19.01.2021 | Presseinfo Nr. 8

Arbeitsmarkt 2020 in Bremerhaven musste rund 1.000 Arbeitslose mehr verkraften

Arbeitslosenzahl im Jahresdurchschnitt: 8.367

Veränderung gegenüber Vorjahr: +1.046 bzw.  +14,3 %

Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt:13,8%
Veränderung gegenüber Vorjahr: +1,6%                         



 

Trotz Corona Anstieg der Arbeitslosigkeit unter Bundesschnitt

In der Stadt Bremerhaven lag die durchschnittliche Arbeitslosigkeit im Jahr 2020 bei 8.367 Personen, ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 1.046 Personen oder +14,3%. Bundesweit stieg die Arbeitslosigkeit dagegen um 18,9%, auch in der Stadt Bremen lag sie leicht höher (14,4%).

Die durchschnittliche Arbeitslosenquote betrug im Jahr der Corona-Pandemie in der Stadt Bremerhaven 13,8%. Damit lag die Quote um 1,6 Prozentpunkte über dem Durchschnittsjahreswert des Vorjahres 2019.

Statement

Joachim Ossmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bre-men-Bremerhaven: „Die Corona-Pandemie war auch auf dem Arbeitsmarkt in Bremerhaven der beherrschende Einflussfaktor im letzten Jahr. Mit Beginn der Corona-Pandemie im März kam es zunächst zu einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit, der durch den massiven Einsatz von Kurzarbeit gebremst wurde. Im weiteren Verlauf ging die Arbeitslosigkeit bis zum Jahresende von einem höheren Niveau wieder zurück und zeigte bis zum Jahresende sogar die saisontypische Dynamik. Auch im Dezember sank noch die Arbeitslosigkeit. Der stabilisierende Effekt der Kurzarbeit zeigt sich auch darin, dass es trotz schwieriger Konjunkturlage deutlich weniger Zugänge in Arbeitslosigkeit aus Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt gab. Insgesamt meldeten sich in 2020 rund 5.200 Bremerhavener aus Beschäftigung arbeitslos. Das waren 20,3 Prozent weniger als im Jahresdurchschnitt 2019.

Wer allerdings arbeitslos wurde, fand nun schwerer den Weg zurück in den 1. Arbeitsmarkt. Schwieriger als im Vorjahr war die Aufnahme einer neuen Beschäftigung insbesondere im Bereich Verkehr und Lagerei, im Hotel- und Gastgewerbe sowie im verarbeitenden Gewerbe und im Veranstaltungs- und Kulturbereich. Insgesamt konnten im Bezirk der Agentur für Arbeit Bremerhaven rund 4.350 Menschen im letzten Jahr ihre Arbeitslosigkeit durch Beschäftigungsaufnahmen am 1. Arbeitsmarkt beenden (-20,0%). Im Ergebnis waren im Jahresdurchschnitt 2020 gut 1.000 Personen mehr in Bremerhaven arbeitslos gemeldet als im Vorjahr. Der Anstieg lag bei +14,3 Prozent, er ist vergleichbar mit der Entwicklung in Bremen und im Landkreis Osterholz (beide +14,4%). Die der Agentur für Arbeit Bremerhaven gemeldete Arbeitskräftenachfrage ist im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr um fast ein Fünftel zurückgegangen. Erfreulicherweise hatte der Zugang offener Stellen zum Jahresende aber wieder angezogen und im Dezember sogar das Vorjahresniveau überschritten.“

Kurzarbeit entscheidendes Instrument zur Dämpfung der Corona-Pandemie-Folgen

Der massive Einsatz von Kurzarbeit hat im Jahr 2020 den Arbeitsmarkt wesentlich stabilisiert und eine steigende Welle von Entlassungen verhindert.

(Hinweis zur Statistik: Die regionale und wirtschaftsfachliche Zuordnung der Daten in der Statistik über Kurzarbeit enthält Unschärfen, die sich umso stärker auswirken können, je differenzierter (regional und wirtschaftsfachlich) die Auswertungen sind. Das liegt daran, dass die Anzeige und Abrechnung von Kurzarbeit je nach betrieblicher Organisationsstruktur auch regional übergreifend (d. h. für mehrere Unternehmensstandorte) oder durch einen Unternehmensteil mit abweichender wirtschaftsfachlicher Zuordnung (z.B. einen Betrieb zur Personalabrechnung) vorgenommen werden kann.)

