30.09.2021 | Presseinfo Nr. 70

Arbeitslosenquote mit 12,8% wieder auf Vor-Corona-Niveau gesunken

Bremerhaven: Joachim Ossmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven: „Die Arbeitslosigkeit hat im September deutlich abgenommen. Ursachen dafür waren neben der positiven Arbeitsmarktentwicklung zu einem großen Anteil der Beginn von schulischen und betrieblichen Ausbildungen. Entsprechend hoch ist auch der Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit um beinahe 20 Prozent ausgefallen. Zudem starteten nach den Sommerferien wieder mehr Teilnehmende in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Sie zählen in dieser Zeit statistisch nicht als arbeitslos und reduzieren somit ebenfalls die Gesamtzahl der Arbeitslosen.

Aktuell liegt die Arbeitslosenquote erfreulicherweise mit 12,8% wieder auf dem Niveau vor der Corona-Krise im März 2020.

Die Kurzarbeit trägt im Normalisierungsprozess in der Wirtschaft auch weiterhin zur Vermeidung ansonsten eintretender Arbeitslosigkeit bei. Die Zahl der neuen Anzeigen für Kurzarbeit lag im September mit acht Anzeigen für maximal 388 Mitarbeitende unter der des Vorjahres. Im September 2020 gab es 11 Anzeigen, allerdings für nur 63 voraussichtlich von Kurzarbeit Betroffene.

Die Arbeitskräftenachfrage ist im September gegenüber dem Vorjahresmonat kräftig, d.h. um rund 30%, auf 342 Stellenzugänge gestiegen. Deutliche Nachfrageimpulse gab es im September aus dem Dienstleistungsbereich, dem Verarbeitenden Gewerbe und der öffentlichen Verwaltung. Weiter gestiegen ist damit die Gesamtzahl der zur Besetzung gemeldeten offenen Stellen. Sie liegt mit 1.324 um knapp ein Fünftel über dem Vorjahr.“

Arbeitslosigkeit sank im September auf Vor-Krisen-Niveau

Im September befanden sich in Bremerhaven 7.684 Personen in der Erwerbslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit sank binnen Monatsfrist um 3,4 Prozent (-270 gemeldete Arbeitslose). Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank die Arbeitslosigkeit um 1.050 Personen (-12,0 Prozent). Die Quote der Arbeitslosigkeit sank im September auf 12,8 Prozent. Nach Ende der Ferienzeit fanden typisch für den Jahresverlauf insbesondere jüngere Arbeitslose wieder in Arbeit. Im Anschluss an die Schule oder die Ausbildung starteten sie nun ihren nächsten beruflichen Schritt. Die Arbeitslosigkeit in der Gruppe der Jüngeren (15 bis unter 25 Jahre) sank mit -18,4% (oder -161 Personen) binnen Monatsfrist deutlich überproportional (Rückgang insgesamt: -3,4%). 

Verglichen mit dem Vorjahr zeigt sich der Arbeitsmarkt in diesem September in besserer Verfassung. Für alle betrachten Personengruppen brachte er einen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Die Spanne der Veränderungen reichte von -18,9 Prozent bei den 15 bis unter 25Jährigen bis zu -0,1 Prozent bei den 50-Jährigen und älter.

Angebot an freien Stellen ist gewachsen

Der Bestand insgesamt an freien Stellen lag mit 1.324 Arbeitsangeboten über dem Niveau des Vormonats (+71 Stellen oder +5,7%). Im Vergleich zum von Lockdowns geprägten September des Vorjahres lag das Stellenniveau nun weit höher (+210 Stellen oder +18,9%).

Im Berichtsmonat meldeten die Betriebe in der Stadt Bremerhaven insgesamt 342 neue Stellen an die Arbeitsagentur zur Besetzung. Das waren acht neue Stellen (+2,4 Prozent) mehr als im August und 78 neue Stellen mehr (+29,5%) als im September 2020.

Den deutlichsten Anstieg an gemeldeten Stellen gab es binnen Monatsfrist im Bereich der Dienstleistungen (freiberuflich / wissenschaftlich / technisch/) mit 32 Stellen, der Öffentlichen Verwaltung (+14 Stellen) und im Verarbeitenden Gewerbe (+14 Stellen). Weniger Stellen meldeten insbesondere die Zeitarbeit (-54 Stellen). 

