmerzahl wie im Vormonat (-23 Personen oder -1,0%).

Anders als vor zwölf Monaten nutzten nun deutlich mehr Teilnehmende Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik (+182 Personen oder +9,0%). Besonders stark war der Anstieg im Bereich „Aufnahme einer Erwerbstätigkeit“ (+31,8%) und in der „Beruflichen Weiterbildung“ (+25,5%).

Umfang der Unterbeschäftigung   

Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven Angaben zur Unterbeschäftigung. Dazu zählen zusätzlich zu den Arbeitslosen solche Personen, die nach der gesetzlichen Statistik nicht als arbeitslos gelten, aber z.B. im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden*.

Nach dieser Definition waren gemäß den vorläufigen Angaben im Juni 10.500 Personen im Agenturbezirk Bremerhaven unterbeschäftigt. Das waren 187 Personen (oder -1,7%) weniger als im Vormonat und 859 Personen (oder -7,6 Prozent) weniger als vor einem Jahr.

Ausbildungsmarkt im Juni: Mehr Bewerber treffen auf weniger freie Stellen

Von Oktober 2020 bis Juni 2021 haben sich in der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Bremerhaven 1.178 Bewerber für eine Berufsausbildung gemeldet. Das waren 57 Jugendlicher mehr (+5,1%) als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der gemeldeten Berufsausbildungsstellen lag mit 853 Ausbildungsstellen in Bremerhaven im Juni unter dem Vorjahreswert (-113 Stellen oder -11,7%).

Die Kontakte zwischen Arbeitgebern und Ausbildungssuchenden auf der Suche nach passenden Partnern laufen noch. Der Juni zeigte somit nur ein Zwischenergebnis des Marktes: Im Vergleich zum Vorjahr waren mehr Bewerbende unversorgt und aktuell auf der Suche (631 Personen insgesamt, +15 Personen oder +2,4% zu 2020) und weniger Stellen sind noch unbesetzt (340 Ausbildungsstellen insgesamt, -130 Stellen oder -27,7% zu 2020).

* Dazu gehören Personen in Arbeitsmarktmaßnahmen, beruflicher Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten, Grün-dungszuschuss, Altersteilzeit etc. Aufgrund der Vorläufigkeit der Daten zur Maßnahmeteilnahme können sich hier in den kommenden Monaten noch Änderungen ergeben. Nicht enthalten sind Beschäftigte in Kurzarbeit, weil diese Daten erst mit mehrmonatiger zeitlicher Verzögerung erhoben werden können.

Statement zum Ausbildungsmarkt

Joachim Ossmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven: „Auf dem Ausbildungsmarkt Bremerhaven zeigt sich das Ungleichgewicht zwischen Ausbildungsangebot und –nachfrage nun mit der Corona-Pandemie deutlicher. So sind bei der Agentur für Arbeit Bremerhaven bis Juni mit 853 Berufsausbildungsstellen 11,7% weniger Ausbildungsplätze zur Besetzung gemeldet als im Vorjahr. Dagegen ist die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplatzbewerber um 57 Personen oder +5,1% auf gut 1.178 Ausbildungssuchende weiter gestiegen. Es ist trotz Pandemie gelungen, den Kontakt zu den jungen Leuten zu halten. Der gute Kontakt unserer Berufsberatung in der Jugendberufsagentur zu den Jugendlichen vor der Berufswahl hat weiter funktioniert.

Unter dem Motto „Nicht ohne Ausbildungsplatz in die Ferien“ werden wir in Bremerhaven im Juli noch eine große telefonische Ausbildungsplatzaktion veranstalten. Wer für dieses Jahr noch einen Ausbildungsplatz sucht und bisher noch keinen Kontakt zur Berufsberatung hatte, dem rate ich daher dringend, unter Tel. 0471 - 9449 - 111 Kontakt zur Berufsberatung in der Jugendberufsagentur aufzunehmen. Die Chancen stehen gut: Noch gibt es in der Region Bremerhaven/Bremen/Osterholz mehr als 1.800 offene Ausbildungsplätze in fast 180 Berufen für dieses Jahr!“