Im April waren nach den realisierten Zahlen für Bremerhaven mit 10.648 Personen die meisten Menschen in Kurzarbeit. Über ein Viertel (27%) kamen aus dem Gastgewerbe (Hotellerie und Gastronomie), fast ein Fünftel (18%) aus dem Bereich Verkehr/Lagerei. Aus dem Handel kamen 16% der Kurzarbeitende und aus dem Bereich Dienstleistungen 10,0%.

Arbeitslosigkeit nach den Rechtskreisen und Unterbeschäftigung

Fast ein Drittel mehr Kunden in der Arbeitsagentur

In der Stadt Bremerhaven waren jahresdurchschnittlich 2.237 Personen bei der Agentur für Arbeit (nach Sozialgesetzbuch III (SGB III)) arbeitslos gemeldet, ein Anstieg zum Vorjahr um 533 Personen oder 31,3 Prozent.

Abhängigkeit von der Grundsicherung steigt ebenfalls

In Bremerhaven waren mit 6.130 Personen im zurückliegenden Jahresdurchschnitt 514 Arbeitslose (+9,1%) mehr im Jobcenter Bremerhaven gemeldet als im Vorjahr 2019.

        

Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven die umfassenderen Angaben zur Unterbeschäftigung. Dazu zählen zusätzlich zu den Arbeitslosen solche Personen, die nicht als arbeitslos gelten, aber z.B. im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden[1]. Nicht enthalten sind Beschäftigte in Kurzarbeit, weil diese Daten erst mit mehrmonatiger zeitlicher Verzögerung erhoben werden können.

Nach dieser Definition waren im Jahresdurchschnitt in Bremerhaven 11.035 Personen in der Unterbeschäftigung, darunter 8.367 Arbeitslose. Das waren 583 Personen mehr als im Vorjahr (10.452).

Die Unterbeschäftigungsquote im Jahresdurchschnitt stieg von 16,7 Prozent im Jahr 2019 auf 17,5 Prozent im Jahr 2020.

Beschäftigung leicht gesunken

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (ohne ausschließl. geringfügig Beschäftigte) lag bei 51.893 Personen (Stichtag 30. Juni 2020), eine Abnahme um -1,9% zum Vorjahreswert.

Betrachtet man nur die ausschließlich geringfügig Beschäftigten (6.365 Personen) so lag der Rückgang der Beschäftigung zum Vorjahr höher, bei -8,7 Prozent

Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten blieb unverändert bei 27,5%.

Stellenangebot geht um ein Fünftel zurück

Die Nachfrage nach Arbeitskräfte durch die Betriebe über die Agentur für Arbeit Bremerhaven ist 2020 gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Die Zahl der neu gemeldeten Stellen (Zugang) sank um ein Fünftel (19,9% oder -703 Stellen) auf 2.991 sozialversicherungspflichtige Stellen in der Jahressumme 2020. Betroffen sind alle Wirtschaftsbereiche bis auf die Öffentliche Verwaltung. Nur hier gab es einen Anstieg beim Stellenzugang, um 22,4% auf 262 Stellen in der Jahressumme.

Die Rückgänge fallen im Vergleich zu 2019 unterschiedlich stark aus. Im Baugewerbe sank das Angebot um – 47,8% auf 118 Stellen, im Gastgewerbe um -44,0% auf 107 Stellen, im Bereich Kunst und Unterhaltung um -30,8% auf 126 Stellen, im Bereich Erziehung und Unterricht um -30,0% auf 56 Stellen, im Verarbeitenden Gewerbe um -29,2% auf 235 Stellen, Bereich Verkehr und Lagerei -24,2% auf 113 Stellen, im Bereich der wirtschaftlichen Dienstleistungen -17,9% auf 398 Stellen, im Handel -14,5% auf 424 Stellen, im Gesundheits- und Sozialwesen um -12,1% auf 254 Stellen und in der Arbeitnehmerüberlassung um -12,2% auf 863 Stellen.   

Insgesamt fanden im Jahr 2020 Arbeitslose erschwert eine Beschäftigung auf dem 1. Arbeitsmarkt.  Insgesamt 4.345 ehemals Arbeitslose wechselten in die Erwerbstätigkeit, das waren 1.086 Personen oder -20,0 % weniger als 2019.