Nur wenige neue Anzeigen von Kurzarbeit

Die Betriebe müssen gemäß § 99 SGB III grundsätzlich vor Beginn der Kurzarbeit eine Anzeige erstatten. Diese werden dann geprüft und zum Beispiel um doppelte Anzeigen bereinigt. Valide Zahlen zur tatsächlichen Kurzarbeit liegen insgesamt erst mit einem Zeitverzug von fünf Monaten vor.

Aktuell liegen Zahlen für geprüfte Anzeigen bis zum Stichtag 26. September vor. Im September gingen acht neue Anzeigen für Kurzarbeitergeld aus Bremerhaven bei der Arbeitsagentur ein. Betroffen von Kurzarbeit wären dadurch maximal 388 Personen. Verglichen mit dem Vorjahr zeigt sich die Entspannung deutlich. Damals, von März bis September 2020, zeigten 1.099 Unternehmen für maximal 23.929 betroffene Personen Kurzarbeit an. In diesem Jahr dagegen zeigten von März bis September nur 88 Unternehmen für max. 1.899 Mitarbeitende Kurzarbeit an.

Wie hoch die tatsächliche Inanspruchnahme der Kurzarbeit ist, zeigt sich erst in den auf die Anzeigen nachfolgenden Monaten. Valide Zahlen zur tatsächlichen Kurzarbeit liegen daher erst mit einem Zeitverzug von fünf Monaten vor. Derzeit liegen die Daten für März 2021 vor. Damals lag die tatsächlich realisierte, konjunkturelle Kurzarbeit in der Seestadt bei 489 Betrieben mit 5.871 betroffenen Kurzarbeitenden.

Arbeitslosigkeit sinkt in beiden Rechtskreisen:

Jobcenter (Sozialgesetzbuch II): Beim Jobcenter in der Stadt Bremerhaven waren im September 6.115 Arbeitslose gemeldet. Im Vergleich zum Vormonat sank die Zahl derjenigen, die auf die Grundsicherung angewiesen sind, um 162 Personen (oder -2,6 Prozent). Gegenüber dem Vorjahr sank die Zahl der beim Jobcenter arbeitslos gemeldeten um 234 Personen (-3,7 Prozent).

Agentur für Arbeit (Sozialgesetzbuch III):  In der Stadt Bremerhaven waren im September mit 1.569 Arbeitslosen weniger Menschen im Rechtskreis SGB III bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet als im Vormonat (-108 Personen oder -6,4%). Die Zahl der Arbeitslosen lag um deutliche 34,2 Prozent unter der des Pandemiemonats September 2020 (-816 Personen).

Über 2.300 Menschen nutzen Maßnahmenangebot  

2.332 Personen nahmen im September in Bremerhaven an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters teil. Das waren 197 Teilnehmende mehr als im Vormonat (+9,2%).

Anders als vor zwölf Monaten nutzten im September 232 Teilnehmende mehr Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik (+11,0%). Besonders stark war binnen Monatsfrist der Anstieg der Teilnehmerzahlen im Bereich „Aufnahme einer Erwerbstätigkeit“ (+10,1%) und in der Beruflichen Weiterbildung (+8,3%).

Umfang der Unterbeschäftigung geht zurück   

Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven Angaben zur Unterbeschäftigung. Dazu zählen zusätzlich zu den Arbeitslosen solche Personen, die nach der gesetzlichen Statistik nicht als arbeitslos gelten, aber z.B. im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden*.

Nach dieser Definition waren gemäß den vorläufigen Angaben im September 10.347 Personen im Agenturbezirk Bremerhaven unterbeschäftigt. Das waren 265 Personen (oder -2,5%) weniger als im Vormonat und 915 Personen (oder -8,1 Prozent) weniger als vor einem Jahr.

Ausbildungsmarkt

Das Geschäftsjahr der Berufsberatung endet am 30.09. und damit nach dem statistischen Zähltag für den aktuellen Berichtsmonat. Die Daten zur Bilanz am Ausbildungsmarkt zum 30.09. werden erst im Rahmen der Arbeitsmarktberichterstattung für den Oktober am 28.10.2021 veröffentlicht.

* Dazu gehören Personen in Arbeitsmarktmaßnahmen, beruflicher Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten, Grün-dungszuschuss, Altersteilzeit etc. Aufgrund der Vorläufigkeit der Daten zur Maßnahmeteilnahme können sich hier in den kommenden Monaten noch Änderungen ergeben. Nicht enthalten sind Beschäftigte in Kurzarbeit, weil diese Daten erst mit mehrmonatiger zeitlicher Verzögerung erhoben werden können.