Arbeitsmarktanalyse nach besonderen Personengruppen:

Menschen aus Asylländern besonders vom Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen, Frauen eher weniger

Besonders ungünstig entwickelte sich das Jahr 2020 für die Gruppe der Ausländer. Sie traf die Verschlechterung des Arbeitsmarktes am härtesten. Die Zahl der arbeitslosen Ausländer ist mit + 22,3% oder +497 Personen überdurchschnittlich angestiegen. Im Jahresdurchschnitt waren 2.720 Ausländer arbeitslos.

Betrachtet nach Regionen war der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Menschen aus den Asylherkunftsländern um 29,8 % (+977 Personen) am stärksten. Bei Menschen aus dem EWR/Schweiz/Vereinigte Königreich stieg sie um 20,3 % (736 Personen) und bei Menschen aus sonstigen Drittstaaten (insbes. Türkei) stieg die Arbeitslosigkeit um 17,3% (667 Personen).

Bei den jungen Arbeitslosen unter 25 Jahren lag der Anstieg der Arbeitslosigkeit mit +18,7% (+125 Personen) ebenfalls über dem Gesamtanstieg von 14,3%. Die Zahl der arbeitslosen Jüngeren stieg auf jahresdurchschnittlich 794 Personen.

Auch die Gruppe der Langzeitarbeitslosen war von der Verschlechterung des Arbeitsmarkt 2020 überproportional betroffen. Ihre Jahresdurchschnittszahl lag bei 3.112 Personen, das bedeutet einen Anstieg um 15,4 Prozent oder 415 Personen.

Nur gering stieg die Arbeitslosigkeit in der Gruppe der schwerbehinderten Menschen. Vier Personen (oder +1,2%) mehr als im Jahr 2019 waren arbeitslos, insgesamt waren es 317 Personen.

Relativ gesehen weniger Auswirkungen hatten die Belastungen des Pandemie-Jahres auch auf die Erwerbslosigkeit bei den Frauen. Sie stieg unterdurchschnittlich an um 11,8% (Gesamtanstieg: 14,3%). Damit waren im Jahresdurchschnitt 2020 in Bremerhaven 3.431 Frauen arbeitslos.

Unterdurchschnittlich fiel auch der Anstieg der Arbeitslosigkeit mit +12,9 % für die Gruppe der sogenannten Geringqualifizierten im Jahr 2020 aus. Von allen Arbeitslosen waren im Jahresdurchschnitt nun 5.872 Personen geringqualifiziert.

Ausblick auf das Jahr 2021

Joachim Ossmann blickt vor dem Hintergrund der Entwicklung des Vorjahres verhalten optimistisch auf das neue Jahr: „Die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hängt wesentlich davon ab, welche Maßnahmen mit welcher Dauer zur Pandemiebekämpfung noch ergriffen werden müssen und wie lange die Unternehmen mit Kurzarbeit und staatlichen Hilfen die Zeit der Pandemie noch überbrücken können. Bisher konnte der Arbeitsmarkt durch Kurzarbeit gut stabilisiert werden. Positiv ist auch, dass sich der Zugang an neuen Stellen zum Dezember hin über das Vorjahresniveau hinaus erholt hatte und die Arbeitslosigkeit im Dezember für den Jahresverlauf sehr untypisch zurückging.

Ein Unsicherheitsfaktor ist, ob der Substanzverlust bei Unternehmen zu einer größeren Insolvenzwelle in diesem Jahr führt. Eine Vorhersage zur Arbeitsmarktentwicklung ist daher schwierig. Positiv wird sich sicher die Impfkampagne auswirken. Sobald diese abgeschlossen ist, werden viele bisher beschränkte Geschäftsmodelle wieder tragfähig sein.

Unternehmen wie Beschäftigten und derzeit Arbeitslosen rate ich, die Zeit der Pandemie so gut wie möglich auch für die Weiterbildung zu nutzen. Die Corona-Pandemie hat den ohnehin bestehenden Trend zur Digitalisierung deutlich beschleunigt. Die Anforderungen an Beschäftigte und Unternehmen, sich zukünftig erfolgreich im Wirtschaftsleben zu behaupten, werden nach Corona gestiegen sein. Die Agentur für Arbeit Bremen–Bremerhaven wird diesen Wandel durch das neue Angebot der Berufsberatung im Erwerbsleben und die Fördermöglichkeiten, die das Qualifizierungschancengesetzt bietet, nach Kräften unterstützen.“

Nina von Rittern, Geschäftsführerin des Jobcenters Bremerhaven: „Die Folgen der Pandemie und den damit verbundenen Eindämmungsmaßnahmen sind auch im Jobcenter Bremerhaven sichtbar. Gleichwohl konnte viel bewegt werden. Aufgrund der notwendig gewordenen Kontaktvermeidung zur Reduzierung von Infektionsketten sind wir seit Beginn der Corona-Pandemie durchgehend auf telefonischen, schriftlichen und digitalen Wegen unterstützend da. Auch persönliche Vorsprachen sind, da wo notwendig, bei vorheriger Terminierung möglich. Die positiven Kundenreaktionen zeigen uns, dass wir dabei unter nicht immer ganz einfachen Rahmenbedingungen Vieles richtig gemacht haben.

Neben der Gesundheit von Kund*innen und Mitarbeiter*innen, hat die schnelle und existenzsichernde Leistungsgewährung oberste Priorität. Beschäftigungsaufnahmen bleiben zwar hinter den Erwartungen zurück, sind aber mit insgesamt 2405 Integrationen durchaus besser gelungen als in anderen vergleichbaren Regionen. Dass über 100 abschlussorientierte Fortbildungen begonnen werden konnten, freut mich ganz besonders. Qualifizierung ist nach wie vor der wichtigste Schlüssel für eine nachhaltige und existenzsichernde Beschäftigung und essentiell für die Unternehmen vor Ort zur Deckung des Fachkräftebedarfs.

Auch die Bildungs- und Beschäftigungsträger haben schnell reagiert. Dazu zählen insbesondere die durchgeführten Maßnahmen zur Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen sowie die Umstellung auf alternative Lernformen. Ein ganz entscheidender Beitrag für die Menschen und die Verfolgung ihrer Ziele. Die Erfahrungen aus der Krise werden uns allen helfen, auch in 2021 die Stolpersteine für die Menschen auf ein Minimum zu reduzieren und sie auf dem Weg aus der Hilfebedürftigkeit bestmöglich zu unterstützen.

Für 2021 ist ein schönes Highlight bereits fest eingeplant. Im November soll der Umzug in den Neubau neben der Agentur für Arbeit erfolgen. Ich freue mich sehr, dass wir zukünftig in einem modernen Gebäude gemeinsam unter einem Dach und durch die kurzen Wege noch kundenfreundlicher arbeiten können. Die unmittelbare Nähe zu unserer Jugendberufsagentur sowie dem gemeinsamen Arbeitgeberservice gefällt mir dabei natürlich ganz besonders.“

Uwe Parpart, Stadtrat für Soziales und Menschen mit Behinderungen, sieht die größten Herausforderungen angesichts der Corona Pandemie und der damit verbundenen Kurzarbeit darin, die sozialen Folgen zu begrenzen.

Insbesondere liegt es ihm auch am Herzen, dass geflüchtete Menschen in unserer Stadtgesellschaft integriert werden sollen. Dazu werden geeignete Arbeitsmarktprojekte in Kooperation mit dem Integrationszentrum in der Wiener Straße vorbereitet

[1] Dazu gehören Personen in Arbeitsmarktmaßnahmen, beruflicher Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten, Gründungszuschuss, Altersteilzeit etc. Aufgrund der Vorläufigkeit der Daten zur Maßnahmeteilnahme können sich hier in den kommenden Monaten noch Änderungen ergeben.

Die Telefonnummern der Einstellungsberater am Aktionstag der Bundespolizei:

21. Januar von 16:00 Uhr bis 18:30 Uhr

0511 – 67675-5618*

0511 – 67675-5622*

*kostenpflichtig

Teamgeist, Zivilcourage, Entscheidungsvermögen, physische und psychische Belastbarkeit sowie bundesweite Mobilität sind nach Angaben der Bundespolizei Voraussetzungen für die Arbeit dort.

Die Einstellungsberater der Bundespolizei informieren an den Telefonen über die Laufbahnen im mittleren und gehobenen Polizeivollzugsdienst und beantworten die Fragen der Interessenten.

Wer an einem interessanten, vielseitigen, fordernden und krisensicheren Lebensberuf mit guten Aufstiegschancen interessiert ist, welcher bereits während der Ausbildung bzw. des Studiums gut vergütet wird, von dem möchte die Bundespolizei als zukünftigen Arbeitgeber auf jeden Fall gerne in Betracht gezogen werden.